Klar Schiff untenrum!

18.07.2022, Ankern vor Høruphav Havn - Galwik

Auf dem Weg nach Flensburg werden wir unsere Gedanken an unser "saumäßiges" Unterwasserschiff einfach nicht los. Beim Baden konnten wir uns durch das klare Ostseewasser hindurch, einen Überblick über die Situation unteres Unterwasserschiffes verschaffen: Es ist schlimmer als befürchtet! Wirklich, Alles voll mit Pocken, besonders im unteren Bereich! Wir wollen keine Mühen scheuen, um das zu ändern. Das Schiff muss aus dem Wasser und am Besten heute noch! Ich versuche mein Glück bei einem Yachtservice an der Flensburger Förde - keine Chance, die sind völlig überlastet. Ok, vielleicht lassen wir das dann doch lieber bleiben.

Da wir uns ohnehin mit unserem Freund Kay von Eitzen und seiner Frau treffen wollen, tut sich in einem anschließenden Telefonat eine völlig neue Option auf: Kay ist zwar der Vorsitzende vom "Flensburger Yacht Club", hat aber enge Kontakte zu seinem "Zweitverein", zum "Wassersportverein Galwik e. V.". Dort bekommen wir dann tatsächlich die Möglichkeit, mit einem Portalkran aus dem Wasser zu kommen und unser Unterwasserschiff von den lästigen Seepocken zu befreien. Kay und seine Frau machen sich mit ihrem Schiff von Graasten auf den Weg. Wir machen bereits gegen Mittag in dem kleinen urigen Hafen fest. Am Nachmittag geht es dann auch schon los. Hannes, Mitglied seit ewigen Zeiten, kommt extra zum Hafen, um den Portalkran zu bedienen - unglaublich nett von Ihm. Am Nachmittag geht es dann los: Ich sichere den Mast mit einer Leine am Großfall und lockere das Achterstag. Das muss nämlich,  genauso wie die Dirk, weg. Im Nu hängen wir in den Gurten und unsere Hanna wird aus dem Wasser gehievt. Wir fangen direkt an, mit unseren extra dafür mitgebrachten Eiskratzern, die unliebsamen, sessilen (festsitzenden) Rankenfußkrebse von unserem Schiff zu kratzen. Durch das Herabrieseln der gelösten Krebstiere, artet das dann natürlich in eine riesen Sauerei aus.

Nachdem unser Schiff wieder im Wasser ist, fegen wir die abgekratzten Seepocken zusammen. Die ganze Aktion hat sich sehr gelohnt - Ganz herzlichen Dank an Kay und an Hannes für diese tolle Unterstützung! Bei "einem" Bierchen bei uns an Bord, wird das Ganze dann noch einmal nachbereitet.

19.07.2022, Galwik - Ankern im Alsfjord

Wie Kay weiß, sind wir bekennende Frühaufsteher. Daher schleichen wir uns am frühen Morgen aus dem Hafen und nehmen Kurs auf Sonderburg. Wir legen zwischendurch einen Zwischenstopp in Marina Minde ein, wo wir nochmal Diesel tanken. Als wir dann schließlich in den Stadthafen von Sonderburg einlaufen, werden wir mit einem traumhaften Blick auf die "Dannebrog", die vor dem Schloss vertäut liegt, belohnt. Diese Schiff ist einfach eine Augenweide!

Wir haben Glück und die Brücke wird gerade geöffnet, so dass wir ohne längere Wartezeit in den Alssund fahren können. Nördlich von Arkilsöre legen wir uns dann vor Anker. Bei südöstlichen Winden ein traumhafter Ankerplatz. Komischerweise liegt hier kein einziges Schiff. Viele liegen im Alssund vor Anker. Im Laufe des Tages gesellen sich dann noch zwei weitere Segelschiffe zu uns.

Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang, der sich besonders gut von der kleinen Steilküste aus beobachten lässt. Wir liegen hier wie in Abrahams Schoß.

 

 

20.07.2022, Ankern im Alsfjord -  Ankern in der Bucht von Sandvig

Es war eine sehr ruhige Nacht. Nach unserem frühen Morgenkaffe holen wir gegen viertel nach neun den Anker hoch, rollen die Fock aus und ziehen das Groß hoch. Bei achterlichen Wind laufen wir teilweise über 6 Knoten. Unser Ziel ist ein Ankerplatz irgendwo im Kleinen Belt. Als wir die Insel Als hinter uns gelassen haben, bekomme ich offensichtlich einen Art Rückfall. Mich überkommt starkes Unwohlsein. Wir drehen ab und laufen erst einmal Richtung Apenrade, wo wir uns am nördlichen Ufer an eine Mooringboje legen. Im Laufe des Tages geht es mir wieder etwas besser, so dass wir uns am späten Nachmittag entschließen, weiter Richtung Norden zu fahren. Schließlich laufen wir die wunderschöne Bucht von Sandvig an. Im nördlichen Teil der Bucht läuft eine unangenehme Welle aus Richtung des Kleinen Belts hinein, entgegen des Windes. Wir fahren daher zum östlichen Teil der Bucht, wo ein kleiner Dänischer Traditionssegler vor Anker liegt. Dieser Teil der Bucht ist zum Ankern eine wahre Herausforderung!  Auf der Navi-App sah das ganze schon merkwürdig aus, ich dachte zunächst an einen Darstellungsfehler. Die Gegebenheiten sind dann aber tatsächlich genauso, wie sie dort dargestellt sind: Bis wenige Meter ans Ufer heran ist es über 6 Meter tief, unfassbar! Das Blöde ist, dass wir aufgrund des Windes hier auflandig liegen müssen, sprich, der Anker muss wirklich sitzen! Wir geben uns also beim Einfahren des Eisens wirklich Mühe. Mir geht es mittlerweile wieder besser, so dass wir noch am Abend zusammen baden gehen. Der Ankerplatz ist wirklich traumhaft! Ein kleiner Strand und dahinter eine wunderschöne Landschaft! Bei östlichen Winden liegen wir hier sicherlich noch etwas besser, aber so geht es auch, obwohl wir auflandig liegen, und wirklich nur wenige Meter vom Ufer entfernt sind. Wir haben trotzdem gut geschlafen! Man gewöhnt sich an Alles!

21.07.2022, Ankern in der Bucht von Sandvig - Apenrade

Am nächsten Morgen fühle ich mich erneut miserabel! Meine Stimmung ist echt im Keller, die von Nicole verständlicherweise auch. Wir fällen eine harte Entscheidung und fahren zurück nach Apenrade. Echt deprimierend! Sollte unser Segelmacher des Vertrauens etwa Recht gehabt haben, als er mir deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass ich mich bei dieser Wundrose anders verhalten sollte, als ich es die letzten Tage getan hatte? Eigentlich heißt es: Fuß hoch und Kühlen!

Wie auch immer, wir machen gegen 12 Uhr im Hafen von Apenrade fest. Ich bin fest entschlossen, mir nochmal ärztlichen Rat einzuholen, da mein Fuß immer noch rot und geschwollen ist und ich mich zeitweise richtig krank fühle. Was ich dann heute erlebe, ist eine eigene Geschichte wert, die ich im Folgenden kursiv gekennzeichnet habe. Wem das zu langatmig ist (und das ist es!), der möge diesen Teil überspringen.


Hier mein "Kurzbericht" über die Suche nach einer ärztlichen Meinung/Versorgung:

Meine erste geplante Anlaufstelle ist das DIAKO Krankenhaus in Flensburg. Von Appenrade aus ist das nur mit dem Bus zu erreichen, natürlich mit einmal Umsteigen in Krusau - versteht sich. Ich mache mich direkt nach dem Anlegen auf den ca. 1,5 km langen Weg zur Busstation (1. Fehler: Viel zu weit mit meinem Fuß!). Die Abfahrtszeit, die mir Google für 12:20 ausgab, stellte sich als falsch heraus. Ich warte fast eine Stunde und nehme dann den Bus Nr. 220. dann 2. Fehler: Als ich bezahlen will, stelle ich fest, dass ich bis auf wenige Euro, kein Bargeld dabei habe. Meine paar Münzen (7 EUR) reichen bis Krusau, immerhin! Wie ich dort dann weitermache, weiß ich noch nicht - ich hoffe auf einen Geldautomaten! Während der Busfahrt bekomme ich von Nicole telefonisch einen super Tipp: Die "Sydtrafik App" ist das Mittel der Wahl. Hochmotiviert beginne ich den Download der App. Obwohl der Bus über Dörfer fährt, bekomme ich die App irgendwann runter geladen. Dann beginne ich mit der Registrierung, während der Bus meinem Zwischenstopp, zum Umsteigen in den Bus nach Flensburg, schnell näher kommt. Zum Umsteigen habe ich nämlich nur wenige Minuten Zeit, ansonsten heißt es 1 Stunden warten! Bei der Anmeldprozedur muss ich als nächstes mein Geburtsdatum eingeben. Das ist zu meinem Entsetzen nur durch das monatsweise Zurückscrollen im angezeigten Kalender möglich, d. h. vom 21.07.2022 bis zum 25.04.21970. Das sind über den Daumen gerechnet 52 Jahre x 12 Monate = 625 Monate! Ich kann es nicht fassen, mache mich aber in Ermangelung an Alternativen ans Wischen! So schnell ich auch den Finger von links nach rechts huschen lasse, verliere ich den Kampf gegen die Zeit. Ich muss aussteigen! Panisch schaue ich zum bereits bereitstehenden Bus nach Flensburg. Meine hastiger Blick auf die andere Straßenseite lässt mich völlig unerwartet einem Geldautoamten gewahr werden. Ich hetze über die Straße und kippe den Inhalt meiner Tasche vor dem Automaten auf den Bürgersteig. Ich greife mein Portemonnaie aus dem Chaos und stecke die verdammte Karte in den Schlitz. Jetzt nur noch die richtige PIN in den Automatten reinhacken und auf das Geld warten. In der Zeit stopfe ich die Sachen auf dem Bürgersteig wieder zurück in meine Tasche. Ich ziehe den 100-Kronenschein aus dem Automaten renne über die Straße. Der Busfahrer steht vor dem Bus und genießt die letzten Züge seiner Zigarette. Ich spreche ihn auf Dänisch an und frage, ob ich mit den 100 DKK nach Flensburg komme - das ist der Fall - ich freue mich! Ich nutze die Busfahrt, um den fehlgeschlagenen Registrierungsvorgang abzuschließen, was abermals misslingt, weil es zu einem Abbruch bei der Eingabe der Visa-Karte kommt. Ich lasse den Schei... bleiben und mache mich nun auf den Weg zum DIAKO-Krankenhaus (3. Fehler: Viel zu viel Steigung und viel zu weit für meinen Fuß!). Nachdem ich das Krankenhaus fast einmal umrundet habe, finde ich endlich die Notaufnahme. Hier wird mir dann mitgeteilt, dass ich um 19 Uhr zur Öffnung des Kassenärztlichen Notdienstes wiederkommen solle. Gut denke ich, die Zeit nutze ich und hole unser Auto aus Fahrdorf. Nützt Nichts, ich muss irgend wie zum Bahnhof in Flensburg kommen und habe dafür nicht mehr als eine knappe halbe Stunde Zeit. Ich verlasse das Krankenhausgelände und finde einen E-Scooter auf dem Bürgersteig. Der Anbieter ist "Tier". Eine weitere App mit Registrierungsvorgang ist erforderlich. Zu Fuß ist es zum Bahnhof jedenfalls viel zu weit! Zu meinem Erstaunen bin ich nach dem Herunterladen der App in wenigen Minuten bereit und kann mit dem E-Scooter loslegen. Was mir bisher nicht so bewusst war ist die Tatsache, das Flensburgs Straßen im Innenstadtbereich zum großen Teil aus Kopfsteinpflaster bestehen und dazu großes Gefälle aufweist. Eigentlich völlig ungeeignet zum Scooter fahren. Der Scooter vibriert beim Überfahren des holprigen Untergrundes dermaßen, dass ich die Umgebung nur noch unscharf wahrnehme - kleiner Tipp am Rande: Hier ist es hilfreich, sich auf die Fußballen zu stellen, das federt die Vibrationen deutlich ab.

Laut Tier-App bin ich dann insgesamt eine viertel Stunde unterwegs. Es war eine absolut chaotische Fahrt, da ich wiederholt umdrehen und eine andere Straße nutzen musste. Ich stelle den E-Scooter in einer Parkzone ab und beende die Fahrt auf der App. Auf dem Weg zum Bahnhof starte ich dann die DB-App, um mir ein Ticket für eine Fahrt nach Schleswig zu kaufen. Immerhin, ich sitze rechtzeitig im Zug und dieser fährt ohne nennenswerte Verspätung los. In Schleswig will ich mir dann für die gut fünf Kilometer ein Taxi gönnen. Das war jedoch zu viel erwartet - es steht kein Taxi vor dem Bahnhof bereit und auch auf meine telefonische Nachfrage hin, wird mir mitgeteilt, dass es dauern würde, bis ein Taxi käme. Es bleibt nur noch der Bus. Nach ca. 20 Minuten Wartezeit kommt die Nr. 1. Das gute dabei: Ich kann den Bus mit meinem 9-EURO-Ticket nutzen, grandios! Als Fahrdorf dann in Sichtweite kommt, mache ich den 4. Fehler: Da ich nicht wusste, wo in Fahrdorf die für mich günstigste Haltestelle ist, drücke ich viel zu spät auf "Stopp". Der Busfahrer ruft: "Was soll das denn, soll ich hier etwa mitten auf der Straße eine Vollbremsung machen?" Ich gehe nach vorne und frage den Busfahrer höflich, was ich nun tun könne. Ich solle abwarten, wir kämen später wieder an dieser Haltestelle vorbei. Nach einer weiteren viertel Stunde steige ich dann an besagter Haltestelle aus und hole unser Auto.

Mein nächstes Ziel ist die "imland Klinik Eckernförde". Dort bekomme ich überraschend die gleiche Antwort, wie in Flensburg. Auch hier gibt es einen Kassenärztlichen Notdienst ab 19 Uhr. Ich entschließe mich, mit dem Auto zurück nach Flensburg  zu fahren. Ich bin eine halbe Stunde zu früh da, was sich aber bezahlt machen sollte. Ich ziehe eine Nummer, diese lautet "001" - super, endlich läuft mal was! Nachdem ich zur Anmeldung aufgefordert wurde, werde ich sogar pünktlich um 19 Uhr aufgerufen. Der diensthabende Arzt will Fakten schaffen und stellt mir in Aussicht, dass der Ausgangsherd der Entzündung aufgemacht werden könnte, der Chirurg solle sich das anschauen. Ich melde mich auf Geheiß am Empfangstresen. Die gute Dame schaut sich meinen Zettel an und zieht mit demselben kopfschüttelnd von dannen. Nach einer Weile kehrt sie zurück und erklärt mir, dass ich mit Sicherheit vier Stunden warten müsse, ehe sich Jemand um mich kümmern könne. Ich pflichte ihr bei und entscheide mich dafür, morgen einen niedergelassenen Arzt in Flensburg aufzusuchen. Ich mache mich mit dem Auto auf den Weg zurück nach Apenrade. Der heutige Tag war mit Sicherheit alles andere als förderlich für meinen Fuß. Außerdem hatte ich auch schon schönere Urlaubstage.

ENDE des "Kurzberichtes"!


Als ich zurück an Bord bin, werden wir von unseren Liegeplatznachbarn gebeten, an Bord zu kommen. Es ist eine Deckssalon-Yacht - gefällt mir!

22.07.2022, Apenrade (Hafentag)

Am frühen Morgen mache ich mich abermals auf den Weg nach Flensburg, um einen niedergelassenen Arzt zu finden, der sich meines Fußes annimmt. Ich rufe gar nicht erst an, sondern fahre direkt hin. Beim zweiten Anlauf klappt es dann. Nach wenigen Stunden Wartezeit komme ich dran. Ich bekomme Antibiotikum und Ibu verschrieben.

 






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