Krantermin bei „Schrader Marina“

10.06.2021, Fahrdorf - Schrader Marina in Borgwedel

Nun hat sich tatsächlich eine Lösung für unser Antifouling-Problem ergeben: Ein Freund konnte uns kurzfristig einen Krantermin für den heutigen Donnerstag organisieren. Das Ganze soll dann so ablaufen, dass zum Feierabend hin unser Schiff an Land gestellt und am folgenden Morgen wieder ins Wasser gesetzt wird. Der große Vorteil dabei ist, dass wir dafür nicht den Mast legen müssen, genial! Das Wetter soll laut Vorhersage sogar auch mitspielen.

Die Fahrt von Fahrdorf zur Schrader Marina in Borgwedel dauert unter Motor ca. 50 Minuten. Dank Pinnenpiloten kann ich während der Fahrt Vorbereitungen treffen, das spart Zeit. Als ich in den Hafen der Marina Schrader einlaufe, muss ich noch warten, bis ein Hausboot den Platz beim Kran freimacht. Solange hänge ich die Hanna mit einer provisorischen Heckleine an einen Dalben. Nach 20 Minuten kann ich dann schließlich zum Kran fahren. Und dann geht auch alles ziemlich schnell: Der Hafenmeister bugsiert den Portalkran über das Becken und ich führe das eine Ende des hinteren Gurtes um die Vorleine unseres Schiffes herum. Dann wird der Kran mit den Gurten entsprechen positioniert. Ich hatte dem Hafenmeister im Vorwege ein Foto von unserer Kranaktion im Jahr 2019 in Gelting gezeigt. Daran kann er sich heute orientieren. Es dauert nicht länger als 20 Minuten und unserer Schiff hängt am Kran und wird an Land gefahren. Ich mache mich sogleich an das Säubern des Unterwasserschiffes. Das ist zu meiner Verwunderung ziemlich sauber. Dann setzt der Hafenmeister unser Schiff auf einen Bock. Ich bin wirklich beeindruckt, wie schnell und geschickt er mit dem Monstrum von Kran umgeht. Das macht schon vom Zugucken Spaß! Als der Hafenmeister dann noch unsere Hanna als "hübsches Schiff" bezeichnet, bin ich mir sicher, dass er ein äußerst sympathischer Zeitgenosse ist.

Dank des Wetters dauert es nicht lange bis Alles ist abgetrocknet ist. Schließlich klebe ich den Wasserpass ab und starte mit dem Auftragen des Antifoulings. Ich sehe zu, dass ich fertig werde. Nach nicht viel mehr als einer guten Stunde bin ich soweit. Ich kann das Klebeband abziehen. Absolut genial: Ich hab jetzt sogar noch Zeit, um zu unseren Freunden zu fahren. Morgen früh kann unser Schiff dann wieder ins Wasser.

Ich darf netterweise mit unserem Bulli vorne am Hafen stehen, um dort zu übernachten. Zum Sonnenuntergang fahre ich dann von unseren Freunden zurück zur Marina Schrader und stelle mich vorne an den Hafen mit traumhaftem Blick auf die "Große Breite". Ich spaziere noch einmal die äußere Mole des Hafens hinaus; wunderschön, wie die Schlei in das Abendrot der untergehenden Sonne gehüllt wird! Ich erhalte in diesem Moment eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund, dem Eigener der "Joker". Demnach soll die Klappbrücke bei Lindaunis nicht, wie ursprünglich angekündigt,  übermorgen, sondern "voraussichtlich" erst 8 Tage später für den Schiffsverkehr geöffnet werden. Ok, denke ich, dass ist für uns "noch" nicht so tragisch, Unser Sommerurlaub beginnt erst später. Allerdings begegne ich auf dem Weg zum Bulli dem frischgebackenen Eigener einer neuen Moody 41, die mir aufgrund ihres modernen Designs heute schon beim Einlaufen in den Hafen aufgefallen war. Der Eigner kommt aus der Schweiz und will mit seiner extra dafür eingeflogenen 5-köpfigen Crew am Samstag sein Schiff ins Mittelmeer überführen. Ich spreche ihn auf die Misere mit der Klappbrücke an, wobei ich davon ausging, dass er davon bereits Kenntnis hat. Dem war aber nicht so! Es ist untertrieben, wenn ich sage, dass ihm Alles aus dem Gesicht gefallen ist. Die einzige Chance für ihn wäre, den Mast zu legen und hinter der Brücke wieder stellen zu lassen. Allerdings hatte er heute gerade erst den Mast setzen lassen, was laut seiner Bekundung ein riesen Akt war. Er tat mir echt leid; helfen konnte ich ihm leider nicht. Für uns wird es allerdings wieder spannend: Wird die Klappbrücke, die sich in der Obhut der Deutschen Bahn befindet, wieder funktionieren, wenn wir in den Urlaub starten wollen?? Ich bin seit vielen Jahren leidgeprüfter Kunde der Deutschen Bahn. Ich weiß, mit welcher Impertinenz die DB mit unzumutbar langen Sanierungsprojekten und schlechter Kommunikation die Geduld ihrer Kunden auf die Probe stellt. Der Gedanke, dass wir, um in den Urlaub starten zu können, möglicherweise unseren Mast legen und hinter der Brücker irgendwo wieder stellen müssen, treibt meinen Puls spürbar in die Höhe!

11.06.2021, Schrader Marina in Borgwedel - Ankerplatz vor dem Strandhotel - Fahrdorf - Ankerplatz vor Borgwedel

Ein herrlicher Morgen, die Sonne scheint, angenehme Temperaturen. Ich stehe früh auf und klettere an Bord unserer Hanna, um dort einen Kaffee aufzubrühen. Ich habe dabei einen wunderbaren Blick auf den Hafen und die Schlei. Gegen 9 Uhr ist es dann auch schon soweit. Der nette Hafenmeister bugsiert den Portalkran über unsere Hanna. Ich hatte die Zeit bis dahin genutzt, Alles soweit vorzubereiten, dass ich, nachdem unser Schiff wieder schwimmt, direkt losfahren kann. Als unser Schiff in den Gurten des Portalkranes hängt und quasi über dem Boden schwebt, male ich noch schnell die von den Pratzen verbliebenen "Vierecke" mit Antifouling über. Außerdem nutze ich die Gelegenheit und entferne die restlichen Pocken unter dem Kiel. Dort komme ich im Winterlager leider nicht richtig hin. Nach einer kurzen Trocknungszeit wird dann unsere Hanna wieder ihrem Element übergeben. Ich brauche gar nicht erst festmachen und kann direkt den Motor starten und losfahren. Ich bedanke mich noch beim Hafenmeister für seine tolle Arbeit und seine Hilfsbereitschaft.

Ich habe heute Urlaub und genieße es an Bord zu sein. Ich motore ganz in Ruhe Richtung Schleswig und lege mich vor dem Strandhotel vor Anker. Ich nehme ein kurzes Bad in der Schlei. Später setzte ich mit dem Schlauchboot über und fahre mit dem E-Roller zum Einkaufen. Als ich zurück an Bord bin, erhalten ich eine schreckliche Nachricht: Ein geschätzter Kollege ist unerwartet beim Betriebssport verstorben. Er hinterlässt u. a. eine Tochter im Alter unser Töchter. Man kommt wirklich ins Grübeln bei sowas. Wieder einmal wird man daran erinnert, wie schnell Alles vorbei sein kann. Ich muss mich erst einmal mit meinen Kollegen austauschen.

Zum frühen Nachmittag hin hole ich dann Nicole und unseren Jüngsten aus Fahrdorf ab. Wir tanken noch Wasser und verstauen ein paar Lebensmittel und legen dann zügig ab. Der Wind hat deutlich zugelegt. Wir setzen Segel und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 7,2 Knoten. Wir steuern unter Segeln einen schönen Ankerplatz, unweit von der Marina Schrader, an. Bei westlichen Winden, kann man hier gut liegen. Nur mit dem Großsegel arbeiten wir uns ans Ufer heran und machen einen Aufschießer. Das Großsegel fällt in Sekundenschnelle - dank Teflonschmierung (Nicole) - und ich lasse den Anker hinunter. Mit einem einem kleinen Dreieck der ausgerollten Fock, fahre ich den Anker ein.

Wir gehen noch einmal baden und genießen den Abend an Bord vor Anker. Dabei haben wir eine wunderschöne Sicht auf die Schlei.

12.06.2021, Ankerplatz Borgwedel - Ankerplatz im Missunder Noor - Fahrdorf

Bevor wir gegen Mittag aufbrechen, rudern wir noch einmal an den kleinen Strand, vor dem wir liegen. Dort geht es einen kleinen Hang hinauf und zur Rechten Hand gibt es eine sog. "Naturerlebnisanlage". Sie besteht u. a. aus einer Anordnung von großen Felssteinen, vielen unterschiedlichen Nistkästen (für Vögel und auch Fledermäuse) und einem sehr schönen Boule-Spielfed. Daran angrenzend befindet sich ein altes Gebäude, dass zu einer Ziegelei gehörte. Auch hier sind unterschiedliche Installationen, wie eine alte Lore sowie ein Nachbau, zu sehen. Auf dem Gelände darf nach vorheriger Anmeldung gezeltet werden. Ein sehr schöner Ort für Kinder und Jugendliche, direkt an der Schlei mit toller Aussicht!

Gegen Mittag brechen wir auf. Wir holen den Anker hoch und verlassen unseren geschützten Ankerplatz. Der Wind hat auf in Böen 7 Beaufort aufgefrischt. Nur mit ausgerollter Fock erreichen wir ohne Mühe um die 7 Knoten. Liegt es an dem "frischen Unterwasserschiff und dem von Pocken befreiten Kiel? Wir nehmen Kurs auf das Missunder Noor. Vor der Missunder Fähre lässt uns der Wind durch die Abdeckung vollständig im Stich. Wir treiben mehr als dass wir segeln. Die Manövrierbarkeit lässt sehr zu wünschen übrig. Der gelegentlich aufkommende Hauch von Wind kommt dabei aus allen Richtungen. Wenn ich nicht schnell genug bin, steht die Fock back und der Bug verdriftet - etwas nervig, aber ich will nicht den Motor starten. Wir nähern uns zäh und langsam der Fähre. Die muss dann leider einen kurzen Moment warten - egal, muss sie mal abkönnen!

Im Missunder Noor legen wir uns dann mehr oder weniger vor dem Wind geschützt vor Anker. Das Ankermanöver fahren wir nur mit der Fock. Wir verzichten dieses Mal auf das Einfahren des Ankers, was sich dann später rächt. Denn es kommen starke Schauerböen, die sich bis in diesen relativ geschützten Bereich hinein durchsetzen. Der Anker fängt dann auch folgerichtig an zu slippen und wir vertreiben mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Da wir uns kurzfristig entschlossen haben, zurück nach Fahrdorf zu fahren, holen wir den Anker hoch. Mir fällt in diesem Moment ein, dass ein Segelboot vom Typ Monsun 31, die schon vor Anker lag, als wir ins Missunder Noor fuhren, den Motor startete, den Anker hochholte, um diesen dann ein ganzes Stück Richtung Ufer wieder ins Wasser zu lasen. Waren die etwa auch vertrieben? Ich vermerke im Logbuch, dass hier möglicherweise der Anker nicht so gut halten könnte und man diesen lieber sorgfältig einfahren sollte.

Zurück im Hafen verbringen wir einen geselligen Abend mit unsern Freunden. Piet ist überglücklich, dass er mit Gleichaltrigen zusammen sein kann.

Am nächsten Tag bleiben wir im Hafen, denn der Wind frischt wieder deutlich auf. Wir werden in den folgenden Tagen Meldungen bezüglich der Sperrung der Lindaunisbrücke für den Schiffsverkehr verfolgen. Aktuell verkündet die DB auf ihrem "BauInfoPortal", dass die Brückensperrung für den Schiffsverkehr nicht vor Donnerstag, 17 Juni, aufgehoben wird.

 






Überführung von Glückstadt nach Fahrdorf

04.06.2021, Glückstadt - NOK (Ankern in der "Borgstedter Enge")

Die Vorfreude auf den Start der Überführung am Freitag ist noch etwas verhalten, da unwetterartige Gewitter angesagt sind. Allerdings sollen diese eher im Süden des Landes ihr Unwesen treiben - wir hoffen, dass es auch so kommt!

Wir holen heute unseren Jüngsten von der Schule ab und fahren nach Glückstadt. Wir sind wieder einmal hochmotoviert! Wir wollen heute viel schaffen und möglichst weit im Nord-Ostsee-Kanal (NOK) kommen. Es dauert ziemlich genau 32 Minuten von dem Zeitpunkt, wo unser Jüngster vor seiner Schule in Elmshorn zu uns ins Auto steigt und wir den Motor unserer Hanna im Glückstädter im Außenhafen starten und ablegen. Wir können es selber kaum glauben, denn die Strecke mit dem Auto sind 25 km. Aber es war tatsächlich so!

Mit dem ablaufenden Wasser kommen wir sehr gut auf der Elbe voran. Es ist sonnig und warm - die Elbe spiegelglatt. Wir fahren teilweise über 9 Knoten über Grund. Wenn Alles so gut zu laufen scheint, gehöre ich zu Denjenigen, die sich fragen, wann die nächste Überraschung kommt. Das hätte ich aber lieber bleiben lassen, denn sie ließ nicht lange auf sich warten!

Außer den Elbfähren sind keine größeren Schiffe, geschweige denn Containerschiffe unterwegs. Unweit von Brunsbüttel kommt uns dann aber ein Feeder (kleine Containerschiffe zum Weitertransport sowie Verteilung der Container in die kleineren Häfen) entgegen. Das Schiff erzeugt eine beachtliche Heckwelle, die wir genau im rechten Winkel ansteuern. Ich sage noch: "Ganz schön große die Wellen!". Nicole antwortet: "Eigentlich müssten wir vorne zu machen!" Dabei bleib es leider, denn Zeit, um unter Deck und nach vorne zum geöffneten Vorluk zu hechten, hatten wir leider nicht mehr. Es kam, wie es kommen musste: Der Bug unserer Hanna taucht derart tief in das Wellental der zweiten Welle, das unfassbare Wassermassen den Bug überspülen und beim Wiederauftauchen nach hinten geschaufelt werden. Das ist eigentlich gar kein Problem, solange das Vorluk geschlossen ist! Leider war es das nicht, denn wir hatten es zum Durchlüften während der Fahrt geöffnet. Was Nicole dann unter Deck im Vorschiff zu sehen bekam, war ein Alptraum: Auf der Tagesdecke über unserem Bettzeug stand eine große Wasserlache, und selbst in der Bilge hat sich Elbwasser angesammelt! Unser Bettzeug mit den Kopfkissen und auch die Matratzen waren nass! Was für eine riesen Sch...!! Wie dämlich können wir eigentlich sein?? Als ob wir das erste Mal auf der Elbe unterwegs sind und nicht wüssten, dass wir trotz Flaute mit zum Teil beachtlichen Wellen durch die Berufsschifffahrt zu rechnen hätten! Viel Zeit zum Lamentieren bleibt uns nicht, denn wir sind bereits kurz vor dem Wartebereich der Brunsbütteler Schleuse angekommen. Wir holen das ganze durchnässte Bettzeug nach oben und verteilen es an Deck. Ich will gar nicht wissen, was wir mit dem im Fahrtwind flatternden Bettzeug und Decken nach außen für ein Bild abgeben! Das sind im Übrigen auch "ideale Bedingungen" zum Schleusen!

Wir müssen nicht lange warten und können nach ca. 20 Minuten in die Schleuse fahren. Zum Festmachen in der Schleusenkammer räumen wir noch schnell das Cockpit leer. Mit uns laufen noch 6 weitere Schiffe in die Kammer. Das ganze läuft dann aber relativ entspannt ab. Auf dem Kanal haben wir glücklicherweise gute Bedingungen: Sonne, Wärme und Fahrtwind. Genau die richtige Kombination, um unsere Decken und Kopfkissen einschließlich Matratzen bis heute Abend möglichst trocken zu bekommen.

Nachdem wir unseren Ärger über unsere eigene Blödheit weitesgehend abgelegt haben, können wir die Passage auf dem NOK wirklich genießen. Als Ziel für heute hatten wir den Gieselaukanal auserkoren. Nicole fährt jedoch ganz lässig daran vorbei. Sie fühlt sich offensichtlich zu Höherem berufen! Auf meine verdutze Nachfrage, kam nur lapidar, dass wir bis 22 Uhr unterwegs sein dürfen. Ich verabschiede mich in diesem Moment von meiner Traumvorstellung, den Abend ruhig und entspannt mit einem kühlen Pils in der Hand und in der Plicht sitzend, zu genießen. Nicole hatte in Gedanken schon Alles durchgespielt: Wir würden gegen 21:30 Uhr in der "Borgstedter Enge" (hinter Rendsburg) einlaufen und vor Anker gehen - genau so kam es auch!

Wir erleben unterwegs auf dem Kanal eine wirklich traumhafte Abendstimmung. Was dieses Jahr extrem auffällt, sind die zahlreichen Wohnmobile und Camper, die geradezu die beiden Ufer des Kanals säumen. Viele stehen frei, ohne dass es ein ausgewiesener Stellplatz wäre. Das Verlangen der Menschen nach Erholung ist nach der langen Zeitz der Entbehrungen verständlicherweise groß - so ist es bei uns auch.

Kurz nach Sonnenuntergang laufen wir die nördlich von Rendsburg gelegene "Borgstedter Enge" an und suchen uns hinter der Magnetfeldversuchsanlage der Deutschen Marine einen geschützten Ankerplatz. Wir sind heute weit gekommen. Nach einem kleinen Absacker gehen wir in die Koje. Unser Bettzeug ist tatsächlich nahezu trocken geworden.

05.06.2021; NOK (Ankern in der "Borgstedter Enge") - Maasholm (Schlei)

Am heutigen Morgen stehen wir früh auf und lichten nach unserem Morgen-Kaffee den Anker, um unsere Fahrt zur Schlei fortzusetzen. Nach 2 Stunden und 40 Minuten erreichen wir die Schleuse in Kiel Holtenau. Wir machen kurz am Wartesteg fest. Bezahlen müssen wir für die Passage des NOK nichts. Nach 20 Minuten erscheint am Signalmast der Schleuse "unterbrochen Weiß" und wir dürfen schon in die Schleusenkammer einlaufen. Wir sind mit einem weiteren Segelboot die Einzigen.

Auf der Kieler Förde ist viel los. Wir motoren bis zur Ostsee und hissen die Segel mit Kurs auf Schleimünde. Es ist traumhaftes Segelwetter: Mäßiger Wind aus Ost, bei wirklich angenehmen Temperaturen. Wir sind anfangs mit über 6 Knoten unterwegs - und das bei einem Wind von nicht mehr als 4 Beaufort. Später lässt der Wind etwas nach.

Freunde von uns sind gestern aus Fahrdorf gestartet und kommen uns nun entgegen. Unsere Jüngster kann das Wiedersehen mit seiner Freundin kaum abwarten. Auch wir freuen uns auf die bevorstehende gemeinsame Zeit - es ist gefühlt schon ewig her!

Im Hafen von Maasholm bekommen wir einen wirklich tollen Liegeplatz. Wir erleben ungemein gesellige und harmonische Stunden mit unseren Freunden - auch die beiden Kinder genießen ihre Zeit mit Baden, SUP-Fahren usw. - traumhaft! Natürlich gibt es noch ein großes Eis. Es ist auch der erste Abend in dieser Saison, in der wir abends entspannt bei angenehmen Temperaturen in der Plicht sitzen können.

06.06.2021, Maasholm (Schlei) - Fahrdorf (FSV)

Wir lassen es heute ruhig angehen. Erst gegen Mittag legen wir ab. Mit ausgerollter Fock segeln wir im vielbefahrenen Fahrwasser der Schlei nach Kappeln. Bei achterlichen 2 Beaufort müssen wir später dann aber doch wieder den Motor starten.

Um 11:45 fahren wir durch die geöffnete Klappbrücke in Kappeln und nahmen Kurs auf die zweite Klappbrücke in Lindaunis. Derzeit gibt es auf Grund von Bauarbeiten nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Die alte Klappbrücke wird jeweils um 11:45 Uhr und um 16:45 für den Schiffsverkehr geöffnet. Wir legen uns erst einmal ein Stück vor der Brücke im Päckchen vor Anker. Es fängt an zu regnen, es bleibt aber angenehm warm. Die Kinder lassen es sich nicht nehmen und gehen baden.

Gegen 16:45 passiert wir dann schließlich die Lindaunisbrücke. Wir montieren den Pinnenpiloten. Doch leider stellt sich heraus, dass dieser ohne Funktion ist! Wie geht das schon wieder?? Gestern ging er doch noch! Bei der Suche nach der Fehlerursache stoße ich schließlich auf den Stecker der Fernbedienung. Hier ist die Schirmung innerhalb des Steckers gerissen. Na super! Ich muss versuchen, die beiden Enden durch Löten wieder zusammenzubringen. Um dafür genügend Länge zum Überlappen der Enden zu bekommen, muss ich versuchen, das feine Geflecht der Schirmung zu "entdröseln", um es dann zu einem lötfähigen Ende zu formen. Nach dem Verlöten muss ich die Verbindung dann noch mit Tape umwickeln, um es in dem kleinen und filigranen Stecker gegen die anderen Adern zu isolieren. Beim Zusammenschrauben des Steckers, darf kein Kontakt zu den anderen Leitungen entstehen. Die Schirmung ist durch die überlappenden Enden deutlich kürzer als die verbliebenen Adern geworden. Diese münden in kleinen, raumeinnehmenden Schlaufen in die Krimphülsen des Steckers. Das Ganze muss dann auch wieder Platz in den beengten Verhältnissen des elend kleinen Steckers finden. Beim Zusammenbau muss ich dementsprechend viel Kraft zum Zusammenfügen des Steckers aufbringen. Ich hoffe, dass dabei weder die Isolierung noch die Lötverbindung selber Schaden nehmen. Der anschließende Funktionstest zeigt dann, dass alles gut gegangen ist.

Gegen halb sieben abends laufen wir in den Hafen des FSV ein. Leider müssen wir noch irgendwie nach Hause kommen, was sich nach dem Blick auf die Bahn-App schwierig gestaltet hätte. Denn auf Grund von Bauarbeiten kommt es mal wieder zu Verzögerungen im Betriebsablauf und Anschlusszüge können möglicherweise nicht erreicht werden. Das würde dann mindestens eine Stunde Wartezeit in Neumünster bedeuten. Das ganze dann auf einen Sonntag gegen 21 Uhr mit Gepäck und einem völlig übermüdeten Kind, dass morgen in die Schule soll. Wir sind unfassbar dankbar, dass unsere Freunde uns vor diesem Horrorszenario bewahren und uns nach Glückstadt bringen! Wir sind unendlich dankbar! Rührend ist auch, dass Piets Freundin noch mitkommt, die ja morgen auch wieder in die Schule muss. Als kleine Anerkennung und Zeichen des Dankes machen wir in Itzehoe bei einem Schnellrestaurant Stopp. Es gibt "Burger und Pommes satt" (vielleicht war es am Ende teilweise auch schon mehr als "satt").

Wieder einmal liegt ein ereignisreiches und erfüllendes Wochenende hinter uns. Alleine die Frage mit dem Antifouling bleibt. Mal sehen, ob und wie wir das ggf. hinbekommen.

 




In weiser Voraussicht!

01.06.2021; SVE - Glückstadt

Der Blick auf die Windvorhersage lässt nichts gutes Vermuten: Mittwoch und Donnerstag sind 6 Beaufort aus östlicher Richtung vorhergesagt. Das bedeutet, dass wenig Wasser auflaufen wird und wir vermutlich nicht aus unserem Hafen kommen. Die Wasserstandsvorhersage des BSH bestätigt unserer Vermutung. Freitag fällt das Hochwasser einen halben Meter niedriger, als das mittlere Hochwasser aus.

Wir haben nur eine Chance, am Wochenende zu schippern: Wir müssen das Schiff rechtzeitig verholen. Da wir nur heute die Zeit dafür haben, entschließen wir uns ganz kurzfristig am heutigen Nachmittag, das Schiff mit dem Abendhochwasser (um 20:32 in Elmshorn) nach Glückstadt zu verholen.

Kurz vor 19 Uhr kommen wir vom Platz. Das Wetter ist glücklicherweise traumhaft: Die Sonne scheint und es ist warm - leider ist kein Wind zum Segeln.

Kurz hinter dem Ruderclub ist eine sehr flache Stelle. Dort liegt ein Plattbodenschiff fest. Es ist die "Johanna" aus Wittdün auf Amrum. Mit dem Schiff wird die Sendereihe "Die Nordstory" des NDR gedreht. Wirklich ein hübsches Schiff. Leider versperrt es jetzt den Weg. Ich fahre ganz dicht heran und wir kommen ins Gespräch. Sie hatten den Elmshorner Hafen angesteuert und sind auf dem Weg dort hin vor unserem Vereinsgelände quergeschlagen. Das liegt daran, dass der Priel an dieser Stelle ganz nahe an der Spuntwand unseres Vereinsgeländes verläuft. Die "Johanna" ist dann mit der Backbordseite im Schlick hängen geblieben, so dass das Schiff einen Drehimpuls nach Backbord bekommen hat. Sie sind dann wieder die Krückau hinunter Richtung Elbe gefahren und bei der flachen Stelle hinter dem Ruderverein steckengeblieben und zur Sicherheit den Anker ausgebracht. Sie erkundigen sich sehr genau, wie der Elmshorner Hafen anzulaufen ist. Wir antworten nach bestem Wissen und gewissen und hoffen, dass sie nicht aufgeben und es später wieder versuchen. Wäre ja schade, wenn Elmshorn die Chane verpasst, in der "Nord Story" berücksichtigt zu werden. (Ich rufe im Nachgang beim Stadtmarketing Elmshorn an. Sie haben über die Aktion jedoch keine Info erhalten, wollen aber versuchen, Kontakt zum Filmteam aufzunehmen.)

Schließlich ist so viel Zeit vergangen, dass wir an der Backbordseite der "Johanna" vorbeifahren können.

Unser Heimatgewässer präsentiert sich wieder einmal von seiner schönsten Seite: Farbenreich mit frischem Frühlingsgrün. Dabei ist die Krückau ist so glatt, dass sich das Ufer darin spiegelt.

Nach einer Stunde kommen wir auf die Elbe und wir fahren der untergehenden Sonne entgegen. Die Fahrt in den Glückstädter Hafen dauert ziemlich genau zwei Stunden.  Gegen 21Uhr machen wir im Hafen fest. Glücklicherweise haben wir noch unseren Polo von der Wochenendaktion dort stehen, so dass wir nicht mit der Bahn nach Hause fahren müssen.

Wir sind gespannt, wie es nächstes Wochenende weiter geht. Wir hätten die Möglichkeit an der Schlei zu liegen. Leider haben wir aber kein Antifouling aufgebracht. Wie schnell wächst unser Unterwasserschiff mit Pocken zu? Haben wir an der Schlei die Möglichkeit, ggf. das Schiff vor dem Sommerurlaub aus dem Wasser zu holen, um das Antifouling noch aufzutragen? Fragen über Fragen - wir werden sehen, es bleibt spannend!

Delphine unter sich.

28.05.2021, SVE - Pagensand Süd (Pagen Süd)

Ganz nach dem Motto "Negativ ist das neue Positiv" haben wir uns noch schnell einen "time slot" bei einer Corona-Teststelle in Elmshorn gebucht. Dieses Mal ist der Ablauf tadellos. Zu Pfingsten hatten wir nämlich Pech: Wir mussten trotz der Buchung eines "time Slot" fast eine Stunde in einer langen Schlange warten. In dieser Stunde hatte ich dann genügend Zeit mich in meine Wut über diese grottenschlechte Organisation reinzusteigen und nach außen zu transportieren. Wir erfuhren dann, dass es auf Grund einer "technischen Panne" zu Mehrfachbuchungen gekommen ist -na gut, kann passieren.

Jedenfalls haben wir den Test für den Fall gemacht, dass wir einen Hafen anlaufen wollen.

Um 18:12 Uhr ist Hochwasser in Elmshorn. Das Wasser läuft gut auf, so dass wir eigentlich gegen 16 Uhr ablegen könnten. Doch ich muss nochmal schnell nach Hause fahren, um das Handy von unserem Jüngsten und noch Brot zu holen. Gegen halb fünf legen wir dann aber schließlich ab. Auf der Krückau begegnen wir dann zahlreichen Ruderern. Wir navigieren mit großer Vorsicht und reduzieren unsere Geschwindigkeit bei JEDER Begegnung und bedanken uns bei denjenigen, die uns wartend vorbei lassen. Die meisten Ruderer erwidern unsere Geste freundlich. Doch es gibt dann tatsächlich einige wenige, die uns dann noch anpampen! Das finde ich ziemlich unangemessen, was ich dann auch denjenigen gegenüber lautstark zum Ausdruck bringe. Wie soll das erst gehen, wenn noch mehr Schiffe aus unserem Verein unterwegs sind. Bisher waren wir in dieser Saison fast die Einzigen, die losgefahren sind!

Als wir Pagen Süd erreichen, liegen bereits zwei Delphine, die "Magellan" (Stahl-Delphin) und die "Liekedeeler" (Kunststoff-Delphin) im Päckchen vor Anker. Ein tolles Bild. Wir legen uns ein Stück davor auch vor Anker. Nach dem Abendessen setzen wir mit unserem Schlauchboot zur "Magellan" über. Dort verbringen wir einen sehr geselligen Abend. Wir sind beeindruckt von dem tollen Zustand der beiden Schiffe! Wirklich zwei Schönheiten, gerade mit den wunderschönen Holzriggs! Wir danken den Ellers und Homuths für ihre Gastfreundschaft!

29.05.2021, Pagensand Süd (Pagen Süd) - Ankerplatz vor Glückstadt

Gegen 9:45 holen wir den Anker hoch und rollen die Fock aus. Mit fast achterlichen Wind laufen wir die eigentlich nahegelegene Südspitze von Pagensand an. Gegen das ablaufende Wasser laufen wir aber teilweise unter 1 Knoten über Grund. Wir sind für die "paar Meter" bestimmt eine halbe Stunde unterwegs. Das Groß wollen wir deshalb aber nicht auspacken. Wir müssen uns in Geduld üben - genau eine meiner Stärken!

Als wir auf den Hauptarm der Elbe kommen, nimmt der Wind deutlich zu. Wir kreuzen nur unter Fock bis zur Einfahrt zur Glückstädter Nebenelbe. Es ist viel Berufsschifffahrt unterwegs, auch der Katamaran nach Helgoland kommt mit hoher Geschwindigkeit aus Hamburg angeschossen. Beim ständigen Queren des Hauptfahrwassers ist große Aufmerksamkeit geboten. Es gilt den Wind, die Strömung und die Geschwindigkeit der sich nähernden Berufsschiffe richtig einzuschätzen. Obwohl wir nur die Fock ausgerollt haben, kommen wir gut voran - das ablaufende Wasser spielt uns hierbei natürlich in die Karten.

Bei fast totaler Ebbe erreichen wir die Einmündung zur Glückstädter Nebenelbe. Genau hier lässt uns der Wind im Stich. Ich versuche alles auszureizen, muss dann aber im letzten Augenblick den Motor starten, da wir quer auf ein in Lee gelegenes Flach getrieben werden. Es mangelt schlichtweg an Fahrt im Schiff. Auf dem Flach liegt bereits ein Motorboot "hoch und trocken". Glücklicherweise können wir uns immer auf unseren Motor verlassen - wenn wir ihn brauchen, springt er sofort an!

Bei Hochwasser sieht der südliche Teil der Rhinplate aus wie eine Insel - fast wie eine karibische Insel!

Die Einfahrt zur Glückstädter Nebenelbe ist (bei Ebbe) wirklich flach. Wir haben teilweise nur 70 cm unterm Kiel.

Gegenüber der Einfahrt zum Glückstädter Hafen legen wir uns östlich von der Rhinplate vor Anker. Gegen 14 Uhr holen wir den Anker wieder hoch und ich setze Nicole im Hafen an einem der Schwimmstege ab. Nicole fährt mit der Bahn zur Jahreshauptversammlung, die leider dieses Jahr so spät auf einen Samstag gelegt wurde. Sie kommt dort ihrer Aufgabe als "Pressebeauftragte" nach.

Ich fahre derweil mit Piet wieder zur unserer Ankerstelle zurück. Am Nachmittag klariere ich dann das Schlauchboot mitsamt Außenborder, um mit unserem Jüngsten zum Glückstädter Hafen übersetzen zu können. Die Strömung auf der Nebenelbe ist ziemlich stark, so dass ich beim Ansteuern der Hafeneinfahrt den Kurs um fast 45° vorhalten muss.

Natürlich ist es ein komisches Gefühl, unser Schiff ganz alleine vor Anker, bei der starken Strömung zu lassen. Allerdings kann nicht viel passieren, denn der Anker hat bis jetzt immer gehalten. Und selbst wenn er sich löst, wird unser Schiff mit dem ausgebrachten Anker mit vielen Metern Ankerkette nicht weit kommen. Denn die Glückstädter Nebenelbe wird stromaufwärts, spätestens zum Mündungsbereich zur Hauptelbe flacher, so dass sich dort der Anker sicher festsetzen würde.

Am frühen Abend hole ich Nicole wieder vom Glückstädter Hafen ab. Dieser ist mittlerweile proppe voll und ein Festmachen zu umständlich und zeitaufwendig. Daher manövriere ich das Schiff in einem U-förmigen Kurs an dass Stegende. Nach der 180°-Wende fahre ich dicht am Stegende vorbei und viere bei geringer Fahrt die Vorleine unseres Schlauchboots, das mit auflandigen Wind zum Steg treibt. Nicole steigt dann in das Schlauchboot über und hole die Vorleine ein, so dass Nicole an Bord der Hanna klettern kann.

Das ist jedenfalls Hafenkino pur - das Unterhaltungsangebot wird von zahlreichen schaulustigen Hafenliegern gut angenommen.

Wir entschließen uns dann , keine langen Strecken mehr zu fahren, so dass wir hinter der Hafeneinfahrt links, elbaufwärts abbiegen und uns vor dem südlichen Teil der Rhinplate vor Anker legen. Am späteren Abend legt sich dann ein weiteres Schwesterschiff mit dem Namen "Antje" hinter uns vor Anker.

30.05.2021, Ankerplatz Glückstädter Nebenelbe (Rhinplate) - SVE

Gegen Mittag klart es auf und wir lichten den Anker. Mit zunächst nur ausgerollter Fock segeln wir mit auflaufendem Wasser auf die Hauptelbe. Die Durchfahrt gestaltet sich navigatorisch wieder etwas schwierig, da dort Baggerarbeiten stattfinden. Wieder einmal liegt dort ein Boot auf der Sandbank.

Wir steuern schließlich, mit zusätzlich gesetztem Großsegel, Schwarztonnensand an. Wir kommen aber bei dem niedrigen Wasserstand nicht mal in die nähe der Pricken, die zu der tiefen Stelle hinter Schwarztonnensand führen. Also segeln wir weiter und legen uns dann zwischen Kollmar und "Grüner Mann" vor Anker. Mit dem Abendhochwasser fahren wir dann die Krückau hinauf. unser Jüngster lässt sich im Schlauchboot hinterherziehen

Weidereinmal geht ein schönes Wochenende auf unserer Hanna zu Ende. Das schöne Wetter von heute mit deutlich angenehmeren Temperaturen macht uns Hoffnung auf weitere schöne Tage an Bord!





Virales Abslippen!

Samstag, 17.04.2021, SVE

Nach langen Wochen/Monaten des Wartens kommt nun heute unverhofft Bewegung in die Bootshalle. Als wir am frühen Abend auf das Vereinsgelände fahren, sind unsere Nachbarschiffe auf ihren Slipwagen schon vor dem Hallentor und bereit zum Abslippen - ein großartiger Anblick! Nicole und ich machen uns sofort an die Arbeit: Wir gehen in der Bootshalle zu unserem Schiff und machen uns daran, dieses auf unserem Slipwagen stehend quer in Richtung der Schienen zu schieben. Das ist zu Zweit zwar nicht unbedingt eine leichte Aufgabe, aber ich will unbedingt wissen, ob es notfalls auch alleine geht. Unser Slipwagen ist recht leichtgängig und wir können diesen mitsamt unserem Schiff, das gut sechs Tonnen wiegt, per Hand verschieben. Als wir allerdings die Schienen erreichen, wird es schwierig: Wir haben zum Schutz der Schienen, Bleche auf dieselben gelegt. Es ist unmöglich die schwere Last des Slipwagens mitsamt dem Schiff auf die mehrere Millimeter starken Bleche hoch zu schieben. Ohne Hilfsmittel haben wir keine Chance! Unter Zuhilfenahme eines Wuchtbaumes, sowie einer Kurbelwinde, die wir schräg an den Slipwagen ansetzen, schaffen wir es schließlich, den Slipwagen über den Schienen zu positionieren. Mithilfe zweier Kurbelwinden, die wir erst vorne un dann hinten am Slipwagen ansetzen, bauen wir die Querräder aus und setzen den Slipwagen auf die Schienen. Insgesamt dauert das ganze nicht viel länger als 45 Minuten und wir haben unser Schiff in der Halle vor das geschlossene Tor geschoben - genial!

Dann geht eigentlich Alles ganz schnell. Das erste Schiff gleitet bei auflaufender Tide ins Wasser, danach folgt wenig später das nächste. Wir arbeiten Alle Hand in Hand - das macht richtig Spaß! Der Virus (Segelvirus!) hat uns vollends gepackt. Als der Rumpf unseres Schiffes das Wasser berührt, steigt der Adrenalinpegel! Sowie unsere Hanna schwimmt, startet Nicole den Motor. Wir verholen uns zu unserem Liegeplatz. Wir können unser Glück kaum fassen! Der Hafen des SVE ist wirklich sehr schön - eigentlich könnte man hier auch Urlaub machen!

Montag, 18.04.2021, SVE

Gegen 21 Uhr ist Hochwasser in Elmshorn. Wir kommen aber schon ca. 1,5 Stunden vorher von unserem Platz und können unser Schiff zum Mastenkran verholen. Um das Zeitfenster, dass wir bei Hochwasser für das Setzten des Mastes zur Verfügung haben, nicht all zu sehr über zu strapazieren, haben wir vorher den Mastenkran vorbereitet. Dazu gehört dieses Mal auch das Hochkurbeln des Auslegers, der für den Winter vollständig herunter gelassen wurde Wir müssen bestimmt 20 Minuten kurbeln, um den Ausleger auf die richtige Höhe zu bekommen.

Wir hatten den Mast schon am Wochenende akribisch vorbereitet. Wir wollen dieses Jahr auf gar keinen Fall irgendeinen Fehler machen. Letztes Jahr, so habe ich es nach dem Legen des Masten im vergangen Herbst herausgefunden, hatte sich die Steckerverbindung für den Windmesser im Masttop teilweise gelöst bzw. gelockert, so dass kein Signal mehr an die Anzeige an Deck gesendet werden konnte. Durch Alterung des Materials sitzt die Steckerverbindung einfach nicht mehr stramm genug. Ich achte also peinlichst darauf, dass die Stecker vollkommen zusammengedrückt sind und umwickle das Ganze, so wie jedes Jahr, mit selbst verschweißendes Isolierband gegen eindringende Feuchtigkeit.

Der Mast ist dann, dank der Hilfe unserer ältesten Tochter und ihrem Freund, schnell gesetzt.

Dieses Jahr ist irgendwie Alles anders: Wir sind die Ersten im Hafen mit gestellten Mast (Bild: Kleine Suchaufgabe). Wir sind wirklich gespannt, wie diese Saison verläuft!

Letzte Beiträge

Ein Wochenende auf der Elbe – Erstes Mal in Brunsbüttel (alter Hafen)

18.09.2020, SVE - Ankern gegenüber der Rhinplate

Gemäß Wettervorhersage wird es ein grandioses Wochenende mit viel Sonne, angenehmen Temperaturen allerdings wenig Wind - wir werden viel motoren.

Die Fahrt entlang der Krückau zur Elbe ist wunderschön und ist ein toller Start ins Wochenende. Der Fluß wird von saftigen Wiesen, mit grasenden Kühen und Schafen, sowie idyllisch gelegenen kleinen Häfen gesäumt. Als wir das Krückausperrwerk erreichen, erscheint es uns wie das Tor zur großen, weiten Welt.

Von unserem ursprünglichen Plan, direkt gegenüber von der Krückaumündung vor Anker zu gehen, kehren wir ab und fahren zur Glückstädter Nebenelbe, wo wir uns gegenüber von der Rhinplate vor Anker legen wollen. Unterwegs bereitet Nicole eine kleine und leckere Vorspeise zu.

Als wir dann unsere Ankerstelle erreichen, erscheint der Versuch, am Anker eine Ankerboje zu belassen, gerade zu lächerlich. Als ich nämlich den Anker mitsamt der Ankerboje einschließlich ausreichend langer Leine ins Wasser bringe, wird die Boje fast komplett unter Wasser gezogen. Die Strömung des abfließenden Wassers ist einfach zu stark. Am Anker entsteht ein zu großer Zug, so dass wir Gefahr laufen, dass sich der Anker womöglich löst. Ich hole den ganzen Krempel wieder ein und lasse den Anker ohne Boje zu Wasser.

Wir erleben einen traumhafter Abend mit leckerem Sushi von unserem "Einkaufsmarkt des Vertrauens" sowie zu späterer Stunde einen wunderschönen Sonnenuntergang.

19.09.2020, Ankern gegenüber der Rhinplate - Brunsbüttel, alter Hafen

Alle sechs Stunden kippt ja die Tide - also sechs Stunden läuft das Wasser auf und 6 Stunden läuft es wieder ab. Gestern Abend war gegen 17 Hochwasser in Glückstadt. Gegen Mitternacht war dann Niedrigwasser und gegen sechs Uhr entsprechend Hochwasser. Die Tide ist also während unseres Schlafens zwei Mal gekippt. Für mich ist es jedes Mal wieder faszinierend, dass der Anker so zuverlässig hält und das, obwohl Wasserpegel ändert und sich die Fließrichtung des Tidenstroms umkehrt. Fairerweise muss ich erwähnen, dass wir ausschließlich Anker-Kette ausbringen, und nicht nur ein paar Meter Kette als Vorlauf.

Bei unserem morgendlichen Kaffee fangen wir an zu rechnen, denn wir wollen heute nach Brunsbüttel in den alten Hafen, der ca. zwei Stunden vor und nach Niedrigwasser bei einem angenommenen Tiefgang von 1,80 Metern (unser Schiff hat nur 1,10 m) angefahren werden kann. Der SVB  (Seglervereinigung Brunsbüttel) hält hierfür eine übersichtliche grafische Darstellung als PDF auf seiner Webseite zum Download bereit.

Als gegebene Größen haben wir:

  • Die Uhrzeit des Niedrigwassers in Brunsbüttel: 10:58, also bummelig 11 Uhr (Quelle: z. B. Windfinder, oder die Webseite des BSH).
  • Außerdem haben wir als Distanz ca. 13 sm (von unserem Ankerplatz bei Glückstadt, bis zur Hafeneinfahrt in Brunsbüttel).
  • Des Weiteren nehmen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten/Stunde an.

Es ergibt sich also eine rechnerische Fahrzeit von ca. 2,5 Stunden. Da wir 2 Stunden nach Niedrigwasser in den Hafen können, rechnen wir 11 Uhr + 2 Stunden = 13 Uhr. Bei einer Fahrzeit von 2,5 Stunden, würde es also reichen, wenn wir gegen 10:30 Uhr aufbrechen.

Wir holen jedoch trotz Allem den Anker schon um 8 Uhr hoch und lassen uns dann Zeit, in dem wir nur die Fock ausrollen. Wir sind eine ganze Weile mit 3,5 bis 4,4 Knoten über Grund unterwegs. Später schläft der Wind allerdings vollständig ein und wir starten den Motor, um auf der vielbefahrenen Elbe manövrierfähig zu bleiben. Trotz aller Langsamkeit, sind wir dann aber viel zu früh in Brunsbüttel. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn wir nutzen die Zeit und inspizieren von der Elbe aus die Einfahrt zum alten Hafen und versuchen uns den Verlauf der Einfahrt einzuprägen. Es gibt im Übrigen von hier aus ohnehin viel zu gucken, denn es herrscht ein sehr reger Schiffsverkehr (einmal elbaufwärts, Richtung Hamburg, dann der Verkehr in und aus dem Nord-Ostsee-Kanal sowie die vielen Schiffe und Schuten, die an der Elbvertiefung arbeiten, plus die ganzen Freizeitschipper).

Gegen 12:40 können wir dann sogar schon in den Hafen hineinfahren. Das sind statt zwei Stunden nach Niedrigwasser, nur 1 Stunde und 40 Minuten. Wir hätten vermutlich sogar auch noch früher reingekonnt. Da wir uns den tiefen Bereich der Einfahrt gemerkt bzw. auch fotografiert hatten, konnten wir ohne stecken zu bleiben in den Hafen fahren. Nicht so viel Glück hatte der Segler  (s. Bild), den wir dann umschiffen mussten.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist eines der hilfsbereiten Mitglieder des SVB, der sich mit uns vor der Hafeneinfahrt in Warteposition befand. Er fragte uns nach unserem Tiefgang und gab uns dann zum passenden Zeitpunkt ein Zeichen, dass wir hineinfahren können. Er ist uns außerdem bei der Wahl des Liegeplatze behilflich. Wirklich sehr nett! Er stellt uns dann auch noch den Kontakt zu dem Fischer her, der vor uns in den Hafen eingelaufen ist. Wir bekommen frische Krabben - wir sind echt begeistert!

Wir liegen von der Elbe aus gesehen ziemlich weit vorne rechts, so dass wir einen wunderschönen Blick nach draußen auf die Elbe haben.

Später pumpe ich das Schlauchboot auf und montiere den Außenborder am Heck des Schlauchbootes. Wir unternehmen eine kleine Spaß-Tour, ganz im Sinne unseres Kleinsten. Anschließend gehen wir sogar noch einmal baden - ein Highlight!

Abends leihen wir uns dann Fahrräder vom SVB aus (kostenlos) und fahren zur Schleuse - hier ist ordentlich Betrieb - der Schleusenhafen ist voll mit Sportbooten. Wir treffen Vereinskameraden. Nach einem leckeren Essen direkt an der Kanalschleuse geht's dann zurück an Bord. Als wir im Dunklen an Bord steigen, bewegt sich unser Schiff keinen Millimeter: Das Wasser ist bereits soweit abgeflossen, so dass wir "trocken" liegen.

 

19.09.2020, Brunsbüttel, alter Hafen - SVE

Durch die Gezeiten werden wir "gezwungen", den Vormittag im Hafen zu bleiben. Und das ist auch gut so. Wir leihen uns wieder  Fahrräder und fahren zur Brunsbütteler Mole, von wo man einen phantastischen Blick auf die Elbe und die Einfahrt zur Schleuse hat. Anschließend fahren wir entlang des Außendeiches zur Schleuse. Die Sonne scheint und es ist warm. Viele Tagestouristen sind unterwegs.

Gegen Mittag dann ist die Tide soweit aufgelaufen, dass wir vom Platz kommen und durch die Hafeneinfahrt des alten Brunsbütteler Hafens auf die Elbe fahren. Wir hatten uns zuvor erneut den Verlauf des tiefen Bereiches der Hafeneinfahrt bei Ebbe eingeprägt und zur Sicherheit fotografiert.

Wenn man den alten Hafen von Brunsbüttel verlässt, ist man gut beraten, sich genau die Verkehrssituation der Berufsschifffahrt auf der Elbe zu vergegenwärtigen, um Überraschungen zu vermeiden. Wir werfen einen Blick auf das AIS, um zu sehen, ob gerade Schiffe aus der Kanalschleuse kommen. Wir haben Glück: Zur Zeit verlässt kein Schiff die Schleuse Richtung Elbe. Allerdings hat sich gerade die kleine Schleuse mit unglaublich vielen Freizeitbooten entladen. Ein Geschwader von bestimmt 20 Schiffen bewegt sich vor uns Richtung Hamburg. Einige queren direkt das Fahrwasser zur Südseite der Elbe, einige bleiben auf der Nordseite. Auch wir navigieren hier Richtung Glückstadt, knapp neben dem Hauptfahrwasser.

Wir sind rechtzeitig, bevor wir in die Krückau können, vor der Krückaumündung und nutzen die Wartezeit für eine kleine Anker-Session und gehen sogar noch einmal baden. Die Strömung ist hier nicht so stark, wie an andern Stellen der Elbe und man kann locker gegenan schwimmen. Trotzdem bringen wir, insbesondere für unseren Jüngsten, einen Fender an einer langen Leine nach achtern aus.

Während der Fahrt auf der Krückau, machen wir schon einmal Klarschiff und packen unsere Sachen. Denn wir müssen zügig nach Hause, da wir heute mit unseren Kindern zusammen zu Abend essen wollen.

Wir waren das erste Mal im alten Hafen von Brunsbüttel und wir sind uns sicher, nicht das letzte Mal!