Anker-Session, nördlich von Borgwedel

18.06.2022, Fahrdorf (FSV) - Ankern nördlich von Borgwedel

Bei gutem Wetter ist die Schlei immer eine Anker-Session wert. Für heute sind vielversprechende 25 °C vorhergesagt, dazu Sonne satt. Dafür stehen wir dann auch gerne früh auf. Heute, Samstag, den 18. Juni, sitzen wir um 8 Uhr im Auto Richtung Fahrdorf. In Busdorf bei Schleswig kaufen wir bei dem neuen Edeka "Fick" (schwer auszusprechen!) kurz was ein. Um viertel vor 10 schmeißen wir die Leinen los und navigieren zu der Ankerstelle, nördlich von Borgwedel. Bei den angesagten 6 Beaufort ein geschützter Ort zum Ankern. Wir fahren sehr dicht ans Ufer, mit 0 Metern unter dem Kiel lasse ich den Anker zu Wasser, Nicole gibt Rückwärts und nach ein paar Metern sitzt der Anker. Unsere Freunde aus Fahrdorf wollen später längsseits kommen. Dann kann ich mehr Ankerkette rauslassen, so dass sie mit ihrer X-382 an unserer Steuerbordseite festmachen können. Doch als unsere Freunde mit ihrer X gegen Mittag angerauscht kommt, schaffe ich es nicht schnell genug, mehr Kette zu geben. In Null Komma Nichts sind unsere Freunde längsseits, so dass wir die Leinen annehmen können. Verwirrt schauen wir auf unser Echolot. Es ist mit knapp 2 Metern Wassertiefe echt knapp für die X-382, aber es passt offensichtlich! Faszinierend, wir liegen wirklich nur ein paar Meter weg vom Ufer! Ein geiler Ankerplatz!

Unsere Kinder, und wir Erwachsenen natürlich auch, erfreuen uns der milden Wassertemperaturen und der wärmenden Sonne. Es ist ein ausgesprochener Badetag. Nachmittags gehen ich eine Runde joggen und genieße dabei die wunderschöne Landschaft.

Es wird ein sehr vergnüglicher Abend zusammen mit unseren Freunden. Unsere Kinder fordern uns mit "Dobble" heraus. Ein Kartenspiel, bei dem es um das schnelle Finden von gleichen Symbolen geht - wirklich ein tolles Spiel; bis auf den Umstand, dass ich heute offensichtlich zu langsam bin. Liegt die Ursache dafür etwa in dem leckeren "Irish Red Beer" (1 Liter-Dose), dass mir unsere Freunde mitgebracht haben begründet? Das kann nicht anders sein!

Für die Nacht sind mittlerweile Gewitter vorhergesagt. Normalerweise reicht für mich der leiseste Hinweis darauf, und ich suche gerne den nächst gelegenen Hafen auf. Es ist einfaches Kopfkino, das sich bei mir abspielt. Denn es kommen so Gedanken wie: Kunststoffschiff  -> KEIN faradayscher Käfig, also kein Schutz gegen Blitze, langer Alu-Mast der an Deck endet und ein Kiel mit Blei etc. -> wo bleibt der Blitz, wenn er im Mast einschlägt? Schlägt er zum Kiel durch? Alles Blödsinn! Unsere Freund sind ganz entspannt - ich versuche es auch zu sein.

Gegen vier Uhr kommen dann tatsächlich ein paar kleinere Gewitter, begleitet von Winddrehern von satten 180 Grad. Unser Päckchen dreht sich in alle Richtungen. Teilweise liegen wir so dicht am Ufer, dass ich mich ernsthaft frage, wie das geht. Wir vermuten, dass die "X" leicht im schlickigen Untergrund festsitzt. Aber beim nächsten Winddreher sind wir wieder frei. Natürlich weiß ich, dass man niemals so nahe am Ufer ankern sollte, schon gar nicht, bei angesagten Gewittern. Aber es ist einfach zu schön, und viel passieren kann bei dem weichen Untergrund auch nicht.

19.06.2022, Ankern nördlich von Borgwedel - Fahrdorf (FSV)

Über Nacht gab es ein Temperatursturz. Heute müssen wir mit kalten 14 Grad und leichtem Nieselregen zurecht kommen. Nach einem gemütlichen gemeinsamen Frühstück bei uns der Plicht, lichten wir den Anker und es geht heimwärts. Es war eine kurze aber wirklich schöne und gesellige Anker-Session!

 


Ein Wochenende auf der Schlei -Viel Wind

10.06.2022, Fahrdorf (FSV) - Fährhaus Missunde

Wir kommen mit dem Auto recht gut durch bis nach Fahrdorf. Wir bringen den Proviant fürs Wochenende aufs Schiff und legen dann, für unsere Verhältnisse, entspannt ab. Der frische Wind kommt aus West. Das sind ideale Bedingungen, um ohne Motor aus dem Hafen zu kommen. Wir lassen uns mit dem Wind aus der Box treiben, stoppen dann am steuerborseitigen Heckpfahl auf, so dass ich unser Schiff zum nächsten Heckpfahl Richtung Hafenausfahrt drücken kann. Daran stoße ich den Bug noch ein Stück weiter, so dass etwas Fahrt ins Schiff kommt. Dann rollen wir schnell die Fock aus und wir beschleunigen weiter. Das ist auch dringend erforderlich, da wir sonst Richtung Steinwall vertreiben würden. Mit ca. drei Knoten segeln wir dann auf die Schlei und nehmen Kurs auf Missunde. Wir setzen noch das Großsegel.

Ich hatte einen Tisch für uns drei im Missunder Fährhaus reserviert, einschließlich eines Liegeplatzes. Man muss es sich auch mal gut gehen lassen! Bei Missunde sind wir dann voll in der Abdeckung, der Wind kommt hier gefühlt von allen Seiten. Wir quälen uns an der Fähre vorbei und segeln dann zunächst am Liegeplatz Nr. 27 vorbei, um die Lage abzuchecken: Ja, wir entschließen uns, hier ohne Motor in die Box zu fahren. Wir wenden, fahren einmal im Kreis und steuern dann die Box Nr. 27 mit der restlichen Fahrt im Schiff, bei eingerollter Fock in die Box. Es soll keinesfalls nach Eigenlob klingen, aber dass war ehrlich gesagt ein schönes Manöver! Es ist ein tolles Gefühl, ohne Verwendung des Motors in Fahrdorf abgelegt und hier in Missunde angelegt zu haben - das macht wirklich Spaß!

Wir genehmigen uns zur Feier des Tages ein "Anlegebier/-wein" und eine kleine Vorspeise. Wir genießen die Ruhe.

Im Missunder Fährhaus können wir dann auf der Terrasse mit wunderschönen Blick auf die Schlei sitzen und die Arbeitswoche hinter uns lassen. Das Essen schmeckt und das Personal ist wirklich sehr bemüht, auch als ein kleiner Regenschauer kommt und uns ein Sonnenschirm zum Schutz hingestellt wird. Die Chefin des Hauses kommt zu uns und heißt uns willkommen. Im Gespräch mit ihr erfahren wir, dass auch sie die Preissteigerung der Energierkosten spürt und spüren wird. Gerade die Klimaanlage ist eine von den "Stromfressen", so dass diese wohl dieses Jahr nicht betrieben wird. Das können wir gut nachvollziehen.

10.06.2022, Fährhaus Missunde - Ankern gegenüber Maasholm

Nach einem kräftigen Kaffee ziehen wir uns gegen 09:00 Uhr aus der Box und rollen die Fock aus, später setzen wir das Groß. Der Wind nimmt dann, wie vorhergesagt, deutlich zu. Auf Höhe des Gunnebyer Noors reduzieren wir die Segelfläche, später, holen wir die Segel ganz ein und lassen uns ca. 1 Seemeile vor der Lindaunisbrücke treiben. Bis zur Brückenöffnung sind noch 20 Minuten, so dass wir frühstücken. Es sammeln sich immer mehr Boote vor und hinter der Brücke und wir rollen ein ganz kleines Dreieck von der Fock aus, um Manövrierfähigkeit herzustellen. Es gibt Segler, die in dieser Wartesituation alle Segel stehen haben, wilde Manöver mit lauten Kommandos fahren und unnötig brenzlige Situationen herbeiführen. Wir versuchen uns, von diesen Schiffen fern zu halten. Als dann gegen viertel vor elf die Brückenöffnung startet, segeln wir mit geringer Fahrt von der südlichen Seite auf die Brücke zu. Wir haben den Motor "im Anschlag" aber nicht an. Wir regulieren die Geschwindigkeit mit der mehr oder weniger ausgerollten Fock. Zum richtigen Zeitpunkt reihen wir uns in die Schlange der Freizeitboote ein und rollen die Fock ganz aus, um zu beschleunigen. Die Durchfahrt ist wirklich eng und für starke Krängung beim Segeln ist hier definitiv zu wenig Platz, insbesondere, wenn Gegenverkehr ist. Wir haben den Wind allerdings achterlich, so dass unser Schiff ziemlich gerade bleibt. So schaffen wir es dann gut, ohne Motor durch die geöffnete Lindaunisbrücke zu kommen. Der Blick nach vorn und hinten verrät uns allerdings, dass wir die Einzigen sind, die hier durchsegeln.

Nun wollen wir das Groß setzen, was immer eine Herausforderung darstellt, da unser Schiff, nur unter Fock, ganz schlecht in den Wind zu bekommen ist. Daher machen wir das Ganze in mehreren Anläufen. Wir werden dann schließlich mit teilweise über 7 Knoten Fahrt belohnt.

Wir legen uns dann nördlich von Arnis vor Anker, um auf die nächste Brückenöffnung in Kappeln zu warten. Leider löst sich später unser Anker, so dass wir den Motor starten müssen. Da dieser nun ohnehin schon an ist, motoren wir bis nach Kappeln und machen am Südhafen vor der Brücke fest. Dort hat eine etwas eigentümliche und sehr maskulin wirkende Dame mit ihrem Segelboot hinter einem Traditionssegler festgemacht. Auf einem selbst gebastelten Schild steht "Hafenmeisterin". Das Schiff wirkt ungepflegt und das Unterwasserschiff scheint stark bewachsen zu sein. Die Dame hat offensichtlich um diese Tageszeit schon etwas öfter und auch tiefer in ihr Weinglas, dass auf ihrem Cockpittisch steht, geschaut. Mit rotem Kopf und fahrigen Bewegungen nimmt sie netterweise unsere Leinen an. Nicole wird allerdings, mit der Vorleine auf dem Vorschiff stehend, von der Dame unverrichteter Dinge angeschnauzt: "Jetzt schmeiß endliche diese Leine rüber!". Nicole weiß gar nicht so recht, wie ihr geschieht. Mit unserer Vorleine in der Hand, entwickelt die - wie wir später erfahren, selbsternannte "Hafenmeisterin" - ihre volle Dynamik und reißt an dieser, so dass Nicole und ich mit einiger Kraft versuchen, einen Aufprall unseres Buges mit der Spuntwand zu verhindern. Ich bleibe ruhig und rufe: "Danke, den Rest kriegen wir alleine hin!" Das war allerdings von mir zu einfach gedacht, denn die Hafenmeisterin nimmt ihren Job ernst, so dass sie sich als nächstes um unsere Heckleine kümmert.

Als wir später in unserem Cockpit sitzen, können wir eine angeregte Unterhaltung der Hafenmeisterin in ihrem Cockpit verfolgen, die sich nebenbei ein Essen zubereitet. Wir stellen dann aber fest, dass bei dem angeregten Zwiegespräch etwas entscheidendes fehlt: Es ist ein physischer Gesprächspartner! Aber das tut der Unterhaltung offensichtlich keinen Abbruch - Alles gut! Allerdings kann die herrisch wirkende Dame, mit schlaksiger Gestalt auch schnell ungehalten werden. So bekommt auf einmal ein Passant den Mittelfinger hingehalten, quasi aus dem Nichts. Ich gebe zu, dass das Treiben auf dem Nachbarschiff langsam an Unterhaltungswert gewinnt. Es soll nämlich nicht die einzige "Ansprache" von völlig unbeteiligten und ahnungslosen Passanten geblieben sein. Wir können beobachten, dass Passanten, die auf dem Hinweg dicht an uns vorbei gegangen sind, auf dem Rückweg einen großen Bogen um unsere Anlegestelle, bzw. die der Hafenmeisterin machen - ein echt lustiges und sehr skuriles Treiben!

Es hilft Nichts, die nächste Brückenöffnung wollen wir nehmen, wir starten den Motor und binden schnell los, leider nicht schnell genug! Die Hafenmeisterin merkt, dass wir ablegen wollen. Sie springt von ihrem Cockpittisch auf, hastet von Bord und greift sich unsere Spring, die einzige Leine, die wir nicht geschafft hatten, loszubinden. Dabei bekommen wir lautstark zu wissen: "Keine Schwimmwesten an, das gefällt mir gar nicht!". Mit unserer Spring in der Hand ruft sie dann zu mir rüber: "Meister, was hast Du vor?" - soll heißen, wie ist das Ablegemanöver geplant? Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon einen Abstand zur Spuntwand und ich war eigentlich im Begriff, den Vorwärtsgang einzulegen Daher entgegnete ich nur: "Ablegen!". Mit einem verächtlichen Blick zur Seite wirft sie unsere Spring an Bord und wir düsen ab.

Das war wirklich eine sonderbare Begegnung und wir fragen uns, welches Schicksal wohl hinter dieser Person steckt.

Südlich von Maasholm legen wir uns dann vor Anker. Der Wind lässt unser Schiff ordentlich am Anker rucken, so dass ich eine Leine mit Ruckdämpfer an der Kette montiere, die zu einer nennenswerten Entlastung der Ankerkette führt.

Am Abend setzen wir mit dem Schlauchboot nach Maasholm über. Immerhin 0,7 Seemeilen legen wir zu dritt in unserem kleinen Schlauchboot mit 2,3 PS Außenborder zurück. Dazu bestimmt 5 Beaufort von der Seite: Wir werden ordentlich nass! In Maasholm essen wir im "Tonne 15" leckere Waffeln".

Zurück an Bord erleben wir einen traumhaften Sonnenuntergang.

11.06.2022, Ankern gegenüber Maasholm - Fahrdorf (FSV)

Die Rücktour nach Fahrdorf verläuft, bis auf eine Ausnahme, unspektakulär. Vor der Lindaunisbrücke gehen wir beim "Norder Haken" bis zur Brückenöffnung um 14:45 Uhr vor Anker. Es ist wirklich schön hier. Als wir gerade aufbrechen wollen, sehen wir, dass sich ein Segelboot auf dem Flach des "Norder Hakens" festgefahren hat - unter voller Besegelung. Ein Motorboot ist herbei geeilt, und versucht den Havaristen vom Flach zu ziehen. Als wir an der Unglückstell vorbei, Richtung Lindaunisbrücke fahren, überlegen wir, ob wir das Motorboot, dass mit seiner an einem Fall des Segelbootes verbundenen Vorleine eine möglichst starke Krängung herbeizuführen, unterstützen wollen. Denn Krängung zur Verkleinerung des Tiefganges des Seglers war nicht mehr das Thema. Was jetzt fehlt, war Vorschub. Doch der Skipper gibt mit seiner Maschine Vollgas voraus und kommt tatsächlich frei - wir fahren weiter.

Vor der Lindaunisbrücke müssen wir heute warten (Deutsche Bahn: Ist normal!). Zur geplanten Zeit um 14:45 Uhr geht die Brücke jedenfalls nicht auf. Wir binden uns windgeschützt und provisorisch an einem Schwimmponton der Deutschen Bahn fest. Es ist nämlich ziemlich nervig bei guten 6 Beaufort und viel wartenden Schiffen umher zu kurven. Kurz nach 15 Uhr geht dann tatsächlich die Brücke auf.

Südlich der "Liebesinsel" machen wir noch einen kurzen Badestopp. Auf der Großen Breite kommt der Wind genau von vorne und die Gischt spritzt nach achtern; es wird nass und es ist kalt. Wir sind dann froh, als wir in Fahrdorf fest machen.

Wir hoffen jedenfalls noch auf Badewetter an einem der kommenden Wochenende!

 







Im Geschwader nach Marstal

03.06.2022, Fahrdorf (FSV) - ASC (Arnis/Kappeln)

Aufgrund der Vorhersagen für den Pfingstverkehr, machen wir uns heute etwas früher auf den Weg nach Fahrdorf. Dennoch stehen wir eine Weile vor der Rader Hochbrücke im Stau. Um so schöner ist es dann, als wir in Fahrdorf bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen unser Schiff beladen. Wir legen dann zügig ab. Zusammen mit einigen Vereinsmitgliedern des FSV treffen wir uns beim ASC (Arnisser Segelclub), direkt vor der Klappbrücke in Kappeln. Wir bestellen Pizza und versammeln uns auf dem Außensteg mit toller Sicht auf die Schlei. Es wird ein vergnüglicher Abend. Als morgiges Ziel steht am Ende dieses Tages Marstall fest.

04.06.2022, ASC (Arnis/Kappeln) - Marstal Havn

Um genau 08:30 starten wir unseren Motor und legen ab. Wir passieren die Klappbrücke zur geplanten Öffnungszeit um 08:45. Der Wind ist zu schwach zum Segeln. Auf der Ostsee installieren wir den Pinnenpiloten und nehmen Kurs auf die Südspitze von Ærø. Die Zeit vergeht schnell. Wir frühstücken und spielen "Dooble" mit unserem Jüngsten. Nach ungefähr vier Stunden laufen wir in den (weitaus weniger als befürchtet) gefüllten Hafen von Marstal ein. Sicherlich ist es ein guter Zeitpunkt, um in einen Hafen zu fahren, da bis Mittag viel Segler, die sich ein Ziel gesetzt haben, bereits abgelegt haben. Als wir in die Hafeneinfahrt von Marstal abbiegen, fühlt es sich sofort an wie Urlaub! Wir bekommen einen sehr schönen Platz am südlich gelegenen, letzten Steg des Hafens. Piet und ich rudern später mit unserem Schlauchboot zum südlich gelegenen Strand, wo wir einen Badesversuch unternehmen  - mehr kann man das nicht nennen, die Ostsee ist noch ziemlich kalt.

Zwischenzeitlich sind alle Teilnehmer der Geschwaderfahrt des FSV eingetroffen. Am Nachmittag gehen wir in die Stadt; es gibt ein Eis und wir kaufen noch etwas beim hieisigen Brugsen ein.

Die Grillplätze sind alle belegt, der Hafen ist mittlerweile proppevoll. Wir versammeln uns auf der Wiese südlich vom Toilettenhaus und grillen dort. Es wird ein langer und geselliger Abend.

04.06.2022, Marstal Havn - Ankern vor Arnis

Es ist ein wunderschöner Morgen und die bunten Strandhütten am gegenüberliegenden Strand werden wunderhübsch von der Morgensonne angestrahlt. Dazu gibt es einen frisch aufgegossenen Kaffee. Erneut die Frage: Was braucht man mehr? Heute geht es mit dem Geschwader nach Maasholm. Gegen viertel nach neun legen wir ab und wir genießen mit langsamer Fahrt den Blick auf den Hafen mit den vielen Segelschiffen. Es liegen auch einige Traditionssegler im vorderen Teil des Hafens - ein wunderschöner Anblick!

Der Wind kommt westlich, aber leider reicht er nicht für uns. Wir lassen den Motor auf kleiner Drehzahl mitlaufen. Als wir uns Schleimünde nähern, fassen wir den Entschluss, noch weiter zu fahren, damit wir morgen rechtzeitig vor der Lindaunisbrücke für die Brückenöffnung um 10:45 sind. Wir haben noch familiäre Verpflichtungen und wollen rechtzeitig zu Hause sein.

Als wir Schleimünde erreichen, machen wir den Motor aus segeln mit vollem Tuch und achterlichem Wind deutlich über vier Knoten. Es ist viel los auf der Schlei und das Fahrwasser ist recht eng. Da wir wenig Tiefgang haben, lassen wir einige der grünen Tonnen anstatt auf der Backbordseite, auf der Steuerbordseite liegen. Dabei müssen wir darauf achten, dass unser weit nach Steuerbord überstehende Großbaum nicht an den Tonnen hängen bleibt. Ungefähr 600 m vor der Brücke in Kappeln machen wir einen Aufschießer am östlichen Ufer der Schlei und gehen dort vor Anker. Ein toller Ort zum Ankern, wie wir feststellen. Wir überlegen, hier einfach die Nacht über zu bleiben, entschließen uns dann aber doch noch, die Brückenöffnung um 14:45 zu nehmen. Wir holen dann rechtzeitig den Anker hoch und nähern uns der Brücke, nur mit partiell ausgerollter Fock. Dann starte ich aber lieber doch noch kurz den Motor, da wir für das Passieren der Brücke einfach zu langsam sind. Aber hinter der Brücke machen wir den Motor wieder aus und wir segeln. Der Wind hat inzwischen ordentlich zugelegt und wir laufen teilweise über 6 Knoten. Als wir uns Arnis nähern müssen wir sehr hoch am Wind segeln und schaffen es gerade ebenso um Arnis herum. Gegenüber von der "Schleiperle" machen wir wieder einen Aufschießer und lassen in der kleinen Bucht den Anker fallen. Wirklich ein sehr schöner Platz zum Ankern. Wir verbringen eine "chillige" Zeit an Bord. Nicole bereitet zum Abendessen Curry-Wurst mit Kartoffelsalat vor. Ein wahrer Gaumenschmaus. Die Idee dazu kam ursprünglich von unserem Jüngsten.

Wir erleben eine traumhafte Abenddämmerung über Arnis. Am späten Abend rudere ich noch mal schnell mit unserem Dingi nach Arnis hinüber und gehe zu Fuß durch die kleinste Stadt Deutschlands.

05.06.2022, Ankern vor Arnis - Fahrdorf

In der Nacht hat es viel geregnet und umso gemütlicher ist es in unseren Kojen. Der Wind kommt mittlerweile aus West, so dass wir hier nun mit auflandigem Wind vor Anker liegen. Ich möchte unbedingt ohne Motor versuchen, aus der kleinen Bucht zu kommen. Leider haben wir nicht viel Spielraum, zu beiden Seiten hin. Die Kunst besteht nun darin, ab dem Moment, wo der Anker beim Einholen der Ketter nicht mehr hält, möglichst schnell Fahrt ins Schiff zu bekommen. Ansonsten würden wir quer vertreiben und auf das nahegelegene Ufer treiben. Wir bereiten den Motor als "Hosenträger" für einen Notstart vor. Als der Anker dann vorne am Bug lose an der Kette hängt, rollen wir eine kleines Dreieck unserer Rollfock aus. so dass ich es so in den Wind halte, dass sich der Bug unseres Schiffes nach nordosten dreht. Dann rollen wir schnell die Fock komplett aus. Wir beobachten die langsamen Bewegungen unseres Schiffes genau, um schnell reagieren zu können, denn viel Platz haben wir nicht. Aber tatsächlich nimmt unsere über 6 Tonnen schwere Hanna Fahrt auf und wir können aus dieser Zwangssituation heraussegeln - wunderbar. Wir haben in dem engen Fahrwasser vor Anris nicht viel Platz zum Kreuzen. Nach jeder Wende ist es immer wieder spannend, ob wir einerseits den Bug durch den Wind bekommen und andererseits dann auch schnell genug Fahrt aufnehmen, denn der Wind bläst vielleicht gerade einmal mit 2 Beaufort. Wir schaffen es aber tatsächlich aus der Bucht heraus zu kreuzen. Dann aber kommt die Stunde der Wahrheit: Wir wollen ja die Brückenöffnung in Lindaunis nutzen, was bei dem Wind so nicht schaffen ist. Wir starten schweren Herzens den Motor und nehmen Kurs auf Lindaunis. Es dauert keine 10 Minuten und der Wind frischt auf einmal richtig auf! Was für eine Sauerei!

Als wir in Fahrdorf ankommen ist unser Liegeplatz noch belegt. Wir machen uns erstmal an einem Heckpfahl fest und warten bis die Segler aus Glückstadt abgelegt haben. Dafür, dass wir nun so rechtzeitig wieder zurück sind, werden wir mit einer fast staufreien Rückfahrt belohnt - immerhin!

 





Letzte Etappe nach Fahrdorf

22.05.2022, Rendsburg - Ankerplatz Schlei, Wormshöft

Der starke Wind, der für Samstag den 21.05.2022 angesagt ist, veranlasst uns, unsere letzte Etappe nach Fahrdorf um einen Tag zu verschieben. Wir nutzen diesen Tag, um die Messe "Hamburg Ancora Festival 2022" in Neustadt zu besuchen. Wir treffen dort einige bekannte Gesichter. Unter Anderem sehen wir uns auch den im Eigenbau errichteten Retro-Racer aus Sperrholz von Jan von der Bank an. Ein wirklich imposantes Schiff und die Vorstellung, dass Jan von der Bank den 9,5 m langen Racer bei sich auf seinem Grundstück gebaut hat, ist schon faszinierend; zumal Jan kein Bootsbauer sondern Drehbuchautor und Schriftsteller ist. Wir gratulieren ihm von Herzen zu dieser Meisterleistung!

Am späten Nachmittag fahren wir dann zum Rendsburger Stadthafen, wo wir letzten Sonntag unsere Hanna liegen gelassen hatten. Als ich mich an Bord umziehe, merke ich, dass ich einen fatalen Fehler gemacht habe: Meine Bootsschuhe liegen noch zu Hause und ich habe nur meine Straßenschuhe dabei - echt super!

Wir gehen am Abend mit Freunden zu einem Italiener, mit dem Namen "Ristorante Di Gianni". Es liegt in einem imposanten Kellergewölbe und ist wirklich sehr zu empfehlen.

Am heutigen Morgen, Sonntag, den 22.05.2022 klingelt schon um 5:40 unser Wecker - das ist definitiv zu früh! Ich steige wieder Willen in meine Straßenschuhe, was die Situation auch nicht gerade besser macht! Aber es hilft ja nichts! Nicole setzt einen Kaffee auf und dann geht es auch schon los. Beim Rausfahren aus der Box nehmen wir ein merkwürdiges Poltern war -aus Richtung Welle/Propeller. Wir fahren vorsichtig aus der Boxengasse und versuchen, das Problem einzugrenzen. Wir geben vor und zurück. Irgendwann ist das Poltern dann weg. Hatte sich etwas im Propeller festgesetzt? Keine Ahnung, wir fahren erstmal weiter!

Nach ziemlich genau drei Stunden machen wir am Wartesteg der Schleuse in Kiel Holtenau fest. Wir entrichten am Automaten eine Gebühr von 12 EUR. Und dann heißt es warten, warten, warten. Es gibt auf dem Kanal immer viel zu sehen, so wie diesen Schleppverband, der Segmente eines nicht gerade kleinen Frachtschiffes transportiert.

Wir verfolgen den Funkverkehr auf Kanal 12. Es trudeln nach und nach immer mehr Freizeitboote ein. Nach gut einer Stunde meldet sich ein Skipper von einem der Segelboote über Funk und fragt, warum wir eben nicht mit der Südschleuse Richtung Förde geschleust wurden. Die Sportboote würden schon lange warten. Als Antwort kam nur, dass das egal sei, da die Berufsschifffahrt Vorrang habe und wir weiterhin warten müssten. Nach knapp 2,5 Stunden werden wir dann über Funk aufgefordert, in die Südschleuse zu fahren. Nicole manövriert uns in die Kammer, längsseits zum Schwimmsteg. Um Auffahrunfälle zu verhindern, sollte man immer das Boot vor und hinter sich im Blick zu behalten. Ich versuche indes, trotz meines sicher grotesk anmutenden Schuhwerkes, nicht ganz so bescheuert beim Übersteigen auf den Schwimmsteg auszusehen. Ich bin mir sicher, es ist mir nicht gelungen! Die starren Blicke der anderen Segler auf dem Steg sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache!

Nach 20 Minuten verlassen wir die Schleuse wieder und nehmen Kurs auf Schleimünde. Leider ist gar kein Wind, aber wenigstens kommt die Sonne heraus - wunderbar! Die Kieler Förde präsentiert sich mit den vielen Segelbooten und angenehmen Temperaturen und mit wunderschönen Farben von ihrer schönen Seite.

Gegen 16 Uhr erreichen wir Schleimünde. Wir laufen dann direkt einen unserer Lieblingsankerplätze in der Schlei an: Wormshöft, ganz nahe am Restaurant "Am Schleieck". Der einzige Nachteil hier ist das Seegras, das das Einfahren des Ankers deutlich erschwert. Beim dritten Versuch klappt es dann aber. Wir ankern dieses Mal mit nur 0,8 m unter dem Kiel, ganz nahe am Ufer; im Prinzip nur wenige Meter entfernt davon - ich liebe das! Das geht natürlich nur bei stabilen Wetterlagen, was heute Nacht der Fall sein sollte.

Wir sitzen einen Moment in der Plicht und genießen die traumhafte Aussicht! Schließlich setzen wir die paar Meter mit dem Schlauchboot zum Ufer über und spazieren entlang des Ufers zum Sportboothafen. Für 20 Uhr habe ich einen Tisch im "Tonne 15" reserviert. Wir treffen uns mit Freunden - es wird wieder einmal ein vergnüglicher Abend.

23.05.2022, Ankerplatz Schlei, Wormshöft - Fahrdorf

Nach einer ruhigen Nacht genießen wir am frühen Morgen abermals die Aussicht von der Plicht aus. Die Sonne scheint, angenehme Temperaturen, unglaubliche Stille und dazu einen frisch aufgebrühten Kaffee -WIRKLICH: WAS BRAUCHT MAN MEHR?

Unser heutiges Ziel ist, dass wir die Brückenöffnung der Lindaunisbrücke um 14:45 Uhr nutzen. Bedingt durch die langwierigen Baumaßnahmen der Deutschen Bahn klappt die Brücke Lindaunis nur viermal täglich um 10.45 Uhr, 11.45 Uhr, 14.45 Uhr und 16.45 Uhr.

Um kurz nach 10 Uhr hole ich den Anker hoch. Der leichte Wind dreht den Bug unserer Hanna langsam in die gewünschte Richtung und wir rollen die Fock aus. So schaffen wir es, ohne Motor aus dem Ankerfeld heraus zu manövrieren - wunderbar! Wir segeln nur mit Fock bis nach Kappeln, wo wir die Brückenöffnung um 10:45 gerade verpassen. Daher machen wir uns mit dem Heck an einem der beiden Dalben vor der Klappbrücke fest. Um 11:45 passieren wir schließlich die Brücke in Kappeln. Kurz hinter Arnis setzen wir dann alle Segel und genießen eine Rauschfahrt bei Raumschotkurs - wir kommen teilweise über 7 Knoten - das macht Spaß.

Gegen 13 Uhr gehen wir am Westufer des Süderhakens, ca. 0,6 Seemeilen östlich von der Lindaunisbrücke vor Anker. Wir haben jetzt 1,5 Stunden Zeit für eine Pause. Um halb drei hole ich den Anker wieder hoch und wir lassen uns auf die Lindaunisbrücke zutreiben. Wir laufen vor Top und Takel teilweise über 3 Knoten, bei in Böen ca. 5-6 Beaufort. Ich möchte unbedingt auf das Starten des Motors verzichten. So passen wir genau den Moment nach geöffneter Brücke ab, bei dem wir als letzte die schmale und durch Baumaschinen schlecht einsehbare Durchfahrt passieren können. Viel Platz für Krängung ist dort nämlich nicht vorhanden, so dass ich die Vorschot in der Hand behalte, um im Bedarfsfall schnell Fieren zu können. Direkt nachdem wir die Brücke passiert haben, wird diese auch schon geschlossen.

Wir setzen wieder das Großsegel und ich hole das Schlauchboot, dass wir bisher hinter uns her gezogen hatten an Bord. Bei in Böen 6 Beaufort bei raumen Wind kommen wir schnell auf 7 Knoten. Wir lassen alle anderen Segler hinter uns! Ein tolles Gefühl (leider muss ich aber zugeben, dass wir die Einzigen mit voller Besegelung sind - alle anderen fahren nur die Fock!). Aber ich kann das seltene Gefühl, ausnahmsweise der Schnellste zu sein, trotzdem genießen, zumal auch eine große X-Yacht dabei ist!

In der Abdeckung in der Missunder Enge müssen wir dann bei der Fähre kurz den Motor starten. Wir hatten keine Fahrt und nach Lee keinen Platz mehr - schade! Auf der Großen Breite aber kann sich der Wind dann wieder voll entfalten und wir erleben abermals eine tolle Rauschfahrt.

In Fahrdorf angekommen, machen wir Klarschiff. Unsere lieben Freunde bringen uns dann mit dem Auto nach Rendsburg, wo wir Nicoles Auto abgestellt hatten. Unsere Dankbarkeit, nicht mit der Bahn fahren zu müssen, ist schwer in Wort auszudrücken - Anja: Tausend Dank!!

Wenn das Wetter mitspielt, geht es über Himmelfahrt wieder los.