Was ist jetzt kaputt??

29.05.2020, Fahrdorf - Arnis (WSG)

Als wir mit dem Auto in Fahrdorf ankommen, stehen unsere Freunde schon in den Startlöchern. Wir beladen das Schiff und klarieren nur das Notwendigste; alles andere können wir unterwegs erledigen. Hauptsache, wir vergessen nicht, vor dem Ablegen das Schiff vom Steg loszubinden.

Wind zum Segeln haben wir nicht, daher motoren wir. Die Sonne scheint uns in den Rücken und es ist angenehm warm. Leider verpassen wir die Öffnung der Lindaunisbrücke um wenige Minuten, so dass wir uns vor Anker legen. Wir nutzen die Zeit und brühen einen frischen Kaffee auf - wunderbar!

Nach dem Passieren der Brücke ist schöner Wind aufgekommen - leider aus der falschen Richtung, nämlich von vorne. Wir denken nicht daran, die Segel auszupacken; wir fahren weiter unter Motor.

Wir machen schließlich in Arnis im WSG fest. Wir treffen uns auf dem Steg und trinken in gebührendem Abstand einen "Anleger" - die Kinder spielen zusammen.

30.05.2020, Arnis (WSG) - Gelting Mole

Morgens scheint wieder die Sonne. Heute wollen wir Gelting Mole ansteuern. Ich starte den Motor. Dann frage ich mich, was hier eigentlich los, bzw. eigentlich kaputt ist? Es ist der zweite Tag unseres Törns und es gab bis jetzt keine technischen Probleme? Kommt das um so dickere Ende etwa noch?

Vor der Klappbrücke in Kappeln ist die Hölle los. Es sind wirklich viele und sehr hübsche Schiffe unterwegs - darunter viele GFK-Klassiker und Holzboote. Die von der Morgensonne angeschienen alten Häuser am Hafen bilden eine tolle Kulisse.

Als wir Schleimünde erreichen und auf die Ostsee fahren hissen wir voller Erwartung die Segel. Leider schläft der ohnehin nicht gerade üppige Wind, gänzlich ein - schade, wir schmeißen wieder den Motor an, wir wollen ja auch irgendwann ankommen. Vor Kalkgrund lassen wir uns dann ohne Motor treiben. Unser Jüngster versucht sich im Angeln - leider ohne Erfolg. Während dessen werden wir Zeuge einer Havarie. Der Skipper einer ebenso großen wie neuen Segelyacht schätzt offensichtlich das Flach zwischen dem Leuchtturm Kalkgrund und der Geltinger Birk falsch ein. Er fährt sich richtig fest. Zwei deutlich größere Segelschiffe als unsere Hanna müssen richtig Gas geben, um die Yacht freizuschleppen. Die dunklen bis schwarzen Rauchwolken, die an den Hecks der Schiffe aufsteigen, sprechen für sich!

Nach dem erfolglosen Angelversuch queren wir das Flach zwischen Kalkgrund und Geltinger Birk, unweit von der Stelle, wo sich vorhin die Yacht festgefahren hatte. Unter unserem Kiel befinden sich 1,1 m tiefes, klares Wasser mit feinstem Sandboden. Das ist definitiv eine Einladung für einen kurzen Badestop - auch wenn die Ostsee nur gemessene 15,1°C hat!

Mit einem Mal kommt eine richtig große Motoryacht mit schneller Fahrt in einiger Entfernung an uns vorbeigefahren. Wo  die wohl so schnell hin will? Wir peilen entlang des Kurses der Yacht und finden eine große Segelyacht, offensichtlich ohne Fahrt. Grund genug, um das Fernglas rauszuholen. Und ehrlich gesagt können wir es kaum fassen , was wir sehen: Die Yacht ohne Fahrt scheint sich festgefahren zu haben und es ist tatsächlich die selbe Segelyacht, die sich vorhin schon einmal festgefahren hatte - dieses Mal auf der anderen Seite des Flachs - unglaublich!!

Der Hafen von Gelting Mole ist gut besucht - kein Wunder, denn die dänischen Häfen können derzeit nicht angelaufen werden. Am Abend grillen wir und die Kinder vergnügen sich auf dem Spielplatz.

31.05.2020, Gelting Mole - Henningsen & Steckmest

Für heute ist wieder etwas mehr Wind angesagt, was uns ermutigt, etwas früher aufzustehen. Der Wind kommt aus Nord Ost, so dass wir uns entschließen, bis Kalkgrund zu motoren. Aufgrund der Welle fahren wir nicht über das Flach. Beim Umrunden des Leuchtturms von Kalkgrund setzen wir die Segel. Wir überlegen tatsächlich, ein kleines Reff einzuziehen. Aber die Entscheidung wird uns quasi abgenommen, denn wir haben noch keine Reffleinen installiert. Sehr praktisch! Diese Nachlässigkeit beschert uns dann aber schnelles Segeln - teils deutlich über 7 Knoten (Spitze 7,4 Knoten). Das macht Spaß!

Leider nimmt der Wind dann schnell ab. Erst als wir in der Schlei sind, nimmt er wieder etwas zu. Wir segeln fast bis vor die Einfahrt von Henningsen & Steckmest, wo wir neben Bekannten festmachen. Sie hatten dankenswerter Weise Plätze freigehalten.

Nachmittags geht es dann zu Fuß nach Kappeln. Es ist echt voll hier! Unsere Freunde sind ausgesprochene Eisdielen-Kenner, was dazu führt, dass wir oben in der Altstadt bei "Pinocchio" - ein echter Geheimtipp finden wir -  ein sehr leckeres Eis bekommen. Ich ernte, vollkommen zu Recht, ordentlich Spott von den anderen, da ich mich mit lediglich einer Kugel Eis in Bescheidenheit übe - bei Eis und Kuchen kenne ich normalerweise keine Freunde mehr!

Abends lassen wir es uns wieder gut gehen - wir bestellen einfach krasse Pizza! Wir sitzen draußen auf dem Steg und der Wind ist wirklich kalt. Mit warmen Jacken und Mützen halten wir aber lange durch.

01.06.2020, Henningsen & Steckmest - Fahrdorf

Heute müssen wir wieder die Heimreise antreten, da wir  rechtzeitig zu Hause sein müssen, um unserer Mittlere vom Bahnhof abzuholen. Der Wind frischt schon am Morgen auf und wir können mit ausgerollter Fock die Schlei entlang segeln - wunderschön! Wir frühstücken unterwegs.

Als wir eine Nachricht von unserer Mittlere bekommen, dass sie erst heute Abend um 21:37 am Bahnhof ankommt, machen wir einen Badestopp im Missunder Noor. Im Gegensatz zur Ostsee, hat die Schlei immerhin schon 17,2 °C.

Als wir uns dann später Missunde nähern, treffen wir Bekannte mit ihrer neuen LM, die am Steg des Missunder Fährhauses festgemacht hat. Das Manöver mit der Kursänderung von 180 Grad gestaltet sich in Anbetracht des sagenhaften Aufkommens von Freizeitbooten auf der Schlei, etwas unübersichtlich. Aber Nicole lässt sich nicht (jedenfalls nicht nach außen sichtbar) aus der Ruhe bringen. Dies würde erst dann passieren, wenn ich mit klugen Ratschlägen mitten im Manöver daherkäme!

Nach dem kurzen Zwischenstopp am Missunder Fährhaus geht es dann zügig nach Fahrdorf. Das Schiff ist schnell vertäut. Und: Es bleibt dabei: Keine großartigen Vorkommnisse, keine technischen Gemeinheiten bei uns! Zufrieden machen wir uns mit dem Auto auf den Heimweg und hoffen bald wieder kommen zu können.






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