Sommerurlaub 2021 – Es geht Richtung Norden!

04.07.2021, Marstal - Lohals

Ein wunderschöner neuer Morgen liegt über Marstal. Die Morgensonne hüllt den Hafen in leuchtende Farben. Wir ziehen uns per Hand aus der Box und rollen die Fock aus. Wir gleiten mit geringer Fahrt den Hafen hinaus. Zu unsere Linken ziehen an uns die interessanten Werftgebäude und wunderschöne Schiffe vorbei - traumhaft! Es ist allgemeine Aufbruchstimmung und viel Verkehr. Der Wind nimmt später auf nahezu null ab, so dass wir motoren. Nördlich der Brücke bei Rudkøbing machen wir den Motor aus und lassen uns im Päckchen mit unseren Freunden treiben. Wir springen ins klare und auf 20°C aufgewärmte Wasser - traumhaft!

Lohals ist wirklich schön. Es gibt eine tolle Badestelle mit sandigem Untergrund. Am alten Hafen ist Livemusik. Unsere Freunde laden uns zu leckerem Burger ein. Wir sitzen an der Außenmole mit wunderbarem Blick auf den Großen Belt auf der einen Seite und dem schönen Hafen auf der anderen Seite.

05.07.2021, Lohals - Nyborg

Nach unserem morgentlichen Kaffee binden wir unser Schiff los, ziehen uns aus der Box und rollen die Fock aus. Es ist immer ein bisschen spannend ohne Motor abzulegen, da es eine gewisse Zeit braucht, um unsere Schiff, dass 6 Tonnen wiegt, zu beschleunigen und damit manövrierfähig zu machen. Bisher hat es immer geklappt!

In Nyborg segeln wir bis in den Vorhafen, wo wir den Motor starten und die Segel bergen. Wir legen uns im Osthafen an den Schwimmsteg. Die Kinder machen sich erst einmal an das Reinigen des Steges. Sie bahnen mit einem Spachtel und Besen einen Pfad zu unseren Schiffen. Die Planken sind übersäht mit Muscheln und Exkrementen der Möven (wichtig: sie machen es freiwillig und lassen sich nicht davon abhalten!).

Nyborg gefällt uns Allen ausgesprochen gut. Die moderne Architektur am Hafen verbindet sich mit dem Charm der Seefahrt. Die Stadt ist ebenfalls einen Besuch wert. Es gibt viele kleine Läden die zum Shoppen einladen. Allerdings besteht hier keine Maskenpflicht, auch nicht in den Geschäften. Das ist sehr ungewohnt!

06.07.2021, Nyborg - Kerteminde

Am frühen Morgen brechen wir auf und erleben einen Waschgang im wahrsten Sinne des Wortes! Bei Südost der Stärke 5 bis 6, motoren wir gegen eine immer größer werdende, steile Welle an! Es werden solche unfassbaren Wassermassen durch den vollständig eintauchenden Bug nach achtern geschaufelt, dass hinten alles unter Wasser steht. Die Abläufe sind nicht im Entferntesten in der Lage, diese unglaublichen Fluten zu verarbeiten. Außerdem schlagen die Welle von unten auf das am Bugkorb befestigte SUP, so dass ich Angst habe, dass diese herausreißen bzw. das Laminat beschädigen. Leider ist es zu gefährlich, sich vorne auf den Bug zu begeben. Wir sind froh, als wir die "Store Belt Bro" erreichen und abfallen können! Hinter der Brücke ist die Welle deutlich kleiner, da die Pfeiler samt ihrer Fundamente als Wellenbrecher dienen. Erst ein ganzes Stück dahinter baut sich die Welle wieder auf. Auf den Hafen von Kerteminde steht dann eine beachtliche Welle, so dass wir nochmal die Wassertiefe vor dem Hafen prüfen: 3,2 m. Da müsste bei einer Welle von geschätzt einem Meter und unserem Tiefgang von 1,2 m (beladen) noch genügend Luft sein. Wir starten in gebührendem Abstand zum Steinwall vor der Hafeneinfahrt den Motor und steuern in den Wind, um die Segel zu bergen. Eine sehr schaukelige Angelegenheit! Später, als wir fest in der Box vertäut sind, prasselt ein starker Regenschauer auf uns nieder.

Wir mögen Kerteminde. Es gibt dort u. a. eine schöne Weinhandlung ("Den Gamle Købmandsgaard") und einen kleinen Käseladen, den wir jedes Mal, wenn wir hier sind, ansteuern. Was jedenfalls sofort ins Auge fällt ist, dass das große Silo am Hafen fehlt. Auch einige Gebäude daneben wurden dem Erdboden gleich gemacht. Leider gibt es auch hier Leerstand zu beklagen: Die beiden Restaurants, die rechts und Links vom Hafen gelegen waren, sind geschlossen.

Der Strand neben der Marina ist wirklich schön. Wir gehen mit den Kindern dort hin zum Baden.

07.07.2021, Kerteminde - Ballen

Wir ziehen uns wieder aus der Box und rollen die Fock aus. Anschließend setzen wir auch das Groß. Der Wind ist ok, kommt aber ziemlich achterlich. Leider nimmt er später ab. Als wir "Fyns Hoved" (Nordspitze von Fyn) hinter uns lassen, kommen wir in eine Kreuzsee. Der Wind und die Welle, die noch von gestern aus Westen ansteht, trifft hier mit einer Strömung von Süd nach Nord zusammen. Je mehr wir aus der Abdeckung von Fyn herauskommen, desto höher wird die Welle; und das in Verbindung mit abnehmendem Wind: Sehr nervig!! Wir werden ordentlich durchgeschaukelt, die Segel schlagen hin und her. Aber: Wir halten durch bis Ballen!! Kurz hinter der Hafeneinfahrt will ich eigentlich noch kurz ins Wasser springen, aber leider ist hier alles voll mit Feuerquallen - so ein Mist!

Ballen ist auch wirklich sehr schön. Von der Holzbrücke aus hat man einen schönen Blick auf den westlichen Teil des Hafens. Sehr hübsche Schiffe liegen hier in dem recht engen Hafenbecken. Sowohl der Hafen als auch der angrenzende Strand ist sehr belebt. Der Hafen füllt sich im Laufe des Nachmittags und Abends weiter. Ein Segelboot aus Haseldorf (sozusagen aus unserer Heimat) sucht in dem engen Hafen eine Liegeplatz, legt sich dann aber doch lieber nördlich des Hafens vor Anker. Wir können die Mastspitze von unserem Platz aus sehen. Sie bewegt sich, für meinen Geschmack, viel zu viel, obwohl fast gar kein Wind ist. Ich vermute, dass durch die Großschifffahrt immer ein wenig Schwell vorhanden ist. Wir hatten die Erfahrung jedenfalls vor ein paar Jahren auch gemacht und sind dann noch weiter nach Korshavn gefahren.

Im Laufe des Nachmittags kommt eine Gewitterfront mit beeindruckender Wolkenbildung auf uns zu. So bedrohlich wie es im Bild aussieht, ist dann aber letztlich nicht, da wir nur einen Ausläufer davon abbekommen.

Abends verfolgen wir dann das Fußballspiel Dänemark gegen England.

08.07.2021, Ballen - Ankern in der Bucht von Langør

Langør ist richtig schön! Die tolle Ankerbucht kennen wir schon. Leider mindern r Feuerquallen das Badevergnügen. Wir setzen zum Baden lieber mit dem Schlauchboot zum Strand über.

Von der Plicht aus haben wir einen schönen Blick auf die hübsche Landschaft des nördlichen Teils von der Insel Samsø. Im Laufe des Abends zieht die erste Gewitterfront herbei. Das Wetterradar verheißt nichts Gutes. Wir richten unser Schiff auf Unwetter ein. Das Schlauchboot und das SUP hängen wir achtern an ans Heck. Wir haben jedoch Glück und es zieht an uns vorbei. Der Hafen Langør ist wirklich schön. Das Bistro hat geöffnet und wir gönnen uns ein Abendessen mit traumhafter Sicht auf den Hafen und die dahinter liegenden Wasserflächen. Dazu gibt es Livemusik. Später nähert sich abermals eine Gewitterfront und wieder soll es über uns hinwegziehen. Wir begeben uns zurück aufs Schiff. Dieses Mal bekommen wir nur einen kleinen Ausläufer davon ab. Es regnet und ein paar ernstzunehmende Böen fegen über uns hinweg. Das war es dann aber auch schon.

09.-10.07.2021, Ankern in der Bucht von Langör - Ebeltoft

Bei spiegelglattem Wasser absolvieren wir die Überfahrt nach Ebeltoft unter Motor. Es sind wenige Schiffe unterwegs, aber diese sind dann meistens auf Kollisionskurs. Auch zwei Schnellfähren halten mit volle Fahrt auf uns zu. Ich muss abdrehen - ich fange an, in meinem etwas übermüdeten Zustand, das persönlich zu nehmen, aber Nicole kann mich beruhigen.

Ebeltoft ist für uns ein neuer Hafen. Er gefällt uns sehr. Der hübsche Ortskern bietet viel Möglichkeiten zum Shoppen und Essengehen. Es gibt viel kleine Restaurants mit gemütlichen und geschmackvoll dekorierten Hinterhöfen. In einer alten Malzfabrik, die man besichtigen kann, gibt es einen Zugang zu einer Aussichtsplattform, von der man einen herrlichen Panoramablick Blick auf den Hafen und auf die "Ebeltoft Vig" (Ebeltoft Bucht) hat. Am Hafen liegt die Fregatte "Jylland" in einem extra dafür errichteten Hafenbecken. Daran angrenzend befindet sich ein modern eingerichtetes Restaurant mit einer schönen Außenterrasse.

Wir bleiben den darauf folgenden Tag im Hafen, da es zeitweise regnen soll. Abends klart es auf und wir können endlich mal wieder grillen. Es ist die Gelegenheit, um uns mal wieder unbeliebt zu machen. Zum Starten verwenden wir große Mengen Grillanzünder - es sind ja die ökologischen mit unterirdischem Brennwert - dafür qualmen die Teile so massiv und nachhaltig, dass wir unsere Nachbartische für längere Zeit in eine dichte und stinkende Wolke einhüllen. Wir spüren die stechenden Blicke unserer dänischen Nachbarn. Unser leckeres Spezial-Bier aus 0,7-Flachen mit Sektkorken, dass wir heute zur Feier des Tages gekauft hatten, hilft uns, darüber wegzuschauen. Wir kommen später noch mit ihnen ins Gespräch, sie sind uns offensichtlich nicht mehr böse..

11.07.2021, Ebeltoft - Bønnerup

Unser nördlichster Punkt unseres Urlaubstörns wird "Bønnerup" sein. Wir folgen der Empfehlung unserer Freunde und bereuen es nicht. Ein schöner Hafen mit direkt angrenzendem Strand und Fischereihafen. Hier gibt es (wirklich!) frischen Fisch. Sinnvollerweise unterhält derselbe Betreiber in der Nähe des Hafens einen Sushi-Laden, so geht das!

Der Tag vergeht mit Baden, Chillen, Eis essen. Abends schauen wir zusammen das Finale England gegen Italien.

12.07.2021, Hafentag in Bønnerup

Auch heute wird ordentlich gebadet. Was soll man auch bei dem Wetter anderes tun. Ich raffe mich auf und gehe joggen und finde dabei einen wunderschönen Weg von Bønnerup aus Richtung Westen, direkt entlang der Ostsee - traumhaft!

Als nennenswerte Aktion sei hier noch die Rettungsaktion für einen jungen Vogel erwähnt, den wir vor dem Ertrinken bewahrt haben. Wir haben einfach zu viel tierliebe Menschen dabei, so z. B. unser Jüngster und die Tochter unserer Freunde, die mit fast schon militantem Eifer jedes Tier vor irgendeinem Unheil schützen wollen. Wir geben Alles! Unser Freund stürzt dabei fast ins Hafenbecken. Ich gehe freiwillig rein, gebe allerdings unter dem Steg, schwimmend keine viel besser Figur ab. Der kleine Unglücksrabe hat sich mittlerweile ins Gebälk der Unterkonstruktion des Steges vorgearbeitet, wo ich ihn einfach nicht zu fassen bekomme. Wir haben genug Manpower, um die Rettungsaktion zum Guten zu wenden. Wir platzieren ihn schließlich im Schutze eines Dalbens, wo er trocknet und später davon fliegt.

Abends bekommen wir dann Besuch zu uns an Bord. Es gibt das eine oder andere Bier. Da ich mein Lieblingsbier, ein Mai-Bock mit 7,5% aus 0,5 Liter-Dosen dabei habe, wird es schnell lustig an Bord. Als ich später unsere Örtlichkeit im Bereich des Vorschiffs aufsuchen muss, merke ich eine beachtliche Steigung. Ich schaue zurück ins Cockpit: Ach ja, wir sitzen da ja zu siebt, das erklärt Alles! Der Abend schreitet voran, und damit auch die Stimmung an Bord. Es ist mittlerweile dunkel, als von einem Schiff hinter uns energisch ein Reisverschluss aufgerissen wird und daraufhin die klare Ansage "Be quiet!" zu vernehmen ist. Die Geister scheiden sich am darauffolgenden Tag an der Frage, ob ein "Please" dabei war oder nicht! Keiner weiß es genau, aber sicher ist, wir sind schon wieder unangenehm aufgefallen.

Nachts gegen 0 Uhr kommen noch drei Segelboote in den Hafen gefahren. Es ist absolut leise und wir hören nur die sich nähernden Schiffe. Es fasziniert uns alle und wir kommen ins Träumen: Wir wollen auch einmal zusammen eine Nacht- bzw. Abendfahrt machen.