Das letzte Mal dieses Jahr? – Ein Wochenende in der W.Y.K.

02.10.2020, SVE - W.Y.K. (Krückaumündung)

Es liegen turbulente Tage hinter uns, so dass wir uns freuen, noch einmal - und wahrscheinlich auch das letzte Mal - mit unserer Hanna loszukommen. Der Blick auf die Wasserstandsvorhersage des BSH stimmt uns etwas nachdenklich. Auf Grund des starken Ostwindes, wird das Hochwasser ziemlich niedrig ausfallen.

Am späten Nachmittag legen wir dann ab. Wir kommen recht gut von Platz. Die Fahrt auf der Krückau ist wunderschön. wir fahren der untergehenden Sonn entgegen. Es ist trocken und für die Jahreszeit gar nicht mal so kalt.

Natürlich würden wir gerne Ankern, aber aufgrund des starken Ostwindes, entscheiden wir uns für einen Hafen, und zwar die W.Y.K (Hafen an der Krückaumündung). Wir mögen den Hafen, er ist wirklich schön gelegen. Wir machen längsseits an einem außenliegenden Steg fest. Dies ist der Platz, wo noch vor ein paar Tagen der "Peter von Seestermühe" gelegen hatte.

Vor uns liegt eine Polar 34. Der Riss stammt aus der Feder von Colin Archer. Die "Dulcibella", ein wirklich hübscher Zweimaster, liegt erst seit letztem Jahr hier. Wie wir vom frisch gebackenen Eigner später erfahren, war es Liebe auf den ersten Blick - das können wir nachvollziehen!

Wir machen unser so fest, dass der Bug zum Wind zeigt , was es uns ermöglicht, den Abend, trotz des starken Ostwindes, draußen in der Plicht, im Windschatten der Sprayhood zu verbringen. Wir genießen die Ruhe und die schöne Natur.

03.10.2020, W.Y.K. (Krückaumündung)

Früh morgens, um sechs Uhr werden wir von einem lauten, akustischem Signal, sowie einer gelb blinkenden Signalleuchte geweckt. Es ist ablaufendes Wasser und wir erahnen recht schnell die Ursache: Die Fluttore (wir liegen direkt daneben), welche dafür sorgen, dass der Hafen bei Ebbe nicht leer läuft, schließen nicht automatisch.  Das kommt bei starkem Ostwind gelegentlich vor, da die Fließgeschwindigkeit des abfließenden Wassers zu gering ist, um einen Impuls zum Schließen der Tore auszulösen. Wenn jetzt nichts unternommen wird, fällt der Hafen trocken (das Bild zeigt die Krückau bei Niedrigwasser, direkt vor dem Hafen der W.Y.K.). Unser Heimathafen SVE fällt zwar auch regelmäßig trocken, was aber auf Grund des weichen Schlickes kein Problem darstellt. Der Kiel und ein Teil des Unterwasserschiffes sacken soweit ein, dass die Schiffe sicher und stabil im Schlick liegen. Das ist hier in der W.Y.K. etwas anders, da der Sedimenteintrag auf Grund der Gezeiten wesentlich geringer als im SVE ist, da ja ein Großteil des Wasser im Hafenbecken der W.Y.K. bleibt. Das hat zur Folge, dass die Schiffe - je nach Form des Kiels - in Ermangelung des stbilisierenden Schlickes beim Trockenfallen schlichtweg umkippen. Diese Vorstellung ist für uns Motivation genug, die warme Koje zügig zu verlassen, um das zu verhindern. Als wir gerade dabei sind, uns in die etwas klammen Klamotten zu zwängen, verstummt das akustische Signal. Offenbar war ein anderer Bootseigner schneller als wir.

Unser morgentliche Blick auf die Wetter- und Wasserstandsvorhersage veranlasst uns, von unserem ursprünglichen Plan, Stade anzulaufen, abzukehren. Wir bleiben einfach hier, schließlich ist es wirklich schön!

Wir haben Zeit zum Lesen oder auch zum Nachholen von Bürotätigkeiten, die wir während der Woche nicht geschafft haben. Dass der Netzausbau in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt (etwas böse, aber nicht ganz von der Hand zu weisen), ist auch hier deutlich zu spüren. Mit O2 habe ich hier nur E-Netz, was richtig nervt. Für solche Fälle kommt dann unser mobiler Router zum Einsatz. Diesen verpacke ich in einen kleinen Beutel und hisse ihn am Mast nach oben. Diese Maßnahme hat oft Erfolg, so auch hier: Wir haben recht guten 4G-Empfang.

Im Grunde vergeht der Tag wie im Fluge. Beim nächsten Hochwasser kommt die "Hol Di Ran" an uns vorbei geschippert. Sie ist seit dieser Saison in der W.Y.K. beheimatet. Der Voreigner musste sein Schiff schweren Herzens abgeben.

Am Nachmittag unternehmen wir einen Spaziergang zur Elbe. Abends sitzen wir wieder in der Plicht und genießen den Blick auf in die schöne  Umgebung.

04.10.2020, W.Y.K. (Krückaumündung) - SVE

Wir haben heute viel Zeit, da das Hochwasser erst am frühen Hafen aufläuft. Es wird allerdings auch heute nicht viel Wasser kommen. Das Problem dabei ist, dass sich die Fluttore der W.Y.K. erst dann öffnen, wenn sich der gleiche Wasserstand in der Krückau im Vergleich zu dem im Hafen eingestellt hat. Das wird heute aber wohl so nichts werden. Damit man überhaupt aus dem Hafen kommt, muss der Wasserpegel im Hafen abgesenkt werden. Netterweise öffnet der Eigner der Polar 34, einen Schieber, so dass der Wasserpegel langsam sinkt. Wir bitten ihn anschließend zu uns an Bord und wir trinken einen Kaffee zusammen. Später kommt dann Frank Homuth und lässt dann noch mehr Wasser ab, sogar bis an die kritische 2m-Marke, was das Auslösen des Alarms zur Folge hat. Durch diese Maßnahme wird es uns dann am Abend ermöglicht, rechtzeitig abzulegen. Danke Frank!

Auf der Rücktour  erleben wir ein eindrucksvolles Farbspiel auf der Krückau, dass sich durch die tiefliegende Sonne und die dunklen Wolken am Horizont ergibt - traumhaft!

Wir sind dann sehr zeitig vor Eintreten des Hochwassers im SVE. Allerdings kommen wir noch nicht auf unseren Platz. Wir warten ungefähr eine halbe Stunde, dann können wir unser Schiff Kraft unseres Motors in die Box drücken.

Fazit: Ein sehr erholsames Wochenende zum Krafttanken liegt hinter uns. Es hat sich wieder einmal gelohnt, zumal es unser letzter Törn für diese Saison sein wird. In der kommenden Woche wird abgeriggt und voraussichtlich am Wochenende hochgeslippt.

 


Ein Wochenende auf der Elbe – Erstes Mal in Brunsbüttel (alter Hafen)

18.09.2020, SVE - Ankern gegenüber der Rhinplate

Gemäß Wettervorhersage wird es ein grandioses Wochenende mit viel Sonne, angenehmen Temperaturen allerdings wenig Wind - wir werden viel motoren.

Die Fahrt entlang der Krückau zur Elbe ist wunderschön und ist ein toller Start ins Wochenende. Der Fluß wird von saftigen Wiesen, mit grasenden Kühen und Schafen, sowie idyllisch gelegenen kleinen Häfen gesäumt. Als wir das Krückausperrwerk erreichen, erscheint es uns wie das Tor zur großen, weiten Welt.

Von unserem ursprünglichen Plan, direkt gegenüber von der Krückaumündung vor Anker zu gehen, kehren wir ab und fahren zur Glückstädter Nebenelbe, wo wir uns gegenüber von der Rhinplate vor Anker legen wollen. Unterwegs bereitet Nicole eine kleine und leckere Vorspeise zu.

Als wir dann unsere Ankerstelle erreichen, erscheint der Versuch, am Anker eine Ankerboje zu belassen, gerade zu lächerlich. Als ich nämlich den Anker mitsamt der Ankerboje einschließlich ausreichend langer Leine ins Wasser bringe, wird die Boje fast komplett unter Wasser gezogen. Die Strömung des abfließenden Wassers ist einfach zu stark. Am Anker entsteht ein zu großer Zug, so dass wir Gefahr laufen, dass sich der Anker womöglich löst. Ich hole den ganzen Krempel wieder ein und lasse den Anker ohne Boje zu Wasser.

Wir erleben einen traumhafter Abend mit leckerem Sushi von unserem "Einkaufsmarkt des Vertrauens" sowie zu späterer Stunde einen wunderschönen Sonnenuntergang.

19.09.2020, Ankern gegenüber der Rhinplate - Brunsbüttel, alter Hafen

Alle sechs Stunden kippt ja die Tide - also sechs Stunden läuft das Wasser auf und 6 Stunden läuft es wieder ab. Gestern Abend war gegen 17 Hochwasser in Glückstadt. Gegen Mitternacht war dann Niedrigwasser und gegen sechs Uhr entsprechend Hochwasser. Die Tide ist also während unseres Schlafens zwei Mal gekippt. Für mich ist es jedes Mal wieder faszinierend, dass der Anker so zuverlässig hält und das, obwohl Wasserpegel ändert und sich die Fließrichtung des Tidenstroms umkehrt. Fairerweise muss ich erwähnen, dass wir ausschließlich Anker-Kette ausbringen, und nicht nur ein paar Meter Kette als Vorlauf.

Bei unserem morgendlichen Kaffee fangen wir an zu rechnen, denn wir wollen heute nach Brunsbüttel in den alten Hafen, der ca. zwei Stunden vor und nach Niedrigwasser bei einem angenommenen Tiefgang von 1,80 Metern (unser Schiff hat nur 1,10 m) angefahren werden kann. Der SVB  (Seglervereinigung Brunsbüttel) hält hierfür eine übersichtliche grafische Darstellung als PDF auf seiner Webseite zum Download bereit.

Als gegebene Größen haben wir:

  • Die Uhrzeit des Niedrigwassers in Brunsbüttel: 10:58, also bummelig 11 Uhr (Quelle: z. B. Windfinder, oder die Webseite des BSH).
  • Außerdem haben wir als Distanz ca. 13 sm (von unserem Ankerplatz bei Glückstadt, bis zur Hafeneinfahrt in Brunsbüttel).
  • Des Weiteren nehmen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten/Stunde an.

Es ergibt sich also eine rechnerische Fahrzeit von ca. 2,5 Stunden. Da wir 2 Stunden nach Niedrigwasser in den Hafen können, rechnen wir 11 Uhr + 2 Stunden = 13 Uhr. Bei einer Fahrzeit von 2,5 Stunden, würde es also reichen, wenn wir gegen 10:30 Uhr aufbrechen.

Wir holen jedoch trotz Allem den Anker schon um 8 Uhr hoch und lassen uns dann Zeit, in dem wir nur die Fock ausrollen. Wir sind eine ganze Weile mit 3,5 bis 4,4 Knoten über Grund unterwegs. Später schläft der Wind allerdings vollständig ein und wir starten den Motor, um auf der vielbefahrenen Elbe manövrierfähig zu bleiben. Trotz aller Langsamkeit, sind wir dann aber viel zu früh in Brunsbüttel. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn wir nutzen die Zeit und inspizieren von der Elbe aus die Einfahrt zum alten Hafen und versuchen uns den Verlauf der Einfahrt einzuprägen. Es gibt im Übrigen von hier aus ohnehin viel zu gucken, denn es herrscht ein sehr reger Schiffsverkehr (einmal elbaufwärts, Richtung Hamburg, dann der Verkehr in und aus dem Nord-Ostsee-Kanal sowie die vielen Schiffe und Schuten, die an der Elbvertiefung arbeiten, plus die ganzen Freizeitschipper).

Gegen 12:40 können wir dann sogar schon in den Hafen hineinfahren. Das sind statt zwei Stunden nach Niedrigwasser, nur 1 Stunde und 40 Minuten. Wir hätten vermutlich sogar auch noch früher reingekonnt. Da wir uns den tiefen Bereich der Einfahrt gemerkt bzw. auch fotografiert hatten, konnten wir ohne stecken zu bleiben in den Hafen fahren. Nicht so viel Glück hatte der Segler  (s. Bild), den wir dann umschiffen mussten.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist eines der hilfsbereiten Mitglieder des SVB, der sich mit uns vor der Hafeneinfahrt in Warteposition befand. Er fragte uns nach unserem Tiefgang und gab uns dann zum passenden Zeitpunkt ein Zeichen, dass wir hineinfahren können. Er ist uns außerdem bei der Wahl des Liegeplatze behilflich. Wirklich sehr nett! Er stellt uns dann auch noch den Kontakt zu dem Fischer her, der vor uns in den Hafen eingelaufen ist. Wir bekommen frische Krabben - wir sind echt begeistert!

Wir liegen von der Elbe aus gesehen ziemlich weit vorne rechts, so dass wir einen wunderschönen Blick nach draußen auf die Elbe haben.

Später pumpe ich das Schlauchboot auf und montiere den Außenborder am Heck des Schlauchbootes. Wir unternehmen eine kleine Spaß-Tour, ganz im Sinne unseres Kleinsten. Anschließend gehen wir sogar noch einmal baden - ein Highlight!

Abends leihen wir uns dann Fahrräder vom SVB aus (kostenlos) und fahren zur Schleuse - hier ist ordentlich Betrieb - der Schleusenhafen ist voll mit Sportbooten. Wir treffen Vereinskameraden. Nach einem leckeren Essen direkt an der Kanalschleuse geht's dann zurück an Bord. Als wir im Dunklen an Bord steigen, bewegt sich unser Schiff keinen Millimeter: Das Wasser ist bereits soweit abgeflossen, so dass wir "trocken" liegen.

 

19.09.2020, Brunsbüttel, alter Hafen - SVE

Durch die Gezeiten werden wir "gezwungen", den Vormittag im Hafen zu bleiben. Und das ist auch gut so. Wir leihen uns wieder  Fahrräder und fahren zur Brunsbütteler Mole, von wo man einen phantastischen Blick auf die Elbe und die Einfahrt zur Schleuse hat. Anschließend fahren wir entlang des Außendeiches zur Schleuse. Die Sonne scheint und es ist warm. Viele Tagestouristen sind unterwegs.

Gegen Mittag dann ist die Tide soweit aufgelaufen, dass wir vom Platz kommen und durch die Hafeneinfahrt des alten Brunsbütteler Hafens auf die Elbe fahren. Wir hatten uns zuvor erneut den Verlauf des tiefen Bereiches der Hafeneinfahrt bei Ebbe eingeprägt und zur Sicherheit fotografiert.

Wenn man den alten Hafen von Brunsbüttel verlässt, ist man gut beraten, sich genau die Verkehrssituation der Berufsschifffahrt auf der Elbe zu vergegenwärtigen, um Überraschungen zu vermeiden. Wir werfen einen Blick auf das AIS, um zu sehen, ob gerade Schiffe aus der Kanalschleuse kommen. Wir haben Glück: Zur Zeit verlässt kein Schiff die Schleuse Richtung Elbe. Allerdings hat sich gerade die kleine Schleuse mit unglaublich vielen Freizeitbooten entladen. Ein Geschwader von bestimmt 20 Schiffen bewegt sich vor uns Richtung Hamburg. Einige queren direkt das Fahrwasser zur Südseite der Elbe, einige bleiben auf der Nordseite. Auch wir navigieren hier Richtung Glückstadt, knapp neben dem Hauptfahrwasser.

Wir sind rechtzeitig, bevor wir in die Krückau können, vor der Krückaumündung und nutzen die Wartezeit für eine kleine Anker-Session und gehen sogar noch einmal baden. Die Strömung ist hier nicht so stark, wie an andern Stellen der Elbe und man kann locker gegenan schwimmen. Trotzdem bringen wir, insbesondere für unseren Jüngsten, einen Fender an einer langen Leine nach achtern aus.

Während der Fahrt auf der Krückau, machen wir schon einmal Klarschiff und packen unsere Sachen. Denn wir müssen zügig nach Hause, da wir heute mit unseren Kindern zusammen zu Abend essen wollen.

Wir waren das erste Mal im alten Hafen von Brunsbüttel und wir sind uns sicher, nicht das letzte Mal!

 

 




Rückführung 2020

04.09.2020, Fahrdorf - Ankern beim Olpenitzer Noor

Für diese Wochenende haben wir uns einiges Vorgenommen. Wir wollen versuchen, unsere Hanna von Fahrdorf nach Elmshorn, in unseren Heimathafen SVE, zu überführen. Da wir lange Törns geplant haben, haben wir auf die Tatkräftige Untersützung unseres Jüngsten verzichtet und lassen ihn einhüten. Wozu gibt es schließlich einen Schwager, größere Schwestern oder auch eine Omi?

Unser Abenteuer beginnt, so wie im letzen Jahr auch, mit der Reise per Deutscher Bahn, von Elmshorn nach Schleswig. Ich musste glücklicherweise längere Zeit nicht das "Angebot" der Bahn nutzen. Aber als wir an diesem Freitag Nachmittag am Bahnhof, an Gleis eins stehen, merke ich schon, es hat sich seit Monaten Nichts veränderte. Der Fahrkartenautomat ist dreckig und beschmiert - außerdem ultralangsam. Als der Zug mit der gewohnten Verspätung einfährt, werden wir dem üblichen Verwirrspiel der Bahn ausgesetzt. Da der Zug in Neumünster geteilt wird und ein Zugteil nach Flensburg und der andere Teil nach Kiel fährt, besteht die Herausforderung für die Bahn darin, den Fahrgästen die Richtige Zuordnung zu vermitteln. Ich zähle mal auf:

  • Auf der elektronischen Anzeige steht: Flensburg vorne, Kiel hinten - wir müssen also nach vorne!
  • Die Ansage am Bahnsteig lautet: Flensburg hinten, Kiel vorne - ahh, wir müssen also nach hinten!
  • Auf den Schildern an den Wagons steht: Flensburg vorne, Kiel hinten - ahh, wir müssen also nach vorne!
  • Durchsage im Zug: Flensburg vorne, Kiel hinten - ahh, die Wahrscheinlichkeit, dass vorne richtig ist, hat sich gerade erhöht!
  • Zugbegleitpersonal: Flensburg vorne, Kiel hinten! Cool, wir sitzen höchst wahrscheinlich richtig und müssen nicht beim nächsten Halt mit unseren Taschen nach hinten umziehen!

 

Absolute Gewissheit haben wir dann, als wir tatsächlich in Schleswig ankommen. Das traurige an dieser Posse ist, dass es letztes Jahr genau das Gleiche war!

In Schleswig nehmen dann ein Taxi, um nach Fahrdorf zu kommen. Wir zahlen einschließlich Trinkgeld 11 EURO; das ist erschwinglich.

Kaum sind wir auf unserem Schiff, legen wir auch schon innerhalb von 15 Minuten ab. Das Verstauen der Sachen bzw. Lebensmittel erledigen wir unterwegs. Ich habe dann noch die unangenehme Aufgabe, eines der vorderen Fächer der Bilge, in dem wir Bierdosen lagern, zu reinigen. Es sind insgesamt vier Dosen, deren Inhalt sich in die Bilge ergossen hat. Leider ist dies offensichtlich schon vor längerer Zeit passiert, denn der Gestank, der von dieser trüben, mit ekligen Flocken versetzen Brühe aufsteigt, ist enorm. Außerdem haben sich unzählige kleine Fliegen sowie kleine Larven angesiedelt. Die meisten der Fliegen begleiten uns dann leider auch bis zu unserem Heimathafen!

Es dämmert bereits, als wir am Olpenitzer Noor ankommen und vor Anker gehen. Nicole geht tatsächlich noch einmal baden - Respekt!

05.09.2020, Ankern beim Olpenitzer Noor - Gieselaukanal

Heute Morgen klingelt der Wecker sehr früh und wir legen gegen 7 Uhr ab. Der Wind kommt aus Südwest und nimmt schnell zu. Wir haben in Böen gute 6 Beaufort. Als wir die Eckernförder Bucht erreichen, kämpft sich unser Schiff durch die steile, ca. 1 Meter hohe Welle. Dazu gibt es wiederholt Regenschauer.

Als wir die Kieler Bucht erreichen, kommt kurz die Sonne durch. Auf der Kieler Förde ist richtig was los. Die Kieler Woche ist heute gestartet. Sie wurde coronabedingt auf September verschoben. Vor der Schleuse in Kiel-Holtenau müssen wir gar nicht lange warten. Wir hatten diesbezüglich nämlich schon die schlimmsten Befürchtungen, da ein Schleusentor am vergangenen Wochenende mal wieder von einem Frachter gerammt wurde. Glücklicherweise wurden die Arbeiten rechtzeitig, kurz vor unserer Rückführung, abgeschlossen.

Während der ca. halbstündigen Wartezeit lasse ich es mir nicht nehmen, kurz in die Ostsee zu springen - schließlich will ich gegenüber Nicole, die sich gestern Abend noch tollkühn in die Schlei gestürzt hatte, nicht als Verlierer dastehen. Es wird ein ebenso kaltes wie kurzes Badevergnügen.

Wir schleusen zusammen mit zwei sehr unterschiedlichen Vertreten der Berufsschifffahrt, allerdings mit gleichem Schiffsnamen: Beide heißen "Freya" (siehe Bild).

Unser nächster Stopp ist dann der Gieselaukanal. Nachdem wir uns mit Vor- und achterleine sowie Vor- und Achterspring festgebunden haben, (dieses Mal aber gleich vorne am Steg, und nicht wie letztes Jahr, ganz bei der Schleuse, wo der Badewanneneffekt besonders ausgeprägt ist - Link zum Beitrag), schwoit unser Schiff immer wieder vor und zurück . Total nervig, zumal das Ganze von lautem Geknarze begleitet wird. Das Beste daran ist, dass ich zunächst nicht feststellen kann, woran das eigentlich liegt - es ist gar kein Wind und absolute Windstille (siehe Bild). Ich nehme schließlich die Vor- und Achterspring weg und verlängere jeweils die Vor- und Achterleine. Damit ist dann Ruhe. Mittlerweile glaube ich zu verstehen, was die Ursache für die Schiffsbewegungen war: Im Gieselaukanal schwankt der Wasserstand aufgrund der Schifffahrt auf dem NOK. Die damit einhergehende Strömung ist nur sehr gering und schwer zu erkennen. Beim Fallen des Wasserstandes gab es Zug auf die Vor- oder Achterspring, so dass in dessen Folge das Schiff hin und her bewegt wurde. Wie auch immer, das Ergebnis meiner "Leinenarbeit" war eine sehr ruhige Nacht.

06.09.2020, Gieselaukanal - SVE

Am nächsten Morgen klingelt wieder früh der Wecker. Als wir gegen 7 Uhr auf den NOK fahren, scheint noch leicht die Sonne. Im Verlaufe der Fahrt auf dem Kanal gibt es dann immer wieder, teils sehr heftige, Regenschauer. Aber auch tolle Farben und einen Regenbogen wie gemahlt!

Als wir Hochdonn erreichen, ich hatte gerade die Pinne an Nicole abgegeben, kommt es zu einem Ereignis, das uns das Blut in unseren Adern gefrieren lässt: Ich bin gerade unter Deck, als unser Schiff eine sehr heftige Kursänderung nach Steuerbord erfährt. Das ist auf dem Kanal sehr unüblich, da man als Schiffsführer, auf Grund des regen Schiffsverkehrs der Berufsschifffahrt, verständlicherweise dazu verpflichtet ist, seinen Kurs zu halten. Zumal wegen des Rechtsfahrgebotes, nach Steuerbord zum Ufer hin wenig Platz ist. Ich reiße die Tür zu unserem Bad auf und hechte zum Niedergang. Was ich sehe, lässt mir vor Schrecke den Atem stocken: Nur wenige Meter von unserm Bug entfernt nähert sich mit voller Fahrt auf unserer Backbordseite die Kanalfähre "Hochdonn"! Nicole führt geistesgegenwärtig das sogenannte "Manöver des letzten Augenblicks" aus. Hätte sie das nicht geschafft, wäre es zur Kollision gekommen! Wir hatten 5,8 Knoten Fahrt - die Fähre bestimmt auch 5 Knoten. Ich wage die Einschätzung, dass die Kollision mit einem Totalverlust unseres Schiffes einhergegangen wäre (im übrigen haben wie das "Manöver des letzten Augenblicks" auch mitgetrackt - siehe Trackfile rechts - sieht ganz lustig aus!). Es dauert, bis wir diesen Schreck halbwegs verarbeitet haben. Unsere Recherche im Internet ergibt, dass es mit genau dieser Fähre ("Hochdonn") am 08.05.2020 zu einer Kollision mit einem Küstenmotorschiff gekommen ist.

Wir setzen unsere Fahrt dann unverrichteter Dinge fort und kommen zur Fährlinie bei Burg. Hier werden wir dann Zeuge eines sehr außergewöhnlichen Manövers: Als die Fähre hinter uns den Kanal passiert, dreht diese sich pirouettenartig, zweimal um ihre eigene Achse, dazu gibt es ein akustisches Signal 1 x lang. Was soll das? Stand das im Zusammenhang mit dem Vorfall von eben? Wie wir im Nachgang erfahren, handelte es sich dabei wohl tatsächlich um ein "Entschuldigungsmanöver". Die Kapitäne stehen nämlich im Kontakt untereinander, so dass der Kapitän der Unglücksfähre seinen Kollegen gebeten hat, dieses Manöver führ ihn auszuführen.

Gegen Mittag erreichen wir dann Brunsbüttel, wo wir eigentlich tanken wollen - wie gesagt: "eigentlich"! Wir machen an dem Steg, an dem auch schon ein großer Katamaran festgemacht hat, fest. Der Skipper vom Katamaran kommt zu uns rüber und teilt uns mit, dass er, sowie bereits zwei andere Segler, versucht haben, hier Diesel zu tanken. Es ist aber kein Personal zugegen, obwohl dies gemäß deklarierter Öffnungszeiten der Fall sein sollte. Ich besteige die Anlage und nehme den altmodischen Telefonhörer, der zur Benutzung an der Wand hängt und wähle, wie ausgeschildert, die "11". Es nimmt leider keiner ab. Wir geben auf und legen ab, um zur Schleuse zu fahren. Wir müssen nicht lange warten und dürfen dann in die Schleuse fahren. Auf der Elbe werden wir von Sonnenstrahlen und ordentlich Welle begrüßt. Wir hissen die Segel und drehen ab, mit Kurs Krückaumündung. Leider ist das Intermezzo mit der Sonne nur von kurzer Dauer. Was folgt, ist Dauerregen (eher Dauerschauer), begleitet von krassen Winddrehern und kurzen Gewittern. Ich stehe in Vollmontur an der Pinne - leider barfuß, da ich törichterweise dachte, dass es nur ein kurzer Schauer wird. Die monströsen Containerschiffe lösen krasse Heckwellen aus, die so manch kleinerem Schiff wohl schon zu einem echten Problem werden könnten.

Was ich immer wieder beängstigend finde ist, mit anzusehen, mit welcher Ausdauer und Emsigkeit an der x-ten Elbvertiefung gearbeitet wird. Es sind Schaaren von gigantischen Baggerschiffen unterwegs die 24 Stunden, 7 Tage die Woche baggern und baggern. Die Elbe wird immer schneller und die Tonnen hinterlassen enorme "Heckwellen" in der mächtigen Strömung - einfach nur beängstigend!  Ich frage mich, welche Generation übernimmt endlich die Verantwortung und duldet, der nicht zu stillenden Gier des nach Profit strebenden Menschen zum Trotze,  keine weitere Zerstörung dieser wichtigen und schönen Lebensader!

Auf der Krückau kommt glücklicherweise wieder die Sonne durch. So macht es einfach mehr Spaß. Um auf unseren Platz zu kommen, müssen wir diesen erst einmal von dem sich angesammelten Schlick freispülen. Als wir dann schließlich fest vertäut haben, fällt eine gewisse Last von unseren Schultern. Wir sind froh, dass wir unserer Hanna jetzt wieder im SVE haben und dass wir die Rückführung an einem Wochenende geschafft haben.





Eine Nacht ankern auf der Schlei

21.08.2020, Fahrdorf - Ankerplatz nördlich Fahrdorf

Wir kommen heute erst spät los nach Fahrdorf und morgen wollen wir auch schon wieder nach Hause. Aber trotzdem fahren wir heute los, um uns irgendwo vor Anker legen.

Die Temperaturen sind sehr angenehm. Als wir am frühen Abend ablegen und auf die Schlei hinausfahren, sind wir uns einig: Wir wollen nicht mehr lange motoren. Also legen wir uns eine gute Meile nördlich von Fahrdorf vor Anker. Wir fahren möglichst nahe ans Ufer, so dass wir nur noch 20 cm unter dem Kiel haben. Das hat seinen Grund, denn ich will möglichst viel von dem lästigen Pockenbewuchs mit dem Schaber, den Nicole für diese Zwecke gekauft hat, abkratzen. Dazu kann ich mich dann zwischen dem Grund der Schlei und dem Rumpf unseres Schiffes abstützen. Das funktioniert ganz gut. Aber: Die Pocken sind irre scharf, so dass ich nicht ohne Blessuren davon komme  - nächstes Mal verwende ich wohl besser Handschuhe.

Wir erleben einen unfassbar schönen Sonnenuntergang. Dabei befindet sich die Skyline von Schleswig mit dem Schleswiger Dom  im Vordergrund (der ist allerdings gerade eingerüstet). Außerdem ziehen an uns mehrer Gewitterzellen vorüber - in ziemlich geringen Abstand zu uns! Uns bietet sich ein sehr beeindruckendes Schauspiel mit imposanten Wolkenformationen und einem leuchtenden Farbenspiel. Dazu gibt es unzählige Blitze, die sowohl waagerecht als auch senkrecht verlaufen.

22.08.2020, Ankerplatz nördlich Fahrdorf - Fahrdorf

Die Nacht vor Anker war sehr ruhig. Es ist ein wunderschöner Morgen mit angenehmen Temperaturen. Wir können wunderbar in der Plicht frühstücken - einfach herrlich!

Der Wind nimmt im Laufe des Vormittags deutlich zu. Wir liegen auf Legerwall. Gegen Mittag sind wir dann wieder zurück in Fahrdorf.

Es war ein kurzes aber sehr lohnenswertes Vergnügen. Nächste Woche geht es dann wieder, so der Planungsstand heute, zu unserem Heimathafen in Elmshorn (Überführung Teil 1).

 


Marina Hülsen

15.08.2020, Fahrdorf - Ankern vor Burg  - Ankern vor "Liebesinsel" - Marina Hülsen

Es ist Freitag, es ist warm und die Sonne scheint! Und des Beste ist, das soll bis Sonntag so bleiben! Eigentlich ein Selbstgänger: Es geht natürlich zum Schiff! Bessere Bedingungen zum Ankern und Baden kann es nicht geben!

Nun haben wir die Rechnung ohne unsere Freunde gemacht, die uns ein "unmoralisches Angebot" in Form einer Einladung anlässlich eines Jubiläums für diesen Freitag unterbreitet haben. Sie sind selbst leidenschaftliche Segler und sitzen mit dieser Veranstaltung im "selben Boot" wie wir.

Unsere Freunde bescheren uns einen wirklich zauberhaften Abend, der bis tief in die Nacht andauert. Und wir dürfen festhalten, dass diese Veranstaltung mindestens einer Anker-Session bei bestem Wetter ebenbürtig ist (mehr Lob geht nicht!) - noch einmal Danke!

Am nächsten morgen, wir haben immerhin vier Stunden geschlafen, brechen wir nach Fahrdorf auf. In Windeseile ist das Schiff bereit zum Ablegen und wir steuern unseren ersten Ankerplatz für heute an. Wir legen uns eben westlich von der Badestelle, im Norden der "Großen Breite" vor Anker. Wir haben nur 30 cm unter dem Kiel und ich kann entspannt neben unserem Schiff stehen. Ich taste das Unterwasserschiff ab und muss zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass wir diese Saison keine Geschwindigkeitsrekorde mehr aufstellen werden. Wir haben massiven Bewuchs mit Pocken, speziell mit Bugbereich. Ich mache mich, in Ermangelung einer besseren Alternative, mit einem Pfannenwender an den Versuch, wenigstens etwas von den lästigen und scharfen Gebilden ab zu bekommen. Aber ich komme einfach nicht gegen den dichten Bewuchs damit an.

Am frühen Nachmittag verholen wir uns dann zur "Liebesinsel", wo wir mit Freunden eingehend baden. Unser Jüngster ist wieder in seinem Element und genießt die Gegenwart der anderen, gleichaltrigen Kinder.

Zum Abend hin steuern wir dann die Marina Hülsen an, die nur gut eine Seemeile von hier entfernt ist. Auf dem Weg dort hin, ziehen wir die Kinder mit einer Leine hinter uns her. Ein Spaß, der bei dem Nachwuchs gut an zu kommen scheint!

In der Marina Hülsen machen wir dann außen, an den Schwimmpontons fest, was, so erfahren wir später von "höchster Stelle", überhaupt gar nicht erlaubt ist!

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