Hanna, das Ruderboot

19.06.2026, Marina Minde - Ankerplatz bei Bockholmwik - Hafen von Bockholmwik

Es ist wirklich sehr warm heute, allerdings sind für heute Nacht Gewitter vorhergesagt. Daher motoren wir heute von Marina Minde auf die andere Seite der Flensburger Förde und legen uns direkt westlich vom Yachthafen Bockholmwik vor Anker. Falls es also bei der Vorhersage bleibt, können wir uns schnell in den Hafen verholen. Es dauert nicht lange, und ein weiteres Segelboot legt sich ein Stück weiter hier vor Anker. Es sind junge Eltern mit zwei kleineren Kindern. Als wir gerade in der Plicht zu Abend essen, kommt der Vater mit seinen beiden Kinder im Schlauchboot zu uns und fragt, wie wir es heute mit dem Gewitter handhaben würden. Unsere Antwort ist, dass wir es selber noch nicht so genau wissen, aber nichts riskieren würden und bei unveränderter Vorhersage in den Hafen fahren.

Zum frühen Abend setzen wir dann aber erst einmal mit dem Schlauchboot zum Hafen über und spazieren zu dem nahe gelegenen Campingplatz. Die Umgebung ist wirklich schön hier. Auch der Campingplatz gefällt uns. Man kann erkennen, dass die jungen Betreiber in den Betrieb investieren. Das Lokal mit dem Namen "Bock 19" oben auf der Höhe ist vollständig modernisiert, und, wie wir finden, geschmackvoll eingerichtet. Dem Lokal ist eineTerrasse mit weitem Blick auf die Flensburger Förde vorgelagert. Hier werden wir bestimmt einmal einkehren.

Als der Abend bereits fortgeschritten ist, kehren wir zurück an Bord. Es wird Zeit, einen Blick auf die Wetter-Apps zu werfen, bevor wir in die Koje gehen. Leider sind nach wie vor Gewitter vorhergesagt und wir entschließen uns, noch in den Yachthafen von Bockholmwik zu fahren. Um 21:40 holen wir den Anker hoch, jedoch bleibt der Motor aus. Ich hatte Nicole gefragt, ob es für sie ok ist, wenn ich mit dem SUP-Paddel die Hanna in den Hafen rudere, ich meine, Spaß muss sein. Richtig große Begeisterung kann ich in ihrem Gesicht nicht ablesen, aber sie ringt sich zu einem "Ja" durch, so nach dem Motto, wenn das Kind spielen möchte, gib ihm den Raum dafür.

Ich setzte die ersten kraftvollen Züge an, in der Erwartung, dass sich das Schiff  unverzüglich in Bewegung setzt. Dem ist aber leider nicht so! Ich weiß nicht, wie viele Züge ich machen musste, aber es waren viele. Und richtig Fahrt kann man das auch nicht nennen, es reicht man gerade so, dass sich das Schiff steuern lässt. Während ich mit vollen Einsatz versuche das Schiff in Bewegung zu halten, habe ich auch immer einen Blick auf die Steuerfrau, denn ich will den Bogen nicht überspannen! Es ist eine Gradwanderung und ich bin kurz davor aufzugeben, aber irgendwie schaffen wir es schließlich, trotz kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit, in den Hafen zu kommen. Dort hat man unsere "Aktion", ich würde sagen, "wohlwollend" zur Kenntnis genommen. Als wir dann eine freie Box ansteuern, kommt Jemand vom "Förde-Yacht-Club Bockholmwik e.V." und nimmt mit einem Grinsen unsere Vorleinen an. Wie sich herausstellt, ist es der Schriftwart und er hat erkannt, dass wir keine Motorprobleme sondern Spaß hatten (naja, ich zumindest). Wir kommen ins Gespräch und er macht, berechtigterweise, Werbung für den Verein. Die Lage des Hafens ist wirklich reizvoll und es gibt sogar noch freie Liegeplätze!

Wir können von unserem Liegeplatz aus auf die Förde schauen. Genau zu diesem Zeitpunkt, es ist bereits fast halb elf nachts, kommt das Regattafeld der "Flens-Dunkel - (round the buoys) in der Abenddämmerung auf den Hafen zu. Direkt vor dem Hafen ist eine Wendetonne. Es ist wirklich kaum Wind, aber trotzdem machen die Schiffe erstaunlich viel Fahrt, es ist absolut leise - ein tolles Schauspiel!

Bevor wir ins Bett gehen, werfen wir noch einen Blick auf das Ankerfeld, westlich des Hafens. Wir können nicht so recht nachvollziehen, warum sich die verbliebenen Ankerlieger nicht auch in einen schützenden Hafen verholen. Das Gewitter ist immer noch Ansage für heute Nacht.

Und um 3 Uhr ist es dann soweit! Ein Inferno bricht über die kleine Bucht bei Bockholmwick herein. Von jetzt auf gleich kommen Böen von mehr als 25 m/s - aus dem Nichts! Wir werden aus dem Schlaf gerissen und müssen uns erst einmal orientieren. Unser Schiff kommt ordentlich in Bewegung, da wir an Fingerstegen festgemacht haben. Eines ist sicher, wir haben noch nie so starke Böen auf unserem Schiff erlebt. Wir haben zwar unsere Hanna gut angebunden, legen aber sicherheitshalber noch zwei Leinen nach. Um das Ganze noch zu steigern, gehen auf einmal die Sirenen los. Über Funk hören wir, wie ein in Not geratener Skipper um Hilfe ruft. Er ist vor Kegnæs vertrieben und liegt jetzt mit seinem Boot am Strand. Bremen Rescue leitete den Notruf an die Dänischen Kollegen weiter. Auch gegenüber von unserem Hafen ist ein Boot bei Skelde Vig an Land getrieben. Einer der drei Ankerlieger bei uns vor dem Hafen vertreibt ebenfalls. Die jungen Segler mit ihren Kindern haben offensichtlich keine Probleme.

Nach einer guten Stunde lässt der Wind etwas nach und auch das Gewitter zieht weiter. Das war absolut heftig, und wir sind wirklich froh, dass wir in den Hafen gefahren sind.

20.06.2026, Hafen von Bockholmwik - Ankerplatz vor Holnis

Die Nacht war kurz, aber das Wetter ist zu schön, um lange im Bett zu bleiben. Wir gehen noch eine kleine Runde spazieren und folgen der kleinen Straße "Bockholmwik" hinauf und oben über den Campingplatz zurück zum Hafen. Dann legen wir auch zügig ab und gehen auf der Ostseite von Holnis vor Anker, dieses Mal allerdings deutlich südlicher als sonst üblich. Heute ist unser Aktionsradius begrenzt und wir verbringen die Zeit an Bord mit Baden, Lesen usw.

 

21.06.2026, Ankerplatz vor Holnis - Marina Minde

Über Nacht dreht der Wind auf Nord und wir liegen parallel zum Ufer. Da wir heute abermals familiäre Verpflichtungen haben, brechen wir im Laufe des Vormittags auf. Es kommen uns auffallend viele Charterschiffe entgegen. Als wir hinter der "Schwiegermutter" mit Kurs auf Marina Minde sind, springt uns unwillkürlich eines der Charterschiffe ins Auge, da es einen sehr ungewöhnlichen Kurs fährt. Es ist sicher, wenn die Chartercrew ihren Kurs nicht ändert, fahren sie sich auf dem Flach, welches die "Schweigermutter" markiert, fest. Und genauso kommt es dann auch. Leider waren wir schon zu weit weg, um den Skipper rechtzeitig zu warnen.

In Marina Minde ist ordentlich was los. Stegnachbarn, die man selten sieht. sind hier heute anzutreffen. Thema Nummer 1 ist die Gewitterfront von heute Nacht, die jeder anders erlebt hat. Schlimm war wohl auch die Situation vorn am Außensteg, wo sich bei Südwest-Wind eine ordentliche Welle aufgebaut hat. Offenbar war wohl auch ein größeres Schiff, eine X-Yacht zu Schaden gekommen.

Ich bin mir sicher, dass wir in dieser Saison noch das eine oder andere Mal mit Gewitter zu bekommen!

 




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