Was ist jetzt kaputt??

29.05.2020, Fahrdorf - Arnis (WSG)

Als wir mit dem Auto in Fahrdorf ankommen, stehen unsere Freunde schon in den Startlöchern. Wir beladen das Schiff und klarieren nur das Notwendigste; alles andere können wir unterwegs erledigen. Hauptsache, wir vergessen nicht, vor dem Ablegen das Schiff vom Steg loszubinden.

Wind zum Segeln haben wir nicht, daher motoren wir. Die Sonne scheint uns in den Rücken und es ist angenehm warm. Leider verpassen wir die Öffnung der Lindaunisbrücke um wenige Minuten, so dass wir uns vor Anker legen. Wir nutzen die Zeit und brühen einen frischen Kaffee auf - wunderbar!

Nach dem Passieren der Brücke ist schöner Wind aufgekommen - leider aus der falschen Richtung, nämlich von vorne. Wir denken nicht daran, die Segel auszupacken; wir fahren weiter unter Motor.

Wir machen schließlich in Arnis im WSG fest. Wir treffen uns auf dem Steg und trinken in gebührendem Abstand einen "Anleger" - die Kinder spielen zusammen.

30.05.2020, Arnis (WSG) - Gelting Mole

Morgens scheint wieder die Sonne. Heute wollen wir Gelting Mole ansteuern. Ich starte den Motor. Dann frage ich mich, was hier eigentlich los, bzw. eigentlich kaputt ist? Es ist der zweite Tag unseres Törns und es gab bis jetzt keine technischen Probleme? Kommt das um so dickere Ende etwa noch?

Vor der Klappbrücke in Kappeln ist die Hölle los. Es sind wirklich viele und sehr hübsche Schiffe unterwegs - darunter viele GFK-Klassiker und Holzboote. Die von der Morgensonne angeschienen alten Häuser am Hafen bilden eine tolle Kulisse.

Als wir Schleimünde erreichen und auf die Ostsee fahren hissen wir voller Erwartung die Segel. Leider schläft der ohnehin nicht gerade üppige Wind, gänzlich ein - schade, wir schmeißen wieder den Motor an, wir wollen ja auch irgendwann ankommen. Vor Kalkgrund lassen wir uns dann ohne Motor treiben. Unser Jüngster versucht sich im Angeln - leider ohne Erfolg. Während dessen werden wir Zeuge einer Havarie. Der Skipper einer ebenso großen wie neuen Segelyacht schätzt offensichtlich das Flach zwischen dem Leuchtturm Kalkgrund und der Geltinger Birk falsch ein. Er fährt sich richtig fest. Zwei deutlich größere Segelschiffe als unsere Hanna müssen richtig Gas geben, um die Yacht freizuschleppen. Die dunklen bis schwarzen Rauchwolken, die an den Hecks der Schiffe aufsteigen, sprechen für sich!

Nach dem erfolglosen Angelversuch queren wir das Flach zwischen Kalkgrund und Geltinger Birk, unweit von der Stelle, wo sich vorhin die Yacht festgefahren hatte. Unter unserem Kiel befinden sich 1,1 m tiefes, klares Wasser mit feinstem Sandboden. Das ist definitiv eine Einladung für einen kurzen Badestop - auch wenn die Ostsee nur gemessene 15,1°C hat!

Mit einem Mal kommt eine richtig große Motoryacht mit schneller Fahrt in einiger Entfernung an uns vorbeigefahren. Wo  die wohl so schnell hin will? Wir peilen entlang des Kurses der Yacht und finden eine große Segelyacht, offensichtlich ohne Fahrt. Grund genug, um das Fernglas rauszuholen. Und ehrlich gesagt können wir es kaum fassen , was wir sehen: Die Yacht ohne Fahrt scheint sich festgefahren zu haben und es ist tatsächlich die selbe Segelyacht, die sich vorhin schon einmal festgefahren hatte - dieses Mal auf der anderen Seite des Flachs - unglaublich!!

Der Hafen von Gelting Mole ist gut besucht - kein Wunder, denn die dänischen Häfen können derzeit nicht angelaufen werden. Am Abend grillen wir und die Kinder vergnügen sich auf dem Spielplatz.

31.05.2020, Gelting Mole - Henningsen & Steckmest

Für heute ist wieder etwas mehr Wind angesagt, was uns ermutigt, etwas früher aufzustehen. Der Wind kommt aus Nord Ost, so dass wir uns entschließen, bis Kalkgrund zu motoren. Aufgrund der Welle fahren wir nicht über das Flach. Beim Umrunden des Leuchtturms von Kalkgrund setzen wir die Segel. Wir überlegen tatsächlich, ein kleines Reff einzuziehen. Aber die Entscheidung wird uns quasi abgenommen, denn wir haben noch keine Reffleinen installiert. Sehr praktisch! Diese Nachlässigkeit beschert uns dann aber schnelles Segeln - teils deutlich über 7 Knoten (Spitze 7,4 Knoten). Das macht Spaß!

Leider nimmt der Wind dann schnell ab. Erst als wir in der Schlei sind, nimmt er wieder etwas zu. Wir segeln fast bis vor die Einfahrt von Henningsen & Steckmest, wo wir neben Bekannten festmachen. Sie hatten dankenswerter Weise Plätze freigehalten.

Nachmittags geht es dann zu Fuß nach Kappeln. Es ist echt voll hier! Unsere Freunde sind ausgesprochene Eisdielen-Kenner, was dazu führt, dass wir oben in der Altstadt bei "Pinocchio" - ein echter Geheimtipp finden wir -  ein sehr leckeres Eis bekommen. Ich ernte, vollkommen zu Recht, ordentlich Spott von den anderen, da ich mich mit lediglich einer Kugel Eis in Bescheidenheit übe - bei Eis und Kuchen kenne ich normalerweise keine Freunde mehr!

Abends lassen wir es uns wieder gut gehen - wir bestellen einfach krasse Pizza! Wir sitzen draußen auf dem Steg und der Wind ist wirklich kalt. Mit warmen Jacken und Mützen halten wir aber lange durch.

01.06.2020, Henningsen & Steckmest - Fahrdorf

Heute müssen wir wieder die Heimreise antreten, da wir  rechtzeitig zu Hause sein müssen, um unserer Mittlere vom Bahnhof abzuholen. Der Wind frischt schon am Morgen auf und wir können mit ausgerollter Fock die Schlei entlang segeln - wunderschön! Wir frühstücken unterwegs.

Als wir eine Nachricht von unserer Mittlere bekommen, dass sie erst heute Abend um 21:37 am Bahnhof ankommt, machen wir einen Badestopp im Missunder Noor. Im Gegensatz zur Ostsee, hat die Schlei immerhin schon 17,2 °C.

Als wir uns dann später Missunde nähern, treffen wir Bekannte mit ihrer neuen LM, die am Steg des Missunder Fährhauses festgemacht hat. Das Manöver mit der Kursänderung von 180 Grad gestaltet sich in Anbetracht des sagenhaften Aufkommens von Freizeitbooten auf der Schlei, etwas unübersichtlich. Aber Nicole lässt sich nicht (jedenfalls nicht nach außen sichtbar) aus der Ruhe bringen. Dies würde erst dann passieren, wenn ich mit klugen Ratschlägen mitten im Manöver daherkäme!

Nach dem kurzen Zwischenstopp am Missunder Fährhaus geht es dann zügig nach Fahrdorf. Das Schiff ist schnell vertäut. Und: Es bleibt dabei: Keine großartigen Vorkommnisse, keine technischen Gemeinheiten bei uns! Zufrieden machen wir uns mit dem Auto auf den Heimweg und hoffen bald wieder kommen zu können.






Erst einmal los!

20.05.2020, SVE - Stör

Es ist Himmelfahrt, wir haben den Freitag als Brückentag frei genommen und unsere beiden Mädchen sind versorgt. Der Weg ist frei, für eine schöne Zeit auf dem Schiff. Wo es hingehen soll, ist noch offen. Heute wollen wir aber auf jeden Fall in die Stör zum Ankern. Was wir danach machen, behalten wir uns noch vor. Natürlich haben wir über mögliche Ziele gesprochen. Da wäre die Elbe mit Wedel oder auch Otterndorf, wo wir im Winter mit dem Bulli waren. Natürlich ziehen wir auch eine Art Überführung in die Schlei in Betracht - naja, mal sehen.

Hoch motiviert, wie es unsere Art ist, fahren wir heute zum Schiff, um mit dem Nachmittagshochwasser auf die Elbe zu fahren. Wir sind perfekt vorbereitet (glauben wir!!). Der Proviant ist bereits an Bord, der Wassertank ist voll, die Batterien sind geladen.

Das auflaufende Wasser erreicht den Schiffsrumpf und bedeckt bereits große Teile des Schlicks im Hafenbecken. Wir binden schon einmal alle Leinen los, denn sowie wir aufschwimmen, wollen wir uns rauswühlen.

Ich werfe schließlich den Diesel an, indem ich den Schlüssel rechts herum drehe und das gewohnte laute Piepen ertönt. Der Motor springt sofort an - große Freude! Doch leider hört das verdammte Piepen nicht auf! Was ist das denn?? Die Öllampe leuchtet; was für ein Quatsch, ich hatte doch letztes Wochenende einen Ölwechsel gemacht und definitiv 2 Liter frisches Öl in den Motor gekippt! Ich eile irritiert unter Deck und reiße die Klappe hoch. Was ich da zu sehen bekomme, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren! Das besagte Öl befindet sich nicht IM sondern UNTERHALB des Motors in der Bilge! Ich hechte den Niedergang hinauf reiße die Motorklappe in der Plicht auf und würge den Motor aus. Ich befürchte, dass mein spontaner Wutausbruch im gesamten Hafen wahrzunehmen ist. Was ist das für eine riesen große Schei...e!! Ich bin auf 180, was mich offensichtlich dazu befähigt, sofort die Lage einzuschätzen: Beim Festschrauben des Ölfilters hatte sich, von mir unbemerkt, ein elendes Kabel, das sich in diesem Bereich befindet, zwischen Ölfilter und Motorblock geklemmt. Durch den sich dadurch ergebenen Spalt, ist das Öl langsam aber stetig ausgelaufen. Mein Fehler! Wie konnte so ein Blödsinn passieren? Natürlich war es wieder einmal so, dass ich den Ölwechsel unter Zeitdruck, nach dem Motto "mal eben" gemacht hatte. Denn nach unserer ersten Ausfahrt letztes Wochenende, mußten wir uns zeitig zu Hause einfinden, da wir Verpflichtungen gegenüber unserem Nachwuchs hatten.

Im Grunde war damit unser jetzige Start ins Himmelfahrtswochenende erledigt, denn heute läuft das Hochwasser -0,2 Meter unter MHW auf und eigentlich müssten wir jetzt los! Ich kann und will aber nicht aufgeben, denn wir haben einiges angestellt, um heute los zu können. Ich nehme den Autoschlüssel und rase nach Hause. Ich reiße eine elektrische Ölpumpe (von Aldi oder Lidl) sowie den vom Ölwechsel übrig gebliebenen 5l-Kanister aus dem Schuppen und fahre sofort zurück zum Hafen. Ich stecke die Pumpe zusammen und bitte Nicole, die Pumpe über dem Niedergang festzuhalten, da die elektrischen Anschlusskabel und die Ansaugleitung zu kurz sind.

"Tja", kann ich nur sagen, die ganze Unseeligkeit läßt sich tatsächlich noch steigern! Als ich den Startknopf der Ölpumpe betätige, fängt sie erwartungsgemäß an, das Öl unterhalb des Motor anzusaugen. Im durchsichtigen Ansaugschlauch kann man das dunkle Öl langsam zur Pumpe aufsteigen sehen. Meine Freude darüber, dass wir nun Herr der Lage werden und gleich ablegen können, wird in wenigen Augenblicken durch ein wahres Inferno im Keim erstickt. Als nämlich das Öl aus dem druckseitigen Schlauch austritt, ploppt dieser vom Anschlussnippel der Pumpe und das Öl spritzt fontänenartig heraus. In meiner Panik dauert es einen Moment, bis ich den Schalter der Pumpe finde, um das Inferno zu stoppen. Wie konnte es dazu kommen? Da das Öl in der Bilge kalt ist (beim Ölwechsel ist es ja normalerweise warm), ist es entsprechend zähflüssig. Erreicht das Öl die Druckseite der Pumpe und füllt den druckseitigen Schlauch, steigt der Druck auf der Druckseite der Pumpe stetig an, so dass der Schlauch irgendwann vom Anschluss der Pumpe rutscht. Als ich den Schlauch mit einer Schlauchschelle festmache, geht die Pumpe wegen Überlast aus - das Öl ist einfach zu kalt!

Auch wenn es sich in diesem Zusammenhang merkwürdig anhört, aber wir hatten noch Glück, dass das Öl im Motorraum gelandet ist. Oder besser gesagt, es ist Nicole zu verdanken, dass sie geistesgegenwärtig den Ölstrahl in den Motorraum gehalten hat. Dennoch, der Anblick, der sich uns bietet, ist "erschütternd". Jetzt befindet sich nicht nur Öl unterhalb des Motors, sondern auch noch verteilt im gesamten Motorraum. Meine Wut in mir lässt mich einen kurzen Moment in einer Art Schockstarre verharren! Allerspätestens jetzt, müssten wir zur Kenntnis nehmen, das ein Ablegen aussichtslos ist. Aber ich will es einfach nicht hinnehmen! Zu diesem Zeitpunkt kommt Nicole eine Idee: Sie greift sich die Autoschlüssel und holt bei Netto ein Paket Windeln. Indes fülle ich das Öl aus dem Kanister in den Motor - natürlich habe ich vorher den Ölfilter fest gegen den Motorblock geschraubt und zwar OHNE das elende Kabel dazwischen! Dann mache ich mich an das Säubern des Motorraums.

Nicole ist nach einer viertel Stunde wieder da und ich nehme das Öl in der Bilge mit Windeln auf. Es ist eine Wettrennen mit der Zeit. In 40 Minuten fängt das Wasser an, wieder abzulaufen!

Ich glaube Jeder, kann sich vorstellen, was für eine riesige Sauerei das Ganze ist. Nicole und ich arbeiten Hand in Hand. Nicole reicht mir eine Windel nach der anderen, die vollgesogenen Windeln kommen in Müllbeutel. Das Gröbste haben wir dann zügig aufgenommen. Wir schauen auf die Uhr: Wenn wir noch los wollen, dann genau jetzt!  In weniger als einer halben Stunde läuft das Wasser ab. Nicole startet den Motor, während ich den brandlastigen Müll zusammenräume. Wir schaffen es in wenigen Augenblicken auf die Krückau hinauszufahren.

Die Fahrt auf der Au nutzen wir, um das ganze Geschehen zu verarbeiten. Das gelingt uns dann auch angesichts der wunderschönen Natur recht gut. Wir haben uns die Stör zum Ziel gesetzt. Auf Höhe der Rhinplate begegnen wir Stefan Eller mit seiner "Magellan". Er steuert Glückstadt an.

Am frühen Abend legen wir uns ein ganzes Stück hinter dem Störsperrwerk vor Anker. Es ist mild, die Sonne scheint - es ist ein Traum! Im Hintergrund sehen wir die Masten der "Peking", die bald in den Hamburger Hafen verholt werden soll. Jetzt gönnen wir uns erst einmal ein Bierchen/Weinchen! Wir überlegen, wo es morgen hin gehen soll. Wir sind sehr unentschlossen. Wir würden einerseits gerne in unserem Heimatrevier bleiben, da es hier wirklich sehr schön ist. Andererseits hätten wir über Himmelfahrt genügend Zeit, um in die Schlei zu kommen, von wo wir dann in den Sommerurlaub starten würden. Außer Pfingsten gibt es für uns keine verlängerten Wochenenden mehr, da unser Jüngster mittlerweile schulpflichtig ist. Wir kommen zu keiner Entscheidung und gehen zu Bett.

Wir liegen hier wie in Abrahams Schoss. Die Nacht vor Anker ist absolut ruhig. Auch das Kentern der Tide ist nicht zu merken.

21.05.2020, Stör - Ankerbucht vor Möltenort

Ich wache um punkt 6 Uhr auf. Ich frage Nicole, ob wir los wollen. Sollten wir Richtung Brunsbüttel wollen, müssten wir bald ablegen, da nur noch 2,5 Stunden ablaufendes Wasser ist. Wir machen uns einen Kaffee und wägen erneut ab. Wir entschließen uns erst einmal nach Brunsbüttel zu fahren und sich dann offen zu halten, vielleicht in den Gieselaukanal zu fahren.

Bei Erreichen der Schleusen, können wir direkt hineinfahren, und das, obwohl eine der beiden kleinen Kammern aufgrund einer Havarie geschlossen ist. Wir nutzen die Fahrt auf dem NOK, um uns über die Eider zu informieren. Von einem Vereinskamerad erfahren wir, dass man auf dem Gieselaukanal bzw. auf der Eider nicht ankern darf. Außerdem soll das Wetter deutlich schlechter werden. Daher fahren wir durch bis Holtenau, wo wir direkt nach einem kurzen Zwischenhalt am Ticketautomat in die Schleusenkammer fahren können. Wir machen erst einmal an dem einzig verbliebenen Steg in Holtenau neben der Schleuse fest, bis wir eine großes Feld mit Ankerliegern, genau gegenüber, auf der anderen Seite der Förde entdecken. Dort wollen wir hin. Während ich ablege, macht Nicole leckeren Fisch zum Abendessen. Gegen 19 Uhr fällt der Anker, südlich des Hafen von Möltenort.

Nach dem Essen klariere ich noch das Schlauchboot und wir setzen zum Hafen über. Dort gibt es noch einen "Sundowner" vor sagenhafter Kulisse mit untergehender Sonne und wunderschönen, davorliegenden Schiffen - passt!

22.05.2020, Ankerbucht vor Möltenort  - Maasholm

Am nächsten Morgen heißt es erneut früh aufstehen. Denn jetzt müssen wir in den nächsten Tagen nach Fahrdorf in der Schlei kommen. Heute Nachmittag ist viel Wind und Regen angesagt - das wollen wir "umschiffen".

Als wir die Kieler Förde hinter uns lassen, kommt Wind auf. Wir hissen die Segel und können endlich den Motor ausmachen. Es folgt ein traumhafter Schlag zur Mündung der Schlei. Mit seitlichem Wind der Stärke 4 segeln wir 6,5 Knoten, teilweise 7 Knoten - wir haben noch keinen Bewuchs!

Vor Schleimünde ist echt die Hölle los! Wir haben nicht den Eindruck, dass viele Eigner Ihr Schiff dieses Jahr an Land stehen lassen! Wir machen in Maasholm fest. Nachmittags kommt dann der angekündigte Regen und damit das nächste Unheil! Es regnet im Bereich der Decksdurchführungen der Kabel durch. Außerdem an einem Fenster an Backbord. Ich merke in mir Wut aufsteigen! Wir hatten unser Schiff ohne Leckagen in die Halle gestellt und jetzt gleich zwei undichte Stellen?? Ich erwische mich bei dem Gedanken, was es kosten würde, ein Schiffswrack zu entsorgen!

Meine Laune bessert sich ehrlich gesagt nicht wesentlich, auch nicht, als Freunde neben uns festmachen. Das Fenster werde ich eindichten können, dafür habe ich auch Alles dabei. Aber ich finde einfach nicht die undichte Stelle am Mastfuß! Immer wieder gehe ich raus und versuche irgend eine verdächtige Stelle ausfindig zu machen. Das mir das nicht gelingt, macht mich fast wahnsinnig - auch weil ich auf Grund des starken Regens nicht sofort mit den Arbeiten starten kann.

23.05.2020, Maasholm - Henningsen und Steckmest

Am nächsten Morgen regnet es mal nicht. Ich mache mich, um schnell ein Erfolgserlebnis zu haben, erst einmal an den Ausbau des undichten Fensters. Ich entferne die Rückstände der alten Dichtung und dann lassen wir es trocknen. Unser Kleinster hat endlich Spielkameraden und eine Menge Spaß - das hebt die Stimmung!

Unser Freund hat, wiedereinmal, Alles dabei. So auch die richtige Dichtmasse für das Fenster. Ich habe das gleiche Zeug, allerdings nicht aus der Tube sondern als Dichtband, dass man mit der Hand formen kann - vielleicht bekannt als "Kotflügeldichtband". Damit dichte ich das Fenster ein und montiere den Alurahmen. Dann widme ich mich der undichten Stelle am Mastfuß. Hier gibt es zugegebenermaßen viele Kanten und Ecken. Ich ziehe die Kante des kleinen Holzsockels zum Teakdeck als undichte Stelle in Betracht. Diese kleine Naht sieht porös und nass aus. Ich arbeite, in Ermangelung eines Dremels mit passendem Kugelfräser, mit einem Akkubohrer, bestückt mit einem 6mm-Bohrer, eine entsprechende Nut in die Kante. Dass kostet mich wirklich Überwindung, hier so rabiate Zerspanung vorzunehmen! Aber erstaunlicherweise gelingt mir das ganz gut. Als ich die Stelle aufarbeite, kommt tatsächlich etwas nasses Holz zu Tage. Ich bin mir sicher, dass es die ominöse undichte Stelle ist.

Ich lasse die Stelle trocknen, während wir uns mit unseren Freunden zum Hafen von Henningsen & Steckmest verholen. Wir besorgen uns eine kleine Tube Sikaflex, womit ich dann eine möglichst schöne Naht gestalte (Ergebnis siehe Bild). Bei der Gelegenheit baue ich auch noch das nächste Fenster aus und dichte es neu ein. Dann haben wir nur noch eins von den vier kleinen Fenstern, die wir noch nicht neu gemacht haben. Das vordere kleine Fenster hatte ich vor ca. 3 Jahren mal im Winterlager neu gemacht. Da hatte ich auch eine neue Plexiglasscheibe eingesetzt.

Es wird ein sehr schöner Nachmittag mit unseren Freunden, mit denen wir uns unter Wahrung der Abstandsregeln auf dem Steg treffen. Die Kinder spielen ausgelassen - das ist ein wahre Freude!

Abends bestellen wir uns dann ganz dekadent Pizza. Der Hafen gefällt uns wirklich sehr gut. Man hat einen wunderschönen Blick auf die nahe vorbeifahrenden Schiffe.

24.05.2020, Henningsen und Steckmest - Fahrdorf

Am nächsten Morgen stehen wir gut gelaunt auf. Das ändert sich bei mir allerdings, als ich mir die Zähne putze. Mir fällt ein Tropfen auf den Rücken - und zwar aus der als repariert gewähnten Stelle! Was für eine Ironie des Schicksals! Ich bin echt sauer!

Heute müssen wir nach Fahrdorf, um dann mit der Bahn nach Hause zu kommen. Wir können diese Leckage so nicht lassen, da wir das Schiff bis Pfingsten seinem Schicksal überlassen müssen. Es hilft Nichts, ich muss die Stelle finden!

Bei einer Regensimulation mit dem Wasserschlauch, kristallisiert sich der Sockel für den Stecker der Windanzeige als Möglichkeit heraus. Nicole hatte diesen bereits vorher in Verdacht. Zunächst müssen wir aber zusehen, dass wir ablegen, denn wir müssen die Brücke in Kappeln und die Lindaunisbrücke passieren. Üblicherweise hat man dann vor der Lindaunisbrücke eine Stunde Wartezeit, da die Brückenöffnungszeiten für Freizeitskipper sehr ungünstig getaktet sind.

Noch bevor wir ablegen, nimmt der Wind gehörig zu, begleitet von Regenschauern - das geht mit gehörig auf den Senkel, da ich unbedingt auf der Fahrt den Steckersockel abmontieren und neu eindichten möchte.

Der Wind wird im weiteren Verlauf so stark, dass ich leichteres Werkzeug, wie Schraubenzieher nicht einfach oben an Deck liegen lassen kann. Ich binde dann das Schlauchboot an die Wanten, so dass ich wenigstens ein bisschen Windschutz habe. Gegen die fast horizontal einfallenden Schauer hilft das auch erstaunlich gut.

Unter wirklich widrigen Bedingungen mache ich mich an die Arbeit. Der Wind hat auf in Böen 7 Beaufort aufgefrischt. Nicole steuert die Hanna gegen den Wind und das kappelige Wasser der Schlei. Es ist arschkalt an der Pinne und ziemlich nass. Ich muss Alles festhalten oder irgendwo einklemmen. Wenn ein Schauer kommt, muß ich versuchen die Nässe von der Reparaturstelle fernzuhalten. Ich beiße die Zähne zusammen, denn mein Wunsch ist es, dass das Sikaflex anzieht, bevor wir in Fahrdorf ankommen. Dort möchte ich dann den ultimativen Dichtigkeitstest mit dem Wasserschlauch wiederholen.

Am späten Nachmittag kommen wir in Fahrdorf an. Nicole steuert bei heftigen, einfallenden Böen von achtern sicher in die Box. Unsere Freunde nehmen die Leinen an - wir sind fest. Bevor irgendetwas anderes unternommen wird, hole ich den Wasserschlauch und halte voll auf die Decksdurchführungen, insbesondere auf den von mir neu eingedichteten Sockel. Zu meiner großen Erleichterung kommt kein Tropfen ins Schiffsinnere!

Wir packen Alles zusammen und werden dann netterweise zum Bahnhof gebracht - Danke Matthias!

Das war wiedereinmal ein sehr ereignisreicher Törn! So manch einer wird sich fragen, was dass mit Erholung zu tun hat. Eine Antwort darauf habe ich nicht. Ich weiß nur, dass es keine Alternative zu dieser Art von Erholung gibt!

Wir freuen uns schon auf die nächsten Herausforderungen!







Saisonstart 2020

16.05.2020, SVE – W.YK.

Es ist Wochenende und wir haben die Absicht, dass Thema „Corona“ mit seinen Aspekten wie "Reproduktionszahl", "Fallzahl", "Inzidenz", "Home Schooling" usw. wenigstens bis morgen hinter uns zu lassen. Denn die Pandemie hält auch uns mit unseren beiden Ältesten mitten im Abi bzw. MSA sowie dem Kleinsten in der 1. Klasse ordentlich auf Trab.

Es ist das erste Mal in dieser Saison, dass wir ablegen. Wir haben Mitte Mai – das ist ziemlich spät für unsere Verhältnisse. Aber wir sind ehrlich gesagt froh, dass es überhaupt möglich ist.

Gegen Mittag ist Hochwasser in Elmshorn. Wir hoffen 1,5 Stunden vorher loszukommen. Wir sitzen an Bord und beobachten etwas besorgt das zäh auflaufende Wasser. Gemäß Vorhersage soll das Hochwasser ca. 0,3 Meter unter mittlerem Hochwasser sein. Ein gute Stunde vor Hochwasser in Elmshorn starten wir den Motor und fangen an, uns „frei zu wühlen“. Wir kommen aber erstaunlich schnell vom Platz und fahren auf die Krückau. Am Ufer sind deutlich die Schlickablagerungen zu erkennen; ein Zeichen dafür, dass wirklich nicht viel Wasser in der Au ist. Unser Echolot zeigt 0,2 m unterhalb des Kiels und teilweise weniger an. Wichtig ist, immer die Außenkurven zu fahren, da es dort am tiefsten ist. Je weiter wir die Krückau hinunter fahren, desto entspannter wird es, da die Tiefe zur Mündung stetig zunimmt. Das wird morgen auf der Rücktour anders sein.

Nach einiger Zeit öffne ich mit Spannung die Klappe zum Motor, um einen Blick auf unsere neue Wellendichtung zu werfen. Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass diese absolut trocken ist – bis jetzt! Ich hoffe inständig, dass es auch dabei bleibt!

Bis auf eine Ausnahme, scheint die Technik voll funktionsfähig am Start zu sein. Leider zickt unser Windanzeiger herum. Ich hatte vor einigen Tagen bereits die Steckerverbindung am Mastfuß gelöst und den Stecker des Mastkabels aufgemacht. Darunter kam ordentlich Korrosion zu Tage. Nicole hat noch am selben Tag einen neuen Stecker von AWN geholt und ich habe ihn angeschlossen - leider ohne Erfolg! Ich hatte versucht mir einzureden, dass das nicht so schlimm ist und wir erst einmal so losfahren können.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den wirklich schön gelegenen Hafen des W.Y.K an der Krückaumündung. Uns offenbart sich ein seltener Anblick: Am Gaststeg liegt die „Peter von Seestermühe“. Ein wunderschönes Schiff, mit dem mein Vater Ende der 1950er Jahre viele Reisen unternommen hat. Damals hieß das Schiff noch „Peter von Danzig“ und war in Besitz des ASV in Kiel. Ein Stück des damals gebrochenen Mastes hat mein Vater vor sehr vielen Jahren zu einer großen Hängelampe umgebaut, die immer noch über dem Esszimmertisch in meinem Elternhaus hängt.

Wir machen gegenüber vom „Peter“ fest und haben von hier einen tollen Blick auf den ehemals als Rennschiff konstruierten Klassiker. Ich nutze schließlich den Nachmittag, um das Rigg einzustellen.

Der Slipbetrieb ist, unter Einhaltung der Abstandsregeln, voll in Gange. Es ist wirklich sehr schön, hier zu sein. Wir treffen viele Bekannte, die entweder ihr Schiff noch in der Halle stehen haben oder auch schon mit gesetztem Mast auf ihrem Platz liegen. So auch Stefan Eller mit seinem Stahl-Delphin „Magellan“. Er hat zuletzt den Innenausbau seines Schiffes im Grunde komplett neu gemacht. Wir dürfen uns von dem wirklich tollen Ergebnis seiner handwerklichen Arbeiten überzeugen (unter Wahrung des Mindestabstands) - Alles aus Mahagoni und hochglänzend lackiert.

Abends kehrt Ruhe im Hafen ein. Wir sitzen abends noch lange in unserer Plicht – es ist zwar kalt und windig, aber mit einer warmen Jacke können wir es ganz gut aushalten.

 

17.05.2020, W.Y.K. - SVE

Auch heute ist wieder das Hochwasser mit 0,3 Meter unter mittlerem Hochwasser vorhergesagt. Wir hoffen, dass wir 1,5 bis 2 Stunden vor Hochwasser hier aus dem Hafen kommen. Dazu müssen die Tore, die das Wasser bei Ebbe im Hafen halten, entsprechend rechtzeitig geöffnet werden. Wir sind aber offenbar nicht die Einzigen, die los wollen. Allerdings die Einzigen, die nach der Ausfahrt zur Krückau rechts herum Richtung Elmshorn fahren – alle anderen legen Richtung Elbe ab.

Wir haben den Eindruck, dass genug Wasser aufläuft. Wir legen gegen 11:40 Uhr ab und motoren die Krückau hinauf. Die Landschaft ist wunderschön; die saftigen Wiesen werden durch die Mittagssonne hell erleuchtet, ebenso die Blumen. Kühe und Schafe stehen teilweise direkt am Ufer – wunderschön!

Trotzdem habe ich genug Zeit, um über den defekten Windanzeiger nachzudenken. Es wurmt mich einfach und ich entschließe mich, nach dem Anlegen den Stecker aufzumachen und durchzumessen.

Auf der Krückau ist ordentlich Betrieb: Viele Ruderer und auch Kajakfahrer. Wir bremsen jedes Mal stark ab, um möglichst kleine Wellen zu erzeugen. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir dann unseren Heimathafen. Wir nutzen die Gelegenheit des warmen Motors/Motoröls und machen einen Ölwechsel. Außerdem tauschen wir den Impeller. Anschließend mache ich mich sofort an die Windanzeige.

Das war ein schöner und kurzer Start in die Saison. Wir hoffen, dass wir bald wieder ablegen können.


Die Ungewissheit slippt mit!

08.05.2020, SVE

Es liegen lange Wintermonate hinter uns, die insbesondere Nicole genutzt hat, um sämtliche Holzteile an unserem Schiff ab- bzw. anzuschleifen und mehrlagig zu lackieren. Außerdem wurden die einzelnen Trittflächen auf dem Laufdeck abgeklebt (Schweinearbeit!) und mit neuer trittfester Farbe versehen. Die Aufbauten und das Überwasserschiff wurden gewaschen und dann poliert. Auch die Beschläge und der Anker wurden poliert. Die Mühe hat sich aber wirklich gelohnt!

Seit Nicole nun mit ihren Arbeiten fertig ist, darf ich nur noch mit Socken an Bord und auch die glänzenden Beschläge und den Anker darf ich nicht mehr berühren – Fingerabdrücke!!

Ich hatte mich derweil an das Unterwasserschiff gemacht. Eigentlich wollte ich nur die losen Teile des mittlerweile mehrlagigen Antifoulings herunterholen. Aber das Ganze wurde dann immer großflächiger, so dass ich am Ende geschätzt ¾ der gesamten Fläche mit dem Spachtel und teilweise mit einem Fine-Multitool, heruntergeholt hatte. Uns wird klar, dass wir bald, vielleicht sogar in der kommenden Wintersaison, das gesamte Unterwasserschiff vom alten Antifouling befreien müssen.

Mit unseren Arbeiten, einschließlich kleinerer Reparaturen sowie neuer Wellendichtung (siehe Beitrag vom 19. Febr.) und einem neuen Cockpit-Tisch (neuer Cockpit-Tisch) sind wir nun seit Mitte März fertig. Es ist Alles bereit zum Abslpippen und auch die Lagerbolzen der vier Schienen- sowie der vier Querräder sind neu eingefettet. Dass wir erst fast zwei Monate später ins Wasser kommen, war uns natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Natürlich ist heute die Freude über das bevorstehende Abslippen groß! Allerdings spielt auch eine gehörige Portion Unsicherheit mit. Denn es ist nicht gewiss, wann die Lockerungen der aus unserer Sicht absolut notwendigen Maßnahmen gegen eine schnelle Ausbreitung des Virus wieder verschärft werden müssen. Es gibt auch einige Vereinskameraden, die ihr Schiff in der Halle lassen. Auch wir haben mit dem Gedanken gespielt.

Beim Verholen unserer Hanna aus der Halle machen sich die gefetten Lagerbolzen bezahlt. Alles läuft im wahrsten Sinne wie geschmiert. Wir kommen dann als drittes Schiff ins Wasser. Jedoch reicht die Zeit nicht mehr, um bei bereits ablaufendem Wasser den gestern vorbereiteten Mast, zu setzen. Das machen wir dann morgen.

09.10.2020, SVE

Hochwasser ist erst heute am späten Nachmittag, so dass wir die Zeit nutzen, um noch ein paar Restarbeiten am Schiff zu erledigen. Dazu zählt u. a. das Schmieren der Seilzüge des Gas-/Getriebehebels. Gegen 16:30 Uhr können wir dann an den Mastenkran verholen, um den Mast zu stellen. Es ist jedes Mal wieder spanndend: Haben wir beim Anschlagen des stehenden Gutes Alles richtig gemacht? Es gibt jedenfalls genügend Fehlerquellen. Dank unserer mittlerweile recht umfangreichen Checkliste, steht der Mast recht zügig. Nur beim Abbergen des Gurtes verhakt sich dieser an den Splinten der Beschläge der Unterwanten. Glücklicherweise hatten wir dieses mal eine Bergeleine an den Gurt gebunden. Damit und mit einem langen Haken konnten wir den Gurt lösen.

Als wir zurück am Platz sind, schlagen wir die Segel an und bauen die Sprayhood um. Bei Sonnenuntergang sitzen wir dann das erste Mal in der Plicht und stoßen auf unser fast segelklares Schiff an. Es ist wunderschön hier im Hafen – Natur pur. Es geht ein leichtes Rauschen durch die frisch begrünten Bäume und wir können Graureiher am Ufer beobachten – traumhaft!

Wir sind gespannt, wie es nun in den nächsten Wochen weitergeht!

Schiff in der Halle – Die Winterarbeiten können beginnen!

03.10.2019, SVE

Gemäß Hallenplan, sind wir bald an der Reihe, unser Schiff aufzuslippen und unser Schiff in der Halle 1 auf den von unserer Hallenkommission festgelegten Platz zu verholen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Mast gelegt ist. Heute ist ein guter Tag dafür, denn wir müssen nicht arbeiten, es ist genug Wasser im Hafen und es regnet nicht. So verholen wir unser Schiff aus dem Hafenbecken 2 zum Mastenkran im Hafenbecken 1. Mit etwas Wehmut betrachten wir für Sekunden das schöne Bild, dass sich uns auf der Krückau durch die untergehende Sonne hinter uns zeigt.

Wir hatten zum Bergen des Mastes bereits alle notwendigen Vorbereitungen getroffen. Dazu gehört u. a. das Lösen der Wantenspanner, das Trennen der elektrischen Steckerverbindungen. Die Segel hatten wir schon im Vorwege abgeschlagen, sowie den Baum ins Mastenlager gebracht. So war das Mastlegen schnell erledigt. Im Anschluß konnten wir dann noch den Mast einwintern. Dafür werden VHF-Antenne, Windex und Windgeber demontiert und die Wanten sowie das Achterstag abgeschlagen. Die am Mast verbleibenden Fallen sowie die Rollfockanlage werden mit Leinen am Mast verzurrt. Dann verholen wir den Mast ins Mastenlager.

Wann genau unser Slipptermin ist, hängt unter anderem von der Tide in den nächsten Tagen ab. Es ist schon absehbar, dass aufgrund des vorhergesagten Ostwindes, möglicherweise einige Tage kein Slippbetrieb stattfinden kann – wir werden sehen.

12.10.2019, SVE

Wir haben Westwind und Springtide! Das bedeutet genug Wasser im Hafen. Heute gehen drei Schiffe des Typs Delphin 66 aus dem Wasser: Drommel (Baunummer 7), Damian (Baunummer 5) und unsere Hanna (Baunummer 9). Das Ganze geht wirklich schnell und reibungslos von statten. Wir sind sehr gespannt, wie unser Unterwasserschiff aussieht. Das Ergebnis ist im Bild zu sehen. Im oberen Bereich des Unterwasserschiffes sind nur ganz wenig Pocken. Dafür ist unten am Kiel umso mehr davon zu finden. Ich kann mich mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Bewuchs dafür verantwortlich ist, dass wir bei der „Grüner Mann Regatta“ spürbar langsamer unterwegs waren, als das Schwesterschiff mit der Baunummer 7.

Wir haben im Verein einen sehr leistungsfähigen Hochdruckreiniger. Trotzdem lassen sich die widerspenstigen Pocken nur schwer damit entfernen. Aber wir geben nicht auf und machen so lange weiter, bis das Zeug unten am Boden liegt.

Schließlich schieben wir unsere Hanna mit einigen Vereinskameraden hoch in die Halle und versetzen es mit den Querrädern zur rechten Seite von den Schienen. Alles läuft leicht von der Hand, bis auf die Lagerbolzen der Räder unseres Slippwagens. Die Bolzen lassen sich nur schwer herausziehen. Logischerweise muss ich mir entsprechende und sehr nachvollziehbare Kommentare von unseren Vereinskameraden anhören – hier muss ich ran. Ich werde sie im Winterlager entfetten und dann mit neuem Fett versehen.

Unser Schiff steht nun in der Halle und die Wintersaison kann kommen. Nicole nimmt schon die ersten Holzteile mit nach Hause, um sie dort anzuschleifen und überzulackieren – Die Zeit bis zum Frühjahr ist schließlich kurz und die To Do-Liste lang.

„Grüner Mann Regatta“

20.09.2019, SVE - W.Y.K.

20.09.2019, SVE – W.Y.K.

Das bevorstehende Wochenende steht ganz im Zeichen der "Grüner Mann Regatta". Beim „Grünen Mann“ handelt es sich um ein dreibeiniges Seezeichen, dass das Ende einer Buhne markiert. Diese hat man tunlichst an Steuerbord zu lassen. Andernfalls fährt man auf den teilweise überfluteten Steinwall auf. Die „Grüner Mann Regatta“ ist eine Vereinsregatta, die jedes Jahr im September, an einem Samstag vom WSV, Kollmar, W.Y.K. und unserem Verein, dem SVE ausgetragen wird. Bei der Terminplanung sind die sich natürlicherweise ändernden Gezeiten zu berücksichtigen. Die Steuermannbesprechung findet immer am Abend vorher statt.

Heute ist recht spät Hochwasser, genauer gesagt um 20:20 Uhr. Üblicherweise kommen wir bei normal auflaufendem Hochwasser ca. 2 Stunden vorher los. Heute schaffen wir es leider erst gegen 19:30 vom Platz. Da wir den Sommer über in unserem Verein mit Abwesenheit geglänzt haben, sammelt sich durch das tägliche Absinken von Sedimenten bei Hochwasser (also keine Fließgeschwindigkeit mehr) Schlick auf unserem Liegeplatz. Als unsere Hanna dann aber endlich etwas aufschwimmt, starten wir den Motor und spülen unseren Platz mit laufender Schiffsschraube. Das bringt ordentlich was, wie wir am Sonntag bei Ebbe feststellen werden.

Als wir schließlich auf der Krückau sind, wird es dann auch schon recht schnell dunkel – ich montiere unsere Positionslaterne. Diese bewährt sich dann auch wenige Augenblicke später: Bei Spieckerhörn legt gerade ein Motorboot ab und wendet ca. 50 Meter vor uns, um dann Richtung Krückaumündung zu fahren. Hätten wir nicht erwartet, um diese Uhrzeit und bei der Dunkelheit. Gegen 20:30 sind wir dann im Hafen der W.Y.K. fest. Zur Steuermannbesprechung kommen wir zwar zu spät, ist aber egal, schließlich bekommen wir das Wichtigste von unseren Vereinskameraden mitgeteilt. Die Steuermannbesprechung ist immer schon eine sehr gesellige Veranstaltung. Man freut sich gemeinsam auf den morgigen Tag, zumal schönes Wetter vorhergesagt ist. Einziger Wermutstropfen: Morgen ist Flaute!

Um ehrlich zu sein – ich hatte mit dem Gedanken gespielt, unsere Hanna vorher noch einmal kurz aus dem Wasser zu holen, um sie von Bewuchs zu befreien. Aber angesichts der bescheidenen Windvorhersage, habe ich es schließlich sein lassen. Vielleicht treiben wir sogar mit dem erhöhten Widerstand noch etwas schneller mit der auflaufenden bzw. ablaufenden Tide.

21.09.2019, Regattatag – Hafen der W.Y.K.

Gegen 8:30 herrscht allgemeine Aufbruchstimmung. Die Tore des Hafens sind für die Durchfahrt in die Krückau geöffnet. Es ist ein wunderschöner Morgen bei wolkenlosem Himmel. Da die Regatta erst um 13:30 startet, legen sich die Regattateilnehmer bei der Insel Pagensand vor Anker. Man hat genug Zeit, um zu frühstücken und Vorbereitungen für die Regatta zu treffen.

Der Start ist dann recht unspektakulär. Es ist wirklich mehr ein Treiben als Segeln und wir fragen uns, wie wir zur Tonne vor der Rhinplatte (Wendetonne), geschweige denn, das Ganze wieder zurück schaffen sollen. Die Fahrt durchs Wasser ist zeitweise gleich Null. Allerdings erreichen wir durch das ablaufende Wasser teilweise 3 Knoten über Grund. Dennoch schaffen wir die Wendetonne nicht - wir sind glücklicherweise nicht die Einzigen. Die Regattaleitung entscheidet sich dann, ein Motorboot als treibende Tonne einzusetzen. So werden Alle diejenigen Regattateilnehmer belohnt, die durchgehalten haben. Zwischenzeitlich ist ein Hauch von Wind aufgekommen und wir können sogar ein wenig Fahrt durchs Wasser verbuchen. Leider werden wir dann von einem unserer Schwesterschiffe - man kann schon fast sagen - „stehen gelassen“. Die „Drommel“, Baunummer 7, zieht so an uns vorbei. Da hilft auch kein Ziehen oder Zerren an irgendwelchen Schoten. Wie geht das, fragen wir uns! Ich bin mir sicher, dass es nicht nur an dem Schlauchboot liegt, dass wir vorne auf dem Vorschiff fahren. Es wird auch nicht nur an unserem deutlich kleineren und für Schwerwetter ausgelegten Vorsegel liegen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Bewuchs unseres Unterwasserschiffes einen Anteil an der Misere hat. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, was uns erwartet, wenn wir das Schiff, zum Verholen ins Winterlager, aus dem Wasser slippen – wir werden berichten.

Das mit dem Schlauchboot ist auch so eine Sache. Der Sinn, das sperrige Teil auf dem Vorschiff mitzufahren, hat sich so manchem Kontrahenten nicht auf Anhieb erschlossen – kann es auch nicht. Ich musste im Vorwege ohnehin ganz kleine Brötchen backen, um es überhaupt mitnehmen zu dürfen (verständlicherweise!) – sprich, die Skipperin war ganz und gar nicht von dieser Idee begeistert. Es war halt nur so, dass ich mit dem Gedanken gespielt hatte, während der Regatta vorübergehend von Bord zu gehen, um einer wichtigen Veranstaltung von unseren mittleren Tochter beiwohnen zu können. Aber es war zeitlich alles zu knapp, so dass ich schließlich an Bord geblieben bin – war wohl auch besser so!

Gegen halb sechs lassen wir die Ziellinie hinter uns und legen uns wieder vor der Insel Pagensand vor Anker. Genau der richtige Zeitpunkt, um bei Sonnenschein und außergewöhnlich warmen Temperaturen, auf unserem Vorschiff mit toller Sicht auf die Elbe und das große Ankerfeld, auf eine erfolgreiche Teilnahme an der „Grüner Mann Regatta“ anzustoßen. „Erfolgreich“ heißt in diesem Fall, dass wir überhaupt durchgehalten haben, auch wenn wir uns hin und wieder eher als Treibgut gefühlt haben.

Bei zunehmender Tide können wir schließlich in die Krückau hineinfahren. Durch die tiefstehende Abendsonne entstehen wunderschöne Fotomotive. Trotz stauartigen Zuständen auf der Krückau, vor den Hafentoren der W.Y.K., bleiben Alle gelassen und das zeitgleiche Anlegen ist gekennzeichnet von gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft beim Anlegen. Zur anschließenden Siegerehrung wird traditionell gegrillt. Das Ganze ist schon fast professionell durchorganisiert – das macht Spaß. So wird es ein sehr geselliger Abend. Unser Sohn zeigt sich mit einem gleichaltrigen Vereinskameraden äußerst hilfsbereit. Die beiden kümmern sich später um die leergetrunkenen Gläser, die sie einsammeln und abwaschen. Die Beiden arbeiten zügig und konzentriert – kein einziges Glas geht zu Bruch!

Leider müssen wir morgen früh aufstehen, da das Morgenhochwasser in Elmshorn gegen 9 Uhr, und auch unter Normal aufläuft.

22.09.2019, Hafen der W.Y.K. – SVE

Gegen 7:30 stehen wir dann auf und gießen uns erst einmal einen Kaffee auf. Dann sehen wir zu, dass wir, sowie die Tore zur Krückau aufgehen, loskommen. In unserem Hafen bleiben wir dann vor unserem Liegeplatz stecken, so dass wir im Prinzip die Einfahrt für unsere nachkommenden Vereinskameraden versperren. Wie wir bei uns im Verein sagen „Alles eine Frage der Maschinenkraft“, geben wir einige Male vor und zurück. Schließlich fahren wir mit Anlauf und fast 3.000 U/min in die Box. Zwei Vereinskameraden unterstützen uns netterweise mit einer ausgebrachten Vorleine und ziehen uns in unsere Box. Bei Niedrigwasser können wir das Ergebnis unserer Spülaktion von Freitag bzw. heute erkennen.

Zum krönenden Abschluss dieses schönen Regatta-Wochenendes frühstücken wir gemeinsam im Vereinsraum.




Rückführung 2019 – Teil 2 – Absegeln

13.09.2019, Rendsburg Stadthafen – Gieselaukanal

Die Anreise zu unserem Schiff ist dieses Mal etwas beschwerlicher. Wir fahren nämlich mit der Bahn und haben so einige Taschen mitzuschleppen – darunter auch Getränke. Meine Arme werden lang und länger, insbesondere die Tasche mit den Getränken stellt eine Herausforderung dar. Natürlich versuche ich mir vor Nicole und Piet nichts anmerken zu lassen – wäre ja noch schöner. Am Elmshorner Bahnhof ist auf der Anzeige die mittlerweile gewohnte Verspätung angezeigt. Außerdem werden die Reisenden dort über die Zugteilung in Neumünster informiert. Über Lautsprecher wird dann noch einmal das bestätigt, was mehr oder weniger (hier: eher weniger) verständlich auf der elektronischen Anzeige dargestellt ist: Der hintere Zugteil fährt nach Kiel, der vordere nach Flensburg. In den letzteren müssen wir einsteigen, da das die Linie nach Rendsburg ist, wo unser Schiff liegt. Als wir schließlich in den doppelstöckigen Wagen einsteigen, erklimmen wir mit unserem Gepäck, natürlich auf Wunsch unseres Jüngsten, das obere Stockwerk des Waggons. Als wir unsere Taschen gerade einigermaßen verstaut haben, entdeckt Nicole eine elektronische Anzeige, der zu entnehmen ist, dass der hintere (!!) Zugteil über Rendsburg nach Flensburg fährt! Ich kann das Bahn-Chaos als nervengeschundener Berufspendler schon wieder nicht fassen! Wir entschließen uns, in Neumünster in den hinteren Zugteil umzusteigen, da es fast unmöglich ist, mit dem ganzen Gepäck durch die schmale und überfüllte Gasse zwischen den Sitzreihen zu kommen. In Rendsburg wird der Weg zum Schiff dann noch einmal richtig lang. Ich beiße die Zähne zusammen und schaffe es, ohne Absetzen der Tasche, zum Schiff zu kommen.

An Bord bugsiere ich das ganze Gerödel etwas entnervt durch die Vorluke ins Vorschiff und es dauert keine Viertelstunde und wir legen ab. Eigentlich wollen wir heute noch bis „Klein Westerland“ kommen, aber eigentlich ist jetzt schon klar, dass wir das nicht schaffen werden.

Wir haben wieder Glück mit dem Wetter – die Sonne scheint und es ist recht mild. Wir entschließen uns dann, angesichts der fortgeschrittenen Zeit, den Gieselaukanal anzulaufen. Dort sind wir zunächst alleine und binden unser Schiff ziemlich weit hinten, recht nahe an der Schleuse fest. Später gesellt sich ein weiterer Segler dazu. Wir wundern uns, warum dieser ganz weit vorne am Steg, also weg von der Schleuse festmacht. Heute Nacht machen wir dann diesbezügliche Erfahrungen und bekommen beim Absegeln von unseren Vereinskameraden die passende Erklärung dafür – dazu später mehr.

Es ist wirklich wunderschön hier am Gieselaukanal, die Abendsonne taucht die Landschaft in goldenes Licht und es ist angenehm warm, und dann noch diese wohltuende Ruhe! Es ist zwar das zweite Mal, dass wir im Gieselaukanal sind, aber das erste Mal, dass wir übernachten. Letztes Jahr hatten wir uns hier nur relativ kurz mit Vereinskameraden getroffen. So erkunden wir heute Abend erst einmal die Gegend. Uns fällt sofort das sehr gepflegte Gelände der Schleusenanlagen auf. Sehr schön ist auch die sichtbare Technik der Klappbrücke (s. Bild). Die umgebende Landschaft ist weitläufig und wirklich sehr schön.

Heute Nacht dann, werden wir jäh aus dem Schlaf gerissen. Ein plötzliches und lautes Ächzen der Leinen und starke Schiffsbewegungen lassen unseren Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen. Wir springen aus der Koje und müssen mit ansehen, wie unsere Hanna innerhalb von Sekunden um bestimmt 30 cm absackt und sich anfängt, in den Leinen aufzuhängen.  So schnell können wir gar nicht reagieren, denn sofort fängt das Wasser wieder an zu steigen. Begleitet wird das ganz von einem lauten Gepolter, das von den Schwimmstegen, direkt vor der Schleuse herrührt. Was war hier passiert? Zunächst dachten wir, dass die Schleuse zur Eider geöffnet wurde. Aber dann erinnern wir uns an ein Gespräch, dass wir vorgestern(!) in unserem Verein hatten. Ein Vereinskamerad hatte ähnliche Erfahrungen gemacht, wie wir. Demnach handelt es sich bei dem Phänomen um Schwell, den die Berufsschifffahrt nachvollziehbarerweise auf dem Nord-Ostsee-Kanal erzeugt (für Nichtsegler: Der Schwell, der hier gemeint ist, resultiert nicht aus der Verdrängerfahrt des Schiffes, sondern entsteht durch die Schiffsschrauben. Diese saugen das Wasser von vorne an und pumpen es quasi nach hinten. Das hat zur Folge, dass dem Schiff ein Wellental von manchmal einigen Zentimetern vorauseilt. Auf diese Weise wird dann auch der Gieselaukanal „leergepumpt“ und füllt sich danach wieder mit einer kleinen Flutwelle). Wie wir dann von unseren Vereinskameraden beim Absegeln im MYC Stade erfahren werden, sind die Schwankungen des Wasserpegels umso größer, je näher man an das Ende des Kanals, also an die Schleuse des Gieselaukanals kommt. Eigentlich auch recht einleuchtend, denn dort schwappt die kleine Flutwelle dann, wie in einer Badewanne, besonders hoch, reflektiert an dem Schleusenbauwerk und läuft infolge wieder zurück. Der andere Segler, der später noch gekommen war, wusste offensichtlich von diesem Effekt.

14.09.2019, Gieselaukanal – MSC Stade

Nach dieser abwechslungsreichen Nacht, stehen wir dann wieder früh auf, da wir versuchen wollen, zum besagten Absegeln unseres Vereins im MYC Stade zu kommen. Doch leider werden wir schon wieder ausgebremst, denn der Kanal ist in Nebel gehüllt. Mit einiger Verspätung legen wir dann ab. Der andere Segler tut uns gleich.

Ungefähr vier Stunden später erreichen wir Brunsbüttel. Hier nähert sich von Achtern eine "Hanna" - aber anderer Schiffstyp.

Wir machen kurz an der Tankanlage für Sportboote fest und versorgen uns mit Diesel. Vor der Schleuse müssen wir dann zur Abwechslung mal nicht so lange warten. Beim Ausschleusen ist der Moment, in dem das Schleusentor geöffnet wird, immer ein besonderer: Bei Schwerwetter kommt es dem Tor zur Hölle gleich. Heute jedoch ist uns die Elbe wohlgesonnen und empfängt uns mit ruhigem Wasser und Sonne – wirklich schön! Jetzt kommt auch noch ein weiterer Vorzug des Reviers an der Elbe zum Tragen: Wir laufen bei auflaufendem Wasser gute 7 Knoten (natürlich über Grund und nicht durchs Wasser). So sind wir dann auch recht zügig in der Schwinge, wo wir gegen 16 Uhr im Hafen des MYC Stade festmachen. Hier findet mittlerweile traditionell unser Absegeln statt. Nicht zu Unrecht, denn man gibt sich hier viel Mühe, unserem Verein perfekte Bedingungen zum Feiern mit schmackhaftem Essen und Trinken anlässlich des bevorstehenden Endes der Segelsaison zu schaffen. Am nächsten Morgen gibt es dann sogar noch ein leckeres Frühstücksbüffet – toll gemacht!

14.09.2019, Gieselaukanal – MYC Stade

Nach einem ebenso opulenten, wie ausgedehnten Frühstück mit angeregten Unterhaltungen, legen wir gegen 14 Uhr ab. Ohne unsere Vereinskameraden, wären wir wohl später losgefahren, was uns dann möglicherweise zum Verhängnis geworden wäre. Der Grund ist der starke Westwind, der zu einem hohen Wasserstand führen wird. Ab einem bestimmten Level wird dann das Krückausperrwerk geschlossen, um zu verhindern, dass Elmshorn absäuft. Eigentlich ganz klar, aber man muss eben daran denken. Als wir die Schwingemündung erreichen und auf die Elbe kommen, ist unsere ganze Aufmerksamkeit gefordert. Es ist ordentlich was los, sowohl Berufsschifffahrt als auch viele Sportboote. Zum Queren des Hauptfahrwassers nehmen wir gerne die AIS-Signale, die von der Berufsschifffahrt zwingendermaßen gesendet werden müssen, zur Hilfe. Auf unserem Plotter können wir die betreffenden Schiffsdaten wie „Fahrt über Grund“ abrufen. Das erhöht die Sicherheit beim Navigieren deutlich.

Es ist immer ein schöner Anblick, wenn sich das SVE-Geschwader mit den zum Teil über die Toppen geflaggten Boote auf den Weg macht. Der Wind hat ordentlich zugelegt. Später, als wir die Krückaumündung erreichen, kommt leider noch Regen dazu. Direkt nach dem Passieren des Sperrwerkes fahren wir in den Hafen des W.Y.K., wo wir unser Vereinsschiff abschleppen sollten. Allerdings ist das Problem mit dem Motor, zumindest vorübergehend, behoben, so dass wir bei dem Schiet-Wetter weiterfahren können – ganz traurig sind wir nicht, denn die Bedingungen bei starkem Wind und Regen sind nicht so komfortabel.

Gegen 16 Uhr erreichen wir dann unseren Heimathafen SVE. Das Wochenende ist wieder einmal wie im Fluge vorbeigegangen!

 




Rückführung 2019 – Teil 1

06.09.2019, Fahrdorf - Ankerbucht Buke-Noor (Schlei)

Die Wettervorhersage für dieses Wochenende ist miserabel: Fast nur Regen und Kälte. Dennoch machen wir uns heute auf den Weg zur "Hanna", denn wir wollen unser Schiff zurück in unseren Heimathafen SVE überführen – wir haben ja eine Heizung, kann also auch ganz gemütlich werden.

In Fahrdorf angekommen, beeilen wir uns, loszukommen. Wir motoren bei ausgerollter Fock gute sechs Knoten. Dafür, dass wir Böen bis 7 Beaufort mit unserem Vorsegel einfangen und unsere Maschine ca. 2.300 U/min dreht, sind wir eigentlich zu langsam – Bewuchs?

Es ist kaum was los auf der Schlei. Auf der Großen Breite kommt uns dann ein Katamaran mit schneller Fahrt entgegen. Es ist viel Wind. Ein kleines Stück neben uns erwischt es den Kat und kentert. Wir behalten den Havaristen im Auge. Es dauert ziemlich lange, bis die beiden Segler den Kat wieder aufgerichtet haben, just in dem Moment, als wir uns entschließen, umzudrehen.

Wir wollen heute mindestens noch die Lindaunis-Brücke passieren, damit wir morgen nur noch die Klappbrücke in Kappeln zu nehmen haben. Erst als wir schließlich im Buke-Noor am Haken liegen, fängt es leicht an zu regnen – wir hatten wieder einmal Glück gehabt, bzw. unser eiliges Ablegen hat sich ausgezahlt. Nicole hat sogar noch geschafft, das Sonnensegel (hier: gegen Regen) über den Baum zu spannen, so dass wir schön gemütlich unter der Sprayhood sitzen können – genial, insbesondere diese wunderbare Ruhe!

07.09.2019, Ankerbucht Buke-Noor – Kiel Holtenau

Wir stehen um sechs Uhr auf – und das, an einem Wochenende - muss man mögen und als Nichtsegler würde man sicher niemals freiwillig um diese Uhrzeit sein Bett verlassen. Wir trinken noch schnell einen frisch aufgebrühten Kaffe (ein Hochgenuss am frühen Morgen) und holen eine halbe Stunde später den Anker hoch. Wir wollen die Brückenöffnung um 7:45 Uhr in Kapplen bekommen, denn für nachmittags ist Gewitter vorhergesagt – das wollen wir möglichst umschiffen. Heute Morgen scheint sogar noch die Sonne – wunderschöne Morgenstimmung!

Gegen Mittag erreichen wir Kiel Holtenau. Wir legen uns gleich ganz vorne, an den inneren Steg. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Förde und vorteilhafterweise auch auf die Signalmasten für das Einlaufen in die Schleuse. Der äußere Steg wird derzeit rückgebaut. Wie wir vom Hafenmeister am nächsten Morgen um kurz nach 7 Uhr erfahren, gab es einen Hochwasserschaden und die Bezuschussung vom Land SH wurde eingestellt; der Status „Schutzhafen“ aberkannt. Das finden wir sehr schade.

Am Abend kommen Freunde von uns und legen sich mit ihrer Bianca 27 vor uns, längsseits an den baufälligen Rest des noch nicht rückgebauten Teils der Steganlage.

08.09.2019, Kiel Holtenau – Rendsburg Stadthafen

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Der erste Blick, nachdem man am frühen Morgen aus der Koje gekrabbelt ist, richtet sich automatisch auf die Signalmasten. Üblicherweise kreisen selbst in den frühen Morgenstunden schon Sportboote im Wartebereich umher, in der Erwartung, jeden Moment das Signal „unterbrochen weiß“ zum Einlaufen in die Schleuse zu erhalten. Das führt dann immer dazu, dass ich hektisch in meine Klamotten steige, den Motor starte, schnell die Leinen lostütel, um dann Hals über Kopf abzulegen. So auch heute. Auch unsere Freunde stehen schon so früh in den Startlöchern, so dass wir zwanzig nach 7 Uhr ebenfalls im Wartebereich hin- und herkreuzen. Hätten wir gewußt, dass wir erst gegen Mittag (gut 5 Stunden Wartezeit!) in die große Schleuse einlaufen können, wären wir noch in den Kojen geblieben!

Als die erste Stunde verstrichen ist, kommt eines unserer Schwesterschiffe, die „Damian“ (Vereinsschiff vom SVE) auf uns zu. Ein guter Freund von uns ist an der Pinne. Wirklich großer Zufall, denn die Crew ist aus Travemünde gestartet und überführt ebenfalls an diesem Wochenende zu unserem gemeinsamen Heimathafen SVE. Wir hatten mit der Bianca 27 bereits ein „treibendes Zweierpäckchen“ gebildet – nun wird es ein Dreierpäckchen. So wird aus der Not die Tugend. Wir trinken gemeinsam Kaffee und kommen ins Quatschen – wir haben eine tolle Zeit!

Auf Kanal 12 verfolgen wir den Schleusenfunk und bekommen erst nach ca. zwei
Stunden den entscheidenden Funkspruch von der Schleusenwarte zu hören: Nebel auf dem NOK, das Befahren des NOK derzeit nicht zulässig - dass kann noch dauern! Wir lösen unser Dreiepäckchen auf, und machen
am Tiessenkai fest. Da die „Damian“ Motorprobleme hat, nehmen wir sie in Schlepp. Gegen Mittag dann kommt über Kanal 12 der entscheidende Hinweis für die Sportboote zum baldigen Einlaufen in die Schleusenkammer. Es ist klar, dass es enorm voll wird. Es sind nämlich schon drei große Feeder bzw. Frachter in die Schleuse gefahren. Außerdem ein Schlepper und ein großer Traditionssegler. Dazu sind bestimmt 30 Sportboote, auch darunter größere Schiffe mit über 60 Fuß sowie Katamarane und Trimarane - das gibt ein Hauen und Stechen! Bereits im Vorwege wurde über Funk Unmut über die langen Wartezeit geäußert. Wir entschließen uns, als Letzte in die Kammer zu fahren – das war definitiv die richtige Entscheidung!

Nach dem Auslaufen aus der Schleuse trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Hier kommt endlich mal der Vorzug unseres Delphins zum tragen: Wir laufen trotz Bewuchses am Unterwasserschiff um die 6,2 Knoten. Wir lassen viele Schiffe, auch größere, hinter uns.

Beim Einbiegen in die Obereider sehen wir eine imposante Motoryacht am Anleger der Nobiskrug-Werft.

In Rendsburg sind wir kaum fest, da kommt schon unser lieber Freund aus Fahrdorf und bringt uns nach zu unserem Auto. Wir bekommen sogar noch etwas Leckeres zu Essen (danke Anja!), dann brechen wir auf nach Elmshorn. Nächstes Wochenende soll es dann, wenn nichts dazwischen kommt, weitergehen.





Ankern „Große Breite“

23.08.2019, Fahrdorf - Große Breite

Soweit ich mich erinnern kann, ist es das erste Mal, dass ich ohne Nicole und nur mit den Kindern mit unserer Hanna unterwegs sein werde. Nicole ist nämlich beruflich unterwegs.

Am Nachmittag hole ich unsere Kinder direkt von der Schule ab, und wir starten durch nach Fahrdorf. Ich hole Alles aus unserem vollgepackten  Polo Baujahr 2003 heraus(Mädchen haben es einfach drauf: Sie sind klamottenmäßig für Alle Eventualitäten gerüstet - dementsprechend groß ist auch das Gepäck); ich will mit den Kindern möglichst wenig Zeit im Auto und umso mehr Zeit auf dem Schiff verbringen.

Wie es so meine Art ist, legen wir fluchtartig im Hafen in Fahrdorf ab. Dabei verlasse ich normalerweise bei vielen Dingen auf Nicole. Daher ist es sehr ungewohnt, ich kann schon fast sagen, anstrengende und nervig, dass ich jetzt an Alles selber denken muss! Aber, das Ablegemanöver klappt reibungslos und wir stechen in See.

Glücklicherweise spielt das Wetter mit. Wir laufen unter Motor den gleichen Ankerplatz in der Großen Breite an, wie letztes Wochenende. Der Anker sitz auf Anhieb. Es ist schon Abend, so dass wir gleich unser Abendprogramm starten. Ich hatte als Vorspeise Oliven, saure Gurken, Mais usw. Schwarzbrot-Chips vorbereitet und serviere das Ganze auf einem kleinen Tablett. Wir finden uns auf dem Vorschiff ein, um dort die Vorspeise bei einem kühlen Malz-Bier (hatte ich zu Hause schon kalt
gestellt) in gepflegter Manier einzunehmen. Es herrscht romantische Abendstimmung an der Schlei und ich habe den Eindruck, dass die Kinder diese Momente genießen können. Als Hauptspeise hatte ich Sushi besorgt – heute wollte ich mich nicht lumpen lassen! Wir haben wirklich einen tollen Abend zusammen und erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang!

24.08.2019, Große Breite – Fahrdorf

Die Nacht vor Anker war sehr ruhig. Gegen Mittag sind wir wieder zurück in Fahrdorf, da der Sohn von unseren Freunden 18. Geburtstag feiert. Es wird ein rauschendes Fest bis zum nächsten Morgen. Auch unsere Kinder, insbesondere unsere „großen“ Mädchen wissen, wie man feiert.


Große Breite – Ungebremster Enthusiasmus!

16.08.2019, Fahrdorf - Große Breite (Schlei)

Ein wenig Enthusiasmus gehört schon dazu! Es ist Freitag Abend und wir klarieren unser Schiff für einen sehr kurzen Törn, denn wir werden morgen Mittag wieder zurück in Fahrdorf sein, da eine große Regenfront heraufzieht und am Samstag und Sonntag für ordentlich Regen sorgen wird. Aber egal, selbst für ein paar Stunden raus zu kommen, um die wunderschöne Abendstimmung auf der Schlei zu genießen, lohnt sich der Aufwand. Es ist auch nicht viel los, heute auf der Schlei und bei dem Ankerplatz im südlichen Teil der „Großen Breite“ sind wir das einzige Schiff dort.

Der Wind schläft später vollständig ein und die Schlei wird zu einem bleiernen Ententeich. Wir setzen am späteren Abend dann noch mit dem Schlauchboot über und erkunden die Gegend – unser Jüngster freut sich.

Als sich die Sonne dem Horizont nähert, sind bereits erste Anzeichen des heraufziehenden schlechten Wetters zu sehen. Die Dunklen Wolken erzeugen mit der untergehenden Sonne ein beeindruckendes Farbenspiel – alleine dafür hat sich der Aufwand gelohnt!

17.08.2019, „Große Breite“ – Fahrdorf

Bereits in der Nacht prasselt der Regen auf unser Deck herab. In weiser Voraussicht hatte ich das Schlauchboot für die Nacht über die Luke im Vorschiff gebunden, so dass wir trotz starken Regens die Luke offen lassen konnten – dass werden wir häufiger so machen!

Gegen Mittag nutzen wir eine Regenpause und lichten den Anker, um zurück nach Fahrdorf zu motoren.

 

 

Auf der Schlei: Chillen und Relaxen

02.08.2019, Fahrdorf - Missunder Noor

Von Fahrdorf aus brechen wir am frühen Abend gemeinsam mit unseren Segelfreunden auf. Da es schon spät ist, laufen wir das Missunder Noor an - ca. eine Stunde Fahrt unter Motor; es ist gar kein Wind. Das Missunder Noor ist ein wunderschöner Platz zum Ankern. Die Schlei hat heute knapp 23 °C, so dass wir erst einmal ein Bad nehmen - traumhaft. Im Anschluss gibt es bei warmer Sommerluft und wunderschönem Blick auf das Missunder Noor Sushi und dazu ein kühles Bier -  Es braucht nicht viel!

Noch vor Sonnenuntergang fahren wir dem Schlauchboot an Land und besteigen eine kleine Anhöhe. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf das Missunder Noor.


 

 

 

 

 

03.08.2019, Missunder Noor ("Ankertag")

Von unserem ursprünglichen, gemeinsamen Plan, heute nach Arnis zu fahren, kehren wir ab. Wir bleiben einfach hier vor Anker -  eine für uns ungewöhnliche aber goldrichtige Entscheidung. Oft überwiegen bei uns Tatendrang und Aufbruchstimmung. Aber wir bereuen es keinen Moment, den Anker im Grund der Schlei gelassen zu haben. Wir verbringen den Tag mit Baden, Lesen, Chillen - komisches Gefühl, aber geht auch!

04.08.2019, Missunder Noor - Fahrdorf

Gegen Mittag muss ich heute mit Piet am Bahnhof in Schleswig sein, um dort unsere beiden Töchter abzuholen, denn ich hatte versprochen, mit den Kindern zum Campen nach Rømø zu fahren. Dafür habe Montag und Dienstag Urlaub genommen.

Am frühen Morgen ist das Noor noch in dichten Nebel getaucht  (etwa erste Anzeichen für den Herbst??), der sich dann jedoch zügig auflöst. Zum morgentlichen Kaffee setzt sich dann bereits die Sonne durch. Nach einem gemütlichen Frühstück mit Klönschnack mit unseren Ankernachbarn von Plicht zu Plicht, lichten wir den Anker und motoren zurück nach Fahrdorf.


Sommerurlaub 2019 – Bringen wir`s zu Ende

23.07.2019, Lundeborg - Ankerbucht bei Ærøskøbing

Am heutigen Morgen hilft uns die Sonne, um aus den Kojen zu kommen. Im Hafen von Lundeborg verholen wir uns kurz an die Tankstelle zum Auffüllen unseres Dieseltanks und nehmen dann Kurs auf die Ankerbucht bei Ærøskøbing. Dabei durchfahren wir den wunderschönen Svendborgsund, der von wunderschöner Natur und prachtvollen Anwesen gesäumt wird und durch die tiefstehende Morgensonne ein beeindruckendes Farbenspiel ergibt. Die vielen weißen Segel auf dem Sund tun ihr Übriges dazu.

Gegen Mittag erreichen wir dann die idyllische Bucht bei Ærøskøbing. Hier liegen bestimmt 20 Segel- sowie einige Motorboote vor Anker. Kein Wunder, denn die Sonne scheint, es ist warm, das Wasser ist glasklar und wir können beim Ankern wieder einmal jedes Sandkorn auf dem Ankergrund erkennen –traumhaft! Da ist es egal, dass der Wind (2-3 Beaufort) aus West, also auflandig weht. Wir fahren den Anker gründlich ein und geben ausreichend Ankerkette. Die Sache hat leider einen anderen Haken: Das Wasser ist voller Feuerquallen, die zum Teil unberechenbar lange Tentakeln haben. Das ist auch der Grund, warum Niemand vom Schiff aus ins Wasser geht, schade! Wir müssen mit dem Schlauchboot an Land fahren und im seichten Wasser baden. Unsere Kinder sind mittlerweile soweit, dass sie alleine mit dem Schlauchboot und Außenborder unterwegs sein können. Das ist die Gelegenheit, mich um unsere defekte, backbordseitige Winsch zu kümmern. Diese war bereits kurz nach dem Start unseres Urlaubes kaputtgegangen (siehe Beitrag: Sommerurlaub 2019 – Reparatur unserer Winsch an Backbord).

Am frühen Abend fahren wir Alle mit dem Schlauchboot - mangels Platz, in zwei Etappen – erneut an den Strand um beim Netto in Ærøskøbing einzukaufen. Auch das inzwischen angesammelte, dänische Leergut nehmen wir mit. Der Hafen ist voll bis zum Anschlag. Hier regt sich auch kein Lüftchen mehr, es ist sehr warm, fast stickig. Wir sind froh vor Anker zu liegen, da hat man in der Regel bei geöffneter Luke im Vorschiff wenigstens einen kleinen Windzug.

Auch der Netto ist logischerweise gut besucht. Wir versuchen möglichst schnell, wenigstens das Notwendigste mitzunehmen, denn auch unser Nachwuchs, vor Allem der Jüngste, wird langsam ungehalten – man hat Hunger, Durst und ist müde (Top-Bedingungen für einen entspannten Einkauf bei Hitze und überfülltem Einkaufsmarkt). Der Weg zurück zum Schiff wird dann zur nächsten Herausforderung, denn wir haben für fünf Personen eingekauft, einschließlich mehrerer 2L-Flaschen, die nicht nur schwer, sondern auch unhandlich sind. Letztendlich landet Alles heil an Bord und wir können zu Abend essen. Unsere mittlerweile obligatorisch gewordene Vorspeise, bestehend aus sauren Gurken, Oliven, Schwarzbrot-Ships usw. servieren wir auf einem kleinen Tablett auf unserem Vorschiff, auf dem wir mit fünf Personen gerade so hinpassen. Wir haben dabei einen wunderbaren Blick auf die tiefstehende Abendsonne, die sich langsam dem Horizont nähert. Von hier können wir dann einen traumhaften Sonnenuntergang erleben, da die Bucht nach Nord-Westen hin geöffnet ist – wirklich sehr schön!

24.07.2019, Ankerbucht bei Ærøskøbing – Marstal

Die Nacht war sehr ruhig und der Wind hat auf Ost gedreht. Marstal ist für uns, so wie schon häufiger, der Absprunghafen, hinüber nach Deutschland in die Schlei. Der Hafen ist natürlich auch gut gefüllt. Dass wir hier noch einen schönen Liegeplatz bekommen, ist der Tatsache geschuldet, dass wir bereits gegen Mittag eintreffen. Es ist der Zeitpunkt, wo viele Segler ablegen oder gerade abgelegt haben. Der Tag vergeht mit Baden und „Chillen“. Abends grillen wir. Nicole und ich bekommen dann später eine kleine Auszeit. Die beiden Großen kümmern sich um den Kleinsten und wir besuchen unsere Vereinskameraden Ebbe und Manfred. Wir freuen uns sehr, die Beiden zu sehen und verbringen einen gemütlichen Abend mit den erfahrenen Seglern.

25.07.2019, Marstal – Schleimünde – Ankerplatz gegenüber Maasholm – Ankerbucht „Wormshöfter Noor“

Wir legen gegen 8 Uhr ab. Der Rest der Crew liegt noch in den Kojen. Der Wind weht günstig aus Süd-Ost, so dass wir bis Schleimünde segeln können. Wir machen an dem innersten Steg, längsseits fest. Wir wollen heute Abend, zur Feier des Tages, in die „Giftbude“ einkehren. Durch die vielen Ankernächte, gibt unser Urlaubsbudget solch einen Luxus her. Doch leider können bzw. wollen wir dann nicht bleiben, denn dieser Liegeplatz ist nicht frei und die andern Liegeplätze sagen uns gar nicht zu, da bei dem derzeitigen Süd-Ost-Wind ein beachtlicher Schwell in den Hafen läuft. Wir legen wieder ab und legen uns, gegenüber von Maasholm vor Anker, um dort zu Baden. Das Badevergnügen ist allerdings eingeschränkt, da auch hier Feuerquallen zu sichten sind. Nur unter Aufsicht steigen
unsere Kinder in das sedimenthaltige Wasser. Zum Abend hin verholen wir uns in das gegenüberliegende „Wormshöfter Noor“. Hier ist bereits ein beachtliches Ankerfeld entstanden. Wie es so unsere Art ist, legen wir uns ganz vorne, sehr nahe zum Ufer, vor Anker. Gerade als wir das Eisen eingefahren haben und uns für den Landgang rüsten wollen, winkt uns Bernd von Land aus zu – was für ein Zufall! Wir besuchen ihn und seine Frau nach dem Abendessen auf ihrem Schiff im Hafen von Maasholm. Es wird sehr lustig an Bord; im Grunde werden wir richtig albern - so denken jedenfalls unsere Kinder, aber ich habe beobachtet, dass sie manchmal mitgelacht haben!

Das Abendessen ist wirklich ein „Highlight“, daher gehe noch einmal kurz darauf ein: Wir kehren in das direkt am Ufer zum „Wormshöfter Noor“ gelegene Restaurant und Hotel „Am Schleieck“ ein. Wir bekommen einen Platz auf der Terrasse und haben eine traumhafte Sicht auf das Noor sowie auf unsere „Hanna“. Der Wind hat inzwischen ordentlich zugenommen. Trotzdem brauchen wir Schatten, denn die Sonne brennt uns auf die Köpfe. Wir klappen den am Tisch stehenden Sonnenschirm entgegen aller Vernunft auf. Natürlich droht der Schirm schon nach kurzer Zeit umzukippen. Nicole hält den Schirm eine Weile mit der Hand fest. Dann haben wir die Schnauze voll und binden mit einer eigens dafür, von unserer mittleren Tochter von Bord geholten Leine, an unseren Stühlen fest. Wir ernten fragende Blicke von anderen Besuchern. Das Essen schmeckt uns Allen ausgezeichnet und auch die Preise finden wir in Ordnung – das machen wir bestimmt wieder!

26.07.2019, Ankerbucht „Wormshöfter Noor“ – Kappeln – Ankerplatz „Buke-Noor“

Am frühen Vormittag lichten wir den Anker und segeln nur mit ausgerollter Fock nach Kappeln, wo wir uns in eine freie Box legen. Unsere Segelfreunde kommen später nach. Wir versorgen uns mit Lebensmitteln, um für die letzte Ankernacht in unserem Urlaub gewappnet zu sein. Ich komme mit unserem Liegeplatznachbarn an Steuerbord ins Gespräch. Er ist ein dänischer Kaufmann und sucht ein Zertifizierungsunternehmen für ein von ihm entwickeltes Produkt für den Bereich Haustechnik – sehr interessant. Ich versichere ihm, dass ich mich diesbezüglich mit meinem Arbeitgeber in Verbindung setze.

Wir wollen dann um 14:45 die Klappbrücke bei Kappeln nehmen. Wir sind spät dran und legen Hals über Kopf um 14:40 ab. Auf beiden Seiten der Klappbrücke kreuzen viele Segler und auch Motorboote in Erwartung der Brückenöffnung auf und ab. Es ist kaum Platz, um aus der Box zu kommen. Als wir uns gerade in die Warteschlange eingereiht haben, fällt mir ein, dass ich dem Dänen meine Visitenkarte zukommen lassen wollte, nachdem er mir seine gegeben hatte. Ich bitte Nicole, noch einmal umzukehren, damit ich die Karte noch irgendwie im Vorbeifahren übergeben kann. Während sich die Brücke bereits öffnet, steuert Nicole unser Schiff in die entgegengesetzte Richtung, um sich ganz am Ende der sich auf die geöffnete Klappbrücke zufahrenden Boote einzureihen. Ich haste unter Deck, um eine Visitenkarte aus meinem Portemonnaie zu holen. Diese lege ich in einen Müllbeutel, den ich aufpuste und oben zubinde und oben an Deck, an unserem Bootshaken befestige. Als wir uns dem Dänen auf seinem Segelboot nähern, versuche ich bei kleiner Fahrt, den Beutel zu übergeben. Leider sind sowohl meine Arme als auch der Bootshaken in Summe zu kurz. Geistesgegenwärtig kommt mir eine nette Dame auf einem stattlichen Motorboot, das zwei Plätze weiter, an unserer Backbordseite gelegen hatte, zur Hilfe. Sie stellt sich auf die hydraulisch betätigte Badeplattform ihrer Luxusjacht und schafft es tatsächlich, den Beutel mit der Visitenkarte vom Haken zu nehmen – wirklich toller Einsatz! Selbstverständlich boten wir mit dieser Aktion allerfeinstes Hafenkino, nicht nur für die vielen Freizeitskipper auf ihren Schiffen, sondern auch für die Menschenmassen an Land, die in Kappeln auf Uferpromenade entlangflanierten.

Hinter der Klappbrücke rollen wir dann die Fock aus und segeln ohne Maschine - anfangs hoch am Wind, später mit achterlichem Wind - die Schlei hinauf und unseren Bekannten hinterher. Im „Buke Noor“, mit Sicht auf die Lindaunisbrücke, legen wir uns mit unseren Segelfreunden im Päckchen vor Anker. Die Schlei hat hier 24 °C und wir springen erst einmal Alle ins Wasser – herrlich, wir haben richtig Spaß, die Kinder freuen sich riesig und das Alles ohne Feuerquallen!

Als wir abends an Bord zusammen grillen, werden wir auf einen unfassbaren und merkwürdig klingenden Lärm aufmerksam. Dieser kommt von einem der angrenzenden Felder. Wir vermuten zunächst einen Mähdrescher, der sich, noch nicht sichtbar, hinter dem Hügel, dem Ufer und uns nähert. Aber ehrlich gesagt, das Geräusch war einfach zu brachial für einen einfachen Mähdrescher! Als der Lärm immer lauter wird, tritt ein außergewöhnliches Gerät am oberen Punkt des Hügels in Erscheinung: Es handelt sich um einen Trecker, der irgendwie seitlich, ein furchteinflößendes Häckselwerk mit einem Durchmesser von bestimmt 4 Metern montiert hat und damit an dem das Feld säumenden Knick entlangfährt. Auf dem Führerhaus ist eine große, mit Überstand versehene Metallplatte montiert. Dieses furchterregende Häckselwerk besteht aus irgendwelchen überdimensionalen Klingen oder Ketten, die bei dieser beeindruckenden Rotationsgeschwindigkeit ohne Weiteres in der Lage sind, armdicke Äste zu durchschlagen. Diese werden dann `zig Meter in die Luft geschleudert. Auf diese Weise wird der mit vielen und hohen Bäumen bewachsene Knick, der eine Länge von einigen hundert Metern aufweist, innerhalb weniger Minuten zurechtgestutzt. Staunend und ungläubig beobachten wir das Geschehen. Wir denken an Tiere oder auch Menschen, die in der Nähe dieses mörderischen Gerätes geraten. Kann so eine Vorrichtung mit frei rotierenden Klingen oder Ketten in diesen Dimensionen und ohne jegliche Schutzeinrichtungen zulässig sein? Ich bin mir sicher, dass das Teil nicht gerade im Baumarkt zu bekommen ist, sondern ein Eigenbau sein muss – unfassbar!

27.07.2019, Ankerplatz „Buke-Noor“ – Fahrdorf

Heute ist der schlimmste Tag des Urlaubs: Es ist der Letzte! Bringen wir es zu Ende!

Gegen halb neun lichten wir den Anker und segeln nur mit ausgerollter Fock bei mit Böen 7 Beaufort nach Fahrdorf.

Ein unglaublich schöner und ereignisreicher Urlaub geht zu Ende. Dieses Jahr haben wir sehr viel schöne Ankernächte verbracht und auch das erste Mal drei Nächte mit allen unseren Kindern. Dass das, auf so engem Raum so harmonisch funktioniert, ist nicht selbstverständlich – wir wissen es zu schätzen, unsere Kinder können echte Goldschätze sein!

 








Sommerurlaub 2019 – Reparatur unserer Winsch an Backbord

23.06.2019, Ankerbucht bei Ærøskøbing

Wir sind in der wunderschönen Bucht, östlich von Ærøskøbing und ich habe etwas Zeit, um mich um unsere defekte, backbordseitige Winsch zu kümmern. Diese war bereits kurz nach dem Start unseres Urlaubes kaputt gegangen. Das Problem: Die Winsch rastet bei Betätigung mit der Kurbel nicht mehr ein, so dass die Winsch nach dem Dichtholen der Schot mit der Kurbel schlagartig zurückdreht und diese zu einer Art „Häcksler“ im Großformat werden lässt. Ich bin überzeugt, dass bei der Rotationsgeschwindigkeit der Kurbel durchaus ein Arm gebrochen werden kann.

Die Ursache für den Defekt ist soweit klar: Aufgrund von „Bauteilermüdung“, infolge vieler Lastwechsel, sind die dünnen Federbeinchen der beiden Sperrklinken gebrochen. Somit kann die Sperrlinke nicht mehr in das sog. Sperrrad einrasten und die Winsch zum Stoppen bringen.

Wir hatten schon mehrere Versuche unternommen, diese speziellen Federn zu beschaffen. Sie sind Bestandteil eines Service-Kits, zu einem Preis von ca. 38 EUR – ein Unding, nützt aber nichts. Bei jedem Stop in einem Hafen hatten wir versucht, dieses Service-Kit für unsere Andersen Winsch ST 40 zu bekommen; leider ohne Erfolg. Bei unserem Aufenthalt in Kopenhagen hatten wir aber endlich Glück: In einem Maritim Shop haben wir die Ersatzfedern bekommen, und das sogar als Einzelstücke! Der sehr nette und hilfsbereite Inhaber des Maritim Shops kam auf die Idee zu prüfen, ob die Federn auch von „Harken“ passen könnten – und so war es dann. Wir haben die Federn dann als Einzelstücke für einen Preis von 20 Dänischen Kronen/Stück bekommen. Wir haben gleich 5 Stück gekauft.

Der Tausch dieser Federn ist ganz einfach: Man löst die drei oberen Inbusschrauben, nimmt die Platte und den Bügel für das Einfädeln der Schot herunter und zieht dann das Innenleben der Winsch, in dem die Sperrklinken integriert sind, nach oben heraus. Die defekten Federn sitzen dann an den unteren beiden Sperrklinken. Mit den neuen Federn baut man dann das Ganze wieder zusammen – ziemlich einfach!

 

 

 

 

Sommerurlaub 2019 – Verstärkung unserer Crew

 

18.07.2019, Skanör (Hafentag)

Es ist nicht das Schlechteste, mal einen Hafentag einzulegen. Wir verbringen einen Tag mit lauter schönen Aktivitäten, wie Essen, Trinken, Reden, Baden, am Strand sein. Wir haben den schönsten Platz des Hafens observiert, natürlich immer mit einem etwas schlechten Gewissen. Aber dieser Ort zeichnet sich einfach durch seine unfassbar geniale Lage aus. Direkt an der Hafeneinfahrt haben wir eine Sitzgarnitur auf einem Art Podest platziert. Von hier haben wir eine sagenhafte Aussicht auf Alles: Auf den Hafen, auf den Öresund auf den Strand, abends mit stimmungsvollem Sonnenuntergang und das Ganze mit lieben Freunden – viel mehr braucht der Mensch wohl nicht!

19.07.2019, Skanör – Ankern im Bøgestrøm

Am nächsten Morgen hilft es Nichts, wir müssen unsere Nachbarn wecken. Sie hatten sich gestern noch mit ihrer Moody 41 Classic neben uns gelegt und waren am frühen Abend unter Deck verschwunden. Wir hatten schon geglaubt, dass sie früh schlafen gegangen waren, um heute früh zu starten. Dem war aber leider nicht so. Gegen halb neuen legen wir dann ab und segeln mit einem Am-Wind-Kurs hinüber in den Bøgestrøm. Dort legen wir uns dann vor Anker. Später kommt eine etwas größere Yacht dem Fahrwasser folgend und biegt dann auf unserer Höhe in unsere Richtung ab. Das ist keine gute Idee, denn hier ist es viel zu flach ( um die 2 m). Es dauert dann auch nicht lange und wir beobachten, wie der Skipper eine abrupte Kursänderung vornimmt und weiter dem betonnten Fahrwasser folgt.

Es ist sehr schön hier, wir können sogar baden, das Wasser hat 19 °C. Es wird eine ruhige Nacht.

20.07.2019, Bøgestrøm – Guldborg

Erst gegen halb elf lichten wir den Anker und motoren den Bøgestrøm weiter entlang bis zum Smalandsfarvandet. Dort biegen wir dann ab Richtung Guldborgsund. Vor Guldborg machen wir uns nördlich der Klappbrücke an einer Mooringboje fest. Es ist sehr schön warm und wir können ausgiebig baden. Ich nutze die Gelegenheit und inspiziere das Unterwasseschiff. Dieses Jahr haben wir weder Pocken oder Muscheln dran, sondern richtig grünes Gras, dass gerade an der hinteren Kante des Ruderblattes richtig lang gewachsen ist. Mit der Taucherbrille ausgerüstet, beseitige ich das Gröbste. Abends wird es schwül und auf dem Wetterradar ist zu sehen, wie eine mächtige Gewitterfront auf uns zu kommt. Ich bin ehrlich: Ich mag es einfach nicht! Nicole ist da deutlich entspannter. Aber sie kommt mir entgegen und wir verholen uns in den Hafen von Guldborg. Ein wirklich sehr netter, kleiner Hafen.
Allerdings sind die Boxengassen nicht viel breiter als unser Schiff lang ist. Der Wind hat enorm aufgefrischt. Nicole lenkt unsere Hanna Richtung Hafenmündung, während ich die letzte Heckleine vorbereite, fliegt die verdammte Taucherbrille, die ich vorhin auf das Achterdeck gelegt hatte, im hohen Bogen über Bord – unglaublich!

Das Anlegen ist bei den Bedingungen wirklich nicht einfach, aber Nicole lenkt unseren schwerfälligen Langkieler sicher in die Box, Respekt! Es dauert dann auch gar nicht so lange, und eine schwarze Wand mit einer Wolkenwalz voran nähert sich uns. Das Ganze sieht recht bedrohlich aus. Im Hafen rüstet man sich gegen Wind und Regen. Auch wir machen alle Klüsen dicht. Ich fühle mich bestätigt, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, hier in den Hafen zu fahren. Oft genug waren derartige Manöver umsonst; jedes Mal auf mein Verlangen hin. Als die Wand immer näher kommt und immer bedrohlichere Formen annimmt, gibt es einen Zeitpunkt, wo sich das Ganze in Wohlgefallen auflöst. Nichts als Regen und noch nicht einmal starker Wind waren die Begleiterscheinungen dieses Wetterphänomens. Ich war also wieder einmal der Blödmann (aber ich bin es gerne!)!

21.07.2019, Guldborg (Hafentag)

Heute legen wir wieder einen Hafentag ein, denn heute Abend bekommt Piet endlich seine beiden Schwestern wieder, er kann es kaum abwarten. Der Tag vergeht auch irgendwie wie im Fluge, obwohl wir eigentlich gar nicht so viel unternehmen. Die einzige größere Aktion ist, zum Brugsen zu gehen, der auch heute am Sonntag geöffnet hat - großartig.

Gegen 18 Uhr sind wir dann wieder komplett, also zu fünft an Bord.

22.07.2019, Guldborg – Lundeborg

Wir müssen zusehen, dass wir langsam Richtung Osten/Süden kommen. Für heute haben wir einen längeren Schlag geplant. Wir wollen nach Lundeborg kommen. Das sind gut 40 Seemeilen. Leider ist das Ganze ziemlich gegenan und es entwickeln sich gute 6 Beaufort (bis 12 m/s) und dazu kommt dann Regen. Von Guldborg kommend, entsteht ab der Insel Vejrø eine beachtliche Welle. Wir stampfen uns einwenig fest, bedeutet wir fahren bei 2.300 U/min teilweise unter 5 Knoten. Erst als wir die Untiefe bei Omø Staalgrund hinter uns haben, können wir etwas abfallen und die Fock ausrollen – und schon laufen wir teilweise 7 Knoten. Bei schüttendem Regen erreichen wir schließlich Lundeborg, wo wir uns dann ins Päckchen legen.




Sommerurlaub 2019 – Spannende Ziele!

14.07.2019, Gilleleje – Flakfortet

Bevor wir morgens in Gilleleje losfahren, tanken wir ersteinmal. Die nächsten Tage werden wir auch wieder viel motoren müssen.

Im Öresund wird es dann ziemlich schaukelig. Ständig kommen Wellen von Motorbooten oder Berufsschifffahrt. Das ist ziemlich nervig, da die Wellen immer seitlich eintreffen und unser Schiff ordentlich ins Schaukeln kommt. Direkt südlich des Schlosses Kronborg (bei Helsingør) liegt ein hochfrequentierter Fährhafen. Wir müssen zwei Mal abdrehen, um den Fähren auszuweichen. Wir nehmen Kurs auf die künstlich erstellte Insel Flakfortet, eine Bastion der Dänen gegen die Schweden, die noch bis Ende der 60er-Jahre in Betrieb war. Hier waren bis zu 550 Mann stationiert – wirklich erstaunlich.   Heute kann der Hafen von Sportschiffen angelaufen werden. Es gibt auch ein Restaurant und einen kleinen Einkaufsladen mit den notwendigsten Sachen. Wir machen an der Außenmole fest. Dort gibt es kein Strom – brauchen wir auch nicht, denn unsere Batterien sind durch die Motorfahrten vollgeladen.

Die Militäranlagen sind für Kinder nicht ganz ungefährlich. Es gibt unzählige „Gelegenheiten“ abzustürzen oder herunterzufallen – Sicherungen sind so gut wie nicht vorhanden, die Holztreppen sind meistens baufällig. Trotzdem ist es ein spannender Ort. Von den recht hoch aufgeschütteten Hügeln, in denen die Fundamente für die Geschütze eingebettet sind, hat man eine sagenhafte Aussicht auf den Öresund und die Skyline von Kopenhagen – wirklich lohnenswert, insbesondere bei gutem Wetter und Abendstimmung!

15.07.2019, Flakfortet – Kopenhagen (Christianshavn)

Heute geht es nach Kopenhagen. Da haben wir uns schon drauf gefreut! Wir legen dieses Mal im Hafen „Christianshavn“ an. Wir müssen nur wenige Minuten vor der Fußgänger-bzw. Fahrradbrücke warten. Wir haben Glück und finden einen schönen Platz in einer der Boxen von Christianshavn. An den ständigen Schiffsverkehr durch vorbeifahrende Ausflugsbarkassen und Leihboote muss man sich etwas gewöhnen. Nachts hingegen, liegt man hier sehr ruhig. Die Sanitäreinrichtungen allerdings, sind eine Sache für sich: Als ich mich auf den Weg zu den Duschen mache, kommt mir ein Segler aus Deutschland mit seiner Kulturtasche unterm Arm entgegen. Sein Urteil über den Zustand der Anlagen fällt vernichtend aus: „Das ist eine Zumutung!“. Er hat erst gar nicht versucht, zu Duschen sondern hat das Manöver nach Betreten der Sanitäranlagen direkt abgebrochen. Ich denke mir, so schlimm kann es gar nicht sein – war es dann auch nicht, sondern noch schlimmer! Ich überwinde meinen Ekel beim Öffnen der Tür und betrete den kleinen und unsauberen Vorraum. Ich öffne eine der beiden „Duschzellen“: Total klein und eng, keine Fenster, ekliger Duschvorhang, Geruch nach Kloake. Ich gebe mir einen Ruck und betrete diesen Ort des Grauens. Das Licht geht automatisch an. Zu meiner Verwunderung kommt warmes Wasser aus der Brause, ohne dass ich den Automaten mit Münzen gefüttert hätte. Während ich mir das warme Wasser über die Schultern laufen lasse und dabei versuche zu entspannen, bemerke ich, dass es offensichtlich ein Problem mit dem Abfluss gibt. Das Wasser läuft nicht langsam ab, sondern gar nicht! Mein Blick geht am Duschvorhang vorbei, Richtung Türschwelle. Ich versuche anhand der Grundfläche des Duschraumes abzuschätzen, wie lange ich das Wasser laufen lassen könnte, bis es überläuft. Viel mehr als 5 Minuten sind es wohl nicht. Ich fange an, mich zu beeilen. Doch leider habe ich sogleich die nächste Hürde zu meistern: Das Licht geht unverrichteter Ding aus und ätzenderweise auch nicht wieder an. Es ist stockdunkel in dem beengten Raum. Ich taste mich zur Tür vor, in der Hoffnung, dass mit dem Restlicht aus dem Vorraum der Bewegungssensor das Licht wieder zum Leuchten bringen würde – hat es aber leider nicht. Weder in der Duschzelle noch im Vorraum lässt sich der Bewegungssensor auslösen. Ich kann von Glück reden, dass in diesem Moment keiner die Sanitäranlage betritt. Ich gehe zurück unter die Dusche, wo das Wasser fast bis zum Knöchelansatz reicht und spüle bei geöffneter Tür noch schnell die Seife ab. Abtrocknen und Anziehen bewältige ich schließlich balancierend auf der Türschwelle – der sauberste und trockenste Ort der Anlage.

Nach der Aktion weiß ich nicht so recht, wie sauber ich mich wirklich fühle, aber ich habe es geschafft.

Nachmittag erkunden wir dann das wunderschöne Kopenhagen, zunächst fußläufig im Umfeld von Nyhavn sowie der bekannten Einkaufsstraße „Strøget“. Wir treffen völlig unerwartet die Tante unserer beiden Mädchen. Wir verbringen mit ihr und ihrem Mann einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

16.07.2019, Kopenhagen (Hafentag)

Wir legen den ersten Hafentag unseres Urlaubes ein. Wir haben uns ein sogenanntes „Family Bike“ für den ganzen Tag geliehen (700 DKK). Dieses Gefährt wird nur mit Muskelkraft betrieben und gleicht einer Rikscha. Ich gebe mir die Ehre und erlaube mir, meine Frau und unseren Sohn den ganzen Tag durch Kopenhagen zu fahren. Wir bekommen wirklich viel zu sehen: Den Ortsteil „Frederiksberg“, die Brauerei „Carlsberg“ (oder, was davon noch übrig ist, denn die Brauerei hat seine Produktionsstätte nach Jütland verlegt), die Mall „Fisketorv“, und „Herllerup Strand“ zum Baden – wirklich schön. Abends bin ich durstig und hungrig. Wir verzichten aufs Kochen und gehen zum sog. „Foodmarked“ und essen Pizza.

17.07.2019, Kopenhagen – Skanör

Mal wieder ein Tag ohne Wind, also ein Tag unter Motor. Wir erreichen gegen 12:30 den schwedischen Hafen „Skanör“, südöstlich von Kopenhagen. Dort treffen wir unsere Freunde mit ihrer X-382. Auch Piet freut sich auf seine Spielkameradin. Natürlich gehen wir sofort nach dem Festmachen baden. Wirklich ein toller Strand – allerdings sehr gut besucht. Der Hafen wird noch richtig voll, denn auch die Schweden haben Ferien. Abends sitzen wir zusammen auf der Außenmole mit phantastischem Blick auf den Öresund; dabei grillen wir – unfassbar schön!



Sommerurlaub 2019- Planänderung, die richtige Entscheidung!

11.07.2019, Kerteminde - Sejerö

Unser ursprünglicher Plan war, die Insel Samsö anzulaufen. Das Wetter soll jedoch laut Vorhersage für die nächsten Tage nicht so berauschend werden. Genauer gesagt, es gibt eine Wettergrenze in Nord-Süd-Richtung, wobei auf Fynen schlechtes Wetter und westlich davon gutes Wetter sein soll. Unser Ansinnen besteht darin, dem schlechten Wetter Richtung Osten wegzufahren. Das gelingt uns auch tatsächlich. Wir motoren fünf Stunden auf nord-östlichem Kurs und erreichen gegen 14 Uhr den Hafen auf der Insel Sejerö. Hier scheint die Sonne und es ist den ersten Tag unserer Sommerreise richtig warm! Wir werden auch die nächsten Tage weiter Kurs Richtung Osten nehmen und versuchen, bis nach Kopenhagen und dann weiter Richtung Süden zu kommen.

Uns gefällt der Hafen von Sejerö sehr gut. Die Außenmole wurde neu gemacht. Sie gleicht einem Bollwerk, das gegen das Aufbegehren des Kattegatts errichtet wurde. Seeseitig sind Kollosse von Granitblöcken meterhoch aufgetürmt. Auf der Hafenseite wurde eine Kaimauer mit ganz glattem Beton, in zwei Ebenen gegossen – wirklich schön gemacht. Der Hafen ist gleichzeitig Fährhafen, Fischereihafen und Hafen für Freizeitboote. Es gibt kleine, beschauliche Gebäude, u. a. mit einem Cafe und einem kleinen Eisalden. Der an den Hafen in nordwestlicher Richtung angrenzende Strand ist zwar etwas steinig, aber trotzdem sehr schön zum Baden. Von dem mit Dünengras bewachsenen, kleinen Steilufer aus, hat man einen wunderschönen Blick auf den Hafen und auf das Kattegat. Es gibt in der Ortsmitte von Sejerö einen Dagli Brugsen, der täglich geöffnet ist. Es liegt etwa 15 Gehminuten vom Hafen entfernt.

Im Laufe des Nachmittages und Abends kommen noch einige Segler hereingefahren. Wir bekommen dann schließlich schwedische Nachbarlieger.

12.07.2019, Sejerö – Ankerbucht bei Rörvig

Wir müssen unsere Nachbarn wecken, denn wir haben heute noch etwas Strecke zu meistern. Gegen viertelnachacht legen wir dann ab und nehmen Kurs auf die nordwestlichste Landspitze von Seeland um dann Kurs auf die Einmündung des Isefords zu nehmen. Beim Durchfahren des Sjaellands Rev muß man sehr aufmerksam sein, da es hier so einige Untiefen zu umschiffen gibt. Besser, man hält sich an die Betonnung. Auf der nordöstlich Seite der Spitz von Sjaellends Odde sehen wir eine Yacht, hoch oben auf dem steinigen Ufer liegen – ein sehr beängstigender und trauriger Anblick! Vermutlich ist der Segler bei einem der Schwerwetter in Seenit geraten.

Gegen 14 Uhr erreichen wir dann die traumhafte Bucht, östlich des Hafens von Rörvig. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die die Idee haben, hier zu ankern. Die Bucht gleicht einer Lagune mit einem kleinen aber sehr schönen Sandstrand. Es ist herrlich warm und selbst das Wasser hat hier 20°C im Gegensatz zu 16,3 °C bei Kerteminde! Abends fahren wir mit dem Schlauchboot in den Hafen von Rörvig. Dieser ist wirklich einen Ausflug wert. Hier tobt das Leben. Tolle Cafes bzw. Restaurants und Kioske. Der Hafen hat einfach Charme.

13.07.2019, Ankerbucht bei Rörvig – Gilleleje

Heute steht die nächste Etappe unter Motor an. Unser Ziel ist Gilleleje. Wir sind knapp 4 Stunden unterwegs und erreichen den Hafen gegen 12:30 Uhr. Es ist ein sehr schöner Hafen und natürlich ist er gut belegt. Wir haben Glück und ein Deutscher Segler weist uns auf einen freien Platz hin.

Auch in Gilleleje tobt das Leben. Im Zentrum des Hafens liegt eine Werft, die gut zu tun zu haben scheint. Hier ist auch ein alter "Tux Ham", Baujahr 1933 ausgestellt. Das tolle dabei ist, dass er sogar in Betrieb ist Es gibt außerdem mehrere Restaurants, Kioske und Cafes mit besonderem Charme. Die Menschen sitzen draußen oder auf ihren Booten und lassen es sich gut gehen. Bereits um die Mittagszeit ist auch ein Glas Weißwein üblich oder Bier üblich. Dazu lauscht man den Klängen einer Lifeband – so geht Urlaub!

Wir zählen alleine drei Fischgeschäfte. Natürlich gibt es auch Einkaufsmöglichkeiten wie z. B. „Rema“ oder „Irma“ (dänische Supermarktketten). Westlich des Hafens liegt ein toller Strand, an dem wir uns einige Zeit zum Baden aufhalten. Einer der großen Vorzüge von Nordseeland ist die Ausrichtung des Ufer in nordöstlicher Richtung. Man kann von der Steilküste aus traumhafte Sonnenuntergänge erleben. Abends fahren wir mit unserem Schlauchboot vor die Hafeneinfahrt und schauen uns die abtauchende Sonne an.

 



Sommerurlaub 2019 – Wind genug!

06.07.2019, Lyø – Ankerplatz gegenüber von Faaborg

   Wir haben eine ruhige Nacht vor Anker in der schönen Ankerbucht von Lyø verbracht. Für heute ist auch wieder viel Wind angesagt, 6 – 7 später sogar 8 Beaufort. Ideal zum Surfen. Ich bin heilfroh, mein Equipment mitgenommen zu haben. Im Laufe des Vormittages nimmt der Wind dann auch deutlich zu. Gegen Mittag baue ich hochmotiviert mein Rigg vorne auf dem Vorschiff auf – gar nicht einfach bei dem Hack, aber es geht. Jeweils mit Leinen gesichert, werfe ich das Rigg und anschließend das Surfboard ins Wasser, um beides vom Schlauchboot
aus mit dem Mastfuss zu verbinden. Ich kann mein Glück kaum fassen, dass ich mal genug Wind zum Surfen habe! Natürlich habe ich aus Gewichtsgründen nur das „kleine Besteck“ dabei.

Am späten Nachmittag dann wollen wir uns dann schließlich an ein etwas ruhigeres Plätzchen verholen. Der Wind heult in unserem Rigg; bei dem Lärm kann man nicht schlafen. Wir binden uns dann einfach von der Mooringboje los und lassen uns fallen.

Wir laufen erstaunlicherweise 4,3 Knoten vor Top und Takel! Wir rollen dann aber noch die Fock etwas aus fahren dann teilweise über 7 Knoten. Die Wellen werden immer größer und erreichen eine Größe, die nahe dabei sind, von hinten einzusteigen. Südlich non Bjoernoe schwenken wir in den Faaborg Fjord ein und legen uns südwestlich von Faaborg vor Anker. Die Nacht wird etwas unruhig, da wir Schwell von der Seite bekommen und ziemlich durchgeschaukelt werden.

07.07.2019, Ankerplatz gegenüber von Faaborg - Svendborg

Nur mit der ausgerollten Fock werden wir bis in die Einmündung des Svendborgsunds geweht. Wir setzen dann noch dass Groß und segeln bis vor die Einfahrt in den Hafen von Svendborg. Hier bleiben wir eine Nacht.

08.08.2019, Svendborg – Ankerplatz südlich von Elsehoved

Vormittags versuchen wir eine neue 5 kg-Gasflasche im Tausch zu bekommen - leider vergebens, denn in Dänemark gibt es nicht diese grau-grünen Gasflaschen, so wie in Deutschland. Eine Chance haben wir vielleicht auf einem Campingplatz. Mal sehen, ob wir zu einem in den nächsten Tagen gelangen.

Wir liegen in Svendborg an einem Steg ganz außen längsseits, so dass wir das Groß hochziehen und die Fock ausrollen. Dann binden wir unsere Hanna los und segeln durch den Svendborgsund in den Großen Belt. Dort legen wir uns südlich von der Landspitze Elveshoved vor Anker. Wir haben einen tollen Blick auf den Großen Belt und können die vorbeiziehenden Schiffe beobachten. Am späteren Abend kommt noch ein Segelboot unter schwedischer Flagge und legt sich hier ebenfalls vor Anker.

09.07.2019, Ankerplatz südlich von Elsehoved – Kerteminde – Ankern nordöstlich von Kerteminde

Gegen 10 Uhr hieven unseren Anker an Deck und segeln bei frischem Wind bis zur Storebeltbrog. Ab dort, wirklich genau hinter der Brücke, kommt der Wind genau von vorne und außerdem steht hier eine Welle von knapp einem Meter. Wir wollen ankommen; daher starten wir den Motor und bergen die Segel.

In Kerteminde legen wir im alten Hafen an und bemühen uns noch einmal um Gas, sowie um ein Service Kit für unsere defekte Winsch. Die Feder von der Sperrklinke ist wahrscheinlich gebrochen; das kennen wir schon von der anderen Winsch. Leider haben wir auch in Kerteminde keinen Erfolg. Wir legen wieder ab und hängen uns nordöstlich von Kerteminde an unseren Haken.

10.07.2019, Ankern nordöstlich von Kerteminde – Kerteminde

Unser Plan für heute ist eigentlich nach Samsö zu kommen. Daher holen wir gegen halb neun unseren Anker hoch und segeln aus der Bucht von Kerteminde raus und biegen dann ab Richtung Norden. Entgegen den von WetterOnline vorhergesagten 3 Beaufort haben wir in Böen gut 5 Beaufort aus Nordwest und eine steile Welle von vorne. Wir segeln eine Weile hart am Wind und kommen mit meistens über 6 Knoten Fahrt gut voran. Allerdings ist der Wellengang nicht zumutbar für unseren Jüngsten – jedenfalls nicht für ein Dauer von 3 Stunden. Schweren Herzens entschließen wir uns, unsere hart erkämpfte Höhe aufzugeben und umzudrehen. Wir segeln zurück nach Kerteminde und legen uns ein Stück nördlich des Badebereiches vor Anker. Erst am frühen Abend machen wir im alten Hafen von Kerteminde längsseits im Päckchen fest.









 

Sommerurlaub 2019 – Aller Anfang ist schwer!

Ein ungewöhnliches Motiv für das Titelbild eines Segelblogs. Aber so war es nun einmal! Wir sind endlich in unseren lang ersehnten Sommerurlaub gestartet. Der Start verläuft jedoch völlig anders als erwartet! Statt auf unserer Hanna zu sein, wettern wir die Starkwindperiode, die laut Vorhersage bis Mitte nächster Woche anhalten soll, auf dem Campingplatz "Drejby StrandCamping" ab. Ein wirklich schön gelegener Campingplatz an der östlichen Spitze von Kegnaes. Wir stehen hier in der ersten Reihe, ganz nahe an der Steilküste und mit überragendem Blick auf die Ostsee – genau dorthin, wo wir möglichst bald mit unserer Hanna von Marina Minde aus kommend, in die Dänische Südsee segeln wollen. Das bleibt jedoch erst einmal ein Traum, denn der Wind ist einfach zu stark.

Wir lernen jedoch bei der Aktion noch etwas anderes: Segeln ist wirklich günstig! Beim Einchecken auf den Campingplatz bezahlen wir für einen VW-Bus mit zwei Erwachsenen und einem Kind 60 EURO pro Tag/Nacht, inklusive ist Strom, WLAN und Duschen kostet extra – das ist wirklich viel Geld!

05.07.2019, Marina Minde - Ankerbucht bei Lyø

Nach zwei Übernachtungen im Bulli sagt der Wetterbericht für Freitag völlig überraschend „nur“ 6 Beaufort vorher. Wir wittern unsere Chance, in die Dänische Südsee zu kommen. Wir packen frühmorgens unsere sieben Sachen und verlassen fluchtartig den Campingplatz mit Ziel Marina Minde. In Sonderburg kaufen wir noch schnell ein paar Lebensmittel ein.

Wir entleeren den Bulli und laden unser Schiff voll, einschließlich Surfsachen, die ich fast rundum an die Seereling binde. Mit „wehenden Fahnen“ verlassen wir unseren Liegeplatz. Wir setzen sofort die Segel mit Kurs Lyø. Von dort aus haben wir bei westlichen Winden einen guten Ausgangpunkt, um in die Dänische Südsee zu gelangen.

Auf der Flensburger Förde kommt der Wind sehr achterlich, so dass wir die Fock ausbaumen; mit im Schnitt 6 Knoten, kommen wir gut voran. Auf Höhe der süd-östlichen Spitze von Als ändern wir unseren Kurs auf fast 0° und knüppeln ordentlich Höhe – eigentlich mehr, als wir müssten. Wir versuchen möglichst weit im Schutze der Insel Als Richtung Norden zu kommen, um dann einen besseren Winkel, zur später zunehmenden Welle, zu bekommen. Außerdem wollen wir die Ankerbucht bei Lyø aus Richtung Westen anlaufen. Der Wind dreht mehr und mehr auf Nord-West und frischt dabei in Böen auf 7 Beaufort auf. Wir müssen reffen, und selbst dann ist es noch zu viel Tuch. Unsere Hanna kämpft sich durch die Wellenberge und –täler. Der Bug taucht teilweise vollkommen unter Wasser und schaufelt beim Wiederauftauchen Wassermassen nach hinten. Einfallende Böen versuchen wir mit Fieren des Großsegels abzudämpfen – fast wie beim Jollensegeln. Unser kleiner Matrose ist unter Deck. Eigentlich wollen wir genau diese Art des Schwerwettersegelns vermeiden, um unserem Jüngsten das Segel-Hobby nicht dauerhaft zu vermiesen. Jetzt hilft es aber Nichts, wir müssen da durch! Nach ein paar Seemeilen verläuft die östliche Küste der Insel Als Richtung Nord-West. Hier fallen wir, wie geplant ab, so dass die Welle seitlich eintrifft. Der Kurs ist deutlich angenehmer zu fahren. Wir beschleunigen außerdem auf 7 Knoten, das macht schonwieder Spaß, zumal jetzt auch die Sonne etwas herauskommt. Nach dem Einlaufen in die Ankerbucht von Lyø bergen wir das Groß und versuchen nur mit der Fock einen Aufschießer an einer der ausgebrachten Mooringbojen. Beim zweiten Mal klappt es.

Das war ein sehr abwechslungsreicher Tag. Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

 

 

 

 

 

 

 

 

05.07.2019,

 

Ankern und etwas mehr Segeln

28.06.2019, Marina Minde -  Ankern vor Holnis

Wieder steht ein Wochenende mit schönem Wetter bevor. Heute legen wir uns unweit von Marina Minde, vor der östlichen Seite der Halbinsel Holins, vor Anker. Es dauert nicht lange und wir bekommen erste Ankernachbarn.

Uns ist nicht nach Kochen, so dass wir ins Schlauchboot steigen und zum Strand übersetzen, um dort beim Italiener einzukehren. Dieser liegt direkt am Strand, so dass wir von der Terrasse aus einen wunderschönen Blick auf die Flensburger Förde und unser eigenes Schiff vor Anker haben.

29.06.2019, Ankerplatz vor Holnis – Qchseninseln

Erst gegen 14 Uhr lichten wir den Anker und segeln einmal um die Halbinsel Holnis herum und kreuzen die Flensburger Förde hinauf. Wir laufen die Ochseninseln an. Hier ist enorm was los! Viele Segler sind zwischen den Inseln vor Anker (u. a. auch die wunderschöne „Holnis“ von Kay und Doris von Eitzen). Hier ist allerdings kaum noch Platz für uns. Wir fahren ganz weit durch und versuchen den Anker dicht an Land festzubekommen. Das gestaltet sich nicht gerade einfach, weil wir nicht nur auf die anderen Ankerlieger aufpassen müssen, sondern auch auf die vielen Badeverrückten. Bereits nach dem Ersten Versuch brechen wir ab und legen uns hinter die östliche von beiden Ochseninseln. Später kommt die „Holnis“ längsseits und wir verbringen einen sehr kurzweiligen Abend mit Doris und Kay vor Anker.

30.06.2019, Ochseninseln – Marina Minde

Nach dem Frühstück brechen wir auf. Gegen 11 Uhr soll der Wind deutlich zunehmen. Und tatsächlich, als wir mit achterlichem Wind und ausgerollter Fock Richtung Marina Minde segeln, dreht der Wind um genau 11:40 schlagartig auf 6 Beauford auf. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig unsere Hanna festzumachen, als der Wind mit Böen bis 7 später bis 8 Beauford noch einmal zulegt.

Schnell ist das Wochenende wieder vorbei. Wir freuen uns auf unseren Sommerurlaub, nächste Woche!

 

 

Mehr Ankern als Segeln

21.06.2019, Marina Minde - Ankerbucht "Stranderød Bugt"

Nach zweiwöchiger Abstinenz, geht heute mal wieder zum Schiff. Von Marina Minde aus motoren wir in die Ankerbucht "Stranderød Bugt“. Sie ist von Marina Minde aus schnell zu erreichen. Für weitere Strecken ist es schon zu spät.

Das Ankermanöver gestaltet sich allerdings schwierig, da er in dem Grund mit Seegras einfach nicht halten will. Wir bekommen später noch weitere Nachbarn.

22.06.2019, "Stranderød Bugt" – Illerstrand – Ankern Hørup Hav

Der Wind soll heute auf West drehen. Wir liegen, wie gewöhnlich, sehr nahe am Ufer, so dass wir rechtzeitig aufbrechen. Wir machen einen Zwischenstopp bei Illerstrand und nutzen das schöne Wetter zum Baden. Außerdem lockere ich die Wantenspanner ein wenig. Wir hoffen, dass die Segel-Performance erhalten bleibt.

Am späten Mittag brechen wir dann wieder auf. Uns zieht es weiter die Förde hinaus. Wir laufen einen Ankerplatz im Hørup Hav (Hav = Meer, See) und legen uns vor die in Richtung Nord-Ost verlaufende Landzunge. Keine so ganz gut Idee, wie sich später herausstellt. Denn hier ist Strömung, so dass sich unser Schiff mit dem Heck gegen den Wind dreht. Außerdem sammeln sich hier Quallen, auch Feuerquallen.

Ein guter Freund von mir, der heute einhand mit seiner Bianca 27 unterwegs ist, kommt später längsseits. Jedoch beschließen wir, uns noch einmal wegen der Strömung zu verholen. Wir legen uns ein Stück weiter, an das nördlich Ufer von Hørup Hav. Dort liegen auch schon ein paar andere Segler. Wir schwelgen in alten Zeiten und verbringen einen sehr unterhaltsamen Abend.

23.06.2019, Hørup Hav – Marina Minde

Am nächsten Morgen frischt der Wind auf. Er kommt aus Ost und es bildet sich Wellengang. Die Bianca kommt ordentlich ins Schaukeln, so dass unser Freund frühzeitig ablegt. Wir frühstücken hingegen erst einmal und fahren dann mit dem Schlauchboot noch einmal an Land. Von hier aus kann man wunderbar baden gehen. Es gibt zwar nur einen sehr schmalen Strand, aber dafür geht es hier sehr seicht ins Wasser – keine Steine und kein Bewuchs – herrlich! Ein kleiner Bach mündet ins Hørup Hav.

An dieser Stelle führt der Gendarmenstieg ganz nahe am Ufer vorbei. Geht man diesen ein Stück westwärts, kommt man zu einer kleinen Anhöhe, auf der mehrere große Kiefern stehen und ein imposantes Erscheinungsbild abgeben. Von hier oben hat man einen traumhaften Ausblick auf das Hørup Hav und die Flensburger Förde.

Wir laufen wieder zurück zum Strand und gehen baden. Unser Jüngster ist begeistert. Wenig begeistert ist er dann allerdings, als wir wieder aufbrechen wollen. Aber es hilft nichts, wir müssen zurück.

Wir rudern zurück zum Schiff, vertäuen das Schlauchboot an Deck. Wir wollen ohne Motorunterstützung  aufbrechen. Da wir ziemlich nahe am Ufer ankern und der Wind parallel zum Ufer weht , müssen wir darauf achten,  dass in dem Moment, wo der Anker loskommt, der Bug nicht Richtung Land gerichtet ist. Wir holen die Ankerkette langsam mit der Ankerwinde ein. Das Schiff bewegt sich in Schlangenlinien auf den Anker und die von uns mit ausgebracht Ankerboje zu. Im richtigen Moment, als der Bug leicht von Land weggerichtet ist, holen wir schnell den Rest der Kette sowie den Anker ein. Wir rollen die Fock ein Stück aus und halten diese back, so dass der Bug sich weiter von Land weg bewegt. Bei diesem Manöver kommt es eindeutig auf das richtige Timing an.

Mit vollen Segeln geht es dann raumschots bis zur Einmündung der Flensburger Förde. Ab dann haben wir den Wind achterlich und wir baumen die Fock aus. Nach ca. 2,5 Stunden sind wir dann wieder in Marina Minde.

Wenn wir ehrlich sind, lagen wir dieses Wochenende mehr vor Anker, als dass wir gesegelt wären.