Saisonstart 2020

16.05.2020, SVE – W.YK.

Es ist Wochenende und wir haben die Absicht, dass Thema „Corona“ mit seinen Aspekten wie "Reproduktionszahl", "Fallzahl", "Inzidenz", "Home Schooling" usw. wenigstens bis morgen hinter uns zu lassen. Denn die Pandemie hält auch uns mit unseren beiden Ältesten mitten im Abi bzw. MSA sowie dem Kleinsten in der 1. Klasse ordentlich auf Trab.

Es ist das erste Mal in dieser Saison, dass wir ablegen. Wir haben Mitte Mai – das ist ziemlich spät für unsere Verhältnisse. Aber wir sind ehrlich gesagt froh, dass es überhaupt möglich ist.

Gegen Mittag ist Hochwasser in Elmshorn. Wir hoffen 1,5 Stunden vorher loszukommen. Wir sitzen an Bord und beobachten etwas besorgt das zäh auflaufende Wasser. Gemäß Vorhersage soll das Hochwasser ca. 0,3 Meter unter mittlerem Hochwasser sein. Ein gute Stunde vor Hochwasser in Elmshorn starten wir den Motor und fangen an, uns „frei zu wühlen“. Wir kommen aber erstaunlich schnell vom Platz und fahren auf die Krückau. Am Ufer sind deutlich die Schlickablagerungen zu erkennen; ein Zeichen dafür, dass wirklich nicht viel Wasser in der Au ist. Unser Echolot zeigt 0,2 m unterhalb des Kiels und teilweise weniger an. Wichtig ist, immer die Außenkurven zu fahren, da es dort am tiefsten ist. Je weiter wir die Krückau hinunter fahren, desto entspannter wird es, da die Tiefe zur Mündung stetig zunimmt. Das wird morgen auf der Rücktour anders sein.

Nach einiger Zeit öffne ich mit Spannung die Klappe zum Motor, um einen Blick auf unsere neue Wellendichtung zu werfen. Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass diese absolut trocken ist – bis jetzt! Ich hoffe inständig, dass es auch dabei bleibt!

Bis auf eine Ausnahme, scheint die Technik voll funktionsfähig am Start zu sein. Leider zickt unser Windanzeiger herum. Ich hatte vor einigen Tagen bereits die Steckerverbindung am Mastfuß gelöst und den Stecker des Mastkabels aufgemacht. Darunter kam ordentlich Korrosion zu Tage. Nicole hat noch am selben Tag einen neuen Stecker von AWN geholt und ich habe ihn angeschlossen - leider ohne Erfolg! Ich hatte versucht mir einzureden, dass das nicht so schlimm ist und wir erst einmal so losfahren können.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den wirklich schön gelegenen Hafen des W.Y.K an der Krückaumündung. Uns offenbart sich ein seltener Anblick: Am Gaststeg liegt die „Peter von Seestermühe“. Ein wunderschönes Schiff, mit dem mein Vater Ende der 1950er Jahre viele Reisen unternommen hat. Damals hieß das Schiff noch „Peter von Danzig“ und war in Besitz des ASV in Kiel. Ein Stück des damals gebrochenen Mastes hat mein Vater vor sehr vielen Jahren zu einer großen Hängelampe umgebaut, die immer noch über dem Esszimmertisch in meinem Elternhaus hängt.

Wir machen gegenüber vom „Peter“ fest und haben von hier einen tollen Blick auf den ehemals als Rennschiff konstruierten Klassiker. Ich nutze schließlich den Nachmittag, um das Rigg einzustellen.

Der Slipbetrieb ist, unter Einhaltung der Abstandsregeln, voll in Gange. Es ist wirklich sehr schön, hier zu sein. Wir treffen viele Bekannte, die entweder ihr Schiff noch in der Halle stehen haben oder auch schon mit gesetztem Mast auf ihrem Platz liegen. So auch Stefan Eller mit seinem Stahl-Delphin „Magellan“. Er hat zuletzt den Innenausbau seines Schiffes im Grunde komplett neu gemacht. Wir dürfen uns von dem wirklich tollen Ergebnis seiner handwerklichen Arbeiten überzeugen (unter Wahrung des Mindestabstands) - Alles aus Mahagoni und hochglänzend lackiert.

Abends kehrt Ruhe im Hafen ein. Wir sitzen abends noch lange in unserer Plicht – es ist zwar kalt und windig, aber mit einer warmen Jacke können wir es ganz gut aushalten.

 

17.05.2020, W.Y.K. - SVE

Auch heute ist wieder das Hochwasser mit 0,3 Meter unter mittlerem Hochwasser vorhergesagt. Wir hoffen, dass wir 1,5 bis 2 Stunden vor Hochwasser hier aus dem Hafen kommen. Dazu müssen die Tore, die das Wasser bei Ebbe im Hafen halten, entsprechend rechtzeitig geöffnet werden. Wir sind aber offenbar nicht die Einzigen, die los wollen. Allerdings die Einzigen, die nach der Ausfahrt zur Krückau rechts herum Richtung Elmshorn fahren – alle anderen legen Richtung Elbe ab.

Wir haben den Eindruck, dass genug Wasser aufläuft. Wir legen gegen 11:40 Uhr ab und motoren die Krückau hinauf. Die Landschaft ist wunderschön; die saftigen Wiesen werden durch die Mittagssonne hell erleuchtet, ebenso die Blumen. Kühe und Schafe stehen teilweise direkt am Ufer – wunderschön!

Trotzdem habe ich genug Zeit, um über den defekten Windanzeiger nachzudenken. Es wurmt mich einfach und ich entschließe mich, nach dem Anlegen den Stecker aufzumachen und durchzumessen.

Auf der Krückau ist ordentlich Betrieb: Viele Ruderer und auch Kajakfahrer. Wir bremsen jedes Mal stark ab, um möglichst kleine Wellen zu erzeugen. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir dann unseren Heimathafen. Wir nutzen die Gelegenheit des warmen Motors/Motoröls und machen einen Ölwechsel. Außerdem tauschen wir den Impeller. Anschließend mache ich mich sofort an die Windanzeige.

Das war ein schöner und kurzer Start in die Saison. Wir hoffen, dass wir bald wieder ablegen können.


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