Rückführung 2021 – Teil 2

10.09.2021, Stadthafen Rendsburg (Regatta-Verein Rendsburg)

Segensreicherweise sind die Streiks der GDL derzeit ausgesetzt, so dass wir mit vertretbarem Aufwand und wenigen Minuten Verspätung mit der Bahn nach Rendsburg kommen. Den Tag über hat es ordentlich geregnet, als wir jedoch an Bord unserer Hanna steigen, scheint die Sonne, wunderschön!

Wir haben uns angesichts der fortgeschrittenen Zeit dazu entschlossen, heute nicht mehr abzulegen, sondern uns einen Burger und ein schönes kühles Getränk im "Riverside" zu gönnen. Das Restaurant mit schönem Außenbereich befindet sich direkt am Hafen des Regatta-Vereins Rendsburg. Wir bekommen sogar noch einen Tisch auf dem Schwimmponton, mit Blick auf den Hafen und auf unser Schiff, angeleuchtet von der Abendsonne - traumhaft!

11.09.2021, Stadthafen Rendsburg (Regatta-Verein Rendsburg) - Motor- u. Yachtclub Stade

Heute heißt es früh aufstehen, denn wir wollen heute noch bis in die Schwinge zum Motor- und Yachtclub Stade, wo heute das "Absegeln" unseres Vereines stattfindet. Beim Verlassen des Hafens sehen wir die neue Schwebefähre für die Kanalquerung an der Eisenbahnhochbrücke, die vor wenigen Tagen hier angekommen war. Die alte Schwebefähre war 2016 bei einer Kollision mit einem vorbeifahrenden Seeschiff zu Schaden gekommen und war nicht mehr, aus wirtschaftlicher Sicht, zu reparieren.  Am frühen Nachmittag erreichen wir die Schleuse in Brunsbüttel, wo wir nach kurzer Wartezeit in die Schleuse hineinfahren können. In dieser bleiben wir beim Schleusen alleine. In der großen Kammer verliert sich unser Schiff optisch.

Auf der Elbe prasseln dann heftige Schauer auf uns nieder. Die Offshore-Kleidung hält dieser Beaufschlagung auf Dauer nicht Stand. Aber ein Regenschirm verhindert ein völliges Durchnässen. Glücklicherweise können wir dann ohne Regen im MYC Stade festmachen.

Zu der Veranstaltung des SVE haben sich tatsächlich viele Mitglieder mit ihren Booten eingefunden. Die mit Lichterketten geschmückten Schiffe erzeugen eine festliche Atmosphäre im Hafen. Nach einem feucht-fröhlichen Abend kommen wir erst weit nach Mitternacht in die Koje.

12.09.2021, Motor- u. Yachtclub Stade - SVE

Die Nacht war der blanke Horror, da sich bei mir wieder einmal unerträgliche Zahnschmerzen einstellten - anscheinend habe ich hier gerade einen Lauf. Leider halfen auch keine Schmerzmittel. Nicole findet einen zahnärztlichen Notdienst in Stade, den ich, anstatt an dem gemeinsamen Frühstück teilzunehmen, in Anspruch nehme. Ich bekomme beim MYC ein Fahrrad geliehen, mit dem ich mich am Vormittag auf den Weg zur Zahnarztpraxis in der Altstadt von Stade auf den Weg mache. An dieser Stelle nochmal meinen herzlichen Dank an den MYC für diesen tollen Service (das Fahrrad war in einem Topzustand).

Mit dem Abendhochwasser erreichen wir dann unseren Heimathafen in Elmshorn. Ein gutes Gefühl, unser Schiff wieder im Heimathafen zu haben.

Rückführung 2021 – Teil 1

03.09.2021, Marina Minde - Ankern vor Høruphav Havn

Es ist gefühlt eine Ewigkeit her, dass wir mit unserem Schiff unterwegs waren. Seit wir unsere Hanna zum Ende unseres Urlaubes nach Marina Minde gebracht haben, waren wir nur eine Nacht bei Wassersleben vor Anker. Die anderen Wochenenden waren entweder verregnet, so dass wir im Hafen geblieben sind, oder wir waren erst gar nicht zum Schiff gefahren, weil wir wegen einer starken Erkältung zu Hause bleiben mussten. Ehrlich gesagt, hat es sich diese Jahr nicht sonderlich gelohnt, dass Schiff nach unserem Urlaub noch in Marina Minde gelassen zu haben.

Heute nun, starten wir den ersten Teil unserer Rückführung. Das Wetter spielt mit: Westliche Wind der Stärke 6 und angenehme Temperaturen mit viel Sonne. Etwas wehmütig aufgrund des nahenden Endes der Saison, verlassen wir den Hafen und setzten die Segel. Mit zunächst Raumschotkurs und später achterlichem Wind rauschen wir mit teilweise über 7 Knoten Høruphav entgegen - wirklich tolles Segeln! Wir spüren wieder, wofür wir die ganze Arbeit am Schiff in der nass-kalten Jahreszeit  machen.

Wir legen uns ganz in der Nähe des Hafens Høruphav Havn vor Anker. Von hier haben wir einen wunderbaren Blick auf das Haff, auch zu dem Ort, wo Siegfried Lenz viele Jahre lang seine Sommerresidenz hatte. Ein kleines Fischerhaus in "Lebøl Løkke", in dem ein Großteil des Klassikers "Die Deutschstunde" entstand.

04.09.2021, Ankern vor Høruphav Havn - Ankern vor Möltenort

Kurz vor 8 Uhr holen wir den Anker hoch und nehmen Kurs auf die Kieler Förde. Den größten Teil der Strecke müssen wir dann allerdings motoren. Auf Höhe Damp treffen wir dann auf das Regattafeld der "Speckregatta". Südlich der Eckernförder Bucht wird es dann turbulent und unübersichtlich: Es ist Kieler Woche und es finden zahlreiche Regatten statt. Wir müssen immer wieder unseren Kurs ändern, um nicht in eines der zahlreichen Regattafelder zu geraten.

Eben südlich des Hafen von Möltenort legen wir uns dann vor Anker. Wir lassen es uns nicht nehmen und gehen nochmal zum Abschluss der Saison in das 16,7 °C kalte Wasser.

Zur Feier des Tages habe ich einen Tisch im "Ocean Elven" in Laboe reserviert. Wir setzten mit dem Schlauchboot zum Hafen von Möltenort über und machen uns "per pedes" auf den Weg. Wir haben 4,3 km zu laufen. Für unseren Kleinsten haben wir seinen Roller mitgenommen. Eine wirklich schöne Strecke entlang der Kieler Förde. Wir können auch nur deshalb unsere Schiff ruhigen Gewissens so lange und so weit weg alleine lassen, weil wir den Anker gründlich eingefahren haben. Wir dann noch gute zwei Stunden an Bord und konnten uns vergewissern, dass der Anker tatsächlich hält. Außerdem habe ich eine kleine Kamera mit integriertem WLAN installiert, die ich mit unserem mobilen Router verbunden habe. Über eine App kann ich dann, auch außerhalb des Bordnetzes, darauf zugreifen - geniale Sache!

In Laboe tobt der Bär. Hier herrscht Urlaubsstimmung pur. Wir haben uns leckere Burger bestellt, sehr lecker! Im anschluss schlendern wir noch über die Promenade uns unser Jüngster bekommt einen Crêpe. Für die Rücktour nehmen wir den Bus und sind zum Einbruch der Dunkelheit zurück an Bord. Wie man auf dem Titelbild dieses Beitrages  erkennen kann, liegt unser Schiff anders, als alle anderen. Wir finden nicht heraus woran das liegt, Strömung , Wind? Ich drehe mit unserem Schlauchboot und Außenborder unser Schiff so hin, wie alle Anderen Ankerlieger ausgerichtet sind. Es hilft aber nicht viel, unsere Hanna dreht sich langsam wieder zurück.

Wie auch immer, wir verbringen noch ein wenig Zeit in der Plicht und genießen wunderschöne Abendstimmung.

05.09.2021, Ankern vor Möltenort - Rendsburg Stadthafen

Von unserem Ankerplatz aus, können wir den Wartebereich des Nord-Ostsee-Kanals einsehen. Es befinden sich bereits drei Schiffe dort, so dass wir gegen halb acht den Motor starten, um bei einer möglichen Schleusung dabei sein zu können. Gegen halb neune können wir dann in die große Schleusenkammer fahren.

Beim Flemhuder See ist dann erstmal Schluss! Dort befinden sich bereits einige Segler und auch kleinere Frachter in Warteposition. Drei Mal Rot an den Signalmasten des NOK bedeutet auch für die Freizeitkapitäne: Ausfahrt verboten!

Nach ca. einer Stunde Wartezeit geht es dann weiter.

Gegen Mittag sind wir dann im Stadthafen von Rendsburg. Wir müssen irgendwie unseren Polo aus Marina Minde abholen. Ich mache mich dann später auf den Weg zur Bahn, um damit, trotz des derzeitigen Streiks der GDL, nach Flensburg zu kommen. In der DB-App sind alle Züge, die aufgrund des Streiks ausfallen, gekennzeichnet. Die Zugverbindung um 13:15 aber nicht, so dass ich davon ausgehe, dass ich dies nutzen kann. Vor Ort erfahre ich dann, dass dem nicht so ist. In dem DB-Reisezentrum wird mit dann eine Zugverbindung um 13.59 empfohlen. Diese steht selbstverständlich NICHT in der DB-App drin, aber, dafür fährt die Bahn dann aber!

In Flensburg angekommen, nehme ich mir ein Taxi nach Marina Minde. Auf dem Rückweg nach Hause, sammle ich Nicole und Piet ein.

Nächstes Wochenende kommt dann hoffentlich Teil 2 der Rückführung, mal sehen!

 



Die Suche nach einem geschützten Ort

13.08.2021, Marina Minde - Ankern vor Wassersleben

Als wir mit dem Auto in Marina Minde ankommen, kocht die Flensburger Förde. Sieben Windstärken aus süd-west, genau auflandig. Die erste Herausforderung, der wir uns stellen müssen, ist das Ablegen aus unserer Box. Unser Liegeplatz befindet sich ziemlich am Anfang der Boxengasse und wir haben nicht viel Platz bis zum Ufer, das mit großen Steinen befestigt ist. Falls etwas beim Ablegen schief geht, sind wir schnell auf diese Steine gedrückt. Daher warten einen günstigen Moment mit wenig Wind ab, bevor wir die Leinen lösen und den Rückwärtsgang einlegen. Als wir dann schließlich unser Schiff rückwärts aus der Box, schaffe ich es noch, den Bug am backborseitigen Heckpfahl herumzudrücken - wir bekommen den Bug durch den Wind.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie hoch sich die Wellen auf der Flensburger Förde aufbauen können. Als wir den Hafen verlassen, taucht unser Bug wieder einmal ordentlich unter Wasser -hatten wir dieses Jahr schon öfter. Wir steuern zunächst die Ochseninseln an und hoffen, dort einen geschützten Ankerplatz zu finden. Jedoch finden hier immer wieder starke Böen den Weg um die "Große Ochseninsel". Wir fühlen uns dabei nicht wohl und fahren weiter mit Kurs auf Wassersleben. Je näher wir  Wassersleben kommen, desto ruhiger wird es. Wir suchen uns dann eine Ankerstelle nahe am Ufer. Es ist faszinierend, wie geschützt wir hier bei dem starken Westwind liegen!

Später setze ich mit dem Schlauchboot über. Unser Freund Kay von Eitzen ist gekommen und wir setzen uns für einen kurzen Plausch auf die harten Steine. Trotz der unbequemen Sitzsituation, vertiefen sich unsere Gespräche dann doch noch zunehmends.

14.08.2021, Ankern vor Wassersleben - Marina Minde

Nach einer ruhigen Nacht legen wir rechtzeitig am Morgen ab. Wir wollen versuchen, den größten Teil nach Marina Minde zu Segeln, bevor der Wind wieder auf 7 Beaufort auffrischt.

Den Abend und die Nacht verbringen wir mit Freunden anlässlich eines Geburtstages.

Als wir am nächsten Tag die Heimreise antreten, hoffen wir auf schöneres Wetter für das nächste Wochenende.

 


Sommerurlaub 2021 – Die Vernunft siegt!

22.07.2021, Svendborg – Ankern vor Ærøskøbing

Nach einem tollen und schmerzfreien Abend, den wir gestern in Svendborg verbringen durften, wache ich heute ohne Zahnschmerzen auf, wunderbar! Gute Laune ist vorprogrammiert! Die brauche ich allerdings auch, denn wir werden die ursprünglich geplanten vier Wochen Urlaub auf drei verkürzen – ein Luxusproblem, das ist schon klar!

Bevor wir Svendborg verlassen, will ich mich meiner geliebten Ehefrau unbedingt noch erkenntlich zeigen. Sie muss viel mitmachen und oft genug auch mal für einen Scherz auf ihre Kosten herhalten. Ich versuche das Ablegen noch künstlich etwas heraus zu zögern, da die Blumengeschäfte, die ich "ergoogelt" hatte, erst um 9:30 Uhr aufmachen. Unter dem Vorwand Brötchen holen zu wollen, laufe ich durch die noch leeren Einkaufsstraßen zu dem am nächst gelegenen Blumengeschäft. Das hat dann aber leider ausgerechnet heute zu. Das stand aber anders im Internet! Das nächste öffnet erst um 10 Uhr. Ok, dann halt zu Kvickly, besser als keine Blumen! Dort bekomme ich sogar Rosen und kann auch gleich Brötchen mitbringen, top!

Wir wollen erst einmal ablegen und dann unterwegs frühstücken, das spart Zeit. Die Leinen zum Anbinden unseres Schiffes waren völlig überflüssig, denn unsere Hanna ist zwischen den Nachbarschiffen eingequetscht. Beim Ablegen müssen wir an beiden Seiten unser Schiff freidrücken. Der Hafen ist soll voll, dass wirklich die kleinste Lücke genutzt wird. Als wir den Hafen verlassen und rechts rum zur Brücke abbiegen, kommt uns tatsächlich „Delle“ noch einmal zum Abschied entgegen.

Vor Ærøskøbing kommen uns die „Liekedeeler“ (Baunummer 3) und die „Magellan“ (Stahldelphin) entgegen. Zwei wunderschöne Schiffe die für Liebhaber von Klassikern eine Augenweide darstellen. Leider verpassen wir uns um einen Tag. Wir gehen eben südlich von Ærøskøbing vor Anker. Dort hatten die beiden Delphine auch gelegen.

Wir genießen die Zeit in Ærøskøbing. Es gibt dort entzückende kleine Straßen mit niedlichen kleinen Geschäften, Cafes und Restaurants. Am Hafen liegt die „Havet“, ein Traditionssegler aus Assens. Dort nehmen wir einen kleinen Kaffee ein, herrlich.

 22.07.2021, Ankern vor Ærøskøbing – Ankern im Revkrog bei Ærøskøbing

Wir bleiben bis heute Abend hier vor Anker und erkunden Ærøskøbing. Wir waren schon häufiger hier und sind jedes Mal wieder entzückt von dieser kleinen dänischen Stadt. Der einzige Supermarkt am Hafen ist jedoch dem Ansturm der zahlreichen Freizeitskipper sowie der den Tagestouristen, die mit der Fähre anreisen nicht immer gewachsen ist.  Es lohnt sich, auch einmal die etwas abseits von den bekannten und viel frequentierten Straßen abzulaufen. Sehr beeindruckt bin ich von diesen Miniaturdampfern, die einen absolut funktionsfähigen Eindruck machen!

Da der Wind auf Ost drehen soll, verholen wir uns Abends in die Ankerbucht auf der anderen Seite der Landzunge, westlich von Ærøskøbing. Dort liegen bereits einige Schiffe vor Anker. Wir erleben einen sagenhaften Sonnenuntergang! Natürlich schwingt auch eine Partie Wehmut aufgrund des nahenden Ende unseres Urlaubs mit. In die dänische Südsee werden wir aller Voraussicht nach erst wieder im nächsten Jahr kommen.

23.07.2021, Ankern im Revkrog bei Ærøskøbing – Marina Minde

Heute ist es endgültig, die Vernunft siegt über die Sehnsucht nach Wasser, Wind, Strand und lauen Sommernächten vor Anker. Wir machen einen großen Schlag bis nach Marina Minde. Die größte Strecke davon segeln wir, was auf Grund des wenigen Windes zum Teil eine echte Geduldsprobe darstellt. Bevor wir weiter in die Flensburger Förde hinein segeln, legen wir uns für einen kurzen Badestopp vor der Südküste von Kegnaes vor Anker. Bei Ilerstrand (eben südöstlich von Marina Minde) gehen wir dann bei Freunden, die hier mit ihrer Bianca 27 vor Anker liegen, längsseits. Abends verholen wir uns dann aber noch gemeinsam nach Marina Minde. Unsere Freunde versüßen uns den letzten Abend unseres Urlaubs. Es wird eine heitere und feuchtfröhliche Nacht bei sehr angenehmen Temperaturen, auch noch um Mitternacht.

24.07.2021, Marina Minde

Wir haben uns entschlossen, unser Schiff den August über hier in Marina Minde zu lassen. Wir hoffen dabei auf ein paar schöne Wochenenden. Und tatsächlich sind wir dieses Jahr nicht die Einzigen aus unserm Verein, die ihr Schiff hier liegen haben.

Dennoch fällt uns der Abschied schwer, denn der Alltag wird uns schnell wieder haben.

 

 





Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten (3)!

20.07.2021, Ankerplatz Dyreborg - Faaborg - Svendborg

Knack! Höllische Schmerzen! Ein kleiner Stein oder sonst irgendwas Hartes ist beim Kauen zwischen meine Zähne gekommen -  Und, ich habe sofort das Gefühl, dass das nicht gut war. Nicole, als Frau vom Fach, reicht ein kurzer Blick auf den 1/5-er Zahn: Ein Großteil der Innenwand des Zahnes ist gebrochen. Im Prinzip ist der Zahn einmal in der Mitte gespalten, wobei der lose Teil noch unten im Knochen feststeckt und beim Kauen unter starken Schmerzen hin und her klappt.

Wut steigt in mir auf, denn von 365 Tagen im Jahr muss das genau im lang ersehnten Urlaub passieren! Ich nehme mir vor, erst einmal nichts zu unternehmen und zu versuchen, den Zahn beim Kauen zu meiden. Leider geht der Plan nicht auf. Die Schmerzen nehmen weiter zu. So sehr ich es auch will, aber so geht es nicht weiter. Ich muss einen Zahnarzt aufsuchen! Nicole nimmt es gelassen, wir fahren zurück nach Faaborg und gehen dort hinter der Marina vor Anker. Hier kommt auch kein Sand durch den nach wie vor anhaltenden, starken Nordwest auf unser Deck (vgl. Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Osten! (1) ) - das hat schließlich oberste Priorität.

Ich setze mit dem Schlauchboot über und klappere drei Zahnärzte ab. Jedoch, Keiner will mir einen Termin geben - was für ein Mist! Optimistisch, wie meine Frau ist, schlägt sie vor, es nochmal in Svendborg zu versuchen. Ich bin skeptisch: Wieso soll es in Svendborg anders sein?

Wir legen ab und werden wenigstens mit einer schönen Segeltour belohnt. Zu allem Überfluss begrüßt uns "Delle" vor den Toren Svendborgs. "Delle" ist ein Delphin, der seit letztem Jahr häufiger nach Svendborg kommt und sich hier sehr wohl zu fühlen scheint. Er springt sogar ganz in der Nähe von uns aus dem Wasser. Leider bekommen wir das nicht mit unseren Handys eingefangen.

Kurz nach dem Einbiegen in die Hafeneinfahrt von Svendborg, kommen uns Segler entgegen und geben uns mit unmissverständlichen Gesten zu verstehen, dass der Hafen randvoll ist - keine Chance auf einen Liegeplatz! Wieder kommt Nicoles unersättlicher Optimismus zum Tragen. Sie steuert unsere Hanna weiter in den Hafen. Ich weigere mich jedoch, den ganzen Tütelkram, der zum Festmachen in einem Hafen notwendig ist, vorzubereiten. Der ganze Mist, wie Fender und Leinen bleibt schön am Heckkorb bzw. in der Backkiste - ich lasse mich doch nicht verarschen, wir gehen doch sowieso notgedrungen irgendwo vor Anker! Und, je näher wir dem Hafen kommen, desto mehr fühle ich mich bestätigt! Ausschau haltend stehe ich vorne am Bugkorb und zeige Nicole zufrieden immer wieder den Daumen nach unten - herrlich, wenn man Recht hat! Das der Hafen voll ist, ist stark untertrieben! Hier geht gar Nichts!! Nicole fährt unbeirrt meiner abwinkenden Gesten, jeden Winkel des Hafens weiter ab, während meine Genugtuung stetig zunimmt. Als Nicole dann aus dem vorderen Teil (bei der Straße) zurück in Richtung der Hafeneinfahrt fährt, legt ausgerechnet genau in diesem Augenblick ein Boot ab! Und das auch noch von einem der besten Plätze des Hafens, nämlich mit freier Sicht auf die Werft und die Hafeneinfahrt. Ich kann es nicht fassen! Leider stehe ich in diesem Moment ziemlich dumm da, denn ich hatte ja nichts, also überhaupt nichts, zum Anlegen vorbereitet. Ziemlich doof, denn hinter uns kreisen bereits mehrere Boote, um uns den Platz streitig zu machen! Nicole fährt bis kurz vor die Box und versucht unser Schiff dort zu halten, was aufgrund einer Querströmung nicht einfach ist. Ich haste derweil an Deck umher und binde Fender fest und bereite Leinen vorne und achtern vor (ich "liebe" diese Arbeit - beim Ankern brauche ich bloß das Eisen ins Wasser lassen!). Rechts und links von unserer Box stehen bereits dänische Skipper auf ihren Schiffen, um uns beim Anlegen zu helfen, oder vielleicht, um vermeintlichen Schaden abzuwenden. Ein äußerst peinlicher Moment, denn es dauert einfach eine gewisse Zeit, bis ich das ganze Zeug fertig vorbereitet habe! Das dänische Paar des Bootes auf unserer Backbordseite empört sich sogar über diese Fehlleistung: Wir kann man in einen Hafen fahren, ohne was zum Anlegen vorzubereiten! Die Beiden haben dann die gesamten zwei Tage, die wir dort lagen, nicht mit uns geredet, geschweige denn, sich beim Ablegen von uns verabschiedet - sie lassen uns in totaler Ignoranz ersaufen. Man, wie peinlich! Bei der späteren Nachlese des Manövers mit Nicole mache ich logischerweise keine sonderlich gute Figur! Aber, man muss auch einstecken können!

Da ich zur Zeit nicht "so gerne" esse (kaue), versteife ich mich mehr aufs Trinken. Bier hat ja auch einen gewissen Nährwert, außerdem wirkt es schmerzlindernd - ideal! Es wird ein wirklich toller und lustiger Abend. In Svendborg ist ordentlich was los. An unserem Steg findet dann sogar noch ein kleines Konzert statt. Einziger Haken: Unser Kabel für Landstrom führt quer über die provisorische Bühne und ausgerechnet in der Mitte befindet sich dann auch noch eine Steckerverbindung, die eine ideale Stolperfalle darstellt (siehe gelbes Kabel im Bild). Wir waren nach dem Anlegen zu langsam, so dass der frei gewordenen Stecker vom Segelboot, dessen Platz wir ergattern konnten, schon belegt war. Ich habe dann alle Verlängerungen (einschließlich einer Kabeltrommel) herausgekramt und die Säule am Hauptsteg angezapft. Die ist wirklich weit weg von unserem Liegeplatz und ich musste dafür die Kabel auch über eine schmale und von Touristen stark frequentierte Brücke verlegen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich Jemand beschwert oder sogar über unsere Kabel stolpert.

21.07.2021, Svendborg

Heute ist Hafen- (Zahnarzt-) tag! Gestern schon hatte ich bei der ersten Praxis, die ich anlief Erfolg und einen Termin für heute 10 Uhr bekommen. Ich muss gestehen, ich freue mich auf den Termin! Nach nur 15 Minuten Wartezeit sitze ich auf dem Stuhl im Behandlungszimmer. Der nette "Tandlæge" (Zahnarzt) kann kein Wort Deutsch, ich aber dafür ein wenig Dänisch. Er ist ein älterer und offensichtlich auch erfahrener Zahnarzt. Schnell hat er verstanden, was das Problem ist und die Rückenlehne wird nach hinten gefahren; schnell ist eine Zange zur Hand. Das ist der Augenblick, wo ich meine Augen schließe. Er packt sich den abgebrochenen Teil des Zahns, um ihn herauszuziehen. Leider gelingt das nicht auf Anhieb. Er beginnt, das Stück nach innen zu biegen, um es unter gleichzeitigem Ziehen herauszulösen. Alleine die knackenden, knirschenden Geräusche führen bei mir zu leichten Kreislaufproblemen, von den Schmerzen ganz zu schweigen. Ich schaffe es, kein Laut von mir zu geben und der Zahnarzt bekommt das Teil schließlich heraus. Ich bin mir sicher, dass er sich das einfacher vorgestellt hat, denn erst jetzt bekomme ich eine örtliche Betäubung. Der Zahn wird dann notdürftig versorgt. Bezahlen muss ich dann in bar, wofür ich vollstes Verständnis habe. Es ist wohl schon häufiger vorgekommen, dass dänische Ärzte nach der Behandlung ausländischer Patienten auf ihren Kosten sitzen geblieben sind. Sehr zufrieden und frei von Schmerzen verlasse ich die Praxis. Ich freue mich schon auf heute Abend, auf ein schmerzfreies Abendessen!

Am Nachmittag bummeln wir durch die schönen Einkaufsstraßen von Svendborg. Abends gehen wir thailändisch essen - sehr zu empfehlen, der Thailänder am Hafen!