Marina Hülsen

15.08.2020, Fahrdorf - Ankern vor Burg  - Ankern vor "Liebesinsel" - Marina Hülsen

Es ist Freitag, es ist warm und die Sonne scheint! Und des Beste ist, das soll bis Sonntag so bleiben! Eigentlich ein Selbstgänger: Es geht natürlich zum Schiff! Bessere Bedingungen zum Ankern und Baden kann es nicht geben!

Nun haben wir die Rechnung ohne unsere Freunde gemacht, die uns ein "unmoralisches Angebot" in Form einer Einladung anlässlich eines Jubiläums für diesen Freitag unterbreitet haben. Sie sind selbst leidenschaftliche Segler und sitzen mit dieser Veranstaltung im "selben Boot" wie wir.

Unsere Freunde bescheren uns einen wirklich zauberhaften Abend, der bis tief in die Nacht andauert. Und wir dürfen festhalten, dass diese Veranstaltung mindestens einer Anker-Session bei bestem Wetter ebenbürtig ist (mehr Lob geht nicht!) - noch einmal Danke!

Am nächsten morgen, wir haben immerhin vier Stunden geschlafen, brechen wir nach Fahrdorf auf. In Windeseile ist das Schiff bereit zum Ablegen und wir steuern unseren ersten Ankerplatz für heute an. Wir legen uns eben westlich von der Badestelle, im Norden der "Großen Breite" vor Anker. Wir haben nur 30 cm unter dem Kiel und ich kann entspannt neben unserem Schiff stehen. Ich taste das Unterwasserschiff ab und muss zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass wir diese Saison keine Geschwindigkeitsrekorde mehr aufstellen werden. Wir haben massiven Bewuchs mit Pocken, speziell mit Bugbereich. Ich mache mich, in Ermangelung einer besseren Alternative, mit einem Pfannenwender an den Versuch, wenigstens etwas von den lästigen und scharfen Gebilden ab zu bekommen. Aber ich komme einfach nicht gegen den dichten Bewuchs damit an.

Am frühen Nachmittag verholen wir uns dann zur "Liebesinsel", wo wir mit Freunden eingehend baden. Unser Jüngster ist wieder in seinem Element und genießt die Gegenwart der anderen, gleichaltrigen Kinder.

Zum Abend hin steuern wir dann die Marina Hülsen an, die nur gut eine Seemeile von hier entfernt ist. Auf dem Weg dort hin, ziehen wir die Kinder mit einer Leine hinter uns her. Ein Spaß, der bei dem Nachwuchs gut an zu kommen scheint!

In der Marina Hülsen machen wir dann außen, an den Schwimmpontons fest, was, so erfahren wir später von "höchster Stelle", überhaupt gar nicht erlaubt ist!

Wie auch immer, Nicole und ich schwelgen beim Anblick des Hafens und des wunderschön gelegenen "Hafencafes" in Erinnerungen, da wir hier unsere Hochzeitsfeier ausgerichtet hatten. Zu der Anlage gehört auch eine schön angelegte Ferienhaussiedlung. Es hat sich hier zwischenzeitlich wenig verändert.

Wir wollen alle zusammen im Hafencafe etwas essen und trinken. Wie wir jedoch zu wissen bekommen, gibt es zur Zeit keine freien Plätze - auch hier werden Covid-19-bedingte Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregeln eingehalten. Doch wir haben Glück und dürfen uns bei Bekannten unserer Freunde mit an den Tisch setzen - sehr nett!

Die Wahl eines Gerichtes ist angesichts der übersichtlichen Speisekarte schnell getroffen. Wir bekommen Flammkuchen, Matjes und Apfelkuchen, dazu ein Bier vom Fass und Aperol Spritz - es läuft!

Im Anschluss, es ist schon dunkel, siedeln wir alle zu unserem Ponton, an dem wir festgemacht hatten, um. Wir wollen alle gemeinsam einen kleinen Absacker einnehmen. Doch so einfach wird es nicht, denn ich sehe schon von weitem eine große, schlanke Gestalt, mit langen glatten Haaren den ins Dunkel gehüllten Steg entlang  und auf uns zu schreiten. Schon auf diese Entfernung konnte ich die Aura einer selbstbewussten und durchsetzungsstarken Person wahrnehmen. Sie kam nicht, um uns einen schönen Abend zu wünschen, das konnte ich spüren! Als ich ihrem Antlitz im schwachen Schimmer der Stegbeleuchtung gewahr wurde, wusste ich, um wen es sich handelt! Es war die Chefin persönlich! Wir kennen sie noch von damals und ich erinnere mich an eine Person, die genau weiß, was sie will und das auch unverblümt in deutliche Worte mit wenig Interpretationsspielraum zu fassen vermag.

Die Herren der Schöpfung hatten sich bereits auf dem Ponton in der Erwartung eines kühlen Getränkes eingefunden. Ich wollte auch noch schnell ein paar Bierbüchsen von Bord holen. Als ich jedoch die Chefin mit ihrem fest entschlossenen Gang auf uns zu kommen sah, hielt ich inne und zupfe zu Überbrückungszwecken an unseren Fendern herum. Dann schielte ich gespannt zu den ahnungslosen Opfern hinüber, die gerade unwissend ob ihres nahenden Schicksals, und gut gelaunt, das erste Bier aufreißen wollen.

Mit kurzen knappen Worten werden die Drei dann unmissverständlich darauf hingewiesen, dass es nicht gestattet wäre, an diesem Ponton anzulegen. Als nächstes sahen sie sich mit dem Verdacht konfrontiert, nicht genügend Engagement zur Ausrichtung des Liegegeldes gezeigt zu haben. Zur unserer Entschuldigung weisen wir darauf hin, dass es hier bisher so üblich war, morgens beim Hafenmeister zu bezahlen. Leider erfahren wir dann, dass dieser vor zwei Wochen verstorben ist. Die kühle Attitude, die die hochgewachsene Dame mit schlanker Gestalt und langen, schwarzen Haaren in diesem  Moment umgibt, konnte ich von hier aus spüren. Ich hörte Irgendjemand sagen: "Sind Sie immer so drauf?" Als ich mich gerade dazu entschließen wollte, mich zu den Deliquenten zu gesellen, hörte ich schon: "Aaaaxel!, kommst Du mal?"

Wir wurden dann noch gemeinsam über die verschiedenen Möglichkeiten zur Entrichtung des Liegegeldes aufgeklärt und dann war der Spuck auch schon vorbei. Wir brauchten noch nicht einmal verholen.

Verständlicherweise kam der Auftritt nicht bei Allen so gut an, jedoch gilt es zu berücksichtigen, dass der Betrieb des Hafens, des Hafencafes und der zahlreichen Ferienhäuser eine riesigee Aufgabe ist und mit großer Verantwortung, auch den Mitarbeitern gegenüber, verbunden ist - zumal die Leitung als Nebentätigkeit neben einem anderen Hauptberuf ausgeübt wird.

Der Bezahlvorgang im Anschluss gestaltete sich dann noch in sofern schwierig, als dass der einzuscannende QR-Code unbeleuchtet am Toilettenhäuschen aushängt und fürs Scannen separat mit einem zweiten Handy beleuchtet werden muss. Ich schaffe es dann noch zu guter letzt mein PayPal-Konto durch mehrmalige Falscheingabe des Passwortes zu sperren.

Schließlich lassen wir den Abend bei einem kühlen Getränk ausklingen.

16.08.2020, Marina Hülsen - Ankern nördlich Marina Hülsen  - Fahrdorf

Es ist ein wunderschöner Morgen und auch ein schlichtweg schöner Platz zum Festmachen - dafür, dass es im (an einem) Hafen ist - aber  ist eben leider nicht gestattet, schade!

Nachdem wir unsere Freunde  mit ihrer X-382 herausgelassen und unser Schiff am Ponton festgemacht haben, machen wir einen Spaziergang über das Gelände mit den Ferienhäusern. Wir hatten damals für unsere Gäste einige der Häuser gebucht - es hat Allen Gästen sehr gefallen! Auch über Silvester hatten wir vor Jahren mit Freuden ein Haus gebucht - ist wirklich zu empfehlen.

Nach einem späten Frühstück verholen wir uns mit den noch verbliebenen Freunden ein Stück nördlich von der Marina Hülsen, um dort noch einmal in die Schlei zu springen. Bei den Temperaturen ein wahres Vergnügen! Am Nachmittag binden wir vom Päckchen los und segeln nach Fahrdorf. Es weht ein warmer Wind aus Ost - fühlt sich an, als ob wir in der Karibik sind - traumhaft!





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