Krantermin bei „Schrader Marina“

10.06.2021, Fahrdorf - Schrader Marina in Borgwedel

Nun hat sich tatsächlich eine Lösung für unser Antifouling-Problem ergeben: Ein Freund konnte uns kurzfristig einen Krantermin für den heutigen Donnerstag organisieren. Das Ganze soll dann so ablaufen, dass zum Feierabend hin unser Schiff an Land gestellt und am folgenden Morgen wieder ins Wasser gesetzt wird. Der große Vorteil dabei ist, dass wir dafür nicht den Mast legen müssen, genial! Das Wetter soll laut Vorhersage sogar auch mitspielen.

Die Fahrt von Fahrdorf zur Schrader Marina in Borgwedel dauert unter Motor ca. 50 Minuten. Dank Pinnenpiloten kann ich während der Fahrt Vorbereitungen treffen, das spart Zeit. Als ich in den Hafen der Marina Schrader einlaufe, muss ich noch warten, bis ein Hausboot den Platz beim Kran freimacht. Solange hänge ich die Hanna mit einer provisorischen Heckleine an einen Dalben. Nach 20 Minuten kann ich dann schließlich zum Kran fahren. Und dann geht auch alles ziemlich schnell: Der Hafenmeister bugsiert den Portalkran über das Becken und ich führe das eine Ende des hinteren Gurtes um die Vorleine unseres Schiffes herum. Dann wird der Kran mit den Gurten entsprechen positioniert. Ich hatte dem Hafenmeister im Vorwege ein Foto von unserer Kranaktion im Jahr 2019 in Gelting gezeigt. Daran kann er sich heute orientieren. Es dauert nicht länger als 20 Minuten und unserer Schiff hängt am Kran und wird an Land gefahren. Ich mache mich sogleich an das Säubern des Unterwasserschiffes. Das ist zu meiner Verwunderung ziemlich sauber. Dann setzt der Hafenmeister unser Schiff auf einen Bock. Ich bin wirklich beeindruckt, wie schnell und geschickt er mit dem Monstrum von Kran umgeht. Das macht schon vom Zugucken Spaß! Als der Hafenmeister dann noch unsere Hanna als "hübsches Schiff" bezeichnet, bin ich mir sicher, dass er ein äußerst sympathischer Zeitgenosse ist.

Dank des Wetters dauert es nicht lange bis Alles ist abgetrocknet ist. Schließlich klebe ich den Wasserpass ab und starte mit dem Auftragen des Antifoulings. Ich sehe zu, dass ich fertig werde. Nach nicht viel mehr als einer guten Stunde bin ich soweit. Ich kann das Klebeband abziehen. Absolut genial: Ich hab jetzt sogar noch Zeit, um zu unseren Freunden zu fahren. Morgen früh kann unser Schiff dann wieder ins Wasser.

Ich darf netterweise mit unserem Bulli vorne am Hafen stehen, um dort zu übernachten. Zum Sonnenuntergang fahre ich dann von unseren Freunden zurück zur Marina Schrader und stelle mich vorne an den Hafen mit traumhaftem Blick auf die "Große Breite". Ich spaziere noch einmal die äußere Mole des Hafens hinaus; wunderschön, wie die Schlei in das Abendrot der untergehenden Sonne gehüllt wird! Ich erhalte in diesem Moment eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund, dem Eigener der "Joker". Demnach soll die Klappbrücke bei Lindaunis nicht, wie ursprünglich angekündigt,  übermorgen, sondern "voraussichtlich" erst 8 Tage später für den Schiffsverkehr geöffnet werden. Ok, denke ich, dass ist für uns "noch" nicht so tragisch, Unser Sommerurlaub beginnt erst später. Allerdings begegne ich auf dem Weg zum Bulli dem frischgebackenen Eigener einer neuen Moody 41, die mir aufgrund ihres modernen Designs heute schon beim Einlaufen in den Hafen aufgefallen war. Der Eigner kommt aus der Schweiz und will mit seiner extra dafür eingeflogenen 5-köpfigen Crew am Samstag sein Schiff ins Mittelmeer überführen. Ich spreche ihn auf die Misere mit der Klappbrücke an, wobei ich davon ausging, dass er davon bereits Kenntnis hat. Dem war aber nicht so! Es ist untertrieben, wenn ich sage, dass ihm Alles aus dem Gesicht gefallen ist. Die einzige Chance für ihn wäre, den Mast zu legen und hinter der Brücke wieder stellen zu lassen. Allerdings hatte er heute gerade erst den Mast setzen lassen, was laut seiner Bekundung ein riesen Akt war. Er tat mir echt leid; helfen konnte ich ihm leider nicht. Für uns wird es allerdings wieder spannend: Wird die Klappbrücke, die sich in der Obhut der Deutschen Bahn befindet, wieder funktionieren, wenn wir in den Urlaub starten wollen?? Ich bin seit vielen Jahren leidgeprüfter Kunde der Deutschen Bahn. Ich weiß, mit welcher Impertinenz die DB mit unzumutbar langen Sanierungsprojekten und schlechter Kommunikation die Geduld ihrer Kunden auf die Probe stellt. Der Gedanke, dass wir, um in den Urlaub starten zu können, möglicherweise unseren Mast legen und hinter der Brücker irgendwo wieder stellen müssen, treibt meinen Puls spürbar in die Höhe!

11.06.2021, Schrader Marina in Borgwedel - Ankerplatz vor dem Strandhotel - Fahrdorf - Ankerplatz vor Borgwedel

Ein herrlicher Morgen, die Sonne scheint, angenehme Temperaturen. Ich stehe früh auf und klettere an Bord unserer Hanna, um dort einen Kaffee aufzubrühen. Ich habe dabei einen wunderbaren Blick auf den Hafen und die Schlei. Gegen 9 Uhr ist es dann auch schon soweit. Der nette Hafenmeister bugsiert den Portalkran über unsere Hanna. Ich hatte die Zeit bis dahin genutzt, Alles soweit vorzubereiten, dass ich, nachdem unser Schiff wieder schwimmt, direkt losfahren kann. Als unser Schiff in den Gurten des Portalkranes hängt und quasi über dem Boden schwebt, male ich noch schnell die von den Pratzen verbliebenen "Vierecke" mit Antifouling über. Außerdem nutze ich die Gelegenheit und entferne die restlichen Pocken unter dem Kiel. Dort komme ich im Winterlager leider nicht richtig hin. Nach einer kurzen Trocknungszeit wird dann unsere Hanna wieder ihrem Element übergeben. Ich brauche gar nicht erst festmachen und kann direkt den Motor starten und losfahren. Ich bedanke mich noch beim Hafenmeister für seine tolle Arbeit und seine Hilfsbereitschaft.

Ich habe heute Urlaub und genieße es an Bord zu sein. Ich motore ganz in Ruhe Richtung Schleswig und lege mich vor dem Strandhotel vor Anker. Ich nehme ein kurzes Bad in der Schlei. Später setzte ich mit dem Schlauchboot über und fahre mit dem E-Roller zum Einkaufen. Als ich zurück an Bord bin, erhalten ich eine schreckliche Nachricht: Ein geschätzter Kollege ist unerwartet beim Betriebssport verstorben. Er hinterlässt u. a. eine Tochter im Alter unser Töchter. Man kommt wirklich ins Grübeln bei sowas. Wieder einmal wird man daran erinnert, wie schnell Alles vorbei sein kann. Ich muss mich erst einmal mit meinen Kollegen austauschen.

Zum frühen Nachmittag hin hole ich dann Nicole und unseren Jüngsten aus Fahrdorf ab. Wir tanken noch Wasser und verstauen ein paar Lebensmittel und legen dann zügig ab. Der Wind hat deutlich zugelegt. Wir setzen Segel und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 7,2 Knoten. Wir steuern unter Segeln einen schönen Ankerplatz, unweit von der Marina Schrader, an. Bei westlichen Winden, kann man hier gut liegen. Nur mit dem Großsegel arbeiten wir uns ans Ufer heran und machen einen Aufschießer. Das Großsegel fällt in Sekundenschnelle - dank Teflonschmierung (Nicole) - und ich lasse den Anker hinunter. Mit einem einem kleinen Dreieck der ausgerollten Fock, fahre ich den Anker ein.

Wir gehen noch einmal baden und genießen den Abend an Bord vor Anker. Dabei haben wir eine wunderschöne Sicht auf die Schlei.

12.06.2021, Ankerplatz Borgwedel - Ankerplatz im Missunder Noor - Fahrdorf

Bevor wir gegen Mittag aufbrechen, rudern wir noch einmal an den kleinen Strand, vor dem wir liegen. Dort geht es einen kleinen Hang hinauf und zur Rechten Hand gibt es eine sog. "Naturerlebnisanlage". Sie besteht u. a. aus einer Anordnung von großen Felssteinen, vielen unterschiedlichen Nistkästen (für Vögel und auch Fledermäuse) und einem sehr schönen Boule-Spielfed. Daran angrenzend befindet sich ein altes Gebäude, dass zu einer Ziegelei gehörte. Auch hier sind unterschiedliche Installationen, wie eine alte Lore sowie ein Nachbau, zu sehen. Auf dem Gelände darf nach vorheriger Anmeldung gezeltet werden. Ein sehr schöner Ort für Kinder und Jugendliche, direkt an der Schlei mit toller Aussicht!

Gegen Mittag brechen wir auf. Wir holen den Anker hoch und verlassen unseren geschützten Ankerplatz. Der Wind hat auf in Böen 7 Beaufort aufgefrischt. Nur mit ausgerollter Fock erreichen wir ohne Mühe um die 7 Knoten. Liegt es an dem "frischen Unterwasserschiff und dem von Pocken befreiten Kiel? Wir nehmen Kurs auf das Missunder Noor. Vor der Missunder Fähre lässt uns der Wind durch die Abdeckung vollständig im Stich. Wir treiben mehr als dass wir segeln. Die Manövrierbarkeit lässt sehr zu wünschen übrig. Der gelegentlich aufkommende Hauch von Wind kommt dabei aus allen Richtungen. Wenn ich nicht schnell genug bin, steht die Fock back und der Bug verdriftet - etwas nervig, aber ich will nicht den Motor starten. Wir nähern uns zäh und langsam der Fähre. Die muss dann leider einen kurzen Moment warten - egal, muss sie mal abkönnen!

Im Missunder Noor legen wir uns dann mehr oder weniger vor dem Wind geschützt vor Anker. Das Ankermanöver fahren wir nur mit der Fock. Wir verzichten dieses Mal auf das Einfahren des Ankers, was sich dann später rächt. Denn es kommen starke Schauerböen, die sich bis in diesen relativ geschützten Bereich hinein durchsetzen. Der Anker fängt dann auch folgerichtig an zu slippen und wir vertreiben mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Da wir uns kurzfristig entschlossen haben, zurück nach Fahrdorf zu fahren, holen wir den Anker hoch. Mir fällt in diesem Moment ein, dass ein Segelboot vom Typ Monsun 31, die schon vor Anker lag, als wir ins Missunder Noor fuhren, den Motor startete, den Anker hochholte, um diesen dann ein ganzes Stück Richtung Ufer wieder ins Wasser zu lasen. Waren die etwa auch vertrieben? Ich vermerke im Logbuch, dass hier möglicherweise der Anker nicht so gut halten könnte und man diesen lieber sorgfältig einfahren sollte.

Zurück im Hafen verbringen wir einen geselligen Abend mit unsern Freunden. Piet ist überglücklich, dass er mit Gleichaltrigen zusammen sein kann.

Am nächsten Tag bleiben wir im Hafen, denn der Wind frischt wieder deutlich auf. Wir werden in den folgenden Tagen Meldungen bezüglich der Sperrung der Lindaunisbrücke für den Schiffsverkehr verfolgen. Aktuell verkündet die DB auf ihrem "BauInfoPortal", dass die Brückensperrung für den Schiffsverkehr nicht vor Donnerstag, 17 Juni, aufgehoben wird.

 






Auf ein Neues: Regen und Kälte!

13.05.2021, SVE - Ankerstelle Pagensand Süd

Wieder einmal ist die Wettervorhersage ziemlich mäßig. Wir werden es mit Tageshöchsttemperaturen von 12 °C und Regen zu tun haben. Eigentlich wollten wir das lange Himmelfahrtswochenende nutzen, um (für uns) neue Ankerplätze zu erkunden. So z. B. die Ostemündung, wo es sehr schön sein soll.

Um 17:38 ist Hochwasser in Elmshorn. Wir werden gegen 15:30 ablegen können, da genug Wasser auflaufen wird. Wir schaffen es dann aber doch erst gegen 16 Uhr. Nicole hat noch schnell Proviant eingekauft; vorsichtshalber für vier Tage, damit wir flexibel sind, falls das Wetter wider Erwarten besser als vorhergesagt wird. Wir tanken noch Frischwasser und legen dann ab. Hinter dem Ruderclub befinden sich bestimmt 12 Ruderer in Wartestellung. Wir passieren sie mit langsamer Fahrt. Danach beschleunigen wir. Es dauert nicht lange, und wir werden von zwei Ruderern überholt - Respekt, die sind echt schnell!

Während Nicole mit gewohnt ruhiger Hand unsere Hanna durch die Krückau zur Elbe steuert, nutze ich die Zeit, um unseren mobilen Router für krassen Daten-Traffic einzurichten. Ich habe den Laptop von Piet eingepackt, damit er zur Abwechslung einen Ego-Shooter (Quake) mit einer Freundin spielen kann. Das hatten wir bereits im Winter als Ausgleich zu den ebenso notwendigen wie entsozialisierenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bereits ermöglicht. Dank der grobpixeligen Grafik sehen wir keine Gefahr,  dass  hierdurch  ein  ernsthafter  psychischer  Schaden  entstehen wird. Das Spiel wird mit einer CD (die stammt noch aus meiner Studentenzeit) auf dem Rechner von Piet gehostet. Über einen VPN-Client-Anbieter (hier: Hamachi) können sich dann bis zu 50 Mitspieler einloggen. Das Spiel "Quake" wurde nämlich ende der 90er veröffentlicht und funktioniert eigentlich nur über lokale Netzwerke. Eine LAN-Session war damals noch richtig mit körperlicher Arbeit verbunden, da wir unsere Computer sowie Röhrenmonitore in einer Studentenbude, gerne im dritten oder vierten Stock, zusammentragen mussten, um dann die Rechner per BNC-Technik zu vernetzten. Sowohl  der  Rechner  als  auch  der  Monitor  wogen  ein  Vielfaches  der heutigen  Geräte.  Man musste  mindestens zweimal  laufen: Einmal  für  den  Monitor, einmal  für  den Rechner.  Im Rucksack  transportierte  man günstigenfalls  das ganze  Zubehör, wie Tastatur, Maus, Kabel usw.

Wie auch immer, jedenfalls war ich zu  dem Zeitpunkt, als wir das Sperrwerk durchfahren soweit, dass eine LAN-Session von einem beliebigen Ankerplatz möglich sein würde.

Nachdem wir den grünen Mann umrundet haben, rollen wir die Fock aus und segeln - herrlich, diese Ruhe! Wir schaffen es, das Ankermanöver bei Pagen Süd ohne Motor zu fahren. Dazu hatten wir zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit das Schwert etwas heruntergelassen. Wir verbringen dann einen wirklich schönen Abend in der Plicht, sogar mit einem farbenreichen Sonnenuntergang, den wir trotz der hohen Bäume auf der Insel Pagensand beobachten können. Wir bekommen dann im Laufe des Abends noch fünf Ankernachbarn dazu.

Nachts stellen wir uns für 1 Uhr den Wecker, um zu schauen, ob der Anker nach dem Wechsel der Tide hält. Der Blick aus der Lucke ist schon beeindruckend! Im Hintergrund ist der hell erleuchtete Elbehafen Bützfleth zu sehen. Davor Ankerlieger mit ihren Ankerlichtern.

 

13.05.2021, Pagen Süd - Dwarsloch - Haseldorfer Binnenelebe

Der heutige Morgen ist zwar noch trocken, aber es ist ziemlich frisch draußen. Ich nutze die Zeit, um noch einen ausländischen Kunden zufrieden zu stellen (dort kennt man keinen Himmelfahrtstag). Dank des mobilen Routers und dem großen Monitor, den ich gestern auch mit an Bord genommen hatte, macht das Arbeiten vor Anker richtig Spaß. Gegen Mittag setzt leichter Regnet ein. Genau jetzt wollen wir aber los, um mit dem auflaufenden Wasser von der Elbeseite in das sog. "Dwarsloch" zu fahren. Und das bewusst bei möglichst niedrigem Wasserstand, weil sich dadurch besser der Verlauf der tieferen Bereiche des Fahrwassers erkunden lässt. Die südliche Seite der Einfahrt zum Dwarsloch wird von einem Ufer mit Steinen und Buhnen flankiert. Genau dort ist es aber leider auch am tiefsten, so dass wir im Prinzip möglichst dicht an dem Steinwall entlang fahren müssten. Sollte jedoch die Maschine unerwarteter Weise ausfallen, würde uns der von schräg achtern einfallende, westliche Wind auf die Steine drücken. Mit einem etwas mulmigen Gefühl motoren wir bei geringer Fahrt in das Dwarsloch hinein. Wir haben teilweise nicht mehr als 50 cm unter de Kiel. Dann wird es aber auch schnell tiefer (1,2 m), später sogar deutlich mehr. Hier wäre es eigentlich tief genug zum Ankern. Aber durch starke Strömung und dem geringen Platz zum Ufer wird ein sorgenfreies Ankern schwierig. Wir legen uns mit Sicht auf den Haseldorfer Hafen trotzdem erst einmal vor Anker. Wir sehen, dass der Parkplatz voll mit parkenden Autos ist. Es werden auch einige kleine Motorboote geslippt.

Ich unternehme derweil einen Anbadeversuch. Aber die 12,2 °C Wassertemperatur hindern mich daran, tiefer als bis zur Hüfte in die Elbe zu steigen.

Später entscheiden wir uns, dann doch noch weiterzufahren. Wir verholen uns eine knappe Meile weiter in die Haseldorfer Binnenelbe, wo wir die Nacht über ankern. Wir bauen, entgegen jeder Seemannschafft, die Kuchenbude auf. Der Mehrgewinn ist dadurch heute einfach zu groß. Denn bei ablaufendem Wasser dreht sich unser Schiff mit seinem Heck in den Wind und es würde in der Plicht unangenehm zugig werden. Durch die Kuchenbude wird der nutzbare Raum enorm vergrößert und außerdem können wir in der Plicht sitzend, die wunderschöne Natur genießen. So können wir später zwei Seeadler beobachten, die versuchen, einen trockengefallenen Fisch von kapitaler Größe zu ergreifen. Ein phantastisches Schauspiel, dass wir so nur aus dem Fernsehen kennen.

14.05.2021, Haseldorfer Binnenelebe - SVE

Heute morgen "parken" wir erst einmal um. Wir verholen uns aus dem flachen Bereich weiter in Richtung Pagensander Nebenelbe, um heute Nachmittag rechtzeitig zum auflaufenden Hochwasser in die Krückau fahren zu können. Wir haben beschlossen, auf Grund des regnerischen Wetters mit dem Abendhochwasser zurück zum SVE zu fahren. Wir lassen für die kurze Strecke die Kuchenbude aufgebaut. Nicole betont aber noch einmal, wie unseemännisch das ist!

An der Nordspitze vom Bishorster Sand lassen wir das Eisen fallen. Neben uns liegen wieder einmal Seehunde, die auf das auflaufende Wasser warten, um sich dann mit dem Fischfang zu beschäftigen. Im Laufe des Vormittags setzt dann Regen ein. Piet kommt nun mit seinem Quake-Spiel voll zum Zuge. Das hat er sich verdient, denn er war bisher an Bord ein sehr umgänglicher Kamerad!

Gegen 15 Uhr steige ich in die Schwerwetterkleidung, die alleine ein Schutz gegen die penetrante Kälte sein soll. Das Bewegen an Deck ist damit deutlich schwieriger - mit den Gummistiefeln bleibe ich gerne mal irgendwo hängen. Bei strömendem Regen bauen wir die Kuchenbude ab. Das Schwert kurbeln wir 30 cm hinunter. Ich hole den Anker hoch und wir rollen die Fock aus. Wir müssen möglichst schnell Fahrt ins Schiff bekommen, da uns sonst der Wind der Stärke 3 auf den nahe gelegenen Schlickberg treibt. Wir machen dann nur mit der ausgerollten Fock und gegen das auflaufende Wasser deutlich über 3 Knoten Fahrt über Grund. Das freut uns! 1,1 SM vom Grünen Mann entfernt (ein Stück südlich von der roten Fahrwassertonne PN 12) starten wir dann den Motor. Die nasse Kälte kriecht langsam durch die Kleidung. Unser Außenthermometer zeigt 10,2 °C an. Auf der Krückau sind dieses Mal keine Ruderer unterwegs. Bei strömendem Regen fahren wir in unsere Box im SVE.

Wir freuen uns schon auf etwas schönere Tage mit höheren Temperaturen.

 





Regenschauer, Kälte, Gewitter? Egal!

30.04.2021, SVE – Ankern Haseldorfer Binnenelbe

Unsere Motivation ist einfach zu groß, um ein freies Wochenende auf Grund einer Wettervorhersage mit Regen und Kälte sausen zu lassen! Wir fahren einfach los! Hochwasser ist in Elmshorn um 19:18. Wir kommen dann gegen 17:30 vom Platz. Es ist gar nicht so kalt, wie wir befürchtet haben. Die Sonne ist sogar rausgekommen und es weht nur ein laues Lüftchen – traumhaft! Die Fahrt auf der Krückau ist mittlerweile Routine. Wie immer, erreichen wir nach einer Stunde das Krückausperrwerk. Hinter dem sogenannten „Grünen Mann“ (Seezeichen zur Markierung der Krückaumündung) biegen wir links ab und steuern die Haseldorfer Binnenelbe an. Wir fahren dann eine geeignete Stelle fürs Ankern ab, um die Tiefe auszuloten. Andernfalls könnten mögliche Untiefen bei einsetzender Ebbe zum Problem werden. Gegen 19:30 Uhr liegen wir dann vor Anker und wir  können in der Plicht sitzen und Abend essen. Wunderschön ist es hier! Die Sonne scheint immer noch und durch das ablaufende Wasser hat sich das Heck unseres Schiffes zur untergehenden Sonne hin gedreht – perfekt! Wir verbringen einen stimmungsvollen Abend in einer abwechslungsreichen Umgebung. Unweit von uns liegen mehrere Seehunde am Ufer. Außerdem können wir einen Seeadler beobachten.

01.05.20201, Ankerplatz Haseldorfer Binnenelbe

Der neue Morgen bringt, entgegen der Vorhersage, viel Sonne mit sehr wenig Wind. Am benachbarten Ufer finden sich immer mehr Seehunde ein. Wir zählen später 11 von den possierlichen Tieren.

Ich baue schließlich das Schlauchboot, einschließlich Außenborder auf und drehe ein paar Runden – ziemlich entspannt. Am frühen Nachmittag wird es dann ungemütlich. Aus Richtung Süden ziehen dunkle Wolken auf. Mit von der Partie sind ein paar kurze Gewitter. Bei fast Ebbe nähert sich aus Nord West (aus Richtung Pagensand) ein ca. 38 Fuß großes Segelschiff. Wir wundern uns, dass er es überhaupt bis zu uns schafft, denn wir haben nur noch 30 cm unter unserem Kiel, bei einem Tiefgang von 1,10 m. Das andere Schiff hat einen Tiefgang von 1,60 m! Als der Segler dann auf unserer Höhe ist passiert, was passieren muss: Er läuft ziemlich spektakulär auf festen Grund auf. Das Schiff neigt sich ordentlich nach vorne und kommt jäh zum Stehen. Leider passiert das Ganze nur wenige Meter neben uns. So nimmt das Unheil seinen Lauf: Der für jetzt vorhergesagte Regen mit auffrischendem Wind setzt tatsächlich genau jetzt ein! Es ist wirklich kaum zu glauben, aber so ist es! Leider kommen nun zwei Unheil bringende Faktoren zusammen: Der plötzlich einsetzende Wind aus West, der uns genau in Richtung des festsitzenden Schiffes treibt und die kenternde Tide! Unsere Hanna wird von jetzt auf gleich mit enormen Tempo auf das andere Schiff gedrückt. Nicole startet schnell den Motor während ich nach vorne zum Anker sprinte, um die Kette etwas einzuholen und um zu versuchen, den Anker ganz hoch zu holen. Leider kommen wir so schnell nicht gegen die Urgewalt des Windes und des auflaufendes Wassers an. Wir müssen mit aller Kraft einen Aufprall durch Abdrücken und Abfendern versuchen zu verhindern. Das gelingt uns man gerade eben. Dem havarierten Segler ist die Situation sichtlich unangenehm und entschuldigt sich, während Nicole und ich versuchen, unser Schiff aus dieser äußerst misslichen Lage zu befreien. Der Anker sitzt unfassbar fest, aber irgendwie gelingt es uns, ihn dann schließlich auszubrechen und an Decke zu hieven. Nicole setzt unsere Hanna dann rückwärts aus dem Gefahrenbereich, während der andere Segler und ich mit aller Kraft versuchen, die Schiffe von einander abzudrücken.

Das war echt eine wirklich kitzlige Situation, bei der fast richtig viel kaputt gegangen wäre! Wir verholen unser Schiff dann ein Stückchen weiter in Richtung Haseldorfer Binnenelbe, wo wir bei starkem Westwind und Regen vor Anker gehen.

Später als das Wetterspektakel vorbei ist, lasse ich erneut das Schlauchboot zu Wasser und fahre mit unserem Jüngsten ans Ufer. Dort sehen wir die Reste einer alten Warft, auf der einmal eine Gebäude des im 18. Jahrhundert bei einer Sturmflut versunkenen Dorfes "Bishorst" zu sehen ist. An Land kommen wie auf Grund des Schlickes hier leider nicht ohne Weiteres.

02.05.2021, Ankerplatz Haseldorfer Binnnelbe - Pagen Süd - SVE

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker stehen wir heute morgen gegen 7 Uhr auf. Die Sonne scheint mal wieder. Wir trinken einen frisch aufgebrühten Kaffee und lichten dann den Anker um ziemlich genau 8 Uhr. Unser Ziel ist Pagen Süd, wo wir letztes Wochenende auch gelegen hatten. Dort treffen wir wieder die selben Ankerlieger wie letztes Mal: Ein Monohull und die beiden großen Multihulls!

Als unser Anker sitzt, lasse ich das Schlauchboot in Wasser und wir motoren zur Insel Pagensand hinüber. Wir erkunden ein wenig die Insel. Unser Jüngster findet es sehr spannend. Er hat sich sicherheitshalber mit einer Alles vernichtenden Wasserpistole ausgerüstet - man was ja nie, was einem da so in der Wildnis begegnet! Vom Leuchtfeuer "Pagendsand Süd" aus hat man einen tollen Blick auf das Hauptfahrwasser der Elbe. Gegenüber sehen wir Bützfelth mit den großen Industrieanlagen. Dann gehen wir Richtung Norden und zweigen dann irgendwann links ab in Richtung des westlichen Ufers der Insel. Dort treffen wir auf einen schönen Sandstrand. Wäre es nicht so kalt (die Elbe hat 10,5 °C), würden wir glatt baden gehen.

Nach unserer Erkundungstour frühstücken wir. Die Sonne ist noch da, so dass wir in der Plicht sitzen können.

Heute ist um 20:45 Hochwasser in Elmshorn. Auf Grund des für heute Nachmittag vorhergesagten Westwindes der Stärke 6, kommt viel Wasser und wir werden sehr früh in die Krückau hineinfahren können. Gegen 15 Uhr brechen wir dann auf und umrunden die Elbinsel Pagensand von der westlichen Seite. Der Wind nimmt bereits zu. Von Niedersachsen her ziehen dunkle Wolken auf. Ich ziehe mir noch gerade rechtzeitig Schwerwetterkleidung an, bis der erste Schauer über uns hereinbricht. Es hat sich in Kürze eine beachtliche Welle auf der Elbe aufgebaut und unsere Fahrt über Grund reduziert sich auf teileweise unter 4 Knoten (bei 2.200 U/min). Das Außenthermometer zeigt 10.4°C an und die überkommende Gischt ist in Verbindung mit dem Wind von 13 m/s beißend kalt im Gesicht. Eben lagen wir noch beschaulich vor Pagen Süd vor Anker - 45 Minuten später haben wir unsere erste Schwerwetterfahrt der Saison! Wir umrunden die Nordspitze von Pagensand und müssen beim Ändern des Kurses in Richtung Osten darauf achten, ausreichend vorzuhalten, da der enorme, auflaufende Strom uns stark quer versetzt.

Wir wollen eigentlich noch einmal irgendwo vor Anker gehen, da wir noch etwas Zeit haben, bevor wir in die Krückau fahren. Vor Kollmar finden wir keinen geeignet Platz. Entweder ist es zu tief (über 6 Meter bei ziemlich Niedrigwasser) oder zu wenig Platz wegen der Bunen. Wir laufen dann ein Flach auf der östlichen Seite von Pagensand an und lassen den Anker ins Wasser. Wir bekommen den Anker jedoch auf Grund des starken Stromes sowie des Windes mit teilweise 40 cm Welle, nicht zum Halten - trotz großzügig ausgebrachter Ankerkette.

Wir versuchen dann unser Glück ein Stück südlicher - mit Erfolg. Aber nach einer guten halben Stunde holen wir den Anker wieder ein, weil es sich einfach nicht gut anfühlt. Die Welle hat mittlerweile weiter zugenommen. Als ich die Ankerkette vorn am Bug einhole, taucht dieser teilweise schon ins Wasser. Die Fahrt zur Krückaumündung ist sehr schaukelig und nass. Als wir dann (ca. 3 Stunden vor Hochwasser in Elmshorn) in die Krückau einlaufen, wird es schlagartig ruhig - wirklich ein tolles Gefühl!  Das Sperrwerk öffnet für uns die Brücke. Gegen 18:45 erreichen wir dann den SVE, wo wir direkt in unsere Box fahren können (2 Stunden vor Hochwasser!). Das Außenthermometer zeigt jetzt nur noch 8 Grad an. Wir lassen es uns dann aber nicht nehmen, noch ein kleines Feierabend-Bierchen an Bord zu trinken. Es war ein sehr abwechslungsreiches Wochenende mit Regen, kurzen Gewittern, Kälte aber auch mit sonnigen Abschnitten mit Wärme und fast Windstille! Echtes Aprilwetter! Es hat sich jedenfalls wieder gelohnt, loszufahren!

 

 





Erste Ausfahrt!

24.04.2021, SVE - vor Anker Pagen Süd

Wenn Alles gut geht, können wir heute gegen Mittag unsere erste Ausfahrt machen! Die Sonne scheint, aber es ist noch empfindlich kalt. Wir finden uns gegen 8:30 im SVE ein und absolvieren erst einmal Arbeitsdienst. Gefühlt ist der ganze Verein vor Ort. Wir stürzen uns mit einigen anderen, eingespielten Vereinsmitgliedern auf die Rasenkanten entlang der Plattenwege. Es ist eine motivierte Truppe und wir hauen uns lustige Sprüche um die Ohren - ein Schlagabtausch, bei dem die Arbeit leicht von der Hand geht.

Nicole und ich beäugen gelegentlich das zäh auflaufende Wasser. Kommen wir überhaupt vom Platz? Laut Vorhersage wird das Hochwasser ca. 40 cm niedriger als das mittlere Hochwasser ausfallen.

Gut eineinhalb Stunden vor Hochwasser wechseln wir vom Arbeitsdienst auf unser Schiff und treffen Vorbereitungen zum diesjährigen und erstmaligen Ablegen. Wir befreien unser Schiff auch schon von sämtlichen Festmachern. Ungefähr 50 Minuten vor Hochwasser kommen wir dann tatsächlich vom Platz. Die erste Fahrt auf der Krückau fühlt sich nach so langen und nicht enden wollenden Monaten des Wartens und vor dem Hintergrund der aktuellen Umstände etwas unwirklich an.

Wir sind außerdem das zweite Schiff in diesem Jahr, was den Hafen Richtung Elbe verlässt. Was mir jedoch den Start in die diesjährige Saison besonders versüßt, ist der Umstand, dass alles, was an Technik eingebaut ist, ausnahmslos funktioniert!! Der Windmesser zeigt die Windstärke- und richtung an, sämtliche Lampen im Mast spenden Licht, der Windex ist richtig ausgerichtet, wir haben beim Mastsetzen an die Signalflaggenleinen gedacht, unsere Bilge unter der Wellendichtung ist komplett trocken, wir empfangen klar und deutlich Kanal 13 (Schleusenfunk Brunsbüttel - das ist Musik in meinen Ohren!), selbst die Logge funktioniert!

Die schöne Krückau präsentiert sich derweil mit von zartem Grün gesäumten Ufern, darauf Schafe und Kühe, dazu bunte Frühlingsblumen - wunderschön!

Auf der Au ist es im Windschatten des Ufers noch gut zu ertragen. Ich habe standesgemäß kurze Hosen an, es ist schließlich Frühling! Aber als wir auf die Elbe kommen, übergebe ich die Pinne an Nicole unter dem Vorwand, ich müsse mal das Bord-WC benutzen. Das funktioniert.

Nach ca. 30 Minuten erreichen wir schließlich Pagen Süd (Insel Pagensand, Südspitze). Dort finden wir bei derzeit vorherrschendem Nord Ost Wind der Stärke 5 ideale Bedingungen zum Ankern vor: Wie auf dem Bild zu sehen ist hier total windgeschützt. Bevor wir den Anker zu Wasser lassen, fahren wir die Stelle, an der wir liegen wollen ab, um die Tiefen mit dem Echolot zu erkunden.

Diese Ruhe, wenn der Motor ausgeht, einfach schön! Wir liegen so nahe am Ufer, dass wir die Vögel zwitschern hören! Die Sonne scheint in die Plicht, wir können es gut draußen aushalten, obwohl die Luft nur 10°C hat. Etwas ungewohnt ist der Umstand, dass wir unseren Leichtmatrosen nicht dabei haben. Er ist bei seinen Schwestern zu Hause geblieben. Wir realisieren langsam, dass wir tatsächlich mit unserem Schiff losgefahren sind!

Wir verbringen einen ungemein entspannten Abend, in traumhafter Umgebung. Wir sichten sogar einen Seehund. Nicole hat aus gegebenem Anlass, einen Sekt mit Erdbeeren vorbereitet.

Im Laufe des Abends gesellen sich dann noch sechs weitere Segler zu uns. Dabei sind auch zwei große Katamarane. Ein ungewohnter Anblick hier an der Elbe.

Gegen 22:15 kentert die Tide und unser Schiff dreht sich in die entgegengesetzte Richtung.

25.04.2021, Pagen Süd - SVE

Die Nacht war kalt, aber Dank unserer Heizung konnten wir unter Deck angenehme Temperaturen aufrecht erhalten. Gegen 3 Uhr muss ich dann leider einmal raus an Deck, um die Gasflaschen zu tauschen. Es ist empfindlich kalt (3 °C). Dass die angeschlossene Flasche nachts leer werden würde, war absehbar, da sie gestern beim Ablegen nur zu einem Drittel gefüllt war.

Das zweite Kentern der Tide gegen 4 Uhr verläuft unspektakulär. Unser Schiff dreht sich langsam in die entgegengesetzte Richtung.

Im Laufe des Vormittags erreicht dann die ablaufende Tide ihren niedrigsten Stand. Unser Schiff hat sich durch den nördlichen Wind in Richtung Land gedreht, so dass wir mit dem Kiel etwas im Schlick festsitzen. Ein anderes Boot, dass hinter uns vor Anker liegt, sitzt komplett auf dem Trockenen.

Wir verbringen den Vormittag unter Deck, da der kalte Wind auf unser Heck steht. Gegen halb zwölf lichten wir dann schließlich den Anker und machen uns auf den Heimweg. Das Hochwasser fällt auch heute wieder deutlich niedriger aus. Wir fahren im Prinzip viel zu früh in Krückau. Wir wollen jedoch sehen, wie weit wir bei diesem geringen Wasserstand kommen. Je näher wir unserem Hafen kommen, desto häufiger haben wir 0 Meter unter dem Kiel. Wir sind sehr überrascht, dass wir es dann tatsächlich bis in unseren Hafen schaffen. Auf unseren Platz kommen wir aber noch nicht. wir richten unser Schiff aus und geben immer wieder Vor und Zurück. So arbeiten wir uns langsam voran. Das hat den praktischen Nebeneffekt, dass wir eine Menge Schlick aus unserer Box spülen. Bei Ebbe können wir dann später das Ergebnis sehen -es hat sich gelohnt!

Wir resümieren, dass es ein äußerst gelungener Start in die Saison war. Und wir sind sehr gespannt, was die Saison noch bringt!

Wir wünschen Euch Allen eine tolle Saison, trotz möglicher Einschränkungen!

Nicole und Axel

 

 


Das letzte Mal dieses Jahr? – Ein Wochenende in der W.Y.K.

02.10.2020, SVE - W.Y.K. (Krückaumündung)

Es liegen turbulente Tage hinter uns, so dass wir uns freuen, noch einmal - und wahrscheinlich auch das letzte Mal - mit unserer Hanna loszukommen. Der Blick auf die Wasserstandsvorhersage des BSH stimmt uns etwas nachdenklich. Auf Grund des starken Ostwindes, wird das Hochwasser ziemlich niedrig ausfallen.

Am späten Nachmittag legen wir dann ab. Wir kommen recht gut von Platz. Die Fahrt auf der Krückau ist wunderschön. wir fahren der untergehenden Sonn entgegen. Es ist trocken und für die Jahreszeit gar nicht mal so kalt.

Natürlich würden wir gerne Ankern, aber aufgrund des starken Ostwindes, entscheiden wir uns für einen Hafen, und zwar die W.Y.K (Hafen an der Krückaumündung). Wir mögen den Hafen, er ist wirklich schön gelegen. Wir machen längsseits an einem außenliegenden Steg fest. Dies ist der Platz, wo noch vor ein paar Tagen der "Peter von Seestermühe" gelegen hatte.

Vor uns liegt eine Polar 34. Der Riss stammt aus der Feder von Colin Archer. Die "Dulcibella", ein wirklich hübscher Zweimaster, liegt erst seit letztem Jahr hier. Wie wir vom frisch gebackenen Eigner später erfahren, war es Liebe auf den ersten Blick - das können wir nachvollziehen!

Wir machen unser so fest, dass der Bug zum Wind zeigt , was es uns ermöglicht, den Abend, trotz des starken Ostwindes, draußen in der Plicht, im Windschatten der Sprayhood zu verbringen. Wir genießen die Ruhe und die schöne Natur.

03.10.2020, W.Y.K. (Krückaumündung)

Früh morgens, um sechs Uhr werden wir von einem lauten, akustischem Signal, sowie einer gelb blinkenden Signalleuchte geweckt. Es ist ablaufendes Wasser und wir erahnen recht schnell die Ursache: Die Fluttore (wir liegen direkt daneben), welche dafür sorgen, dass der Hafen bei Ebbe nicht leer läuft, schließen nicht automatisch.  Das kommt bei starkem Ostwind gelegentlich vor, da die Fließgeschwindigkeit des abfließenden Wassers zu gering ist, um einen Impuls zum Schließen der Tore auszulösen. Wenn jetzt nichts unternommen wird, fällt der Hafen trocken (das Bild zeigt die Krückau bei Niedrigwasser, direkt vor dem Hafen der W.Y.K.). Unser Heimathafen SVE fällt zwar auch regelmäßig trocken, was aber auf Grund des weichen Schlickes kein Problem darstellt. Der Kiel und ein Teil des Unterwasserschiffes sacken soweit ein, dass die Schiffe sicher und stabil im Schlick liegen. Das ist hier in der W.Y.K. etwas anders, da der Sedimenteintrag auf Grund der Gezeiten wesentlich geringer als im SVE ist, da ja ein Großteil des Wasser im Hafenbecken der W.Y.K. bleibt. Das hat zur Folge, dass die Schiffe - je nach Form des Kiels - in Ermangelung des stbilisierenden Schlickes beim Trockenfallen schlichtweg umkippen. Diese Vorstellung ist für uns Motivation genug, die warme Koje zügig zu verlassen, um das zu verhindern. Als wir gerade dabei sind, uns in die etwas klammen Klamotten zu zwängen, verstummt das akustische Signal. Offenbar war ein anderer Bootseigner schneller als wir.

Unser morgentliche Blick auf die Wetter- und Wasserstandsvorhersage veranlasst uns, von unserem ursprünglichen Plan, Stade anzulaufen, abzukehren. Wir bleiben einfach hier, schließlich ist es wirklich schön!

Wir haben Zeit zum Lesen oder auch zum Nachholen von Bürotätigkeiten, die wir während der Woche nicht geschafft haben. Dass der Netzausbau in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt (etwas böse, aber nicht ganz von der Hand zu weisen), ist auch hier deutlich zu spüren. Mit O2 habe ich hier nur E-Netz, was richtig nervt. Für solche Fälle kommt dann unser mobiler Router zum Einsatz. Diesen verpacke ich in einen kleinen Beutel und hisse ihn am Mast nach oben. Diese Maßnahme hat oft Erfolg, so auch hier: Wir haben recht guten 4G-Empfang.

Im Grunde vergeht der Tag wie im Fluge. Beim nächsten Hochwasser kommt die "Hol Di Ran" an uns vorbei geschippert. Sie ist seit dieser Saison in der W.Y.K. beheimatet. Der Voreigner musste sein Schiff schweren Herzens abgeben.

Am Nachmittag unternehmen wir einen Spaziergang zur Elbe. Abends sitzen wir wieder in der Plicht und genießen den Blick auf in die schöne  Umgebung.

04.10.2020, W.Y.K. (Krückaumündung) - SVE

Wir haben heute viel Zeit, da das Hochwasser erst am frühen Hafen aufläuft. Es wird allerdings auch heute nicht viel Wasser kommen. Das Problem dabei ist, dass sich die Fluttore der W.Y.K. erst dann öffnen, wenn sich der gleiche Wasserstand in der Krückau im Vergleich zu dem im Hafen eingestellt hat. Das wird heute aber wohl so nichts werden. Damit man überhaupt aus dem Hafen kommt, muss der Wasserpegel im Hafen abgesenkt werden. Netterweise öffnet der Eigner der Polar 34, einen Schieber, so dass der Wasserpegel langsam sinkt. Wir bitten ihn anschließend zu uns an Bord und wir trinken einen Kaffee zusammen. Später kommt dann Frank Homuth und lässt dann noch mehr Wasser ab, sogar bis an die kritische 2m-Marke, was das Auslösen des Alarms zur Folge hat. Durch diese Maßnahme wird es uns dann am Abend ermöglicht, rechtzeitig abzulegen. Danke Frank!

Auf der Rücktour  erleben wir ein eindrucksvolles Farbspiel auf der Krückau, dass sich durch die tiefliegende Sonne und die dunklen Wolken am Horizont ergibt - traumhaft!

Wir sind dann sehr zeitig vor Eintreten des Hochwassers im SVE. Allerdings kommen wir noch nicht auf unseren Platz. Wir warten ungefähr eine halbe Stunde, dann können wir unser Schiff Kraft unseres Motors in die Box drücken.

Fazit: Ein sehr erholsames Wochenende zum Krafttanken liegt hinter uns. Es hat sich wieder einmal gelohnt, zumal es unser letzter Törn für diese Saison sein wird. In der kommenden Woche wird abgeriggt und voraussichtlich am Wochenende hochgeslippt.

 


Ein Wochenende auf der Elbe – Erstes Mal in Brunsbüttel (alter Hafen)

18.09.2020, SVE - Ankern gegenüber der Rhinplate

Gemäß Wettervorhersage wird es ein grandioses Wochenende mit viel Sonne, angenehmen Temperaturen allerdings wenig Wind - wir werden viel motoren.

Die Fahrt entlang der Krückau zur Elbe ist wunderschön und ist ein toller Start ins Wochenende. Der Fluß wird von saftigen Wiesen, mit grasenden Kühen und Schafen, sowie idyllisch gelegenen kleinen Häfen gesäumt. Als wir das Krückausperrwerk erreichen, erscheint es uns wie das Tor zur großen, weiten Welt.

Von unserem ursprünglichen Plan, direkt gegenüber von der Krückaumündung vor Anker zu gehen, kehren wir ab und fahren zur Glückstädter Nebenelbe, wo wir uns gegenüber von der Rhinplate vor Anker legen wollen. Unterwegs bereitet Nicole eine kleine und leckere Vorspeise zu.

Als wir dann unsere Ankerstelle erreichen, erscheint der Versuch, am Anker eine Ankerboje zu belassen, gerade zu lächerlich. Als ich nämlich den Anker mitsamt der Ankerboje einschließlich ausreichend langer Leine ins Wasser bringe, wird die Boje fast komplett unter Wasser gezogen. Die Strömung des abfließenden Wassers ist einfach zu stark. Am Anker entsteht ein zu großer Zug, so dass wir Gefahr laufen, dass sich der Anker womöglich löst. Ich hole den ganzen Krempel wieder ein und lasse den Anker ohne Boje zu Wasser.

Wir erleben einen traumhafter Abend mit leckerem Sushi von unserem "Einkaufsmarkt des Vertrauens" sowie zu späterer Stunde einen wunderschönen Sonnenuntergang.

19.09.2020, Ankern gegenüber der Rhinplate - Brunsbüttel, alter Hafen

Alle sechs Stunden kippt ja die Tide - also sechs Stunden läuft das Wasser auf und 6 Stunden läuft es wieder ab. Gestern Abend war gegen 17 Hochwasser in Glückstadt. Gegen Mitternacht war dann Niedrigwasser und gegen sechs Uhr entsprechend Hochwasser. Die Tide ist also während unseres Schlafens zwei Mal gekippt. Für mich ist es jedes Mal wieder faszinierend, dass der Anker so zuverlässig hält und das, obwohl Wasserpegel ändert und sich die Fließrichtung des Tidenstroms umkehrt. Fairerweise muss ich erwähnen, dass wir ausschließlich Anker-Kette ausbringen, und nicht nur ein paar Meter Kette als Vorlauf.

Bei unserem morgendlichen Kaffee fangen wir an zu rechnen, denn wir wollen heute nach Brunsbüttel in den alten Hafen, der ca. zwei Stunden vor und nach Niedrigwasser bei einem angenommenen Tiefgang von 1,80 Metern (unser Schiff hat nur 1,10 m) angefahren werden kann. Der SVB  (Seglervereinigung Brunsbüttel) hält hierfür eine übersichtliche grafische Darstellung als PDF auf seiner Webseite zum Download bereit.

Als gegebene Größen haben wir:

  • Die Uhrzeit des Niedrigwassers in Brunsbüttel: 10:58, also bummelig 11 Uhr (Quelle: z. B. Windfinder, oder die Webseite des BSH).
  • Außerdem haben wir als Distanz ca. 13 sm (von unserem Ankerplatz bei Glückstadt, bis zur Hafeneinfahrt in Brunsbüttel).
  • Des Weiteren nehmen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten/Stunde an.

Es ergibt sich also eine rechnerische Fahrzeit von ca. 2,5 Stunden. Da wir 2 Stunden nach Niedrigwasser in den Hafen können, rechnen wir 11 Uhr + 2 Stunden = 13 Uhr. Bei einer Fahrzeit von 2,5 Stunden, würde es also reichen, wenn wir gegen 10:30 Uhr aufbrechen.

Wir holen jedoch trotz Allem den Anker schon um 8 Uhr hoch und lassen uns dann Zeit, in dem wir nur die Fock ausrollen. Wir sind eine ganze Weile mit 3,5 bis 4,4 Knoten über Grund unterwegs. Später schläft der Wind allerdings vollständig ein und wir starten den Motor, um auf der vielbefahrenen Elbe manövrierfähig zu bleiben. Trotz aller Langsamkeit, sind wir dann aber viel zu früh in Brunsbüttel. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn wir nutzen die Zeit und inspizieren von der Elbe aus die Einfahrt zum alten Hafen und versuchen uns den Verlauf der Einfahrt einzuprägen. Es gibt im Übrigen von hier aus ohnehin viel zu gucken, denn es herrscht ein sehr reger Schiffsverkehr (einmal elbaufwärts, Richtung Hamburg, dann der Verkehr in und aus dem Nord-Ostsee-Kanal sowie die vielen Schiffe und Schuten, die an der Elbvertiefung arbeiten, plus die ganzen Freizeitschipper).

Gegen 12:40 können wir dann sogar schon in den Hafen hineinfahren. Das sind statt zwei Stunden nach Niedrigwasser, nur 1 Stunde und 40 Minuten. Wir hätten vermutlich sogar auch noch früher reingekonnt. Da wir uns den tiefen Bereich der Einfahrt gemerkt bzw. auch fotografiert hatten, konnten wir ohne stecken zu bleiben in den Hafen fahren. Nicht so viel Glück hatte der Segler  (s. Bild), den wir dann umschiffen mussten.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist eines der hilfsbereiten Mitglieder des SVB, der sich mit uns vor der Hafeneinfahrt in Warteposition befand. Er fragte uns nach unserem Tiefgang und gab uns dann zum passenden Zeitpunkt ein Zeichen, dass wir hineinfahren können. Er ist uns außerdem bei der Wahl des Liegeplatze behilflich. Wirklich sehr nett! Er stellt uns dann auch noch den Kontakt zu dem Fischer her, der vor uns in den Hafen eingelaufen ist. Wir bekommen frische Krabben - wir sind echt begeistert!

Wir liegen von der Elbe aus gesehen ziemlich weit vorne rechts, so dass wir einen wunderschönen Blick nach draußen auf die Elbe haben.

Später pumpe ich das Schlauchboot auf und montiere den Außenborder am Heck des Schlauchbootes. Wir unternehmen eine kleine Spaß-Tour, ganz im Sinne unseres Kleinsten. Anschließend gehen wir sogar noch einmal baden - ein Highlight!

Abends leihen wir uns dann Fahrräder vom SVB aus (kostenlos) und fahren zur Schleuse - hier ist ordentlich Betrieb - der Schleusenhafen ist voll mit Sportbooten. Wir treffen Vereinskameraden. Nach einem leckeren Essen direkt an der Kanalschleuse geht's dann zurück an Bord. Als wir im Dunklen an Bord steigen, bewegt sich unser Schiff keinen Millimeter: Das Wasser ist bereits soweit abgeflossen, so dass wir "trocken" liegen.

 

19.09.2020, Brunsbüttel, alter Hafen - SVE

Durch die Gezeiten werden wir "gezwungen", den Vormittag im Hafen zu bleiben. Und das ist auch gut so. Wir leihen uns wieder  Fahrräder und fahren zur Brunsbütteler Mole, von wo man einen phantastischen Blick auf die Elbe und die Einfahrt zur Schleuse hat. Anschließend fahren wir entlang des Außendeiches zur Schleuse. Die Sonne scheint und es ist warm. Viele Tagestouristen sind unterwegs.

Gegen Mittag dann ist die Tide soweit aufgelaufen, dass wir vom Platz kommen und durch die Hafeneinfahrt des alten Brunsbütteler Hafens auf die Elbe fahren. Wir hatten uns zuvor erneut den Verlauf des tiefen Bereiches der Hafeneinfahrt bei Ebbe eingeprägt und zur Sicherheit fotografiert.

Wenn man den alten Hafen von Brunsbüttel verlässt, ist man gut beraten, sich genau die Verkehrssituation der Berufsschifffahrt auf der Elbe zu vergegenwärtigen, um Überraschungen zu vermeiden. Wir werfen einen Blick auf das AIS, um zu sehen, ob gerade Schiffe aus der Kanalschleuse kommen. Wir haben Glück: Zur Zeit verlässt kein Schiff die Schleuse Richtung Elbe. Allerdings hat sich gerade die kleine Schleuse mit unglaublich vielen Freizeitbooten entladen. Ein Geschwader von bestimmt 20 Schiffen bewegt sich vor uns Richtung Hamburg. Einige queren direkt das Fahrwasser zur Südseite der Elbe, einige bleiben auf der Nordseite. Auch wir navigieren hier Richtung Glückstadt, knapp neben dem Hauptfahrwasser.

Wir sind rechtzeitig, bevor wir in die Krückau können, vor der Krückaumündung und nutzen die Wartezeit für eine kleine Anker-Session und gehen sogar noch einmal baden. Die Strömung ist hier nicht so stark, wie an andern Stellen der Elbe und man kann locker gegenan schwimmen. Trotzdem bringen wir, insbesondere für unseren Jüngsten, einen Fender an einer langen Leine nach achtern aus.

Während der Fahrt auf der Krückau, machen wir schon einmal Klarschiff und packen unsere Sachen. Denn wir müssen zügig nach Hause, da wir heute mit unseren Kindern zusammen zu Abend essen wollen.

Wir waren das erste Mal im alten Hafen von Brunsbüttel und wir sind uns sicher, nicht das letzte Mal!

 

 




Rückführung 2020

04.09.2020, Fahrdorf - Ankern beim Olpenitzer Noor

Für diese Wochenende haben wir uns einiges Vorgenommen. Wir wollen versuchen, unsere Hanna von Fahrdorf nach Elmshorn, in unseren Heimathafen SVE, zu überführen. Da wir lange Törns geplant haben, haben wir auf die Tatkräftige Untersützung unseres Jüngsten verzichtet und lassen ihn einhüten. Wozu gibt es schließlich einen Schwager, größere Schwestern oder auch eine Omi?

Unser Abenteuer beginnt, so wie im letzen Jahr auch, mit der Reise per Deutscher Bahn, von Elmshorn nach Schleswig. Ich musste glücklicherweise längere Zeit nicht das "Angebot" der Bahn nutzen. Aber als wir an diesem Freitag Nachmittag am Bahnhof, an Gleis eins stehen, merke ich schon, es hat sich seit Monaten Nichts veränderte. Der Fahrkartenautomat ist dreckig und beschmiert - außerdem ultralangsam. Als der Zug mit der gewohnten Verspätung einfährt, werden wir dem üblichen Verwirrspiel der Bahn ausgesetzt. Da der Zug in Neumünster geteilt wird und ein Zugteil nach Flensburg und der andere Teil nach Kiel fährt, besteht die Herausforderung für die Bahn darin, den Fahrgästen die Richtige Zuordnung zu vermitteln. Ich zähle mal auf:

  • Auf der elektronischen Anzeige steht: Flensburg vorne, Kiel hinten - wir müssen also nach vorne!
  • Die Ansage am Bahnsteig lautet: Flensburg hinten, Kiel vorne - ahh, wir müssen also nach hinten!
  • Auf den Schildern an den Wagons steht: Flensburg vorne, Kiel hinten - ahh, wir müssen also nach vorne!
  • Durchsage im Zug: Flensburg vorne, Kiel hinten - ahh, die Wahrscheinlichkeit, dass vorne richtig ist, hat sich gerade erhöht!
  • Zugbegleitpersonal: Flensburg vorne, Kiel hinten! Cool, wir sitzen höchst wahrscheinlich richtig und müssen nicht beim nächsten Halt mit unseren Taschen nach hinten umziehen!

 

Absolute Gewissheit haben wir dann, als wir tatsächlich in Schleswig ankommen. Das traurige an dieser Posse ist, dass es letztes Jahr genau das Gleiche war!

In Schleswig nehmen dann ein Taxi, um nach Fahrdorf zu kommen. Wir zahlen einschließlich Trinkgeld 11 EURO; das ist erschwinglich.

Kaum sind wir auf unserem Schiff, legen wir auch schon innerhalb von 15 Minuten ab. Das Verstauen der Sachen bzw. Lebensmittel erledigen wir unterwegs. Ich habe dann noch die unangenehme Aufgabe, eines der vorderen Fächer der Bilge, in dem wir Bierdosen lagern, zu reinigen. Es sind insgesamt vier Dosen, deren Inhalt sich in die Bilge ergossen hat. Leider ist dies offensichtlich schon vor längerer Zeit passiert, denn der Gestank, der von dieser trüben, mit ekligen Flocken versetzen Brühe aufsteigt, ist enorm. Außerdem haben sich unzählige kleine Fliegen sowie kleine Larven angesiedelt. Die meisten der Fliegen begleiten uns dann leider auch bis zu unserem Heimathafen!

Es dämmert bereits, als wir am Olpenitzer Noor ankommen und vor Anker gehen. Nicole geht tatsächlich noch einmal baden - Respekt!

05.09.2020, Ankern beim Olpenitzer Noor - Gieselaukanal

Heute Morgen klingelt der Wecker sehr früh und wir legen gegen 7 Uhr ab. Der Wind kommt aus Südwest und nimmt schnell zu. Wir haben in Böen gute 6 Beaufort. Als wir die Eckernförder Bucht erreichen, kämpft sich unser Schiff durch die steile, ca. 1 Meter hohe Welle. Dazu gibt es wiederholt Regenschauer.

Als wir die Kieler Bucht erreichen, kommt kurz die Sonne durch. Auf der Kieler Förde ist richtig was los. Die Kieler Woche ist heute gestartet. Sie wurde coronabedingt auf September verschoben. Vor der Schleuse in Kiel-Holtenau müssen wir gar nicht lange warten. Wir hatten diesbezüglich nämlich schon die schlimmsten Befürchtungen, da ein Schleusentor am vergangenen Wochenende mal wieder von einem Frachter gerammt wurde. Glücklicherweise wurden die Arbeiten rechtzeitig, kurz vor unserer Rückführung, abgeschlossen.

Während der ca. halbstündigen Wartezeit lasse ich es mir nicht nehmen, kurz in die Ostsee zu springen - schließlich will ich gegenüber Nicole, die sich gestern Abend noch tollkühn in die Schlei gestürzt hatte, nicht als Verlierer dastehen. Es wird ein ebenso kaltes wie kurzes Badevergnügen.

Wir schleusen zusammen mit zwei sehr unterschiedlichen Vertreten der Berufsschifffahrt, allerdings mit gleichem Schiffsnamen: Beide heißen "Freya" (siehe Bild).

Unser nächster Stopp ist dann der Gieselaukanal. Nachdem wir uns mit Vor- und achterleine sowie Vor- und Achterspring festgebunden haben, (dieses Mal aber gleich vorne am Steg, und nicht wie letztes Jahr, ganz bei der Schleuse, wo der Badewanneneffekt besonders ausgeprägt ist - Link zum Beitrag), schwoit unser Schiff immer wieder vor und zurück . Total nervig, zumal das Ganze von lautem Geknarze begleitet wird. Das Beste daran ist, dass ich zunächst nicht feststellen kann, woran das eigentlich liegt - es ist gar kein Wind und absolute Windstille (siehe Bild). Ich nehme schließlich die Vor- und Achterspring weg und verlängere jeweils die Vor- und Achterleine. Damit ist dann Ruhe. Mittlerweile glaube ich zu verstehen, was die Ursache für die Schiffsbewegungen war: Im Gieselaukanal schwankt der Wasserstand aufgrund der Schifffahrt auf dem NOK. Die damit einhergehende Strömung ist nur sehr gering und schwer zu erkennen. Beim Fallen des Wasserstandes gab es Zug auf die Vor- oder Achterspring, so dass in dessen Folge das Schiff hin und her bewegt wurde. Wie auch immer, das Ergebnis meiner "Leinenarbeit" war eine sehr ruhige Nacht.

06.09.2020, Gieselaukanal - SVE

Am nächsten Morgen klingelt wieder früh der Wecker. Als wir gegen 7 Uhr auf den NOK fahren, scheint noch leicht die Sonne. Im Verlaufe der Fahrt auf dem Kanal gibt es dann immer wieder, teils sehr heftige, Regenschauer. Aber auch tolle Farben und einen Regenbogen wie gemahlt!

Als wir Hochdonn erreichen, ich hatte gerade die Pinne an Nicole abgegeben, kommt es zu einem Ereignis, das uns das Blut in unseren Adern gefrieren lässt: Ich bin gerade unter Deck, als unser Schiff eine sehr heftige Kursänderung nach Steuerbord erfährt. Das ist auf dem Kanal sehr unüblich, da man als Schiffsführer, auf Grund des regen Schiffsverkehrs der Berufsschifffahrt, verständlicherweise dazu verpflichtet ist, seinen Kurs zu halten. Zumal wegen des Rechtsfahrgebotes, nach Steuerbord zum Ufer hin wenig Platz ist. Ich reiße die Tür zu unserem Bad auf und hechte zum Niedergang. Was ich sehe, lässt mir vor Schrecke den Atem stocken: Nur wenige Meter von unserm Bug entfernt nähert sich mit voller Fahrt auf unserer Backbordseite die Kanalfähre "Hochdonn"! Nicole führt geistesgegenwärtig das sogenannte "Manöver des letzten Augenblicks" aus. Hätte sie das nicht geschafft, wäre es zur Kollision gekommen! Wir hatten 5,8 Knoten Fahrt - die Fähre bestimmt auch 5 Knoten. Ich wage die Einschätzung, dass die Kollision mit einem Totalverlust unseres Schiffes einhergegangen wäre (im übrigen haben wie das "Manöver des letzten Augenblicks" auch mitgetrackt - siehe Trackfile rechts - sieht ganz lustig aus!). Es dauert, bis wir diesen Schreck halbwegs verarbeitet haben. Unsere Recherche im Internet ergibt, dass es mit genau dieser Fähre ("Hochdonn") am 08.05.2020 zu einer Kollision mit einem Küstenmotorschiff gekommen ist.

Wir setzen unsere Fahrt dann unverrichteter Dinge fort und kommen zur Fährlinie bei Burg. Hier werden wir dann Zeuge eines sehr außergewöhnlichen Manövers: Als die Fähre hinter uns den Kanal passiert, dreht diese sich pirouettenartig, zweimal um ihre eigene Achse, dazu gibt es ein akustisches Signal 1 x lang. Was soll das? Stand das im Zusammenhang mit dem Vorfall von eben? Wie wir im Nachgang erfahren, handelte es sich dabei wohl tatsächlich um ein "Entschuldigungsmanöver". Die Kapitäne stehen nämlich im Kontakt untereinander, so dass der Kapitän der Unglücksfähre seinen Kollegen gebeten hat, dieses Manöver führ ihn auszuführen.

Gegen Mittag erreichen wir dann Brunsbüttel, wo wir eigentlich tanken wollen - wie gesagt: "eigentlich"! Wir machen an dem Steg, an dem auch schon ein großer Katamaran festgemacht hat, fest. Der Skipper vom Katamaran kommt zu uns rüber und teilt uns mit, dass er, sowie bereits zwei andere Segler, versucht haben, hier Diesel zu tanken. Es ist aber kein Personal zugegen, obwohl dies gemäß deklarierter Öffnungszeiten der Fall sein sollte. Ich besteige die Anlage und nehme den altmodischen Telefonhörer, der zur Benutzung an der Wand hängt und wähle, wie ausgeschildert, die "11". Es nimmt leider keiner ab. Wir geben auf und legen ab, um zur Schleuse zu fahren. Wir müssen nicht lange warten und dürfen dann in die Schleuse fahren. Auf der Elbe werden wir von Sonnenstrahlen und ordentlich Welle begrüßt. Wir hissen die Segel und drehen ab, mit Kurs Krückaumündung. Leider ist das Intermezzo mit der Sonne nur von kurzer Dauer. Was folgt, ist Dauerregen (eher Dauerschauer), begleitet von krassen Winddrehern und kurzen Gewittern. Ich stehe in Vollmontur an der Pinne - leider barfuß, da ich törichterweise dachte, dass es nur ein kurzer Schauer wird. Die monströsen Containerschiffe lösen krasse Heckwellen aus, die so manch kleinerem Schiff wohl schon zu einem echten Problem werden könnten.

Was ich immer wieder beängstigend finde ist, mit anzusehen, mit welcher Ausdauer und Emsigkeit an der x-ten Elbvertiefung gearbeitet wird. Es sind Schaaren von gigantischen Baggerschiffen unterwegs die 24 Stunden, 7 Tage die Woche baggern und baggern. Die Elbe wird immer schneller und die Tonnen hinterlassen enorme "Heckwellen" in der mächtigen Strömung - einfach nur beängstigend!  Ich frage mich, welche Generation übernimmt endlich die Verantwortung und duldet, der nicht zu stillenden Gier des nach Profit strebenden Menschen zum Trotze,  keine weitere Zerstörung dieser wichtigen und schönen Lebensader!

Auf der Krückau kommt glücklicherweise wieder die Sonne durch. So macht es einfach mehr Spaß. Um auf unseren Platz zu kommen, müssen wir diesen erst einmal von dem sich angesammelten Schlick freispülen. Als wir dann schließlich fest vertäut haben, fällt eine gewisse Last von unseren Schultern. Wir sind froh, dass wir unserer Hanna jetzt wieder im SVE haben und dass wir die Rückführung an einem Wochenende geschafft haben.