Ankersession auf der Schlei – Lindaunisbrücke immer noch geschlossen!

18.06.2021, Fahrdorf (FSV) - Ankerplatz westlich Reesholm

Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Es liegt ein Schuljahr mit großen Herausforderungen, sowohl für die Kinder als auch die Erwachsenen hinter uns. Es waren kräftezehrende Monate. Wir hoffen, dass wir das Homeschooling für Piet so gestaltet haben, dass zumindest in den Hauptfächern wie Mathe und Deutsch ein bisschen was hängen geblieben ist. Seine beiden Schwestern sind ja schon älter und selbständiger.

Mit dem Schiff rauszufahren und sich einfach nur vor Anker zu legen reicht schon, um Abstand zu bekommen - ein willkommener Tapetenwechsel! Die schwül-warme Luft steigert das Verlangen in die Schlei zu springen.

Wir legen uns auf der westlichen Seite der Halbinsel Reesholm vor Anker. Das sind gerade einmal 1,6 Seemeilen von Fahrdorf entfernt. Das macht aber gar nichts, denn morgen soll die Lindaunisbrücke wieder öffnen (so war jedenfalls bis zum Abend unser Glauben)! und wir können mal etwas weiter weg fahren!

Am frühen Abend kommen Freunde mit ihrem Motorboot und später noch Freunde mit ihrer "X-382". Sie machen längsseits bei uns fest. Der Anker hält, für mich immer wieder ein Wunder. Die Kinder, insgesamt fünf an der Zahl haben unglaublichen Spaß beim Baden von den Schiffen aus. Es ist wirklich ein Paradies, nicht nur für die Kinder.

Im Laufe des Abends erreicht uns die Nachricht, dass die Deutsche Bahn den Termin zur Öffnung der Lindaunisbrücke abermals verschoben hat -es soll nun der 22. Juli sein - wir sind gespannt!!

Während für die Nacht über hier vor Anker bleiben, fahren die anderen in ihren Heimathafen.

Die Nacht wird jäh durch aufkommende Windböen unterbrochen. Der Wind dreht um nahezu 180° auf west. Damit liegen wir hier "auf Legerwall", sprich mit auflandigem Wind nahe am Ufer. Wenn der Anker nicht halten soll, trieben wir auf Land zu. Jedoch bereitete uns nicht der Anker Sorgen, sondern das Solarpanel, dass ich über Nacht am Großfall hatte hängen lassen. Außerdem hat der starke Wind unseren aus zwei ineinander gesteckte Scheiben zu einer Scheibe zusammengedrückt, die wie wild im Wind umherflatterte. Beides berge ich ab. Der ganze Spuck dauerte dann aber auch nur wenige Minuten. Das wiederholt sich dann noch zwei Mal, dann ist Ruhe. Der Wind weht zwar immer noch auflandig, aber deutlich schwächer - der Anker wird schon halten.

19.06.2021, Ankerplatz westlich Reesholm - Ankerplatz nördlich von Marina Schrader - Fahrdorf (FSV)

Im Laufe des Morgens nimmt der Wind wieder deutlich zu. Wir verholen und auf die Ostseite von Reesholm. Jedoch liegt hier schon ein anderes Segelschiff vor Anker und eigentlich auch genau dort, wo wir liegen wollten. Wir fahren weiter. Nur mit der Fock steuern wir den Ankerplatz nördlich der Schrader Marina an. Wir müen bei der Wahl des Ankerplatzes an unsere Freunde denken, die später mit ihrem tiefgängigeren Schiff nachkommen wollen.

Wir finden ein schönes Plätzchen nur wenige Meter vom Ufer entfernt und mit 1,4 Meter unter unserem Kiel - sprich insgesamt 2,50 Meter Tiefe genial. Leider hält unser Anker nicht. Wir haben ihn auch nicht mit der Maschine eingefahren, da wir das Ankermanöver nur unter Fock gefahren haben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich hinter uns noch ein Jollenkreuzer vor Anker legt. Meine bösen Blicke werden nur durch ein Freundliches Grüßen erwidert. Wir verholen uns ein Stück weiter weg vom Ufer, wo genügend Platz ist.

Als später unsere Freunde an unserer Steuerbordseite festmachen, kommen starke Böen, die unser Päckchen abermals vertreiben lassen. Wir verholen uns im Päckchen wieder ein Stück Richtung Land. Dieses Mal hält unser Anker!

Es wird ein chilliger Tag an Bord mit ordentlich Badeaction. Die Kinder sind mehr im Wasser als an Bord. Mit den Wasserpistolen liefern sie sich heiße Gefechte - eine Freude, das mit anzusehen!

Am späten Abend entschließen wir uns, noch nach Fahrdorf zu verholen, da für morgen Früh starke Gewitter vorhergesagt sind.

20.06.2021, Fahrdorf (FSV)

Das vorhergesagte Unwetter mit orkanartigen Böen und Hagelschauern streift uns dann aber lediglich. Trotzdem war es die richtige Entscheidung, in den Hafen zu fahren.

Es sind nunmehr nur noch zwei Wochen, bis wir in den Urlaub fahren! Wir wird sich das wohl mit der Lindaunisbrücke gestalten??

 



Krantermin bei „Schrader Marina“

10.06.2021, Fahrdorf - Schrader Marina in Borgwedel

Nun hat sich tatsächlich eine Lösung für unser Antifouling-Problem ergeben: Ein Freund konnte uns kurzfristig einen Krantermin für den heutigen Donnerstag organisieren. Das Ganze soll dann so ablaufen, dass zum Feierabend hin unser Schiff an Land gestellt und am folgenden Morgen wieder ins Wasser gesetzt wird. Der große Vorteil dabei ist, dass wir dafür nicht den Mast legen müssen, genial! Das Wetter soll laut Vorhersage sogar auch mitspielen.

Die Fahrt von Fahrdorf zur Schrader Marina in Borgwedel dauert unter Motor ca. 50 Minuten. Dank Pinnenpiloten kann ich während der Fahrt Vorbereitungen treffen, das spart Zeit. Als ich in den Hafen der Marina Schrader einlaufe, muss ich noch warten, bis ein Hausboot den Platz beim Kran freimacht. Solange hänge ich die Hanna mit einer provisorischen Heckleine an einen Dalben. Nach 20 Minuten kann ich dann schließlich zum Kran fahren. Und dann geht auch alles ziemlich schnell: Der Hafenmeister bugsiert den Portalkran über das Becken und ich führe das eine Ende des hinteren Gurtes um die Vorleine unseres Schiffes herum. Dann wird der Kran mit den Gurten entsprechen positioniert. Ich hatte dem Hafenmeister im Vorwege ein Foto von unserer Kranaktion im Jahr 2019 in Gelting gezeigt. Daran kann er sich heute orientieren. Es dauert nicht länger als 20 Minuten und unserer Schiff hängt am Kran und wird an Land gefahren. Ich mache mich sogleich an das Säubern des Unterwasserschiffes. Das ist zu meiner Verwunderung ziemlich sauber. Dann setzt der Hafenmeister unser Schiff auf einen Bock. Ich bin wirklich beeindruckt, wie schnell und geschickt er mit dem Monstrum von Kran umgeht. Das macht schon vom Zugucken Spaß! Als der Hafenmeister dann noch unsere Hanna als "hübsches Schiff" bezeichnet, bin ich mir sicher, dass er ein äußerst sympathischer Zeitgenosse ist.

Dank des Wetters dauert es nicht lange bis Alles ist abgetrocknet ist. Schließlich klebe ich den Wasserpass ab und starte mit dem Auftragen des Antifoulings. Ich sehe zu, dass ich fertig werde. Nach nicht viel mehr als einer guten Stunde bin ich soweit. Ich kann das Klebeband abziehen. Absolut genial: Ich hab jetzt sogar noch Zeit, um zu unseren Freunden zu fahren. Morgen früh kann unser Schiff dann wieder ins Wasser.

Ich darf netterweise mit unserem Bulli vorne am Hafen stehen, um dort zu übernachten. Zum Sonnenuntergang fahre ich dann von unseren Freunden zurück zur Marina Schrader und stelle mich vorne an den Hafen mit traumhaftem Blick auf die "Große Breite". Ich spaziere noch einmal die äußere Mole des Hafens hinaus; wunderschön, wie die Schlei in das Abendrot der untergehenden Sonne gehüllt wird! Ich erhalte in diesem Moment eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund, dem Eigener der "Joker". Demnach soll die Klappbrücke bei Lindaunis nicht, wie ursprünglich angekündigt,  übermorgen, sondern "voraussichtlich" erst 8 Tage später für den Schiffsverkehr geöffnet werden. Ok, denke ich, dass ist für uns "noch" nicht so tragisch, Unser Sommerurlaub beginnt erst später. Allerdings begegne ich auf dem Weg zum Bulli dem frischgebackenen Eigener einer neuen Moody 41, die mir aufgrund ihres modernen Designs heute schon beim Einlaufen in den Hafen aufgefallen war. Der Eigner kommt aus der Schweiz und will mit seiner extra dafür eingeflogenen 5-köpfigen Crew am Samstag sein Schiff ins Mittelmeer überführen. Ich spreche ihn auf die Misere mit der Klappbrücke an, wobei ich davon ausging, dass er davon bereits Kenntnis hat. Dem war aber nicht so! Es ist untertrieben, wenn ich sage, dass ihm Alles aus dem Gesicht gefallen ist. Die einzige Chance für ihn wäre, den Mast zu legen und hinter der Brücke wieder stellen zu lassen. Allerdings hatte er heute gerade erst den Mast setzen lassen, was laut seiner Bekundung ein riesen Akt war. Er tat mir echt leid; helfen konnte ich ihm leider nicht. Für uns wird es allerdings wieder spannend: Wird die Klappbrücke, die sich in der Obhut der Deutschen Bahn befindet, wieder funktionieren, wenn wir in den Urlaub starten wollen?? Ich bin seit vielen Jahren leidgeprüfter Kunde der Deutschen Bahn. Ich weiß, mit welcher Impertinenz die DB mit unzumutbar langen Sanierungsprojekten und schlechter Kommunikation die Geduld ihrer Kunden auf die Probe stellt. Der Gedanke, dass wir, um in den Urlaub starten zu können, möglicherweise unseren Mast legen und hinter der Brücker irgendwo wieder stellen müssen, treibt meinen Puls spürbar in die Höhe!

11.06.2021, Schrader Marina in Borgwedel - Ankerplatz vor dem Strandhotel - Fahrdorf - Ankerplatz vor Borgwedel

Ein herrlicher Morgen, die Sonne scheint, angenehme Temperaturen. Ich stehe früh auf und klettere an Bord unserer Hanna, um dort einen Kaffee aufzubrühen. Ich habe dabei einen wunderbaren Blick auf den Hafen und die Schlei. Gegen 9 Uhr ist es dann auch schon soweit. Der nette Hafenmeister bugsiert den Portalkran über unsere Hanna. Ich hatte die Zeit bis dahin genutzt, Alles soweit vorzubereiten, dass ich, nachdem unser Schiff wieder schwimmt, direkt losfahren kann. Als unser Schiff in den Gurten des Portalkranes hängt und quasi über dem Boden schwebt, male ich noch schnell die von den Pratzen verbliebenen "Vierecke" mit Antifouling über. Außerdem nutze ich die Gelegenheit und entferne die restlichen Pocken unter dem Kiel. Dort komme ich im Winterlager leider nicht richtig hin. Nach einer kurzen Trocknungszeit wird dann unsere Hanna wieder ihrem Element übergeben. Ich brauche gar nicht erst festmachen und kann direkt den Motor starten und losfahren. Ich bedanke mich noch beim Hafenmeister für seine tolle Arbeit und seine Hilfsbereitschaft.

Ich habe heute Urlaub und genieße es an Bord zu sein. Ich motore ganz in Ruhe Richtung Schleswig und lege mich vor dem Strandhotel vor Anker. Ich nehme ein kurzes Bad in der Schlei. Später setzte ich mit dem Schlauchboot über und fahre mit dem E-Roller zum Einkaufen. Als ich zurück an Bord bin, erhalten ich eine schreckliche Nachricht: Ein geschätzter Kollege ist unerwartet beim Betriebssport verstorben. Er hinterlässt u. a. eine Tochter im Alter unser Töchter. Man kommt wirklich ins Grübeln bei sowas. Wieder einmal wird man daran erinnert, wie schnell Alles vorbei sein kann. Ich muss mich erst einmal mit meinen Kollegen austauschen.

Zum frühen Nachmittag hin hole ich dann Nicole und unseren Jüngsten aus Fahrdorf ab. Wir tanken noch Wasser und verstauen ein paar Lebensmittel und legen dann zügig ab. Der Wind hat deutlich zugelegt. Wir setzen Segel und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 7,2 Knoten. Wir steuern unter Segeln einen schönen Ankerplatz, unweit von der Marina Schrader, an. Bei westlichen Winden, kann man hier gut liegen. Nur mit dem Großsegel arbeiten wir uns ans Ufer heran und machen einen Aufschießer. Das Großsegel fällt in Sekundenschnelle - dank Teflonschmierung (Nicole) - und ich lasse den Anker hinunter. Mit einem einem kleinen Dreieck der ausgerollten Fock, fahre ich den Anker ein.

Wir gehen noch einmal baden und genießen den Abend an Bord vor Anker. Dabei haben wir eine wunderschöne Sicht auf die Schlei.

12.06.2021, Ankerplatz Borgwedel - Ankerplatz im Missunder Noor - Fahrdorf

Bevor wir gegen Mittag aufbrechen, rudern wir noch einmal an den kleinen Strand, vor dem wir liegen. Dort geht es einen kleinen Hang hinauf und zur Rechten Hand gibt es eine sog. "Naturerlebnisanlage". Sie besteht u. a. aus einer Anordnung von großen Felssteinen, vielen unterschiedlichen Nistkästen (für Vögel und auch Fledermäuse) und einem sehr schönen Boule-Spielfed. Daran angrenzend befindet sich ein altes Gebäude, dass zu einer Ziegelei gehörte. Auch hier sind unterschiedliche Installationen, wie eine alte Lore sowie ein Nachbau, zu sehen. Auf dem Gelände darf nach vorheriger Anmeldung gezeltet werden. Ein sehr schöner Ort für Kinder und Jugendliche, direkt an der Schlei mit toller Aussicht!

Gegen Mittag brechen wir auf. Wir holen den Anker hoch und verlassen unseren geschützten Ankerplatz. Der Wind hat auf in Böen 7 Beaufort aufgefrischt. Nur mit ausgerollter Fock erreichen wir ohne Mühe um die 7 Knoten. Liegt es an dem "frischen Unterwasserschiff und dem von Pocken befreiten Kiel? Wir nehmen Kurs auf das Missunder Noor. Vor der Missunder Fähre lässt uns der Wind durch die Abdeckung vollständig im Stich. Wir treiben mehr als dass wir segeln. Die Manövrierbarkeit lässt sehr zu wünschen übrig. Der gelegentlich aufkommende Hauch von Wind kommt dabei aus allen Richtungen. Wenn ich nicht schnell genug bin, steht die Fock back und der Bug verdriftet - etwas nervig, aber ich will nicht den Motor starten. Wir nähern uns zäh und langsam der Fähre. Die muss dann leider einen kurzen Moment warten - egal, muss sie mal abkönnen!

Im Missunder Noor legen wir uns dann mehr oder weniger vor dem Wind geschützt vor Anker. Das Ankermanöver fahren wir nur mit der Fock. Wir verzichten dieses Mal auf das Einfahren des Ankers, was sich dann später rächt. Denn es kommen starke Schauerböen, die sich bis in diesen relativ geschützten Bereich hinein durchsetzen. Der Anker fängt dann auch folgerichtig an zu slippen und wir vertreiben mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Da wir uns kurzfristig entschlossen haben, zurück nach Fahrdorf zu fahren, holen wir den Anker hoch. Mir fällt in diesem Moment ein, dass ein Segelboot vom Typ Monsun 31, die schon vor Anker lag, als wir ins Missunder Noor fuhren, den Motor startete, den Anker hochholte, um diesen dann ein ganzes Stück Richtung Ufer wieder ins Wasser zu lasen. Waren die etwa auch vertrieben? Ich vermerke im Logbuch, dass hier möglicherweise der Anker nicht so gut halten könnte und man diesen lieber sorgfältig einfahren sollte.

Zurück im Hafen verbringen wir einen geselligen Abend mit unsern Freunden. Piet ist überglücklich, dass er mit Gleichaltrigen zusammen sein kann.

Am nächsten Tag bleiben wir im Hafen, denn der Wind frischt wieder deutlich auf. Wir werden in den folgenden Tagen Meldungen bezüglich der Sperrung der Lindaunisbrücke für den Schiffsverkehr verfolgen. Aktuell verkündet die DB auf ihrem "BauInfoPortal", dass die Brückensperrung für den Schiffsverkehr nicht vor Donnerstag, 17 Juni, aufgehoben wird.

 

Überführung von Glückstadt nach Fahrdorf

04.06.2021, Glückstadt - NOK (Ankern in der "Borgstedter Enge")

Die Vorfreude auf den Start der Überführung am Freitag ist noch etwas verhalten, da unwetterartige Gewitter angesagt sind. Allerdings sollen diese eher im Süden des Landes ihr Unwesen treiben - wir hoffen, dass es auch so kommt!

Wir holen heute unseren Jüngsten von der Schule ab und fahren nach Glückstadt. Wir sind wieder einmal hochmotoviert! Wir wollen heute viel schaffen und möglichst weit im Nord-Ostsee-Kanal (NOK) kommen. Es dauert ziemlich genau 32 Minuten von dem Zeitpunkt, wo unser Jüngster vor seiner Schule in Elmshorn zu uns ins Auto steigt und wir den Motor unserer Hanna im Glückstädter im Außenhafen starten und ablegen. Wir können es selber kaum glauben, denn die Strecke mit dem Auto sind 25 km. Aber es war tatsächlich so!

Mit dem ablaufenden Wasser kommen wir sehr gut auf der Elbe voran. Es ist sonnig und warm - die Elbe spiegelglatt. Wir fahren teilweise über 9 Knoten über Grund. Wenn Alles so gut zu laufen scheint, gehöre ich zu Denjenigen, die sich fragen, wann die nächste Überraschung kommt. Das hätte ich aber lieber bleiben lassen, denn sie ließ nicht lange auf sich warten!

Außer den Elbfähren sind keine größeren Schiffe, geschweige denn Containerschiffe unterwegs. Unweit von Brunsbüttel kommt uns dann aber ein Feeder (kleine Containerschiffe zum Weitertransport sowie Verteilung der Container in die kleineren Häfen) entgegen. Das Schiff erzeugt eine beachtliche Heckwelle, die wir genau im rechten Winkel ansteuern. Ich sage noch: "Ganz schön große die Wellen!". Nicole antwortet: "Eigentlich müssten wir vorne zu machen!" Dabei bleib es leider, denn Zeit, um unter Deck und nach vorne zum geöffneten Vorluk zu hechten, hatten wir leider nicht mehr. Es kam, wie es kommen musste: Der Bug unserer Hanna taucht derart tief in das Wellental der zweiten Welle, das unfassbare Wassermassen den Bug überspülen und beim Wiederauftauchen nach hinten geschaufelt werden. Das ist eigentlich gar kein Problem, solange das Vorluk geschlossen ist! Leider war es das nicht, denn wir hatten es zum Durchlüften während der Fahrt geöffnet. Was Nicole dann unter Deck im Vorschiff zu sehen bekam, war ein Alptraum: Auf der Tagesdecke über unserem Bettzeug stand eine große Wasserlache, und selbst in der Bilge hat sich Elbwasser angesammelt! Unser Bettzeug mit den Kopfkissen und auch die Matratzen waren nass! Was für eine riesen Sch...!! Wie dämlich können wir eigentlich sein?? Als ob wir das erste Mal auf der Elbe unterwegs sind und nicht wüssten, dass wir trotz Flaute mit zum Teil beachtlichen Wellen durch die Berufsschifffahrt zu rechnen hätten! Viel Zeit zum Lamentieren bleibt uns nicht, denn wir sind bereits kurz vor dem Wartebereich der Brunsbütteler Schleuse angekommen. Wir holen das ganze durchnässte Bettzeug nach oben und verteilen es an Deck. Ich will gar nicht wissen, was wir mit dem im Fahrtwind flatternden Bettzeug und Decken nach außen für ein Bild abgeben! Das sind im Übrigen auch "ideale Bedingungen" zum Schleusen!

Wir müssen nicht lange warten und können nach ca. 20 Minuten in die Schleuse fahren. Zum Festmachen in der Schleusenkammer räumen wir noch schnell das Cockpit leer. Mit uns laufen noch 6 weitere Schiffe in die Kammer. Das ganze läuft dann aber relativ entspannt ab. Auf dem Kanal haben wir glücklicherweise gute Bedingungen: Sonne, Wärme und Fahrtwind. Genau die richtige Kombination, um unsere Decken und Kopfkissen einschließlich Matratzen bis heute Abend möglichst trocken zu bekommen.

Nachdem wir unseren Ärger über unsere eigene Blödheit weitesgehend abgelegt haben, können wir die Passage auf dem NOK wirklich genießen. Als Ziel für heute hatten wir den Gieselaukanal auserkoren. Nicole fährt jedoch ganz lässig daran vorbei. Sie fühlt sich offensichtlich zu Höherem berufen! Auf meine verdutze Nachfrage, kam nur lapidar, dass wir bis 22 Uhr unterwegs sein dürfen. Ich verabschiede mich in diesem Moment von meiner Traumvorstellung, den Abend ruhig und entspannt mit einem kühlen Pils in der Hand und in der Plicht sitzend, zu genießen. Nicole hatte in Gedanken schon Alles durchgespielt: Wir würden gegen 21:30 Uhr in der "Borgstedter Enge" (hinter Rendsburg) einlaufen und vor Anker gehen - genau so kam es auch!

Wir erleben unterwegs auf dem Kanal eine wirklich traumhafte Abendstimmung. Was dieses Jahr extrem auffällt, sind die zahlreichen Wohnmobile und Camper, die geradezu die beiden Ufer des Kanals säumen. Viele stehen frei, ohne dass es ein ausgewiesener Stellplatz wäre. Das Verlangen der Menschen nach Erholung ist nach der langen Zeitz der Entbehrungen verständlicherweise groß - so ist es bei uns auch.

Kurz nach Sonnenuntergang laufen wir die nördlich von Rendsburg gelegene "Borgstedter Enge" an und suchen uns hinter der Magnetfeldversuchsanlage der Deutschen Marine einen geschützten Ankerplatz. Wir sind heute weit gekommen. Nach einem kleinen Absacker gehen wir in die Koje. Unser Bettzeug ist tatsächlich nahezu trocken geworden.

05.06.2021; NOK (Ankern in der "Borgstedter Enge") - Maasholm (Schlei)

Am heutigen Morgen stehen wir früh auf und lichten nach unserem Morgen-Kaffee den Anker, um unsere Fahrt zur Schlei fortzusetzen. Nach 2 Stunden und 40 Minuten erreichen wir die Schleuse in Kiel Holtenau. Wir machen kurz am Wartesteg fest. Bezahlen müssen wir für die Passage des NOK nichts. Nach 20 Minuten erscheint am Signalmast der Schleuse "unterbrochen Weiß" und wir dürfen schon in die Schleusenkammer einlaufen. Wir sind mit einem weiteren Segelboot die Einzigen.

Auf der Kieler Förde ist viel los. Wir motoren bis zur Ostsee und hissen die Segel mit Kurs auf Schleimünde. Es ist traumhaftes Segelwetter: Mäßiger Wind aus Ost, bei wirklich angenehmen Temperaturen. Wir sind anfangs mit über 6 Knoten unterwegs - und das bei einem Wind von nicht mehr als 4 Beaufort. Später lässt der Wind etwas nach.

Freunde von uns sind gestern aus Fahrdorf gestartet und kommen uns nun entgegen. Unsere Jüngster kann das Wiedersehen mit seiner Freundin kaum abwarten. Auch wir freuen uns auf die bevorstehende gemeinsame Zeit - es ist gefühlt schon ewig her!

Im Hafen von Maasholm bekommen wir einen wirklich tollen Liegeplatz. Wir erleben ungemein gesellige und harmonische Stunden mit unseren Freunden - auch die beiden Kinder genießen ihre Zeit mit Baden, SUP-Fahren usw. - traumhaft! Natürlich gibt es noch ein großes Eis. Es ist auch der erste Abend in dieser Saison, in der wir abends entspannt bei angenehmen Temperaturen in der Plicht sitzen können.

06.06.2021, Maasholm (Schlei) - Fahrdorf (FSV)

Wir lassen es heute ruhig angehen. Erst gegen Mittag legen wir ab. Mit ausgerollter Fock segeln wir im vielbefahrenen Fahrwasser der Schlei nach Kappeln. Bei achterlichen 2 Beaufort müssen wir später dann aber doch wieder den Motor starten.

Um 11:45 fahren wir durch die geöffnete Klappbrücke in Kappeln und nahmen Kurs auf die zweite Klappbrücke in Lindaunis. Derzeit gibt es auf Grund von Bauarbeiten nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Die alte Klappbrücke wird jeweils um 11:45 Uhr und um 16:45 für den Schiffsverkehr geöffnet. Wir legen uns erst einmal ein Stück vor der Brücke im Päckchen vor Anker. Es fängt an zu regnen, es bleibt aber angenehm warm. Die Kinder lassen es sich nicht nehmen und gehen baden.

Gegen 16:45 passiert wir dann schließlich die Lindaunisbrücke. Wir montieren den Pinnenpiloten. Doch leider stellt sich heraus, dass dieser ohne Funktion ist! Wie geht das schon wieder?? Gestern ging er doch noch! Bei der Suche nach der Fehlerursache stoße ich schließlich auf den Stecker der Fernbedienung. Hier ist die Schirmung innerhalb des Steckers gerissen. Na super! Ich muss versuchen, die beiden Enden durch Löten wieder zusammenzubringen. Um dafür genügend Länge zum Überlappen der Enden zu bekommen, muss ich versuchen, das feine Geflecht der Schirmung zu "entdröseln", um es dann zu einem lötfähigen Ende zu formen. Nach dem Verlöten muss ich die Verbindung dann noch mit Tape umwickeln, um es in dem kleinen und filigranen Stecker gegen die anderen Adern zu isolieren. Beim Zusammenschrauben des Steckers, darf kein Kontakt zu den anderen Leitungen entstehen. Die Schirmung ist durch die überlappenden Enden deutlich kürzer als die verbliebenen Adern geworden. Diese münden in kleinen, raumeinnehmenden Schlaufen in die Krimphülsen des Steckers. Das Ganze muss dann auch wieder Platz in den beengten Verhältnissen des elend kleinen Steckers finden. Beim Zusammenbau muss ich dementsprechend viel Kraft zum Zusammenfügen des Steckers aufbringen. Ich hoffe, dass dabei weder die Isolierung noch die Lötverbindung selber Schaden nehmen. Der anschließende Funktionstest zeigt dann, dass alles gut gegangen ist.

Gegen halb sieben abends laufen wir in den Hafen des FSV ein. Leider müssen wir noch irgendwie nach Hause kommen, was sich nach dem Blick auf die Bahn-App schwierig gestaltet hätte. Denn auf Grund von Bauarbeiten kommt es mal wieder zu Verzögerungen im Betriebsablauf und Anschlusszüge können möglicherweise nicht erreicht werden. Das würde dann mindestens eine Stunde Wartezeit in Neumünster bedeuten. Das ganze dann auf einen Sonntag gegen 21 Uhr mit Gepäck und einem völlig übermüdeten Kind, dass morgen in die Schule soll. Wir sind unfassbar dankbar, dass unsere Freunde uns vor diesem Horrorszenario bewahren und uns nach Glückstadt bringen! Wir sind unendlich dankbar! Rührend ist auch, dass Piets Freundin noch mitkommt, die ja morgen auch wieder in die Schule muss. Als kleine Anerkennung und Zeichen des Dankes machen wir in Itzehoe bei einem Schnellrestaurant Stopp. Es gibt "Burger und Pommes satt" (vielleicht war es am Ende teilweise auch schon mehr als "satt").

Wieder einmal liegt ein ereignisreiches und erfüllendes Wochenende hinter uns. Alleine die Frage mit dem Antifouling bleibt. Mal sehen, ob und wie wir das ggf. hinbekommen.

 

In weiser Voraussicht!

01.06.2021; SVE - Glückstadt

Der Blick auf die Windvorhersage lässt nichts gutes Vermuten: Mittwoch und Donnerstag sind 6 Beaufort aus östlicher Richtung vorhergesagt. Das bedeutet, dass wenig Wasser auflaufen wird und wir vermutlich nicht aus unserem Hafen kommen. Die Wasserstandsvorhersage des BSH bestätigt unserer Vermutung. Freitag fällt das Hochwasser einen halben Meter niedriger, als das mittlere Hochwasser aus.

Wir haben nur eine Chance, am Wochenende zu schippern: Wir müssen das Schiff rechtzeitig verholen. Da wir nur heute die Zeit dafür haben, entschließen wir uns ganz kurzfristig am heutigen Nachmittag, das Schiff mit dem Abendhochwasser (um 20:32 in Elmshorn) nach Glückstadt zu verholen.

Kurz vor 19 Uhr kommen wir vom Platz. Das Wetter ist glücklicherweise traumhaft: Die Sonne scheint und es ist warm - leider ist kein Wind zum Segeln.

Kurz hinter dem Ruderclub ist eine sehr flache Stelle. Dort liegt ein Plattbodenschiff fest. Es ist die "Johanna" aus Wittdün auf Amrum. Mit dem Schiff wird die Sendereihe "Die Nordstory" des NDR gedreht. Wirklich ein hübsches Schiff. Leider versperrt es jetzt den Weg. Ich fahre ganz dicht heran und wir kommen ins Gespräch. Sie hatten den Elmshorner Hafen angesteuert und sind auf dem Weg dort hin vor unserem Vereinsgelände quergeschlagen. Das liegt daran, dass der Priel an dieser Stelle ganz nahe an der Spuntwand unseres Vereinsgeländes verläuft. Die "Johanna" ist dann mit der Backbordseite im Schlick hängen geblieben, so dass das Schiff einen Drehimpuls nach Backbord bekommen hat. Sie sind dann wieder die Krückau hinunter Richtung Elbe gefahren und bei der flachen Stelle hinter dem Ruderverein steckengeblieben und zur Sicherheit den Anker ausgebracht. Sie erkundigen sich sehr genau, wie der Elmshorner Hafen anzulaufen ist. Wir antworten nach bestem Wissen und gewissen und hoffen, dass sie nicht aufgeben und es später wieder versuchen. Wäre ja schade, wenn Elmshorn die Chane verpasst, in der "Nord Story" berücksichtigt zu werden. (Ich rufe im Nachgang beim Stadtmarketing Elmshorn an. Sie haben über die Aktion jedoch keine Info erhalten, wollen aber versuchen, Kontakt zum Filmteam aufzunehmen.)

Schließlich ist so viel Zeit vergangen, dass wir an der Backbordseite der "Johanna" vorbeifahren können.

Unser Heimatgewässer präsentiert sich wieder einmal von seiner schönsten Seite: Farbenreich mit frischem Frühlingsgrün. Dabei ist die Krückau ist so glatt, dass sich das Ufer darin spiegelt.

Nach einer Stunde kommen wir auf die Elbe und wir fahren der untergehenden Sonne entgegen. Die Fahrt in den Glückstädter Hafen dauert ziemlich genau zwei Stunden.  Gegen 21Uhr machen wir im Hafen fest. Glücklicherweise haben wir noch unseren Polo von der Wochenendaktion dort stehen, so dass wir nicht mit der Bahn nach Hause fahren müssen.

Wir sind gespannt, wie es nächstes Wochenende weiter geht. Wir hätten die Möglichkeit an der Schlei zu liegen. Leider haben wir aber kein Antifouling aufgebracht. Wie schnell wächst unser Unterwasserschiff mit Pocken zu? Haben wir an der Schlei die Möglichkeit, ggf. das Schiff vor dem Sommerurlaub aus dem Wasser zu holen, um das Antifouling noch aufzutragen? Fragen über Fragen - wir werden sehen, es bleibt spannend!

Delphine unter sich.

28.05.2021, SVE - Pagensand Süd (Pagen Süd)

Ganz nach dem Motto "Negativ ist das neue Positiv" haben wir uns noch schnell einen "time slot" bei einer Corona-Teststelle in Elmshorn gebucht. Dieses Mal ist der Ablauf tadellos. Zu Pfingsten hatten wir nämlich Pech: Wir mussten trotz der Buchung eines "time Slot" fast eine Stunde in einer langen Schlange warten. In dieser Stunde hatte ich dann genügend Zeit mich in meine Wut über diese grottenschlechte Organisation reinzusteigen und nach außen zu transportieren. Wir erfuhren dann, dass es auf Grund einer "technischen Panne" zu Mehrfachbuchungen gekommen ist -na gut, kann passieren.

Jedenfalls haben wir den Test für den Fall gemacht, dass wir einen Hafen anlaufen wollen.

Um 18:12 Uhr ist Hochwasser in Elmshorn. Das Wasser läuft gut auf, so dass wir eigentlich gegen 16 Uhr ablegen könnten. Doch ich muss nochmal schnell nach Hause fahren, um das Handy von unserem Jüngsten und noch Brot zu holen. Gegen halb fünf legen wir dann aber schließlich ab. Auf der Krückau begegnen wir dann zahlreichen Ruderern. Wir navigieren mit großer Vorsicht und reduzieren unsere Geschwindigkeit bei JEDER Begegnung und bedanken uns bei denjenigen, die uns wartend vorbei lassen. Die meisten Ruderer erwidern unsere Geste freundlich. Doch es gibt dann tatsächlich einige wenige, die uns dann noch anpampen! Das finde ich ziemlich unangemessen, was ich dann auch denjenigen gegenüber lautstark zum Ausdruck bringe. Wie soll das erst gehen, wenn noch mehr Schiffe aus unserem Verein unterwegs sind. Bisher waren wir in dieser Saison fast die Einzigen, die losgefahren sind!

Als wir Pagen Süd erreichen, liegen bereits zwei Delphine, die "Magellan" (Stahl-Delphin) und die "Liekedeeler" (Kunststoff-Delphin) im Päckchen vor Anker. Ein tolles Bild. Wir legen uns ein Stück davor auch vor Anker. Nach dem Abendessen setzen wir mit unserem Schlauchboot zur "Magellan" über. Dort verbringen wir einen sehr geselligen Abend. Wir sind beeindruckt von dem tollen Zustand der beiden Schiffe! Wirklich zwei Schönheiten, gerade mit den wunderschönen Holzriggs! Wir danken den Ellers und Homuths für ihre Gastfreundschaft!

29.05.2021, Pagensand Süd (Pagen Süd) - Ankerplatz vor Glückstadt

Gegen 9:45 holen wir den Anker hoch und rollen die Fock aus. Mit fast achterlichen Wind laufen wir die eigentlich nahegelegene Südspitze von Pagensand an. Gegen das ablaufende Wasser laufen wir aber teilweise unter 1 Knoten über Grund. Wir sind für die "paar Meter" bestimmt eine halbe Stunde unterwegs. Das Groß wollen wir deshalb aber nicht auspacken. Wir müssen uns in Geduld üben - genau eine meiner Stärken!

Als wir auf den Hauptarm der Elbe kommen, nimmt der Wind deutlich zu. Wir kreuzen nur unter Fock bis zur Einfahrt zur Glückstädter Nebenelbe. Es ist viel Berufsschifffahrt unterwegs, auch der Katamaran nach Helgoland kommt mit hoher Geschwindigkeit aus Hamburg angeschossen. Beim ständigen Queren des Hauptfahrwassers ist große Aufmerksamkeit geboten. Es gilt den Wind, die Strömung und die Geschwindigkeit der sich nähernden Berufsschiffe richtig einzuschätzen. Obwohl wir nur die Fock ausgerollt haben, kommen wir gut voran - das ablaufende Wasser spielt uns hierbei natürlich in die Karten.

Bei fast totaler Ebbe erreichen wir die Einmündung zur Glückstädter Nebenelbe. Genau hier lässt uns der Wind im Stich. Ich versuche alles auszureizen, muss dann aber im letzten Augenblick den Motor starten, da wir quer auf ein in Lee gelegenes Flach getrieben werden. Es mangelt schlichtweg an Fahrt im Schiff. Auf dem Flach liegt bereits ein Motorboot "hoch und trocken". Glücklicherweise können wir uns immer auf unseren Motor verlassen - wenn wir ihn brauchen, springt er sofort an!

Bei Hochwasser sieht der südliche Teil der Rhinplate aus wie eine Insel - fast wie eine karibische Insel!

Die Einfahrt zur Glückstädter Nebenelbe ist (bei Ebbe) wirklich flach. Wir haben teilweise nur 70 cm unterm Kiel.

Gegenüber der Einfahrt zum Glückstädter Hafen legen wir uns östlich von der Rhinplate vor Anker. Gegen 14 Uhr holen wir den Anker wieder hoch und ich setze Nicole im Hafen an einem der Schwimmstege ab. Nicole fährt mit der Bahn zur Jahreshauptversammlung, die leider dieses Jahr so spät auf einen Samstag gelegt wurde. Sie kommt dort ihrer Aufgabe als "Pressebeauftragte" nach.

Ich fahre derweil mit Piet wieder zur unserer Ankerstelle zurück. Am Nachmittag klariere ich dann das Schlauchboot mitsamt Außenborder, um mit unserem Jüngsten zum Glückstädter Hafen übersetzen zu können. Die Strömung auf der Nebenelbe ist ziemlich stark, so dass ich beim Ansteuern der Hafeneinfahrt den Kurs um fast 45° vorhalten muss.

Natürlich ist es ein komisches Gefühl, unser Schiff ganz alleine vor Anker, bei der starken Strömung zu lassen. Allerdings kann nicht viel passieren, denn der Anker hat bis jetzt immer gehalten. Und selbst wenn er sich löst, wird unser Schiff mit dem ausgebrachten Anker mit vielen Metern Ankerkette nicht weit kommen. Denn die Glückstädter Nebenelbe wird stromaufwärts, spätestens zum Mündungsbereich zur Hauptelbe flacher, so dass sich dort der Anker sicher festsetzen würde.

Am frühen Abend hole ich Nicole wieder vom Glückstädter Hafen ab. Dieser ist mittlerweile proppe voll und ein Festmachen zu umständlich und zeitaufwendig. Daher manövriere ich das Schiff in einem U-förmigen Kurs an dass Stegende. Nach der 180°-Wende fahre ich dicht am Stegende vorbei und viere bei geringer Fahrt die Vorleine unseres Schlauchboots, das mit auflandigen Wind zum Steg treibt. Nicole steigt dann in das Schlauchboot über und hole die Vorleine ein, so dass Nicole an Bord der Hanna klettern kann.

Das ist jedenfalls Hafenkino pur - das Unterhaltungsangebot wird von zahlreichen schaulustigen Hafenliegern gut angenommen.

Wir entschließen uns dann , keine langen Strecken mehr zu fahren, so dass wir hinter der Hafeneinfahrt links, elbaufwärts abbiegen und uns vor dem südlichen Teil der Rhinplate vor Anker legen. Am späteren Abend legt sich dann ein weiteres Schwesterschiff mit dem Namen "Antje" hinter uns vor Anker.

30.05.2021, Ankerplatz Glückstädter Nebenelbe (Rhinplate) - SVE

Gegen Mittag klart es auf und wir lichten den Anker. Mit zunächst nur ausgerollter Fock segeln wir mit auflaufendem Wasser auf die Hauptelbe. Die Durchfahrt gestaltet sich navigatorisch wieder etwas schwierig, da dort Baggerarbeiten stattfinden. Wieder einmal liegt dort ein Boot auf der Sandbank.

Wir steuern schließlich, mit zusätzlich gesetztem Großsegel, Schwarztonnensand an. Wir kommen aber bei dem niedrigen Wasserstand nicht mal in die nähe der Pricken, die zu der tiefen Stelle hinter Schwarztonnensand führen. Also segeln wir weiter und legen uns dann zwischen Kollmar und "Grüner Mann" vor Anker. Mit dem Abendhochwasser fahren wir dann die Krückau hinauf. unser Jüngster lässt sich im Schlauchboot hinterherziehen

Weidereinmal geht ein schönes Wochenende auf unserer Hanna zu Ende. Das schöne Wetter von heute mit deutlich angenehmeren Temperaturen macht uns Hoffnung auf weitere schöne Tage an Bord!