Rückführung 2021 – Teil 2

10.09.2021, Stadthafen Rendsburg (Regatta-Verein Rendsburg)

Segensreicherweise sind die Streiks der GDL derzeit ausgesetzt, so dass wir mit vertretbarem Aufwand und wenigen Minuten Verspätung mit der Bahn nach Rendsburg kommen. Den Tag über hat es ordentlich geregnet, als wir jedoch an Bord unserer Hanna steigen, scheint die Sonne, wunderschön!

Wir haben uns angesichts der fortgeschrittenen Zeit dazu entschlossen, heute nicht mehr abzulegen, sondern uns einen Burger und ein schönes kühles Getränk im "Riverside" zu gönnen. Das Restaurant mit schönem Außenbereich befindet sich direkt am Hafen des Regatta-Vereins Rendsburg. Wir bekommen sogar noch einen Tisch auf dem Schwimmponton, mit Blick auf den Hafen und auf unser Schiff, angeleuchtet von der Abendsonne - traumhaft!

11.09.2021, Stadthafen Rendsburg (Regatta-Verein Rendsburg) - Motor- u. Yachtclub Stade

Heute heißt es früh aufstehen, denn wir wollen heute noch bis in die Schwinge zum Motor- und Yachtclub Stade, wo heute das "Absegeln" unseres Vereines stattfindet. Beim Verlassen des Hafens sehen wir die neue Schwebefähre für die Kanalquerung an der Eisenbahnhochbrücke, die vor wenigen Tagen hier angekommen war. Die alte Schwebefähre war 2016 bei einer Kollision mit einem vorbeifahrenden Seeschiff zu Schaden gekommen und war nicht mehr, aus wirtschaftlicher Sicht, zu reparieren.  Am frühen Nachmittag erreichen wir die Schleuse in Brunsbüttel, wo wir nach kurzer Wartezeit in die Schleuse hineinfahren können. In dieser bleiben wir beim Schleusen alleine. In der großen Kammer verliert sich unser Schiff optisch.

Auf der Elbe prasseln dann heftige Schauer auf uns nieder. Die Offshore-Kleidung hält dieser Beaufschlagung auf Dauer nicht Stand. Aber ein Regenschirm verhindert ein völliges Durchnässen. Glücklicherweise können wir dann ohne Regen im MYC Stade festmachen.

Zu der Veranstaltung des SVE haben sich tatsächlich viele Mitglieder mit ihren Booten eingefunden. Die mit Lichterketten geschmückten Schiffe erzeugen eine festliche Atmosphäre im Hafen. Nach einem feucht-fröhlichen Abend kommen wir erst weit nach Mitternacht in die Koje.

12.09.2021, Motor- u. Yachtclub Stade - SVE

Die Nacht war der blanke Horror, da sich bei mir wieder einmal unerträgliche Zahnschmerzen einstellten - anscheinend habe ich hier gerade einen Lauf. Leider halfen auch keine Schmerzmittel. Nicole findet einen zahnärztlichen Notdienst in Stade, den ich, anstatt an dem gemeinsamen Frühstück teilzunehmen, in Anspruch nehme. Ich bekomme beim MYC ein Fahrrad geliehen, mit dem ich mich am Vormittag auf den Weg zur Zahnarztpraxis in der Altstadt von Stade auf den Weg mache. An dieser Stelle nochmal meinen herzlichen Dank an den MYC für diesen tollen Service (das Fahrrad war in einem Topzustand).

Mit dem Abendhochwasser erreichen wir dann unseren Heimathafen in Elmshorn. Ein gutes Gefühl, unser Schiff wieder im Heimathafen zu haben.

Sommerurlaub 2021 – Die Vernunft siegt!

22.07.2021, Svendborg – Ankern vor Ærøskøbing

Nach einem tollen und schmerzfreien Abend, den wir gestern in Svendborg verbringen durften, wache ich heute ohne Zahnschmerzen auf, wunderbar! Gute Laune ist vorprogrammiert! Die brauche ich allerdings auch, denn wir werden die ursprünglich geplanten vier Wochen Urlaub auf drei verkürzen – ein Luxusproblem, das ist schon klar!

Bevor wir Svendborg verlassen, will ich mich meiner geliebten Ehefrau unbedingt noch erkenntlich zeigen. Sie muss viel mitmachen und oft genug auch mal für einen Scherz auf ihre Kosten herhalten. Ich versuche das Ablegen noch künstlich etwas heraus zu zögern, da die Blumengeschäfte, die ich "ergoogelt" hatte, erst um 9:30 Uhr aufmachen. Unter dem Vorwand Brötchen holen zu wollen, laufe ich durch die noch leeren Einkaufsstraßen zu dem am nächst gelegenen Blumengeschäft. Das hat dann aber leider ausgerechnet heute zu. Das stand aber anders im Internet! Das nächste öffnet erst um 10 Uhr. Ok, dann halt zu Kvickly, besser als keine Blumen! Dort bekomme ich sogar Rosen und kann auch gleich Brötchen mitbringen, top!

Wir wollen erst einmal ablegen und dann unterwegs frühstücken, das spart Zeit. Die Leinen zum Anbinden unseres Schiffes waren völlig überflüssig, denn unsere Hanna ist zwischen den Nachbarschiffen eingequetscht. Beim Ablegen müssen wir an beiden Seiten unser Schiff freidrücken. Der Hafen ist soll voll, dass wirklich die kleinste Lücke genutzt wird. Als wir den Hafen verlassen und rechts rum zur Brücke abbiegen, kommt uns tatsächlich „Delle“ noch einmal zum Abschied entgegen.

Vor Ærøskøbing kommen uns die „Liekedeeler“ (Baunummer 3) und die „Magellan“ (Stahldelphin) entgegen. Zwei wunderschöne Schiffe die für Liebhaber von Klassikern eine Augenweide darstellen. Leider verpassen wir uns um einen Tag. Wir gehen eben südlich von Ærøskøbing vor Anker. Dort hatten die beiden Delphine auch gelegen.

Wir genießen die Zeit in Ærøskøbing. Es gibt dort entzückende kleine Straßen mit niedlichen kleinen Geschäften, Cafes und Restaurants. Am Hafen liegt die „Havet“, ein Traditionssegler aus Assens. Dort nehmen wir einen kleinen Kaffee ein, herrlich.

 22.07.2021, Ankern vor Ærøskøbing – Ankern im Revkrog bei Ærøskøbing

Wir bleiben bis heute Abend hier vor Anker und erkunden Ærøskøbing. Wir waren schon häufiger hier und sind jedes Mal wieder entzückt von dieser kleinen dänischen Stadt. Der einzige Supermarkt am Hafen ist jedoch dem Ansturm der zahlreichen Freizeitskipper sowie der den Tagestouristen, die mit der Fähre anreisen nicht immer gewachsen ist.  Es lohnt sich, auch einmal die etwas abseits von den bekannten und viel frequentierten Straßen abzulaufen. Sehr beeindruckt bin ich von diesen Miniaturdampfern, die einen absolut funktionsfähigen Eindruck machen!

Da der Wind auf Ost drehen soll, verholen wir uns Abends in die Ankerbucht auf der anderen Seite der Landzunge, westlich von Ærøskøbing. Dort liegen bereits einige Schiffe vor Anker. Wir erleben einen sagenhaften Sonnenuntergang! Natürlich schwingt auch eine Partie Wehmut aufgrund des nahenden Ende unseres Urlaubs mit. In die dänische Südsee werden wir aller Voraussicht nach erst wieder im nächsten Jahr kommen.

23.07.2021, Ankern im Revkrog bei Ærøskøbing – Marina Minde

Heute ist es endgültig, die Vernunft siegt über die Sehnsucht nach Wasser, Wind, Strand und lauen Sommernächten vor Anker. Wir machen einen großen Schlag bis nach Marina Minde. Die größte Strecke davon segeln wir, was auf Grund des wenigen Windes zum Teil eine echte Geduldsprobe darstellt. Bevor wir weiter in die Flensburger Förde hinein segeln, legen wir uns für einen kurzen Badestopp vor der Südküste von Kegnaes vor Anker. Bei Ilerstrand (eben südöstlich von Marina Minde) gehen wir dann bei Freunden, die hier mit ihrer Bianca 27 vor Anker liegen, längsseits. Abends verholen wir uns dann aber noch gemeinsam nach Marina Minde. Unsere Freunde versüßen uns den letzten Abend unseres Urlaubs. Es wird eine heitere und feuchtfröhliche Nacht bei sehr angenehmen Temperaturen, auch noch um Mitternacht.

24.07.2021, Marina Minde

Wir haben uns entschlossen, unser Schiff den August über hier in Marina Minde zu lassen. Wir hoffen dabei auf ein paar schöne Wochenenden. Und tatsächlich sind wir dieses Jahr nicht die Einzigen aus unserm Verein, die ihr Schiff hier liegen haben.

Dennoch fällt uns der Abschied schwer, denn der Alltag wird uns schnell wieder haben.

 

 





Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten (3)!

20.07.2021, Ankerplatz Dyreborg - Faaborg - Svendborg

Knack! Höllische Schmerzen! Ein kleiner Stein oder sonst irgendwas Hartes ist beim Kauen zwischen meine Zähne gekommen -  Und, ich habe sofort das Gefühl, dass das nicht gut war. Nicole, als Frau vom Fach, reicht ein kurzer Blick auf den 1/5-er Zahn: Ein Großteil der Innenwand des Zahnes ist gebrochen. Im Prinzip ist der Zahn einmal in der Mitte gespalten, wobei der lose Teil noch unten im Knochen feststeckt und beim Kauen unter starken Schmerzen hin und her klappt.

Wut steigt in mir auf, denn von 365 Tagen im Jahr muss das genau im lang ersehnten Urlaub passieren! Ich nehme mir vor, erst einmal nichts zu unternehmen und zu versuchen, den Zahn beim Kauen zu meiden. Leider geht der Plan nicht auf. Die Schmerzen nehmen weiter zu. So sehr ich es auch will, aber so geht es nicht weiter. Ich muss einen Zahnarzt aufsuchen! Nicole nimmt es gelassen, wir fahren zurück nach Faaborg und gehen dort hinter der Marina vor Anker. Hier kommt auch kein Sand durch den nach wie vor anhaltenden, starken Nordwest auf unser Deck (vgl. Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten! (1) ) - das hat schließlich oberste Priorität.

Ich setze mit dem Schlauchboot über und klappere drei Zahnärzte ab. Jedoch, Keiner will mir einen Termin geben - was für ein Mist! Optimistisch, wie meine Frau ist, schlägt sie vor, es nochmal in Svendborg zu versuchen. Ich bin skeptisch: Wieso soll es in Svendborg anders sein?

Wir legen ab und werden wenigstens mit einer schönen Segeltour belohnt. Zu allem Überfluss begrüßt uns "Delle" vor den Toren Svendborgs. "Delle" ist ein Delphin, der seit letztem Jahr häufiger nach Svendborg kommt und sich hier sehr wohl zu fühlen scheint. Er springt sogar ganz in der Nähe von uns aus dem Wasser. Leider bekommen wir das nicht mit unseren Handys eingefangen.

Kurz nach dem Einbiegen in die Hafeneinfahrt von Svendborg, kommen uns Segler entgegen und geben uns mit unmissverständlichen Gesten zu verstehen, dass der Hafen randvoll ist - keine Chance auf einen Liegeplatz! Wieder kommt Nicoles unersättlicher Optimismus zum Tragen. Sie steuert unsere Hanna weiter in den Hafen. Ich weigere mich jedoch, den ganzen Tütelkram, der zum Festmachen in einem Hafen notwendig ist, vorzubereiten. Der ganze Mist, wie Fender und Leinen bleibt schön am Heckkorb bzw. in der Backkiste - ich lasse mich doch nicht verarschen, wir gehen doch sowieso notgedrungen irgendwo vor Anker! Und, je näher wir dem Hafen kommen, desto mehr fühle ich mich bestätigt! Ausschau haltend stehe ich vorne am Bugkorb und zeige Nicole zufrieden immer wieder den Daumen nach unten - herrlich, wenn man Recht hat! Das der Hafen voll ist, ist stark untertrieben! Hier geht gar Nichts!! Nicole fährt unbeirrt meiner abwinkenden Gesten, jeden Winkel des Hafens weiter ab, während meine Genugtuung stetig zunimmt. Als Nicole dann aus dem vorderen Teil (bei der Straße) zurück in Richtung der Hafeneinfahrt fährt, legt ausgerechnet genau in diesem Augenblick ein Boot ab! Und das auch noch von einem der besten Plätze des Hafens, nämlich mit freier Sicht auf die Werft und die Hafeneinfahrt. Ich kann es nicht fassen! Leider stehe ich in diesem Moment ziemlich dumm da, denn ich hatte ja nichts, also überhaupt nichts, zum Anlegen vorbereitet. Ziemlich doof, denn hinter uns kreisen bereits mehrere Boote, um uns den Platz streitig zu machen! Nicole fährt bis kurz vor die Box und versucht unser Schiff dort zu halten, was aufgrund einer Querströmung nicht einfach ist. Ich haste derweil an Deck umher und binde Fender fest und bereite Leinen vorne und achtern vor (ich "liebe" diese Arbeit - beim Ankern brauche ich bloß das Eisen ins Wasser lassen!). Rechts und links von unserer Box stehen bereits dänische Skipper auf ihren Schiffen, um uns beim Anlegen zu helfen, oder vielleicht, um vermeintlichen Schaden abzuwenden. Ein äußerst peinlicher Moment, denn es dauert einfach eine gewisse Zeit, bis ich das ganze Zeug fertig vorbereitet habe! Das dänische Paar des Bootes auf unserer Backbordseite empört sich sogar über diese Fehlleistung: Wir kann man in einen Hafen fahren, ohne was zum Anlegen vorzubereiten! Die Beiden haben dann die gesamten zwei Tage, die wir dort lagen, nicht mit uns geredet, geschweige denn, sich beim Ablegen von uns verabschiedet - sie lassen uns in totaler Ignoranz ersaufen. Man, wie peinlich! Bei der späteren Nachlese des Manövers mit Nicole mache ich logischerweise keine sonderlich gute Figur! Aber, man muss auch einstecken können!

Da ich zur Zeit nicht "so gerne" esse (kaue), versteife ich mich mehr aufs Trinken. Bier hat ja auch einen gewissen Nährwert, außerdem wirkt es schmerzlindernd - ideal! Es wird ein wirklich toller und lustiger Abend. In Svendborg ist ordentlich was los. An unserem Steg findet dann sogar noch ein kleines Konzert statt. Einziger Haken: Unser Kabel für Landstrom führt quer über die provisorische Bühne und ausgerechnet in der Mitte befindet sich dann auch noch eine Steckerverbindung, die eine ideale Stolperfalle darstellt (siehe gelbes Kabel im Bild). Wir waren nach dem Anlegen zu langsam, so dass der frei gewordenen Stecker vom Segelboot, dessen Platz wir ergattern konnten, schon belegt war. Ich habe dann alle Verlängerungen (einschließlich einer Kabeltrommel) herausgekramt und die Säule am Hauptsteg angezapft. Die ist wirklich weit weg von unserem Liegeplatz und ich musste dafür die Kabel auch über eine schmale und von Touristen stark frequentierte Brücke verlegen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich Jemand beschwert oder sogar über unsere Kabel stolpert.

21.07.2021, Svendborg

Heute ist Hafen- (Zahnarzt-) tag! Gestern schon hatte ich bei der ersten Praxis, die ich anlief Erfolg und einen Termin für heute 10 Uhr bekommen. Ich muss gestehen, ich freue mich auf den Termin! Nach nur 15 Minuten Wartezeit sitze ich auf dem Stuhl im Behandlungszimmer. Der nette "Tandlæge" (Zahnarzt) kann kein Wort Deutsch, ich aber dafür ein wenig Dänisch. Er ist ein älterer und offensichtlich auch erfahrener Zahnarzt. Schnell hat er verstanden, was das Problem ist und die Rückenlehne wird nach hinten gefahren; schnell ist eine Zange zur Hand. Das ist der Augenblick, wo ich meine Augen schließe. Er packt sich den abgebrochenen Teil des Zahns, um ihn herauszuziehen. Leider gelingt das nicht auf Anhieb. Er beginnt, das Stück nach innen zu biegen, um es unter gleichzeitigem Ziehen herauszulösen. Alleine die knackenden, knirschenden Geräusche führen bei mir zu leichten Kreislaufproblemen, von den Schmerzen ganz zu schweigen. Ich schaffe es, kein Laut von mir zu geben und der Zahnarzt bekommt das Teil schließlich heraus. Ich bin mir sicher, dass er sich das einfacher vorgestellt hat, denn erst jetzt bekomme ich eine örtliche Betäubung. Der Zahn wird dann notdürftig versorgt. Bezahlen muss ich dann in bar, wofür ich vollstes Verständnis habe. Es ist wohl schon häufiger vorgekommen, dass dänische Ärzte nach der Behandlung ausländischer Patienten auf ihren Kosten sitzen geblieben sind. Sehr zufrieden und frei von Schmerzen verlasse ich die Praxis. Ich freue mich schon auf heute Abend, auf ein schmerzfreies Abendessen!

Am Nachmittag bummeln wir durch die schönen Einkaufsstraßen von Svendborg. Abends gehen wir thailändisch essen - sehr zu empfehlen, der Thailänder am Hafen!

 


Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten (2)!

19.07.2021, Faaborg - Ankern bei Dyreborg

Die Beaufschlagung mit Sand und Staub durch den anhaltenden Nordwest-Wind ist wirklich immens, auch die Nacht hindurch. Wir sind uns einig, dass wir heute diesen Liegeplatz verlassen und uns irgendwo vor Anker legen wollen. Ich hatte die zweite Nacht unruhig geschlafen und kämpfe ein wenig mit Übermüdung; ich schlafe leider generell nicht so gut an Bord. Das ist aber nicht schlimm, normalerweise jedenfalls nicht. Heute jedoch wird es uns zum Verhängnis.

Es ist ein schöner Morgen, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Wir treffen die notwendigen Vorkehrungen für ein paar Ankernächte. Wir tanken Diesel und Wasser, den Einkauf hatten wir gestern schon erledigt. Für die Übernahme von Diesel krame ich unseren leeren 20-Liter-Kanister aus der Backskiste und gehe damit zu der Tankstelle, vorne am Hafen. Das Ganze zwei Mal, dann haben wir 40 Liter getankt, und mit den 23 Litern im Tank in Summe 63 Liter Diesel - das reicht fürs Erste.

Die Angst davor, dass ein weiterer Urlaubstag schnell zu Ende gehen wird, ist Grund genug, das Ganze mit mit einem gewissen Schwung anzugehen. Im Nu bin ich mit EC-Karte, Kanister und Handkarre an der Tankstelle. Die Eingabesäule steht an der Kaimauer, während die Tanksäulen mit den Aufschriften "Stander 1" und "Stander 2" direkt dahinter auf einem Steg montiert sind. Ich habe Glück: Es hat gerade ein Segler seinen Tankvorgang beendet, so dass ich sofort loslegen kann! So mag ich es!

Mit schnellem Finger wähle ich an der Eingabesäule "Stander 2". Bei "Stander 1" war der Tankschlauch vertörnt, was beim Tanken zusätzlich Zeit gekostet hätte! In wenigen Minuten ist unser 20-Liter-Kanister befüllt und ich begebe mich schnellen Schrittes auf den Rückweg, schließlich will ich ja noch einen Kanister tanken. An Bord starte ich den Tankvorgang mit unserer selbstgebauten Befüll-Mimik, die aus einem Kupferrohr, einem Handbalg und einem Schlauch besteht. Der Befüllvorgang läuft dann über das "Prinzip der kommunizierenden Röhren" selbständig - in der Zeit kann ich dann anderen Dinge erledigen. Leider hatte ich vergessen, die Quittung von der Eingabesäule mitzunehmen, so dass ich schnell zurück renne, um wenigstens ein Foto von dem Display an der Eingabesäule zu machen. Ich habe Glück, es hat noch Keiner einen weiteren Tankvorgang gestartet. Ich richte die Kamera auf das Display, wo noch "Stander 2" ausgewählt war. Aus der Perspektive kann ich unscharf die zugehörigen Tanksäulen im Hintergrund erkennen, auf der ich eine Aufschrift "Benzin" wahrnehmen kann. Mein daraufhin fokussierter Blick wechselt hektisch zwischen den beiden Tanksäulen "Stander 1", "Stander 2 hin und her. Erst jetzt lese ich die Aufschriften "Diesel" und "Benzin". Mir stockt der Atem: Über die Tank-Mimik an Bord läuft gerade seelenruhig Benzin in unseren Dieseltank!! In Bruchteilen von Sekunden schwanke ich zwischen "panikartig losrennen" oder "Nicole anrufen"! Ich entscheide mich für Beides gleichzeitig! Ich will nicht wissen, was ich in diesem Moment für ein Bild nach außen abgab. Während mir beim Laufen die Luft knapper wird, habe ich Nicole in der Leitung und rufe mit dem Bisschen Restluft: "Benzin! Du must die Mimik rausziehen!" Dank ihrer hervorragenden Auffassungsgabe reißt sie die Tank-Mimik raus.

Ich bin ehrlich: Als ich zurück an Bord bin, hat meine Stimmung ein kleines "Zwischentief" erreicht. Wie soll ich jetzt den Tank leerpumpen; und, wohin damit? Wir hatten jetzt eine Situation, die uns richtig Zeit kosten wird, und das, durch so eine bekloppte Unkonzentriertheit! Oder sind das Alterserscheinungen?? Ich hoffe, dass es in der latenten Übermüdung begründet ist!

Bei dem kleinen Maritim-Shop, direkt gegenüber der Zapfsäulen, will ich mich nach der Möglichkeit, Diesel-Benzin-Gemisch zu entsorgen, erkundigen. Leider hat der Shop noch nicht geöffnet. Im Hintergrund höre ich einen älteren Mann, der auf deutsch mit dänischen Akzent lautstark Deutsche Segler zurechtweist: Sie sind nach dem Tanken einfach mit ihrem Schiff vor den Tanksäulen liegengeblieben und sind ganz unverfroren am frühstücken. Dabei haben sie ganz offensichtlich völlig außer Acht gelassen, dass vielleicht noch andere Freizeitskipper aus dem randvollen Hafen an die Zapfstelle möchten. Als ich gerade frustriert zurück zum Schiff gehen will, geht dieser ältere Herr nach seiner berechtigten Zurechtweisung zum Maritim-Shop und öffnet diesen, obwohl dieser erst offiziell in einer Stunde geöffnet wird. Ich hatte einfach Glück! Ich spreche den Mann auf Dänisch an und sammle damit Pluspunkte. Er entpuppt sich als ein sehr sympathischer und auch hilfsbereiter Zeitgenosse. Ich erörtere mein Problem und er kann mir tatsächlich helfen: Direkt neben dem Shop darf ich mein Diesel-Benzin-Gemisch entsorgen. Außerdem erfahre ich von ihm, dass man Diesel bis 20% mit Benzin anreichern darf. Als Absicherung hat er extra noch einen Motorexperten angerufen. Ich kaufe daraufhin einen 10l-Kanister, nicht nur, um dort den Rest des Benzins aus unserem Diesel-Kanister zu füllen, sondern auch, um mich etwas erkenntlich zu zeigen.

Mit unserer Tank-Mimik pumpe ich dann mit dem Hand-Balg 20 Liter des Diesel-Benzin-Gemisches aus unserem Dieseltank in unseren geleerten Dieselkanister. Leider bekomme ich den Dieselkanister nicht tiefer als unseren Dieseltank, so dass ich hier nicht mit dem "Prinzip der kommunizierenden Röhren" arbeiten kann. Das restliche Diesel-Benzin-Gemisch kann im Tank bleiben, da ich im Anschluss noch 60 Liter Diesel tanke (bedeutet: 3 x Laufen und die richtige Säule wählen!). Ende gut, Alles Gut: Wir haben schließlich 75 Liter Diesel mit einem ganz geringen Anteil Benzin im Tank - das ist ok!

Schnell haben wir dann noch unseren Wassertank aufgefüllt und wir legen ab. Und tatsächlich: Wir passen durch die beiden Heckpfähle ohne diese auch nur zu berühren (vgl. Link zum Beitrag). Wir haben es nicht weit, denn wir legen uns quasi gegenüber von Faarborg vor Anker. Abends fahren wir mit dem Schlauchboot nach Dyreborg. Ein sehr netter, kleiner Hafen, den wir gerne auch mal mit dem Schiff anlaufen wollen. Wir erkunden ein wenig die Umgebung und sind begeistert von den idyllisch gelegenen Häusern mit ihren hübsch angelegten Gärten - wirklich wunderschön!

Abends sitze ich noch lange in der Plicht. Nach der ressourcenfressenden Tank-Aktion, lassen wir es etwas ruhiger angehen und ich hoffe, dass uns nicht noch weitere Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Aber: Neues Ungemach bahnt sich leider an!

 

 


Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten! (1)

18.07.2021, Ankerplatz Haderslev Fjord- Faaborg

Nach vier Tagen und drei Nächten vor Anker müssen wir Strom und Wasser tanken und Müll entsorgen. Unser heutiges Ziel soll daher Faaborg sein. Der Wind kommt aus Nordwest und damit sehr achterlich; er briest dann später auf 6 Beaufort auf. Wir werden unfassbar durchgeschaukelt. Als ich mir eine Wasserflasche aus der Bilge hole, ergreift schlagartig eine immense Übelkeit Besitz von meinem Körper. Unser Jüngster dagegen ist die ganze Zeit unter Deck und hört Hörbücher, wie geht das? Piet hat offensichtlich richtig Seebeine bekommen!

Als wir in den Lyø Krog hineinfahren, müssen wir das Großsegel irgendwie auf die andere Seite bekommen. Für eine Halse ist zu viel Wind, also fahren wir eine Wende. Wir haben mit unserem voll gesetzten Groß aber zu viel Segelfläche stehen. Wir rollen die Fock ein. Bei dem Versuch, den Bug durch den Wind der Stärke 6 und die mittlerweile 1 Meter großen Wellen zu bekommen, versinkt der Bug geradezu in den Wellentälern. Schon aus Prinzip, nehmen wir jetzt nicht noch den Motor zur Hilfe - wir sind schließlich ein Segelboot. Beim zweiten Versuch schaffen wir es dann durch den Wind und wir haben einen schönen Raumkurs mit dafür angemessener Segelfläche, wir rollen sogar noch die Fock aus. Und JA: Auch wir können mal schneller sein als andere Segelboote. Mit einem gewissen Maß an Genugtuung, lassen wir ein anderes Segelboot (ich bin ehrlich: Hat wohl nur 28 Fuß) stehen!

War es diese kleine Genugtuung, die mir nicht vergönnt war oder war es meine Äußerung in Bezug darauf, dass wir in letzter Zeit keine nennenswerten Vorkommnisse zu beklagen haben? Gut, dass ich nicht abergläubisch bin! Fakt aber ist: Im Hafen von Faaborg geben wir mal wieder bestes Hafenkino seit langen Zeiten ab! Am Set befinden sich Menschenmassen, die am Hafen flanieren, denn dort sind überall kleine Stände bzw. Foodtrucks mit allerlei Köstlichkeiten aufgestellt. Der Hafen selbst ist ebenfalls proppevoll! Das Drehbuch sieht schönes Wetter mit besagtem starken Wind vor, ist aber für die Handlung nicht entscheidend. Entscheidend hingegen ist der Umstand, dass wir eine zu schmale Box, von zwei freien und direkt nebeneinander liegenden Boxen auswählen. Die Boxen befinden sich ganz am Anfang des Steges und es liegen nur zwei kleinere Boote zwischen den Boxen und der Kaimauer. Man kann sagen, wir befinden uns im Zentrum der für uns vorbereiteten Bühne. Die Menschenmassen an der Kaimauer und auch alle Bootsfahrer die auf ihren Schiffen neben und hinter uns sitzen, haben die besten Plätze. Beim Ansteuern der Box ahnen wir schon, dass es knapp wird, was sich dann beim Hineinfahren auch bestätigt. Das ist aber nicht schlimm, da können wir uns durchquetschen. Stück für Stück drücken wir uns mit eingelegtem Vorwärtsgang weiter hindurch. Ich schaffe es, den backbordseitigen Pfahl schrittweise nach hinten zu arbeiten. Gelassen, wie es meine Art ist, greife ich mir die backbordseitige Heckleine. Als ich jedoch im Begriff bin diese über den Heckpfahl zu legen, merke ich, dass am anderen Ende mit enormer Geschwindigkeit und Kraft dichtgeholt wird! Es geht ein enormer Ruck durchs Schiff und der Motor kommt mit einem Schlag zum Stehen. Zwischenzeitlich hatte unsere Unternehmung schon für ordentlich Aufmerksamkeit und das eine oder andere Kopfschütteln gesorgt. Doch nun wurde es richtig spannend! Wir stecken zwischen den Heckpfählen fest und haben unsere Achterleine im Propeller - Geniale Handlung mit Steigerungspotential! Wir können mit ansehen, wie sich Schaulustige vordere Plätze an der Kaimauer sichern - Andere stehen in ihrer Plicht auf, um von dort das Geschehen mit gesteigertem Interesse zu verfolgen. Uns kommt derweil der Umstand zugute, dass wir bereits Erfahrungen mit Leinen im Propeller haben - es hat Alles seinen Sinn! Ich hatte meine Badehose griffbereit unter der Sprayhood liegen und konnte unverrichteter Ding in unserer Plicht blank ziehen und mir den Fetzen von einer Badehose (ist schon etwas älter) anziehen. Jetzt war das Drehbuch bei FSK 18 angelangt! Das war mir aber in meiner Rage egal! Im Nu ist der Flaggenstock aus der Halterung der Badeleiter genommen und letztere zu Wasser gelassen. Ich greife mir die Taucherbrille und bin nicht viel später als 5 Minuten, seit dem der Motor zum Stehen gekommen ist, im Wasser - wie gesagt, wir reden hier über Routine!  Unter Wasser sehe ich dann unsere Heckleine, die mehrfach um die Antriebswelle gewickelt ist und unter beachtlicher Spannung steht. Durch Drehen an der Antriebswelle und gleichzeitigem Ziehen an der Leine bekomme ich die Spannung heraus und kann die Leine entwirren. Dabei merke ich, wie beim Entspannen die Antriebswelle nach innen rutscht und aus ihrer elastisch gebogenen Zwangslage wieder in ihre ursprüngliche Form kommt. Beim Aufwickeln der Leine um die Antriebswelle hat sich Leine mit jeder Wicklung zum Stevenrohr hin, Platz für die nächste Wicklung eingefordert, und dadurch die Welle herausgezogen. Was für ein Mist!! Ich schlucke meinen Frust über diese Erkenntnis erst einmal runter und steige zurück an Bord. Ich dachte nicht einmal daran, mir trockene Klamotten anzuziehen und mich der unter heftigen Alterserscheinungen leidenden Badehose zu entledigen - sollen doch die Gaffer ihren Spaß haben! Bei geöffneter Revisionslucke in der Plicht, starten wir mit  skeptischen Blicken auf den Antriebsstrang den Motor. Glücklicherweise ist auf den ersten Blick kein größerer Schaden erkennbar!

Wie auch immer, wir schaffen es schließlich in die Box. Unser steuerbordseitiger Nachbar, ein wirklich sehr netter Zeitgenosse, schlägt uns vor, dass wir auf den direkt neben uns, noch freien Platz verholen. Die Heckpfähle dieses Liegeplatzes sind seiner Meinung nach weiter auseinander, so dass wir es beim Ablegen leichter haben würden. Hier als Vorgriff: Er soll Recht behalten, dass konnten wir jedoch bei den engen Verhältnissen vorhin nicht so schnell abschätzen. Wir nehmen seine Hilfe an und beginnen unser Schiff dort hinüber zu ziehen. Auf Vorschlag unseres Nachbarn bekommt er dann unsere steuerborseitige Heckleine, mit der er uns dann heranziehen kann. Ich stehe mittlerweile am Heck und versuche unsere backborseitige Heckleine über den Heckpfahl zu bekommen. Dafür hatten ich eine extra große Schlaufe gebunden, so dass ich mit siegessicherer Gelassenheit zum großen Wurf ansetzen will. Doch genau in diesem Augenblick ertönt hinter mir ein lautes Rattern einer Winsch! Ich drehe mich um und sehe, wie unser netter Nachbar unsere Heckleine über einen mittschiffs gelegenen Holepunkt zu einer Winsch geführt hat und diese mit schnellen Kurbeldrehungen dicht holt. Das führt dazu, dass sich unser Schiff, dem Zug der Leine folgend, vom hinteren Heckpfahl entfernt. Weil aber der Nachbar so nett ist, will ich nichts sagen. Die anfängliche Gelassenheit beim Versuch, die Schlaufe unserer Achterleine über den Heckpfahl zu bekommen, wendet sich unterdessen in hektische und unkoordinierte Würfe! In mir konkurrieren leise Verzweiflung mit siegessicherem Kampfwillen. Aber, was soll ich sage? Letzterer gewinnt und ich bekomme die Leine über den Pfahl geworfen! Weil der nette Nachbar Alles gegeben hatte, bedankte ich mich noch für seine vermeintliche Hilfe - aber das war es Wert! Damit findet das Schauspiel dann sein Ende; die Menschenmassen an der Kaimauer setzen sich langsam wieder in Bewegung.

Hier noch kleine Anmerkung für diejenigen, die keinen Sand bzw. Staub an Bord haben wollen! Bei nordwestlichen Winden werden die vorderen Schiff (also nahe der Kaimauer) mit sehr viel Dreck beaufschlagt, den der Wind von den großen, freiliegenden Bauflächen Flächen  mitträgt. Unser Schiff sieht nach kürzester Zeit aus wie "Sa..."! Auch unter Deck ist der feine Sand zu spüren.

Faaborg ist wirklich sehr schön! Insbesondere auch der Weg entlang des Wassers. Dort liegt unter anderem ein kleiner Park, mit Sitzbänken und traumhafter Sicht auf den Faaborg Fjord. Abends gehen wir zu dem kleinen Marktplatz und der Stadtmitte und essen dort Pizza - wirklich schön und empfehlenswert!

Der nächste Tag fängt eigentlich gut an, aber leider passiert mir eine dummes Missgeschick! Ich werde  bald berichten!

 

Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Süden!

13.07.2021, Bønnerup - Grenaa

Die Fahrt nach Grenaa ist einfach nur schlecht! Trotz wenigen Windes, auch während der letzten Tage, kommen wir  ca. ab der "Gjerrild Bugt" in eine immer größer werdende Welle mit abnehmendem Wind. Ich habe schnell von dem unfassbaren Geschaukel die Nase gestrichen voll! Helfen tut es leider nichts, wir müssen da durch. Jedoch kann ich es einfach nicht nachvollziehen, wo so eine große Welle bei so wenig Wind herkommen kann. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass sie nur dafür da ist, uns zu ärgern! Später überlege ich mir, dass möglicherweise Starkwind in entfernteren Gebieten, z. B. vor Schweden, dafür verantwortlich sein könnte. Dazwischen liegt das weitläufige Kattegat und bis auf die Insel Anholt, gibt es keine geografischen Hindernisse, wodurch die Wellen gebremst werden könnten.

Nach drei Stunden erreichen wir endlich Grenaa und sind froh, nicht mehr diesem Geschaukel ausgesetzt zu sein. Wir erhaschen einen wunderbaren Platz ganz außen am Steg. Dort gibt es nur einen backborseitigen Heckpfahl und eine Klampe am Steg. Es ist ganz offensichtlich kein offizieller Liegeplatz, aber Not macht erfinderisch - der Hafen ist schon ziemlich voll. Belohnt werden wir durch eine tolle Sicht und die Möglichkeit, baden zu gehen, wunderschön!

Unsere Freunde kommen mit ihrer X-382 später nach und machen am Kopf des Steges fest. Auch wenn wir es befürchtet haben, aber keiner schickt uns hier weg. Wir liegen hier sehr gut und können ruhig schlafen. Das nervige Gequietsche, das von dem vorderen Lager des Schwimmsteges herrührt, können wir letztendlich mit einem Seil eliminieren. Speiseöl oder auch WD40 brachten leider nicht den gewünschten Erfolg. Aber mit dem Seil schafften wir es, den Druck auf die bereits eingelaufenden Rollenlager zu nehmen, was die Ursache für das nerventötende Geräusch war.

Auch der Lystebadehavn Grenaa hat seinen Reiz. Es handelt sich um eine recht große Anlage, mit verwinkelten Ecken, und Restaurants. Nebenan ist ein toller Strand zum Baden. Der hintere Teil des Hafens wird teilweise von einem kleinen, Strand gesäumt. Nördlich liegt der Industriehafen, in dem eine riesige Ölplattform "zwischengelagert" wird - eine wahres Monstrum! Von weitem sind die nach oben gefahrenen Stelzen zu erkennen.

14.07.2021, Grenaa -Øer

Die Fahrt nach Øer gestaltet sich deweil etwas diesellastig. In Ermangelung an Wind, saugen wir den "Flüssigwind" aus unserem Tank. Kurz vor der Einfahrt nach Øer gehen wir zum Baden kurz vor Anker. Das Schleusen in den Hafen von Øer ist immer wieder ein Erlebnis, es hat etwas Beschauliches. Es unterscheidet sich jedenfalls deutlich vom Schleusen im NOK. Das fängt bei den fehlenden Schwimmstegen an und hört beim Festmachservice des Schleusenmeisters auf.

Wir verbringen dann einen feucht-fröhlichen Abend mit unseren Freunden und anderen Mitgliedern des FSV. Es wird zum wahren Workout für die Leber. Gegen 2 Uhr streiche ich die Segel. Am nächsten Morgen habe ich nur mit erträglichen Nebenwirkungen zu kämpfen. Es ist es etwas das Training?

15.07.2021, Øer - Ankerplatz bei Marup

Für die nächsten Tage ist viel Wind vorhergesagt, so dass wir uns entschließen, geschütztere Gewässer, in diesem Fall der "Kleine Belt", aufzusuchen. Wir drehen eine Runde durch den Hafen von Øer. Von den Anderen ist noch keiner an Deck zu sehen. Wir navigieren als Verabschiedungsgeste ein Herz,was wir aufzeichen und per Nachrichtendienst versenden. Das Manöver nehmen andere Bootsfahrer nicht so locker. Kein Wunder, sie können ja auch nicht ahnen, was wir da machen.

Eben südlich von Marup lassen wir das Eisen fallen. Wir liegen unmittelbar neben der Hafeneinfahrt und sehen den einen oder anderen Bekannten einlaufen. Außerdem liegt noch die "Glaobetrotter" (Baunmmer 32) ca. eine Meile südlich von uns vor Anker. Abends fahren wir mit dem Schlauchboot in den Hafen zu Erkundungszwecken und  genießen die Gastfreundschaft von Fahrdorfer Seglern und von Nicole und Beppo - ganz herzlichen Dank!

Wir waren noch nie in Marup und stellen fest, dass es einer unserer Lieblingshäfen werden könnte! Er ist klein und "hyggeligt". Direkt angrenzend die hohen Hügel, von denen man eine atemberaubende Aussicht auf den Hafen und auch auf die Insel Tunø hat. Piet und ich klettern hinauf.

Als wir gegen 0 Uhr (unser Jüngster hat tapfer durchgehalten) zurück an Bord sind, operiere ich noch eine Zecke aus der Haut im Brustbereich unseres 8-ährigen. Die hat er sich vermutlich bei der Kletteraktion auf die Hügel eingefangen. Vor ewigen Zeiten hatte ich einem gutem Freund mit einer eigens dafür modifizierten Pinzette bereits so ein Insekt aus der Haut gezogen. Seither ist das kleine Werkzeug an Bord und tut seine Dienste.

Anschließend starten wir nochmal den Motor, um uns noch eine Stück Richtung Land bzw. Hafen zum Schutze des aufkommenden Schwells zu verholen.

16.07.2021, Ankerplatz bei Marup - Ankern vor Middelfart Marina

Wieder unter Motor treten wir die über 42 Meilen lange Strecke Richtung Middelfart an. Unterwegs machen wir den Motor aus und springen in die Ostsee - herrlich!

Ein Stück westlich von der Middelfart Marina lassen wir den Anker fallen. Wir beobachten Schweinswale, die sehr nahe an uns heran kommen. Abends setzen wir dann mit dem Schlauchboot an Land über: Unsere Mission lautet: Etwas zu Abend essen organisieren. Wir hatten uns einen Ort in der Nähe unseres Ankerplatzes ausgesucht und wurden mit dem "Kitzchen" fündig. Wir haben ca. 1,2 km zu laufen, davon (unerwartet) viel Steigung. Bei der Wärme ist das eine Herausforderung, der wir uns aber gerne stellen. Was wir dann vorfinden ist ein toller Ort, der aus zwei alten, amerikanischen Foodtrucks und einem Eisladen besteht. Die Trucks und der Eisladen sind so angeordnet, dass in der Mitte ein kleiner und gemütlicher Platz mit Tischen und Bänken entsteht, wirklich toll gemacht. Das Beste ist, es gibt hier richtig leckere Burger!

17.07.2021, Ankern vor Middelfart Marina - Ankerplatz Haderslev Fjord

Zeitig am Morgen holen wir den Anker hoch und segeln weiter Richtung Süden. Wir erleben einen traumhaften Segeltörn, bei besten Segelbedingungen: Raumer Wind der Stärke 5, angenehme Temperaturen, Sonnenschein und wir laufen gerne mal über 7 Knoten - das macht richtig Spaß! Wenn wir erst einmal segeln, dann bis zum "bitteren Ende! So kreuzen wir ein ganzes Stück das enge Fahrwasser des betonnten Haderslev Fjords hoch. Dabei müssen wir sehr genau navigieren, da es außerhalb des Fahrwasser schnell flach wird - wir beobachten, wie sich zwei Segler festfahren. Außerdem ist unglaublich viel Verkehr. Wir finden dann eine Mooringboje, an der wir festmachen. Hier zeigt sich wieder einmal der Vorteil des Delphin 66: Der geringe Tiefgang! Mit Baden, SUP-Fahren u. ä "schlagen wir die Zeit tot". Abends verholen wir uns dann noch einmal in Richtung der Mündung des Haderslev Fjordes. Dort ist eine Mooringboje frei geworden. Von dort haben wir einen wunderbaren Blick auf den Årøsund. Außerdem gibt es hier am Ufer einen kleinen Strand.

Die nächsten Tage werden dann etwas turbolenter. Leider hatte ich heute frohlockt, dass alles so gut läuft, keine Missgeschicke, kein größeren unerwarteten Vorkommnisse. Leider soll sich das massiv ändern!! Ich werde künftig mit solchen Äußerungen vorsichtiger sein!