Ein Stelldichein zweier GFK-Klassiker

20.08.2022, Marina Minde - Stranderøl Bugt - Ochseninseln - Nybøl Nor

Auf der Fahrt mit dem Auto von Elmshorn nach Marina Minde stehen wir heute ungefähr 20 Minuten vor der Dänischen Grenze. Wie wir letztens im Gespräch mit Hans Lindum Møller, Inhaber von Marina Minde, erfuhren, gibt es Bestrebungen an den Grenzkontrollen etwas zu ändern. Auch der neue Schleswig-Holsteinische Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, gebürtiger Däne, setzt sich für eine Neuregelung der Grenzkontrollen ein - wir sind gespannt, ob sich für nächstes Jahr tatsächlich etwas ändert.

Gegen Mittag kommen wir also in Marina Minde an. Bevor wir ablegen, frühstücken wir noch schnell. Dann heißt es aber auch schon "Leinen los". Wir motoren zunächst in die Stranderøl Bugt, wo wir für ein kurzes Badevergnügen vor Anker gehen wollen. Hier treffen wir, wie soll es anders sein, auch die "Sinfonie Sylt" wieder. Leider bekommen wir das Grundeisen nach einigen Versuchen nicht zum Halten. Außerdem steht hier der Wind zu sehr in die Bucht. Wir fahren ein Stück weiter zu den Ochseninseln. Auch hier liegen schon einige Freizeitboote vor Anker.

Da wir heute mit Freunden zusammen im Nybøl Nor ankern wollen, holen wir kurz vor halb vier den Anker hoch und motoren zur Klappbrücke bei Egernsund. Es ist unglaublicherweise das erste Mal, dass wir diese mit dem Schiff passieren. Die Brücke öffnet stündlich, jeweils um viertel nach. Hinter der Brücke liegt auf der linken Seite die Marina Toft, die seit Juli 2018 zur Marina Minde gehört. Unsere Freunde haben mittlerweile an der Ankerboje am westlichen Ufer des Nybøl Nors festgemacht. Um dorthin zu kommen, müssen wir uns genau an das betonnte Fahrwasser halten.

Die in vielen dänischen Buchten vorzufindenden Ankerbojen werden auf Initiative der Dänischen Seglervereinigung (Dansk Sejlunion - "DS") ausgebracht. Wir haben schon ein paar Mal an solch einer festgemacht, immer mit einem schlechten Gewissen, denn die Ankerbojen sind nur Mitgliedern des "DS" vorbehalten. Heute aber dürfen wir mit ruhigem Gewissen an der "Holnis" längsseits gehen, denn Kay hat dänische Wurzlen und ist Vorsitzender der "Dänsichen Jugendverbände Südschleswigs" und 1. Vorsitzender des "Flensborg Yacht Club". Also, ganz entspanntes Festmachen an einer "DS-Ankerboje"!

Jedes Mal, bevor wir an der wunderschönen "Holnis" von Kay und seiner Frau festmachen, ist es unvermeidlich, dass Nicole noch schnell mit einem feuchten Lappen über das Deck unserer Hanna huscht und die eine oder andere Leine zurecht zupft.

Kay und ich stehen auf dem Bug unserer Hanna und ergötzen uns am Anblick der beiden würdevollen Damen. Gemeint sind nicht nur unsere hinreißenden Ehe-Frauen, die im Cockpit sitzen, sondern auch die beiden "H-Liner" "Holnis" und "Hanna". Wir sind einfach Liebhaber von Klassikern, ob Holz, Stahl oder GFK, ob Motor- oder Segelboot.

Es wird ein wunderschöner und geselliger Abend an der Ankerboje des "DS" im Nybøl Nor. Ein Ort, den wir in kürzester Zeit schätzen und lieben gelernt haben. Auch Schweinswale finden den Weg in das Nor.

21.08.2022, Nybøl Nor - Marina Minde

Ein wirklich malerischer Morgen versüßt uns den Start in den heutigen Tag, an dem wir wieder nach Hause fahren müssen. Bei aufgehender Sonne und einem frisch aufgebrühten Kaffee genießen wir die erholsame Ruhe und den Blick auf das durch die aufgehende Sonne beleuchtete Nybøl Nor. Vor dem Frühstück gehen wir erste einmal baden. Es ist genau das, was den Reiz ausmacht, vor Anker bzw. an einer Ankerboje zu liegen. Diese Freiheit kann (fast) kein Hafen bieten. Erst gegen halb drei nachmittags legen wir von der "Holnis" ab und machen uns auf den Weg nach Marina Minde. Unser Plan, direkt nach dem Festmachen und Klarieren des Schiffes nach Hause zu fahren, können wir vergessen. Wir treffen Freund und Bekannte an unserem Steg "C", wovon einige zufälligerweise aus dem Raum Elmshorn kommen. Wir sind immer froh, Menschen, die wir nach der Corona-Krise länger nicht gesehen haben, wohlbehalten anzutreffen. Denn leider sind einige (das ist nicht untertrieben!) in dieser Zeit verstorben und nicht nur aufgrund des Corona-Virus.

 



Traute Zweisamkeit

12.08.2022, Marina Minde - Ankern vor Iller Strand

Kann das gut gehen? Ein Wochenende ganz ohne Kinder an Bord, nur Nicole und ich in trauter Zweisamkeit? Dazu noch sonniges und warmes Wetter? Ein Versuch ist es wert! Wir geben uns beste Mühe, den Ablauf mit unseren Kindern für das gesamte Wochenende durchzuplanen. Auch versuchen wir unsere Interesse daran zu vermitteln, dass der Zustand der Wohnung bei unserer Rückkehr am Sonntag Abend deckungsgleich mit dem Zustand bei unserer heutigen Abreise ist!

Die Fahrt nach Marina Minde ist mit einem kleineren Stau vor der Rader Hochbrücke und vor der Dänischen Grenze verbunden. Aber mit gut zwei Stunden Fahrzeit ist alles im Rahmen.

Am Hafen angekommen, nehme ich die neu gekaufte Kunststoff-Klappbox, sowie eine große Tasche und mache mich auf den Weg zum Schiff -zweimal Laufen kostet Zeit. Leider komme ich nicht weit, denn der Boden der Klappbox bricht heraus und der Inhalt der verdammten Box verteilt sich auf dem Steg. Die Box war definitiv nicht voll gepackt; das hätte nicht passieren dürfen! Ich hatte das auch irgendwie vorhergesehen, denn der Kunststoff dieser Box fühlte sich minderwertig an. Für meine Verhältnisse erstaunlich gelassen, mache ich mich mit Nicole an das Einsammeln der Sachen. Unbeirrt dieses Zwischenfalls beladen wir zügig das Schiff und legen nach weniger als 20 Minuten ab. Unser Ziel ist Iller Strand, gerade einmal 1,8 SM von hier entfernt. Den Anker fahren wir gezielt auf einem sandigen und nicht mit Seegras bewachsenen Bereich ein. Wir verbringen einen ungemein schönen Abend an Bord, wir gehen baden und genießen die Ruhe. Zur Feier des Tages gibt es Sushi. Außerdem wird uns ein traumhafter Sonnenuntergang beschert.

 

 

13.08.2022, Ankern vor Iller Strand - Ankern vor Marina Minde

Wir verbringen einen ungemein schönen Tag an Bord. Obwohl wir unsere Kinder über Alles lieben, fehlt uns heute Nichts - moralisch verwerflich? Ich hoffe nicht!

Am Vormittag machen wir einen schönen Ausflug an Land. Wir erkunden die nähere Umgebung von Brunsnæs und haben von der Anhöhe einen traumhaften Blick auf die Flensburger Förde. Es ist sehr warm und wir freuen uns, als wir zurück an Bord sind und ins Wasser springen können.

Den Tag über füllt sich das Ankerfeld mehr und mehr. So voll haben wir es hier noch nie gesehen - bestimmt 30 Schiffe liegen hier vor Anker. Unter anderem auch die "Sinfonie Sylt", der wir letztes Wochenende schon zwei Mal begegnet sind.

Zum frühen Abend verholen wir uns dann wieder nach Marina Minde, fahren allerdings nicht in den Hafen sondern legen uns nördlich davon vor Anker. Heute feiern wir in den Geburtstag einer Freundin hinein und wir liegen eben lieber vor Anker als fest verzurrt im Hafen, wo es für uns bei der Hitze nur schwer auszuhalten ist. Das gute beim Ankern ist eben auch, dass man bei geöffnetem Vorluk eine schönen Durchzug durchs Schiff hat. Als wir nur unter Fock auf den mit Badengästen gut gefüllt Strand zu segeln, sind deren Blicke spürbar auf uns gerichtet. Während ich den Aufschießer vor dem Steinwall des Hafens fahre, höre ich einen Badegast, der bis zur Hüfte im Waser steht, sagen: "Das ist ja wohl nicht sein Ernst, oder?". Ich kann den Badegast zwar verstehen, aber es ist noch genug Platz zum Baden.

Abends sind wir in bester Feierlaune und es wird wieder einmal richtig spät. Gegen 3 Uhr liegen Nicole und ich in der Koje.

14.08.2022, Marina Minde

Die Nacht war kurz. Wir treffen uns zum gemeinsamen Frühstück. Als wir wieder zurück an Bord sind, können wir beobachten, wie ein Skipper versucht, seine Rollfock einzurollen. Genau in dem Moment, wo ich genauer hinschaue, ist ein lautes metallernes Knallen zu hören, worauf sich die Rollfockanlage oben am Mast löst und dieser nach hinten kippt, aber glücklicherweise nicht umfällt. Das ist echt gefährlich! Es dauert nicht lange und Nachbarlieger sowie der Hafenmeister eilen zur Hilfe. Wie wir später feststellen, kennen wir die Eigener und wir erfahren die genauere Hintergründe des Vorfalls. Das ist auch der Grund, warum ich davon berichte. Denn es unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit, sich beim jährlichen Maststellen das stehend Gut einschließlich Bolzen, Splinte bzw. Sicherungsringe, Terminals etc. genau anzuschauen! In diesem Fall hatte sich der Draht des Vorstags aus dem Terminal gelöst. Diese Schwachstelle hätte der Werft beim Stellen des Mastes vielleicht auffallen können/müssen.

Als wir abends dann wieder zu Hause sind, stellen wir mit großer Freude fest:

Alle drei Kinder haben überlebt und unsere Wohnung ist nicht renovierungsbedürftig - wunderbar!

 



Krönender Abschluss

04.08.2022, Ærøskøbing (südl. Gammel Havn) - Ankerbucht nordöstlich von Ærøskøbing - Høruphav

Das Ende des beantragten Urlaubs ist zum Greifen nahe, wir müssen heute weiter Richtung Westen, denn wir lassen unsere Hanna im Anschluss an den Urlaub für vier Wochen in Marina Minde, bevor wir zu unserem Heimathafen in Elmshorn überführen. Die zeitnahe Wetterlage stellt sich so dar, dass heute bis Mittag noch östliche Winde vorherrschend sind, und später, auch die darauf folgenden Tage, mit stärkeren westlichen Winden zu rechnen ist. Die Vernunft siegt, wir holen mit einem mulmigen Gefühl und ordentlich Wehmut den Anker hoch und machen uns von dieser traumhaften Ankerbucht bei Ærøskøbing aus auf den Weg. Der Aufenthalt in der Dänischen Südsee war einfach zu kurz!

Nach einem Badestop vor Torsthoved (Høruphav, westliches Ufer von Kegnæs) verholen wir uns östlich des Hafens von Høruphav Havn. Hier liegt auch die Grand Soleil 70 mit dem Namen "Synfonie Sylt" des Sylter Immobilienmaklers Riel vor Anker. Das Schiff machte im Jahre 2005 traurige Schlagzeilen durch eine Patenthalse, bei dem ein Crew-Mitglied ums Leben kam.

04.08.2022, Ankern  Høruphav - Sønderburg

Wir waren selten so unentschlossen, wie der heutige Morgen, an dem wir mit geringer Fahrt und fast ziel- und planlos Richtung Westen motoren. Vernünftigerweise sollten wir spätestens morgen, Samstag, den 6. August zu Hause sein, denn Montag läuft das "Hamsterrad" wieder auf Hochtouren! Wir entscheiden uns für eine letzte Nacht im Sportboothafen von Sønderborg. Wir leihen uns nachmittags Fahrräder und machen eine wirklich schöne Fahrradtour nach und durch Sønderborg. Das ist eine absolut empfehlenswerte Aktion! Im Anschluss gönnen wir uns, quasi zum Abschluss des Urlaubes, eine Pizza, unten beim Stadthafen. Wir sitzen wunderbar draußen an den gedeckten Tischen im Außenbereich, nahe der Kaimauer und genießen den Anblick der zahlreichen Segelboote, die an der Pier festgemacht haben. Direkt neben uns liegt auch die "Simfonie Sylt". Das Schiff ist wirklich riesig! Wir können miterleben, wie der heute 76-jähre Eigner Reinhold Riel, die zuvor aufgetragene Politur auf dem Schiffsrumpf mit einem Lappen wegpoliert. Dazu hatte er zuvor mit seinem Querstrahlruder einen Abstand zwischen der Pier und seinem Schiff mitsamt den im Päckchen liegenden Booten zustande gebracht, um dort sein Schlauchboot zu Wasser zu lassen. Nach erfolgter Arbeit wurde das Schlauchboot dann wieder aufs Vorschiff geladen. Sodann wurden wir Zeugen, wie auch das Schlauchboot seine außerordentlich gründliche Zuwendung in Form eines Lappens und einer Reinigungs-/Pflegeflüssigkeit bekam. Uns hat es irgendwie beeindruckt, dass der Senior soviel Herzblut in die Pflege seiner "Objekte" investiert - sicherlich stünden ihm die erforderlichen Mittel zur Verfügung, um das durch Personal erledigen zu lassen.

05.08.2022, Hafentag in Sønderburg

Es kommt oft anders, als man es sich hätte erträumen lassen! Heute sollte genau so ein Tag werden. Unser Plan: Wir müssen irgendwie unser Auto aus Apenrade nach Marina Minde bekommen. Soll Nicole mit Piet alleine nach Marina Minde fahren, während ich das Auto hole? Oder fahren wir zusammen nach Marina Minde und holen von dort das Auto? Eigentlich würden wir uns auch gerne noch heute mit Freunden , die heute Richtung Sønderborg unterwegs sind, treffen. Kurzentschlossen greife ich mein Portemonnaie und versuche den Bus "900X" um 09:52 von Sønderburg Busstation nach Apenrade zu bekommen. Die 1,6 Kilometer werde ich wohl noch in 20 Minuten schaffen - es gelingt mir dann auch. Unterwegs werfe ich einen Blick auf die Webcam von Marina Minde und stelle fest, dass unsere Freunde noch nicht abgelegt haben. Per WhatsApp frage ich an, ob sie noch Brötchen bräuchten oder einen leistungsfähigen Vorschoter benötigten. Ich gebe zu, unsere Freunde lassen sich nicht so schnell aus der Reserve locken: Ohne langes Nachfragen bezüglich der Umstände, wie ich zu meinem befremdlichen Angebot komme, darf ich in Marina Minde an Bord der Bianca 27 steigen. Absolut genial!! Unser Auto steht in Marina Minde und ich segle nun als Vorschoter mit unseren Freunden zum "Sønderburg Lystbådehavn", wo Nicole und unser Jüngster auf uns warten! Das Beste dabei, unsere Freunde wollen dort bleiben und wir können gemeinsame Zeit (ein hohes Gut!) verbringen - also: Nix "nach Hause fahren"!

Nach einem Willkommenstrunk bei uns an Bord, baden wir am Strand und gehen anschließend Einkaufen fürs abendliche Grillen - es soll eine lange Nacht werden! Erst um 3 Uhr liegen wir im Bett. Unser Freund, ein langjähriger Musikerkollege von mir, eigentlich Schlagzeuger, holt zu abendlicher Stund seine "Quetschkommode" von Bord und wir stimmen auf dem großen Grillplatz fröhliche Seemannslieder an. Es sind die frohlockenden Klänge die den mittlerweile zur Ruhe gekommenen Hafen in betörender Art beschallen und sogar den einen oder anderen Zuhörer zu Applaus animieren! Wunderbar, wie in alten Zeiten!

Gegen Mitternacht verholen wir uns an Bord unserer Freunde. Ich werde indes den Gedanken an mein Klavier, dass wir im Salon hinter der Rücklehne fahren, nicht los. Bisher hatte ich es nicht ein einziges Mal ausgepackt. Und: Ja, es ist ein Klavier, elektrische Anschlagsdynamik und mit gewichteten Tasten, kein Keyboard. Es ist sicherlich nicht die vernünftigste Idee, das schwere Gerät um diese Uhrzeit und bei meinem "Allgemeinzustand" hier an Bord zu holen. Aber, wo ein Wille ist, ist auch Weg! Diesen Kraftakt wäre ich bei Null-Promille entweder gar nicht erst angegangen oder es wäre mit lautstarken Gemotze vonstatten gegangen. So aber bin ich mit dem sperrigen Koloss im Handumdrehen zurück auf der Bianca unserer Freunde. Ein passendes Klinke/Klinke-Kabel habe ich sogar auch dabei, so dass ich über die im Schiff verbaute Musikanlage spiele kann. Im folgenden entweichen dem Inneren des Salons "sanfte", jazzige Klänge zweier Tasteninstrumente, ein swingendes Duett bestehend aus Akkordeon und Klavier - unsere Nachbarschaft "freut's"!

Ganz ehrlich, mir tut es jetzt noch leid, dass wir die sanfte Bettruhe unserer Liegeplatznachbarn derart gestört haben. Immerhin, es hat sich keiner beschwert; auch nicht am nächsten Morgen. Ich lerne und muss mir an die eigene Nase fassen: Man muss auch einfach mal tolerant sein!

06.08.2022, Sønderburg - Marina Minde

Heute ist der schlimmste aller Urlaubstag; es ist der Tag der Heimreise. Wir brechen nach dem Frühstück direkt auf und motoren nach Marina Minde zu unseren gebuchten Liegeplatz. Wir packen und fahren nach Hause - mehr gibt es tatsächlich nicht zu berichten.

 

 




Kleiner Törn durch die Dänische Südsee

01.08.2022, Ankern vor Lyø - Drejø Havn

Von Lyø segeln wir bei achterlichen 5 Beaufort nach Drejø und versuchen dort, südlich des Hafens, nur mit Fock, vor Anker zu gehen. Der Anker hält dann aber nicht beim ersten Mal und außerdem können wir Feuerquallen im Wasser erkennen, so dass wir kurzentschlossen in den Hafen fahren. Man hatte unser Manöver vom Hafen aus beobachtet und uns dann auch darauf angesprochen, da unser Vorhaben offensichtlich nicht selbsterklärend war.

Drejø ist wirklich schön, aber die Liegegebühren sind aus unserer Sicht zu hoch. Für 250 DKK bietet der Hafen dann doch zu wenig.

Nachmittags spazieren wir den Weg zum Ortskern von Drejø hoch und gönnen uns dort einen Kaffee und für unseren Jüngsten natürlich ein Eis. Wir erleben eine wunderschöne Abendstimmung (siehe erstes Bild).

 

02.08.2022 - 03.08.2022, Drejø Havn - Ærøskøbing (südl. Gammel Havn) - Ankerbucht nordöstlich von Ærøskøbing

Von Drejø nach Ærøskøbing sind wir unter Motor eine knappe Stunde unterwegs. Wir machen zunächst im Gammel Havn bei der Tankstelle fest und Nicole springt von Bord, um bei Netto das Notwendigste für ein Frühstück zu besorgen. Im Anschluss legen wir uns südlich vom Gammel Havn vor Anker. Hier sind wieder einmal mehrere Versuche erforderlich, um den Anker zum Halten zu bekommen. Schuld daran ist das zum Teil dichte Seegras. Wir haben später erleben können, wie ein Segler fast 1,5 Stunden für sein Ankermanöver brauchte! So viel Durchhaltevermögen muss man erst einmal haben - Respekt!

Während wir frühstücken, können wir das Beladen eines deutschen Frachters mit Getreide beobachten. Das Szenario war uns eben schon im Gammel Havn aufgefallen. Wir hatten noch nie ein so großes Schiff im Gammel Havn liegen sehen, ebenso wenig  das damit verbundene Beladen mit Getreide. Das Wasser im Hafenbecken war gelb vom verwehten Getreide Wir glauben auf den ersten Blick, die neue "Kornkammer" Deutschlands entdeckt zu haben. Der Bereich bei den Toilettenhäusern ist extra für das Beladen temporär abgesperrt. Im Minutentakt werden LKW-Ladungen auf den gepflasterten Bereich entleert und mit einem Tieflader sowie einem Schaufelbagger in den Schiffsrumpf des Frachters verbracht. Das Ganze scheint unter Zeitdruck zu geschehen. Für heute Abend ist Regen angesagt und wir sind gespannt, ob sich unsere Vermutung bestätigt, dass dann die großen Platten des Frachters rechtzeitig vorher zugefahren werden.

Nach unserem Frühstück setzen wir mit unserem Schlauchboot zum Gammel Havn über und spazieren zum Fähranleger und zur alten Werft, dessen ehemalige Werfhalle für den morgigen Begin des "Ærø Jazzfestival" vorbereitet wird -  einschließlich Soundcheck. Das erinnert mich stark an meine aktive Zeit als Pianist in meiner alten Band, dem 'Jammin' Jazz Quartet"! Ich habe sogar ein Klavier an Bord, aber benutzt habe ich es in unserem Urlaub bisher leider noch nicht! Neben der Werfthalle wird auch dieses kleine "Outdoor Cafe", ein sehr gemütlicher Ort, präpariert.

Nachdem wir einen Bummel durch den Ort Ærøskøbing gemacht haben, kaufen wir bei dem Netto am Hafen für unser Abendessen ein. Dann müssen wir uns auch schon beeilen, zurück an Bord zu kommen, da der vorhergesagte Regen offensichtlich im Anmarsch ist. Wir sitzen schließlich mit unserem Sonnensegel als Regenschutz in Plicht und essen zu Abend. Kurz bevor der Regen einsetzt, wird das Beladen des Frachter beendet und die großen Platten über den Laderaum des Schiffes gefahren. Wenig später beginnt es zu regnen - was für ein Timing!

Am nächsten Morgen bringen wir unsere Frühstücksutensilien zu den Sitzgarnituren am Gammel Havn, vor dem netten Laden "LAG" bzw. der alten Werft. In der alten Werfthalle starten heute die ersten Konzerte des "Ærø Jazzfestival". Wir genießen die entspannte Atmosphäre und lauschen den jazzigen Klängen - traumhaft!

Zum Abend setzen wir erneut zum Gammel Havn über und holen uns ein Bierchen, dass wir direkt an der Hafeneinfahrt des alten Hafens verköstigen. Der Getreidefrachter von gestern hatte gestern noch abgelegt. Jetzt ist ein weiterer im Anmarsch und manövriert, zentimetergenau durch die enge Hafeneinfahrt.

Die Kinder können den Schiffrumpf sogar berühren. Das ist wirklich eine Leistung! Der Hafen hatte sich mittlerweile anlässlich des "Ærø Jazzfestival" mit Sportbooten gut gefüllt. Nicht zu Unrecht entstand eine gewisse Unruhe bei den Schiffeignern, denn zum einen passt zwischen die Bootsrümpfe der Sportboote und des Frachters nicht viel mehr als ein großer Fender und zum anderen ist das Manövrieren mit ordentlich Schraubenwasser verbunden. Der Frachter ist nachvollziehbarerweise wirklich sehr langsam unterwegs - zu langsam für eine Chartercrew, die voreilig erdreistet, mit ihrer 46-Fuß Yacht einen Liegeplatz, ganz in der Nähe des manövrierenden Frachters anzusteuern. Es kommt, wie es kommen musste: Die Yacht vertreibt stark und wird gegen das Heck des Frachter gedrückt, so dass das Rigg der Yacht ordentlich durchgerüttelt wird. Diese Ungeduld der Chartercrew wird dann auch mit einer entsprechend heftigen Reaktion des deutschen Kapitäns bestraft, der wutentbrannt auf den offenen Teil der Brücke stürmt und lautstark seinen Unmut über dieses Fehlverhaltens äußert. Das ganzen Spektakel findet auch noch vor einer Masse von Schaulustigen, die den gesamten Hafen umsäumen (und zu denen wir uns wohl auch zählen müssen) statt - extrem peinlich!

Nachdem wir einen Burger in dem Imbiss am Hafen zu uns genommen haben, wechseln wir den Schauplatz und gehen hinüber zum Sportboothafen. Dort gibt es einen schönen Spielplatz, wo sich unser Jüngster austobt. Just in diesem Moment schickt ein alte Freund von mir seinen Standort: Er ankert in der Schönen Bucht westlich von Ærøskøbing. Da wir in unserem Urlaub schon das eine und andere Mal nahe aneinander vorbeigefahren sind, ohne uns zu treffen, verholen wir uns kurzentschlossen in die schöne Ankerbucht. Wir verbringen dann einen lauschigen und äußerst geselligen Abend an Bord der 40-Fuß großen "Hallig". Ein riesen Dampfer mit nur 80 cm Tiefgang, aber natürlich mit Hubkiel.

 



Es geht zurück gen Süden

27.07.2022, Vejle Lystbådehavn - Brejning Lystbådehavn

Wir marschieren abermals zum ca. 1,5 km von unseren Liegeplatz entfernt gelegenen Føtex und kaufen so wichtige Dinge wir "Ginger Beer" ein. Dann geht es auch schon weiter zu einem neuen Hafen: "Brejning Lystbådehavn". Wirklich ein schöner, kleiner Hafen. Leider ist es kalt und windig, so dass wir die schönen Grillplätze auf dem Außensteg nicht nutzen können. Wir suchen uns einen Platz im Windschatten des Vereinshauses.

28.07.2022 - 29.07.2022, Brejning Lystbådehavn  - Bogense

Bogense präsentiert sich deutlich belebter, als wir es in Erinnerung hatten. Wir fahren zunächst in den alten Hafen und schauen, ob wir dort längsseits festmachen können. Auffallend viele große Motoryachten liegen hier. Schließlich finden wir zwei freie Plätze am ersten Steg, im südwestlichen Teil des Hafens. Hier hat man den großen Vorteil, direkten Zugang zum Strand zu haben.

Wir verbringen die beiden Tage in Bogense zusammen mit unseren Freunden mit, Grillen, Chillen, Bummeln usw. Der Ort Bogense hat natürlich eine kleine Einkaufsstrasse mit netten kleinen Geschäften.

Am frühen Abend fahre ich mit Nicole im Schlauchboot zum alten Hafen hinüber. Wir schauen uns bei der Gelegenheit auch gleich den nahe gelegenen Campinglatz "Kyst Camping" an. Dort gibt es tatsächlich noch freie Plätze. Der Platz ist wirklich schön!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

30.07.2022, Bogense - Ankern vor Torø

Heute trennen sich vorübergehend unsere Wege: Unsere Freunde wollen in den alten Hafen von Fredericia fahren. Er soll sehr schön sein. Wir werden diesen auch einmal zu einem späteren Zeitpunkt anlaufen. Heute entschließen wir uns sicherheitshalber wieder Richtung Süden zu fahren, da ich gestern mein Antibiotikum abgesetzt habe. Falls sich die Entzündung wieder verstärkt, würden wir den Urlaub abbrechen.

Bevor wir den schönen Hafen von Bogense verlassen, machen wir einen Zwischenhalt an der Tankstelle. Im alten Hafen liegt die "Bounty Mobile", eine Herreshoff-Ketsch, die dem ehemaligen Gründer und Chef von Hanseyachts  Michael Schmidt gehört. Dieses Schiff ist in einem unfassbar guten Pflegezustand - wirklich ein wunderschönes Schiff!

Schließlich geht es dann los per Pinnenpiloten zu der schönen Ankerstelle am nordöstlichen Ufer der Insel Torø. Wir sind nicht die Einzigen, die ihr Grundeisen hier in den überwiegend sandigen Grund einfahren. Das Wasser ist klar und wir können bei der Wassertiefe von 1,30 Metern jedes Sandkorn sehen. Wir sind, "was uns sonst nie passiert" (Ironie Ende), im Prinzip viel zu nahe am Ufer. Wir behalten es uns vor, uns später noch einmal zu verholen - alleine, beim Vorbehalt bleibt es!

Wir werden am Abend mit sonnigen Abschnitten verwöhnt, so dass wir sogar nochmal baden gehen und in der Plicht sitzen können.

31.07.2022, Ankern vor Torø - Ankern vor Lyø

Eine ausgesprochen ruhige Nacht liegt hinter uns. Spannend gestaltet sich dann das Bergen des Ankers. Das klare und flache Wasser ermöglicht eine außergewöhnliche Sicht auf die Ankerkette samt Anker. So kann ich genau beobachten, wie sich der Anker beim Aufholen verhält.

Wieder geht es unter Motor nach Lyø. Auch hier liegen schon so einige Yachten vor Anker. Wir setzen später mit dem Schlauchboot zum Hafen über, der erwartungsgemäß gut belegt ist. Wir gehen schließlich hoch zum "Ortskern" und holen uns einen Kaffee, unser Jüngster natürlich ein Eis. Der Blick gen Himmel verrät uns, dass der angekündigte Regen nicht mehr all zu lange auf sich warten lassen wird. Wir gehen zurück zum Hafen und drehen dort eine Runde über die Stege; keine bekannten Schiffe zu sehen.

Zurück an Bord genießen wir die schöne Aussicht. Der Regen setzt dann auch bald ein. Unter dem aufgespannten Sonnensegel ist es saugemütlich.