Spannende Manöver!

23.07.2022, Apenrade - Barsø

Unser Liegeplatznachbar will heute alleine mit seiner jüngeren Tochter weiter nach Barsø segeln, seine Frau und seine ältere Tochter gehen von Bord. Wir entschließen uns, auch dort hin zu fahren und Sonntag erst weiter Richtung Norden. Der Wind kommt günstiger Weise aus Westen. Wir liegen in Apenrade ganz außen, also ideal, um ohne Motor aus dem Hafen zu fahren. Wir ziehen uns aus der Box und ich drücke unseren Bug Richtung Ausfahrt. Dann rollen wir die Fock aus und segeln hinaus auf den Aabenraa Fjord. Später setzen wir noch das Groß. Unsere Hanna beschleunigt auf teilweise über 6 Knoten - so macht das Spaß!

Barsø ist ein kleiner, entzückender Naturhafen. Dort liegen zwei Segelschiffe: Eine Däne und unser Liegeplatznachbar mit seinem Zweimaster. Unser Jüngster geht mit den Beiden über zwei Stunden auf Entdeckungstour - großartig! Nicole und ich erkunden derweil die Umgebung (ohne viel zu lufen). Es gibt ein kleines Cafe mit dem Namen "Bar*s Kaffehus". Hier gibt es leckeres Eis und selbstgemachten Kuchen. Auch Bier und Wein wird angeboten.

Abends sitzen wir noch bis spät in die Nach zusammen. Wir werden dann Zeugen eines besonderen Schauspiels: Hinter der Anhöhe der kleinen Insel Barsø hören und sehen wir wenig später, wie ein großer Militärhubschrauber emporsteigt.

Wir werfen einen Blick auf die Marine Traffic App. Dort sind viele Signale von Militärschiffen zu sehen, die sich in dem nördlich der Insel Barsø abgesteckten Sperrgebiet zu einem Manöver zusammengefunden haben. Auch das Signal des Militärhubschraubers lässt sich auf der App verfolgen. Das Muster des aufgezeichneten AIS-Signals ist fast deckungsgleich mit der Kennzeichnung der beiden, sich überlappenden Sperrgebiete und  lässt auf einen Patrouilleflug, schließen. Wir sind tatsächlich Vorgestern durch dieses Gebiet hindurch gefahren. dass

Gegen 22:30 Uhr, es ist bereits dunkel, fliegt das riesige Monstrum fast über unsere Köpfe hinweg. Nicht nur unsere Kinder sind beeindruckt von diesem Spektakel. Freundlicherweise ist das Manöver gegen Mitternacht beendet.

24.07.2022, Barsø - Ankern bei Fænø

Wir wollen weiter Richtung Norden. Wir umrunden die Insel Barsø nördlich, also dort, wo gestern noch die Manöver stattgefunden haben. Nichts davon ist jetzt mehr davon zu sehen. Nördlich der Insel Brandø setzen wir die Segel. Der Wind kommt achterlich und nimmt deutlich zu. Wir segeln "Schmetterling " (Großsegel auf Backbord, Fock auf Steuerbord) und laufen teilweise über 7 Knoten. Wir sind heilfroh, dass wir unser Unterwasserschiff von den lästigen Seepocken befreit haben. Auf Höhe der Middelfart Marina bergen die Segel ab und suchen uns einen Ankerplatz in der gut besuchten Bucht, östlich der Insel Fænø.

25.07.2022, Ankern bei Fænø - Vejle Lystbådehavn

Heute ist frühes Aufstehen angesagt. Unser nächstes Ziel ist Vejle und wir hoffen, dass wir noch vor dem vorhergesagten Gewitter dort ankommen. Gegen 7 Uhr lichten wir den Anker und nehmen unter Motor Kurs auf Vejle. Der Vejle Fjord ist lang aber auch sehr schön. Nach knapp vier Stunden laufen wir in den großen Hafen von Vejle ein. Wir haben Glück und bekommen gleich ganz vorne, ganz außen am Steg einen Liegeplatz. So haben wir zumindest Sicht auf den Fjord und auf die große Autobahnbrücke. Später kommen unsere Freunde aus Fahrdorf hinzu. Unser Plan für morgen ist ein Besuch im Legoland in Billund. Unsere Kinder sollen es auch mal gut haben!

Der Sportboothafen von Vejle ist ziemlich groß und wurde vor Jahren umgebaut. Am Hafenkopf sind zum Teil imposante Gebäude entstanden. Besonders markant ist der wellenförmige Wohnkomplex Bølgen auf der nördlichen Seite des Hafenkopfes. Eine Besonderheit in diesem Hafen ist auch dieStromversorgung für Gäste: Der Strom ist zwar im Liegegeld inkludiert, allerdings steht dafür an den Stromsäulen exakt nur ein Anschluss zur Verfügung. Die anderen Anschlüsse sind für die Festlieger reserviert. An unserer Säule steht uns dann erschwerend nur ein roter Starkstromanschluss zur Verfügung. Einen geeigneten Adapter dafür haben wir natürlich nicht. Wir verlängern unser Kabel schließlich so weit, dass wir uns bei unseren Freunden dranhängen können.

26.07.2022, Hafentag im "Vejle Lystbådehavn"

Zur unserer großen Freude unserer Kinder geht es heute also ins Legoland. Dafür starten wir um 9 Uhr zu Fuß zur Busstation. Ich nutze unseren kleinen Roller, um meinen Fuß zu schonen. Wir nehmen den Bus Nr. 143 und ist planmäßig 43 Minuten unterwegs. Als wir im Bus bezahlen wollen, funktioniert die Kasse nicht, wir brauchen Nichts bezahlen - genial! Die Fahrt nach Billund dauert dann doch deutlich länger, da wir offensichtlich nicht die Einzigen sind, die heute ins Legoland wollen. Vor dem Kreisel, von dem man zum Legoland abbiegt, stehen wir bestimmt eine halbe Stunde. Als wir dann am Eingang zum Legoland aussteigen, ahnen wir schon, was auf uns zu kommt: Menschenmassen auf dem Platz vor dem Eingang und Menschenmassen, die aus allen Richtung dort hin strömen. Es wird dann im Legoland unglaublich voll. Egal was wir unternehmen wollen, eine Stunde oder länger müssten wir dort anstehen. Unsere Kinder schaffen gerade einmal zwei Fahrgeschäfte, das sehr ärgerlich,; dafür ist der Eintritt einfach zu teuer. Die Enttäuschung ist nachvollziehbar. Wir machen trotzdem das Beste draus, es gibt ja eine Menge zu gucken. Mein Gesamtperformance ist durch das Antibiotikum nach wie vor reduziert. Die Phase der Rekonvaleszenz dauert leider fort, eine Restitution noch nicht in Sicht.

Abends gehen wir dann in Vejle zum Italiener "L'angolo Italiano" - dort gibt es wirklich leckere Pizza und auch Bruscetta.

 



Gewitter im Nacken!

24.06.2022, Fahrdorf (FSV) - Brodersby Marina

Heute wäre eigentlich die Abschlussfeier unserer Mittleren gewesen, aber Corona hat uns dazwischen gefunkt. Es ist nun der zweite Fall bei uns in der Familie. Nicole und ich separieren uns zusammen mit unserem Jüngsten, in der Hoffnung, dass wir uns nicht angesteckt haben. Es gibt natürlich schlimmeres, als sich auf unserem Boot zu isolieren, ist schon klar!

Dennoch: Auf der Fahrt nach Fahrdorf werfe ich mal wieder einen Blick auf die Wetter-App; ich hätte es besser bleiben lassen! Wieder einmal genau zum Wochenende sind Gewitter vorhergesagt. Ich mag Gewitter, aber nicht wenn wir mitten auf dem Wasser oder vor Anker sind!

Da sich die Hinweise auf ein herannahendes Gewitter verdichten, beeilen wir uns in Fahrdorf, los zu kommen. Bevor das Unwetter über uns hereinbricht, wollen wir sehr gerne irgendwo geschützt liegen. Während wir die Schlei Richtung Ostsee hinunter motoren, überlegen wir uns ein geeignetes Ziel. Viele Optionen haben wir nicht mehr, denn die dunkle Wand kommt uns von schräg achtern inzwischen gefährlich nahe. Vor uns liegt noch die Große Breite, rechts von uns Stexvig. Schaffen wir es noch über die Große Breite bis nach Brodersby Marina, wo wir sicherlich schön geschützt liegen würden? Oder sollten wir lieber hier und jetzt rechts abbiegen und in Stexvig festmachen? Todesmutig entschließen wir uns für Brodersby. Ganz wohl ist mir bei der Sache nicht! Ich drücke den Gashebel noch ein kleines Stückchen nach vorne. Hinter uns bildet sich mittlerweile ein Wolkenwalze und die dunkle Wand sieht wirklich bedrohlich aus. Wir gewinnen das Rennen ganz knapp: Als wir Brodersby Marina erreichen finden wir den einzigen, für uns passenden und grün gekennzeichneten Platz. Das Anlegen klappt erst beim zweiten Versuch, da auch noch ordentlich Querströmung herrscht. Exakt nach dem Festmachen der letzten Leine, fängt es an zu regnen und es kommen starke Windböen aus Südwest - mehr kommt dann allerdings nicht, das Gewitter streift uns nur. Wir springen schnell nochmal vom Boot aus in die Schlei - ein großes Vergnügen, die Schlei hat 22°C!

Nach dem Abendessen soll es ein Eis geben, so dass wir zu dem Kiosk hinter dem Missunder Fährhaus gehen. Doch leider hat der schon zu. Also gehen wir zurück und versuchen unser Glück bei der "Tonne 98". Dort bekommen wir tatsächlich noch ein leckeres Eis.

25.06.2022, Brodersby Marina - Ankern nördlich der "Liebesinsel"

Ein wunderschöner Morgen - wir trinken in der frühen Morgensonne unseren Kaffee, herrliche Ruhe! Um 8 Uhr starten wir den Motor und verholen uns zum Frühstücken ins Missunder Noor. Anschließend fahren wir noch ein Stück weiter und legen uns ein Stück nördlich der "Liebesinsel" vor Anker. Es ist der ideale Zeitpunkt, um nochmal das Manöver mit Leine im Propeller zu üben. Beim Rückwärtsfahren kommt irgendwie die Schwimmleine des Schlauchbootes, das wie hinterhergezogen hatten, in die Schraube. Mit einem wahnsinnigen Ruck reißt die Leine an der Klampe unseres Schiffes - ein riesen Schreck, aber wir kennen das schon. Die Welle dreht sich glücklicherweise noch und Schub können wir auch noch generieren. Wir fahren den Anker ein und ich gehe routiniert an die Arbeit und fummle die kaltverfestigte Leine aus der Schraube bzw. von der Welle.

Der Ankerplatz gefällt uns jedenfalls richtig gut. Ganz nahe am Ufer, mit 0,3 Meter unter dem Kiel. Wir können neben unserem Schiff stehen. Nicole nutzt die Gelegenheit und säubert den Wasserpass. Später stehen dann auf dem Echolot nicht mal mehr 0,3 Meter unter dem Kiel, da das Wasser aus der Schlei läuft und der Pegel sinkt. Wir verholen uns dann lieber noch ein paar Meter vom Ufer weg.

Wir verbringen den Tag mit Baden und Chillen, es ist herrliches Wetter und wunderbar warm. Es ziehen immer mal wieder kleinere Gewitterzellen an uns vorbei, aber wir bekommen nie etwas ab. Ich ärgere mich, dass ich mich durch die Wettervorhersage im Vorwege habe herunterziehen lassen.

Am Nachmittag kommen unserer Freunde aus Fahrdorf dazu. Sie werfen den Ankern, aufgrund ihres Tiefganges ein Stück weiter weg vom Land. Über lange Leinen, die unsere Kinder mit dem Schlauchboot zusammen führen, ziehen wir dann unsere Schiffe zusammen.

Die Nacht verbringen wir dann wieder alleine. Es ist absolut ruhig hier und wunderschöne Natur.

25.06.2022, Ankern nördlich der "Liebesinsel" - Fahrdorf (FSV)

Der Wind dreht im Laufe des Morgens auf West und frischt ordentlich auf. Unser Schiff dreht sich mit dem Heck Richtung Land. Ich gehe tauchen und stelle fest, dass zwischen Kiel und Boden die Höhe meiner Faust passt - reicht, zumal der Boden weich ist. Gegen Mittag brechen wir dann auf. Wir drehen eine kleine Runde vor der Marina Hülsen. Wie wir gestern von unseren Freunden erfahren haben, hat das Cafe leider zu. Wir können das nur bestätigen - schade!

Wir wollen heute rechtzeitig zu Hause sein, um unserer Mittleren Tochter etwas moralische Unterstützung zu geben.

 





Anker-Session, nördlich von Borgwedel

18.06.2022, Fahrdorf (FSV) - Ankern nördlich von Borgwedel

Bei gutem Wetter ist die Schlei immer eine Anker-Session wert. Für heute sind vielversprechende 25 °C vorhergesagt, dazu Sonne satt. Dafür stehen wir dann auch gerne früh auf. Heute, Samstag, den 18. Juni, sitzen wir um 8 Uhr im Auto Richtung Fahrdorf. In Busdorf bei Schleswig kaufen wir bei dem neuen Edeka "Fick" (schwer auszusprechen!) kurz was ein. Um viertel vor 10 schmeißen wir die Leinen los und navigieren zu der Ankerstelle, nördlich von Borgwedel. Bei den angesagten 6 Beaufort ein geschützter Ort zum Ankern. Wir fahren sehr dicht ans Ufer, mit 0 Metern unter dem Kiel lasse ich den Anker zu Wasser, Nicole gibt Rückwärts und nach ein paar Metern sitzt der Anker. Unsere Freunde aus Fahrdorf wollen später längsseits kommen. Dann kann ich mehr Ankerkette rauslassen, so dass sie mit ihrer X-382 an unserer Steuerbordseite festmachen können. Doch als unsere Freunde mit ihrer X gegen Mittag angerauscht kommt, schaffe ich es nicht schnell genug, mehr Kette zu geben. In Null Komma Nichts sind unsere Freunde längsseits, so dass wir die Leinen annehmen können. Verwirrt schauen wir auf unser Echolot. Es ist mit knapp 2 Metern Wassertiefe echt knapp für die X-382, aber es passt offensichtlich! Faszinierend, wir liegen wirklich nur ein paar Meter weg vom Ufer! Ein geiler Ankerplatz!

Unsere Kinder, und wir Erwachsenen natürlich auch, erfreuen uns der milden Wassertemperaturen und der wärmenden Sonne. Es ist ein ausgesprochener Badetag. Nachmittags gehen ich eine Runde joggen und genieße dabei die wunderschöne Landschaft.

Es wird ein sehr vergnüglicher Abend zusammen mit unseren Freunden. Unsere Kinder fordern uns mit "Dobble" heraus. Ein Kartenspiel, bei dem es um das schnelle Finden von gleichen Symbolen geht - wirklich ein tolles Spiel; bis auf den Umstand, dass ich heute offensichtlich zu langsam bin. Liegt die Ursache dafür etwa in dem leckeren "Irish Red Beer" (1 Liter-Dose), dass mir unsere Freunde mitgebracht haben begründet? Das kann nicht anders sein!

Für die Nacht sind mittlerweile Gewitter vorhergesagt. Normalerweise reicht für mich der leiseste Hinweis darauf, und ich suche gerne den nächst gelegenen Hafen auf. Es ist einfaches Kopfkino, das sich bei mir abspielt. Denn es kommen so Gedanken wie: Kunststoffschiff  -> KEIN faradayscher Käfig, also kein Schutz gegen Blitze, langer Alu-Mast der an Deck endet und ein Kiel mit Blei etc. -> wo bleibt der Blitz, wenn er im Mast einschlägt? Schlägt er zum Kiel durch? Alles Blödsinn! Unsere Freund sind ganz entspannt - ich versuche es auch zu sein.

Gegen vier Uhr kommen dann tatsächlich ein paar kleinere Gewitter, begleitet von Winddrehern von satten 180 Grad. Unser Päckchen dreht sich in alle Richtungen. Teilweise liegen wir so dicht am Ufer, dass ich mich ernsthaft frage, wie das geht. Wir vermuten, dass die "X" leicht im schlickigen Untergrund festsitzt. Aber beim nächsten Winddreher sind wir wieder frei. Natürlich weiß ich, dass man niemals so nahe am Ufer ankern sollte, schon gar nicht, bei angesagten Gewittern. Aber es ist einfach zu schön, und viel passieren kann bei dem weichen Untergrund auch nicht.

19.06.2022, Ankern nördlich von Borgwedel - Fahrdorf (FSV)

Über Nacht gab es ein Temperatursturz. Heute müssen wir mit kalten 14 Grad und leichtem Nieselregen zurecht kommen. Nach einem gemütlichen gemeinsamen Frühstück bei uns der Plicht, lichten wir den Anker und es geht heimwärts. Es war eine kurze aber wirklich schöne und gesellige Anker-Session!

 


Ein Wochenende auf der Schlei -Viel Wind

10.06.2022, Fahrdorf (FSV) - Fährhaus Missunde

Wir kommen mit dem Auto recht gut durch bis nach Fahrdorf. Wir bringen den Proviant fürs Wochenende aufs Schiff und legen dann, für unsere Verhältnisse, entspannt ab. Der frische Wind kommt aus West. Das sind ideale Bedingungen, um ohne Motor aus dem Hafen zu kommen. Wir lassen uns mit dem Wind aus der Box treiben, stoppen dann am steuerborseitigen Heckpfahl auf, so dass ich unser Schiff zum nächsten Heckpfahl Richtung Hafenausfahrt drücken kann. Daran stoße ich den Bug noch ein Stück weiter, so dass etwas Fahrt ins Schiff kommt. Dann rollen wir schnell die Fock aus und wir beschleunigen weiter. Das ist auch dringend erforderlich, da wir sonst Richtung Steinwall vertreiben würden. Mit ca. drei Knoten segeln wir dann auf die Schlei und nehmen Kurs auf Missunde. Wir setzen noch das Großsegel.

Ich hatte einen Tisch für uns drei im Missunder Fährhaus reserviert, einschließlich eines Liegeplatzes. Man muss es sich auch mal gut gehen lassen! Bei Missunde sind wir dann voll in der Abdeckung, der Wind kommt hier gefühlt von allen Seiten. Wir quälen uns an der Fähre vorbei und segeln dann zunächst am Liegeplatz Nr. 27 vorbei, um die Lage abzuchecken: Ja, wir entschließen uns, hier ohne Motor in die Box zu fahren. Wir wenden, fahren einmal im Kreis und steuern dann die Box Nr. 27 mit der restlichen Fahrt im Schiff, bei eingerollter Fock in die Box. Es soll keinesfalls nach Eigenlob klingen, aber dass war ehrlich gesagt ein schönes Manöver! Es ist ein tolles Gefühl, ohne Verwendung des Motors in Fahrdorf abgelegt und hier in Missunde angelegt zu haben - das macht wirklich Spaß!

Wir genehmigen uns zur Feier des Tages ein "Anlegebier/-wein" und eine kleine Vorspeise. Wir genießen die Ruhe.

Im Missunder Fährhaus können wir dann auf der Terrasse mit wunderschönen Blick auf die Schlei sitzen und die Arbeitswoche hinter uns lassen. Das Essen schmeckt und das Personal ist wirklich sehr bemüht, auch als ein kleiner Regenschauer kommt und uns ein Sonnenschirm zum Schutz hingestellt wird. Die Chefin des Hauses kommt zu uns und heißt uns willkommen. Im Gespräch mit ihr erfahren wir, dass auch sie die Preissteigerung der Energierkosten spürt und spüren wird. Gerade die Klimaanlage ist eine von den "Stromfressen", so dass diese wohl dieses Jahr nicht betrieben wird. Das können wir gut nachvollziehen.

10.06.2022, Fährhaus Missunde - Ankern gegenüber Maasholm

Nach einem kräftigen Kaffee ziehen wir uns gegen 09:00 Uhr aus der Box und rollen die Fock aus, später setzen wir das Groß. Der Wind nimmt dann, wie vorhergesagt, deutlich zu. Auf Höhe des Gunnebyer Noors reduzieren wir die Segelfläche, später, holen wir die Segel ganz ein und lassen uns ca. 1 Seemeile vor der Lindaunisbrücke treiben. Bis zur Brückenöffnung sind noch 20 Minuten, so dass wir frühstücken. Es sammeln sich immer mehr Boote vor und hinter der Brücke und wir rollen ein ganz kleines Dreieck von der Fock aus, um Manövrierfähigkeit herzustellen. Es gibt Segler, die in dieser Wartesituation alle Segel stehen haben, wilde Manöver mit lauten Kommandos fahren und unnötig brenzlige Situationen herbeiführen. Wir versuchen uns, von diesen Schiffen fern zu halten. Als dann gegen viertel vor elf die Brückenöffnung startet, segeln wir mit geringer Fahrt von der südlichen Seite auf die Brücke zu. Wir haben den Motor "im Anschlag" aber nicht an. Wir regulieren die Geschwindigkeit mit der mehr oder weniger ausgerollten Fock. Zum richtigen Zeitpunkt reihen wir uns in die Schlange der Freizeitboote ein und rollen die Fock ganz aus, um zu beschleunigen. Die Durchfahrt ist wirklich eng und für starke Krängung beim Segeln ist hier definitiv zu wenig Platz, insbesondere, wenn Gegenverkehr ist. Wir haben den Wind allerdings achterlich, so dass unser Schiff ziemlich gerade bleibt. So schaffen wir es dann gut, ohne Motor durch die geöffnete Lindaunisbrücke zu kommen. Der Blick nach vorn und hinten verrät uns allerdings, dass wir die Einzigen sind, die hier durchsegeln.

Nun wollen wir das Groß setzen, was immer eine Herausforderung darstellt, da unser Schiff, nur unter Fock, ganz schlecht in den Wind zu bekommen ist. Daher machen wir das Ganze in mehreren Anläufen. Wir werden dann schließlich mit teilweise über 7 Knoten Fahrt belohnt.

Wir legen uns dann nördlich von Arnis vor Anker, um auf die nächste Brückenöffnung in Kappeln zu warten. Leider löst sich später unser Anker, so dass wir den Motor starten müssen. Da dieser nun ohnehin schon an ist, motoren wir bis nach Kappeln und machen am Südhafen vor der Brücke fest. Dort hat eine etwas eigentümliche und sehr maskulin wirkende Dame mit ihrem Segelboot hinter einem Traditionssegler festgemacht. Auf einem selbst gebastelten Schild steht "Hafenmeisterin". Das Schiff wirkt ungepflegt und das Unterwasserschiff scheint stark bewachsen zu sein. Die Dame hat offensichtlich um diese Tageszeit schon etwas öfter und auch tiefer in ihr Weinglas, dass auf ihrem Cockpittisch steht, geschaut. Mit rotem Kopf und fahrigen Bewegungen nimmt sie netterweise unsere Leinen an. Nicole wird allerdings, mit der Vorleine auf dem Vorschiff stehend, von der Dame unverrichteter Dinge angeschnauzt: "Jetzt schmeiß endliche diese Leine rüber!". Nicole weiß gar nicht so recht, wie ihr geschieht. Mit unserer Vorleine in der Hand, entwickelt die - wie wir später erfahren, selbsternannte "Hafenmeisterin" - ihre volle Dynamik und reißt an dieser, so dass Nicole und ich mit einiger Kraft versuchen, einen Aufprall unseres Buges mit der Spuntwand zu verhindern. Ich bleibe ruhig und rufe: "Danke, den Rest kriegen wir alleine hin!" Das war allerdings von mir zu einfach gedacht, denn die Hafenmeisterin nimmt ihren Job ernst, so dass sie sich als nächstes um unsere Heckleine kümmert.

Als wir später in unserem Cockpit sitzen, können wir eine angeregte Unterhaltung der Hafenmeisterin in ihrem Cockpit verfolgen, die sich nebenbei ein Essen zubereitet. Wir stellen dann aber fest, dass bei dem angeregten Zwiegespräch etwas entscheidendes fehlt: Es ist ein physischer Gesprächspartner! Aber das tut der Unterhaltung offensichtlich keinen Abbruch - Alles gut! Allerdings kann die herrisch wirkende Dame, mit schlaksiger Gestalt auch schnell ungehalten werden. So bekommt auf einmal ein Passant den Mittelfinger hingehalten, quasi aus dem Nichts. Ich gebe zu, dass das Treiben auf dem Nachbarschiff langsam an Unterhaltungswert gewinnt. Es soll nämlich nicht die einzige "Ansprache" von völlig unbeteiligten und ahnungslosen Passanten geblieben sein. Wir können beobachten, dass Passanten, die auf dem Hinweg dicht an uns vorbei gegangen sind, auf dem Rückweg einen großen Bogen um unsere Anlegestelle, bzw. die der Hafenmeisterin machen - ein echt lustiges und sehr skuriles Treiben!

Es hilft Nichts, die nächste Brückenöffnung wollen wir nehmen, wir starten den Motor und binden schnell los, leider nicht schnell genug! Die Hafenmeisterin merkt, dass wir ablegen wollen. Sie springt von ihrem Cockpittisch auf, hastet von Bord und greift sich unsere Spring, die einzige Leine, die wir nicht geschafft hatten, loszubinden. Dabei bekommen wir lautstark zu wissen: "Keine Schwimmwesten an, das gefällt mir gar nicht!". Mit unserer Spring in der Hand ruft sie dann zu mir rüber: "Meister, was hast Du vor?" - soll heißen, wie ist das Ablegemanöver geplant? Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon einen Abstand zur Spuntwand und ich war eigentlich im Begriff, den Vorwärtsgang einzulegen Daher entgegnete ich nur: "Ablegen!". Mit einem verächtlichen Blick zur Seite wirft sie unsere Spring an Bord und wir düsen ab.

Das war wirklich eine sonderbare Begegnung und wir fragen uns, welches Schicksal wohl hinter dieser Person steckt.

Südlich von Maasholm legen wir uns dann vor Anker. Der Wind lässt unser Schiff ordentlich am Anker rucken, so dass ich eine Leine mit Ruckdämpfer an der Kette montiere, die zu einer nennenswerten Entlastung der Ankerkette führt.

Am Abend setzen wir mit dem Schlauchboot nach Maasholm über. Immerhin 0,7 Seemeilen legen wir zu dritt in unserem kleinen Schlauchboot mit 2,3 PS Außenborder zurück. Dazu bestimmt 5 Beaufort von der Seite: Wir werden ordentlich nass! In Maasholm essen wir im "Tonne 15" leckere Waffeln".

Zurück an Bord erleben wir einen traumhaften Sonnenuntergang.

11.06.2022, Ankern gegenüber Maasholm - Fahrdorf (FSV)

Die Rücktour nach Fahrdorf verläuft, bis auf eine Ausnahme, unspektakulär. Vor der Lindaunisbrücke gehen wir beim "Norder Haken" bis zur Brückenöffnung um 14:45 Uhr vor Anker. Es ist wirklich schön hier. Als wir gerade aufbrechen wollen, sehen wir, dass sich ein Segelboot auf dem Flach des "Norder Hakens" festgefahren hat - unter voller Besegelung. Ein Motorboot ist herbei geeilt, und versucht den Havaristen vom Flach zu ziehen. Als wir an der Unglückstell vorbei, Richtung Lindaunisbrücke fahren, überlegen wir, ob wir das Motorboot, dass mit seiner an einem Fall des Segelbootes verbundenen Vorleine eine möglichst starke Krängung herbeizuführen, unterstützen wollen. Denn Krängung zur Verkleinerung des Tiefganges des Seglers war nicht mehr das Thema. Was jetzt fehlt, war Vorschub. Doch der Skipper gibt mit seiner Maschine Vollgas voraus und kommt tatsächlich frei - wir fahren weiter.

Vor der Lindaunisbrücke müssen wir heute warten (Deutsche Bahn: Ist normal!). Zur geplanten Zeit um 14:45 Uhr geht die Brücke jedenfalls nicht auf. Wir binden uns windgeschützt und provisorisch an einem Schwimmponton der Deutschen Bahn fest. Es ist nämlich ziemlich nervig bei guten 6 Beaufort und viel wartenden Schiffen umher zu kurven. Kurz nach 15 Uhr geht dann tatsächlich die Brücke auf.

Südlich der "Liebesinsel" machen wir noch einen kurzen Badestopp. Auf der Großen Breite kommt der Wind genau von vorne und die Gischt spritzt nach achtern; es wird nass und es ist kalt. Wir sind dann froh, als wir in Fahrdorf fest machen.

Wir hoffen jedenfalls noch auf Badewetter an einem der kommenden Wochenende!

 







Äußerst nebulös!

14.05.2022, Glückstadt

Nicole ist gestern Abend erst spät aus Salzburg zurück gekommen, daher fahren wir erst heute, am frühen Samstag Nachmittag, mit der Bahn nach Glückstadt. Dort hatten wir letztes Wochenende unser Schiff liegen gelassen.

Morgen wollen wir ca. die Hälfte des Nord-Ostsee-Kanals schaffen. Dafür müssen wir allerdings mit dem frühen, ablaufenden Wasser nach Brunsbüttel motoren. Leider setzt die ablaufende Tide in Glückstadt in der Nacht von Samstag auf Sonntag schon um 3:04 ein. Wir rechnen ungefähr 2,5 Stunden nach Brunsbüttel. Wir werden also heute an Bord schlafen und dann gegen 6 Uhr ablegen.

Im Laufe des frühen Abends füllt sich der Glückstädter Hafen. Der Hafenmeister hatte uns schon vorgewarnt: Es kommen zusätzlich ca. 30 Boote von der "Glückstadt-Regatta", die vom Hamburger Segel Club und dem Norddeutschen Regatta Verein ausgetragen wird. Da wir längsseits am Außensteg liegen, wollen wir Platz machen für die Neuankömmlinge, da bei diesen sicherlich kein großes Interesse daran besteht, uns morgen zu unchristlichen Zeiten heraus zu lassen.

Es dauert dann auch nicht lange und die ersten Schiffe treffen ein. Dann geht es Schlag auf Schlag und der Hafen füllt sich rapide. Es sind auch viel Jollen dabei, die teils vollbesegelt in den Hafen fahren. Es ist mächtig was los. Für Außenstehende sieht das Ganze Treiben sicher nach totalem Chaos aus, aber bei dem Gewusel gibt es keine Zwischenfälle oder Berührungen der Boote - ein tolles Schauspiel!

Den Abend verbringen wir auf der "Wiebke", deren Eigner sehr erfahren Segler sind. Es gibt immer spannende Geschichten zu erzählen. An Bord ist auch der Eigner des Ewers "Frieda". Er ist stellvertretender Direktor der Bundestelle für Seeunfalluntersuchung. Es wird ein sehr kurzweiliger Abend mit spannenden Themen - das lieben wir! Im laufe des Abends kommt dann der Moment, wo ich meiner Frau fragende Blicke zuwerfe. Der Grund ist der, dass sie anscheinend nicht nur mit dem Thema "Segeln" im Allgemeinen vertraut ist, sondern sich auch noch als Expertin für Traditionsschiffe entpuppt. Das war mir jedenfalls bis heute Abend nicht bewusst. Zu späterer Stunde sehe ich mich dann in der Situation des staunenden Zuhörers, während sich Nicole mit den alten Hasen im regen Austausch über den Verein "Clipper DJS e. V." und den Traditionsseglern "Amphritite" und co. befindet. Aber, was soll's, ich kann das ab (jedenfalls tue ich so)!

14.05.2022, Glückstadt - Yachthafen Rendsburg

Nach einer kurzen Nacht schellt der Wecker um 6 Uhr. Wir stehen direkt auf. Nicole macht schnell einen Kaffee. Der Blick nach draußen verheißt nichts gutes! Dichter Nebel - nicht schon wieder, das hatte ich doch erst letzten Freitag! Mit der Ungewissheit, ob wir das Richtige tun, hole ich das Landkabel ein und wir legen gegen 6:20 ab. Ich montiere wieder unsere Positionslampe. Wir hangeln uns dann zunächst Richtung nordwest am östlichen Ufer der Rhinplate entlang. Wir beabsichtigen, nicht den Fähren der Verbindung Glückstadt/Wischhafen in die Quere zu kommen. An der Nordspitze der Rhinplate queren wir dann das Fahrwasser auf direktem Wege. Unser Blick ist nach vorne, auf das in Nebel getauchte Nichts sowie auf die AIS-Signale auf dem Plotter sowie auf unsere redundant ausgelegte Navigation gerichtet. Uns ist wirklich mulmig zu mute! Wir hangeln uns dann von Tonne zu Tonne, die auf Grund der geringen Sichtweite erst im letzten Moment aus dem Nichts erscheinen - wirklich gruselig! Wir haben den Pinnenpiloten eingerichtet, da das Kurshalten bei fehlenden Orientierungspunkten und nur mit Kompass auf der Elbe eine Herausforderung darstellt. Eine Untiefetonne, deren Position auf den elektronischen Navigationskarten offensichtlich nicht mit der tatsächlichen Position übereinstimmt, bemerken wir beängstigend spät. Obwohl wir mit niedriger Drehzahl unterwegs sind, fahren wir aufgrund des ablaufenden Wassers teilweise 7 Knoten über Grund. Wir brauchen nämlich unbedingt auch etwas Fahrt durch das Wasser, um ausreichende Manövrierfähigkeit sicher zu stellen. Jedenfalls können wir ein Kollision mit der Untiefetonne verhindern!

Da wir bei diesem Nebel nicht in den Nord-Ostsee-Kanal fahren können, steuern wir den Bereich westlich des Elbehafens Brunsbüttel an. Dort navigieren wir zum Ufer und wir fahren diesen Bereich, zwischen zwei Buhnen ab. Dabei haben wir auch immer einen Blick auf das Echolot. Anhand des aufgezeichneten Tracks können wir dann eine Stelle mit nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Tiefe ausfindig machen, wo wir für kurze Zeit vor Anker gehen können. Aus der Ferne können wir akustische Signale der Berufsschifffahrt hören. Eines davon wird immer lauter. Obwohl sich der dichte Nebel langsam lichtet, ist kein Schiff zu sehen. Nur das AIS-Signal können wir auf unserem Plotter verfolgen. Wir sind froh, dass wir hier aus dem Gefahrenbereich heraus sind. Nach ca. 20 Minuten kommt ein holländisches Traditionsschiff aus Hamburg. Auch dieses AIS-Signal hatten wir im Blick. Da sich der Nebel passender Weise so weit verzogen hat, dass wir sogar von hier aus die Einfahrt zum NOK erahnen können, heften wir uns das Traditionsschiff. Wir können dann sogar direkt in die Schleuse fahren - genial! Wir sind mehr als heil froh, sicher in der Schleuse zu sein. Als wir dann aus der Schleuse fahren, hat sich der Nebel komplett verzogen und die Sonne scheint  - traumhaft!!

Der Rest der Fahrt durch den NOK ist ebenso schön wie unspektakulär. Es ist viel Verkehr und auch die "Stettin" (Eisbrecher) kommt uns entgegen. Wir freuen uns, dass nach Jahren die (neue) Schwebefähre in Rendsburg wieder in Betrieb ist!

Gegen 16 Uhr machen wir im Yachthafen Rendsburg fest. Als "Belohnung" gönnen wir uns einen "Yacht-Burger" im ehemaligen "Riverside", das jetzt von neuen Betreibern unter dem Namen "Yachthafen Meisterei" betrieben wird.

Um 19:58 nehmen wir dann den Zug nach Elmshorn. Nächstes Wochenende planen wir, in die Schlei zu kommen, sofern das Wetter uns dazu animiert.