23. - 24.07.2026, Bogense - Juelsminde
Es geht weiter Richtung Norden. Wir wollen uns mit Freunden in Juelsminde treffen. Die knapp 9 Seemeilen sollten zu schaffen sein, auch wenn der Kurs dafür so hoch am Wind ist, dass wir den Motor bei ausgerollter Fock mitlaufen lassen. Wir könnten auch Kreuzen, aber wir hatten einfach keinen Bock!
Gegen 10 Uhr laufen wir bereits in den mittlerweile "sehr aufgeräumten" Hafen von Juelsminde ein. Schon von Weitem konnten wir sehen, wie sich der Hafen entleerte. Wir machen einen kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle und tanken für DKK 500 23,55 Liter Diesel. Anschließend verholen wir uns in den östlichen Teil des Hafens. Wir haben freie Platzwahl und machen ganz außen an einem Innensteg fest. Unsere Freunde treffen wenig später ein und finden schräg gegenüber von uns, am selben Steg, einen freien Platz. Das Anlegemanöver habe ich, im Gegensatz zu meiner Frau, verpasst, da ich mich zu dem Zeitpunkt in einer humanoiden Rekuperationsphase befand. Aber, beim obligatorischen Anlegegetränk auf der "X" unserer Freunde, geselle ich mich noch rechtzeitig dazu. Wir haben uns länger nicht gesehen und es gibt wahrhaftig viel zu erzählen. Um so erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass anfangs ein, an sich belangloses, Problem thematisiert wird und völlig unerwartet zu einem Lösungsansatz führt. Unser belangloses Problem bestand nämlich darin, dass es durch ein Missgeschick eines jüngeren Crew-Mitgliedes zu einer Funktionseinschränkung unseres geliebten Moccamaster kam. Das Schadensbild stellt sich so dar, dass zwei Arretierungs-Nasen, die den Kaffeefilterhalter in seiner Position fixieren sollen, abgebrochen sind. Ohne diese Arretier-Nasen, würde ein federbelasteter Mechanismus den Filterhalter nach oben drücken und den Brühvorgang stoppen. Die besagten Arretierungs-Nasen hatte ich bereits versucht, konstruktiv durch zwei eigens angefertigte Bauteile aus einem Eisstiel, den ich mit unserem Jüngsten auf einem Gehweg in Bogense gefunden hatte, zu ersetzen. Leider war das Material zu spröde, um es per Schraubverbindung an der Kaffeemaschine zu montieren. Unser Freund, der das Problem im Bruchteil einer Sekunde verstanden hat, klappt eine der zahlreichen Backskistendeckel auf und drückt mir einen sog. "SkyScraper" von der Firma Aero Consultant in die Hand. Das ist ein Kunststoff-Stechbeitel zum Entfernen von PU und MS Dichtmasse, ohne dass dabei die Oberfläche zerkratzt wird. Und tatsächlich, sofort sah ich vor meinem geistigen Auge das entsprechende Bauteil in dem "SkyScraper", dass ich mit zwei Sägeschnitten daraus generieren konnte. Das Gute dabei ist, dass das Material hinreichend fest und dubtil zu sein scheint ! Noch vor dem ersten Bier am Abend habe ich dann unserem Moccamaster zu seinem ursprünglichen Funktionsumfang verholfen. @Björn: Auf Dich ist verlass, Danke für diese tolle Idee! Hier ist das Ergebnis:
Am Abend darauf finden wir uns abermals zum gemeinsamen Grillen zusammen. Und wieder stellt unser Freund unter Beweis, dass er sich nicht aus der Ruhe bringen läßt. Hintergrund ist der, dass ich eine sehr angespannte Beziehung zu unserem Scotti-Grill pflege. Wer diesen, aus Blechen zusammensteckbaren Grill kennt, kann das vielleicht nachvollziehen. Scotti und ich waren von Anfang an keine guten Freunde. Das hat einen triftigen Grund: Der gasbetriebene Grill wird mit einem Feuerzeug am Ende eines ca. 40 cm langen Rohres gezündet. Nach dem Öffnen der Gasflasche hört man das Gas sekundenlang strömen, bis schließlich ein zündfähiges Gemisch am Ende des Rohres entsteht. In dieser Zeit sehe ich mich jedes Mal mehrfach in die Luft fliegen! Diese toxische Beziehung zu unserem Scotti-Grill bedingt, aus psychologischer Sicht, eine Art Blockadehaltung, die dazu führt, dass mein Gehirn die Aufbauprozedur nicht abspeichern kann. Daher behelfe ich mich beim Zusammenbau des ausgeklügelten Steckmechanismus, mit einem Youtube-Video.
Meine Frau, der man in machen Belangen, eine gewisse Gerissenheit einfach nicht absprechen kann, drückt unserem Freund die beiden flachen, orangefarbenen Taschen in die Hand, und fordert ihn auf, diesen im Beisein aller im Handumdrehen aufzubauen. Ich springe, im übertragenen Sinne, auf den gesattelten Zossen auf und feixe mir einen, denn ich bin mir sowas von sicher, dass seine offensichtliche Verzweiflung beim Zusammenbau des Grills, einen erhellenden Beitrag zu unseren gewöhnlich sehr heiteren Zusammenkünften darstellen würde. Kurz nachdem unser Freund, zu unserer allgemeinen Belustigung, die Blechteile auf der Sitzgarnitur ausgepackt hat, greift er intuitiv zu den richtigen Teilen, die in der Reihenfolge zuerst zusammengesteckt werden müssen. Mein Problem zu diesem Zeitpunkt war, dass die zwei bis drei Bier die ich intus hatte dazu führten, dass der Zugewinn an Erkenntnis, dass mir gerade das Fundament für meine begleitenden Frotzeleien unter den Füßen weggezogen wird, in keiner Weise synchron war mit dem Fortschritt des Zusammenbaus des Grills. Dieses Phänomen würde ich als klassische "Hysterese", also als zeitverzögerte Auswirkung einer Ursache bezeichnen. Schließlich kommt der Moment, wo ich jeden dummen Kommentar, den ich bereits auf dem gemeinsamen Weg zu unserem Grillplatz von mir gab, ungeschehen machen lassen wollte. Was soll ich sagen: Unser Freund hat den gesamten Scotti-Grill, einschließlich des Deckels, innerhalb weniger Minuten zusammengebaut. Und ich betone: Er kannte den Scotti-Grill vorher nicht! Im Anschluss und zu allem Überfluss war ich dann noch den fragenden - oder besser: abstrafenden (?) - Blicken meiner Frau ausgesetzt! @ Björn: Keine Sorge, ich nehme es Dir nicht krumm, im Gegenteil, höchsten Respekt (->ernst gemeint!).

